FemBio-Special: Nobelpreisträgerinnen

Selma Lagerlöf

schwedische Schriftstellerin; Nobelpreisträgerin (1909)

geboren am 20. November 1858 in Mårbacka (Värmland)
gestorben am 16. März 1940 in Mårbacka

150. Geburtstag am 20. November 2008


Für ihr Erstlingswerk Gösta Berling (1891) bekam sie 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur der Schwedischen Akademie, deren erstes weibliches Mitglied sie 1914 wurde. Dieser Roman und das Kinderbuch Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen (1906/1907) begründeten ihren Ruhm weit über Schweden hinaus, wurden doch ihre Werke in über 40 Sprachen übersetzt.

Selma Lagerlöf war eine geborene Geschichtenerzählerin, die mit Humor, Wohlwollen und Mitgefühl Menschen in ihrer Suche nach Lebenssinn beschreibt und sowohl Kultur als auch Natur in einer allem Sinn gebenden Schöpfung aufgehoben weiß.

Selma Lagerlöf wuchs auf dem Gutshof ihrer Eltern in Värmland auf. Dort lebten noch Wölfe und Bären in den dichten Wäldern, das Land war schwach besiedelt und die Winter waren dunkel und lang. In Lagerlöfs Familie wurde eine hohe Erzählkultur gepflegt; besonders die Erzählkunst der Großmutter, die sie früh mit Märchen, Mythen, Legenden, historischen und literarischen Ereignissen vertraut machte, beeindruckte sie tief.

Selma Lagerlöf und ihre Schwester Gerda wurden von Gouvernanten unterrichtet. Als Kind war Selma fast immer krank; einmal, nach einem Bad in der kalten Quelle, zeigten sich Lähmungserscheinungen in den Beinen. Erst nach einem Jahr konnte sie wieder laufen, doch eine Hüfte blieb steif. Ihr Hinken verbarg sie, indem sie immer sehr langsam ging. “Diese Behinderung hat mich gezwungen, stillzusitzen und in mich hineinzuschauen, und das ist der Grund, warum ich Schriftstellerin wurde.” 1881 ging Selma Lagerlöf nach Stockholm, besuchte ein Lyzeum und ließ sich in einem Lehrerinnenseminar zur Lehrerin ausbilden.

Diesen Beruf, den sie mit großem Engagement ausübte, gab sie 1897 auf und widmete sich nun ganz ihrer Arbeit als Schriftstellerin. Sie war inzwischen weltberühmt und in Schweden selbst schon fast zu einer Legende geworden, so beliebt und bewundert war ihr Werk. Mauritz Stiller verfilmte erfolgreich mit Greta Garbo den Gösta Berling, aber noch weitere 10 ihrer Bücher wurden verfilmt.

FrauenbildMit ihrer geliebten Freundin Sophie Elkan bereiste sie ungefähr fünfzehn Jahre lang fast alle europäischen Länder, Palästina und Ägypten. Im ersten Weltkrieg setzte sie sich für Flüchtlingskinder ein und rief zu karitativen Tätigkeiten auf. Aber sie war auch als Frauenrechtlerin aktiv und plädierte für das Frauenwahlrecht und für eine bessere Erziehung und bessere Arbeitsmöglichkeiten für Frauen. Zweimal lehnte sie es ab, in das schwedische Parlament als Abgeordnete gewählt zu werden. Sie lebte lieber als Schriftstellerin und Gutsherrin auf Mårbacka, das sie 1908 nach einer Versteigerung wieder zurückkaufen konnte.

Durch Selma Lagerlöfs Intervention konnten Nelly Sachs und ihre Mutter noch in letzter Minute aus Nazideutschland fliehen.

Sibylle Duda

Berendsohn, Walter Arthur. 1927. Selma Lagerlöf. Heimat und Leben. Künstlerschaft. Werke. Wirkung und Wert. München. A. Langen.

Collis, Rose. 1995. Verschleierte Portraits [=Portraits to the Wall]. Aus d. Engl. von Susanne Amrain. Göttingen. Daphne.

Jungmann, Ernst. 1958. “Selma Lagerlöf: Leben und Werk”, in: Lebendige Schule 13, S. 613 - 632. Frankfurt/M.

Klemperer, Viktor. 1911. “Selma Lagerlöf”, in: Nord und Süd 138, S. 158-69. Breslau.

Schweitzer, Sibylle. 1990. Selma Lagerlöf: Eine Bibliographie. Mit einem Essay von Gerd Wolfgang Weber. Hg. Gunilla Rising Hintz. Schriften der Universitätsbibliothek Marburg 51. Marburg. 

Fembiografie empfehlen       Druckversion

Seitenanfang

Hedwig Dohm