FemBio-Special: Berühmte Frauen berühmter Männer

Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg

(Sophie Dorothea, Kurprinzessin von Hannover, genannt Prinzessin von Ahlden; Sophie Dorothea, Gräfin von Wilhelmsburg)

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geboren am 15. September 1666 in Celle
gestorben am 13. November 1726 in Schloss Ahlden

Kurprinzessin von Hannover, genannt die Prinzessin von Ahlden
285. Todestag am 13. November 2011


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Sophie Dorothea war gerade 16 Jahre alt, als sie mit Georg Ludwig von Hannover, ihrem Vetter, verheiratet wurde. In Hannover sah man aus politischen Gründen über den dynastischen Makel ihrer illegitimen Geburt hinweg, brachte die Eheschließung doch einen finanziellen Vorteil und Machtzuwachs. Die Hochzeit, die am 2. Dezember 1682 ohne höfischen Prunk im Celler Schloss gefeiert wurde, beendete das Feilschen um Geld. Eine Zuwendung an den Schwiegervater Ernst August in Höhe von 10.000 Talern jährlich, die Überschreibung ihres gesamten Grundbesitzes und die Aussicht auf die Übernahme der Herrschaft im Fürstentum Celle überzeugten den hannoverschen Hof. Als die Kurprinzessin pflichtgemäß ein Jahr später den männlichen Erben gebar, hatte sie ihre wichtigste Aufgabe erfüllt. Ihr Gatte konnte sich nun wieder ohne Skrupel seinen Mätressen zuwenden.

Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg

Geboren wurde Sophie Dorothea am 15. September 1666 illegitim. Sie blieb das einzige Kind von Herzog Georg Wilhelm von Celle und der »Französin«, wie ihre Mutter abfällig in hannoverschen Hofkreisen hieß. Da Eleonore d’Olbreuse eine ehrgeizige Frau war, gelang es ihr, nachträglich die Ehe legalisieren zu lassen und für sich und die Tochter den Rang einer Reichsgräfin zu erwirken. Titel und Wappen einer Herzogin von Braunschweig-Lüneburg ebneten nun den Weg für eine Vermählung in ein hohes Fürstenhaus.
Sophie war eine lebensfrohe und ausnehmend hübsche junge Frau, die von ihrer Mutter im Bewußtsein ihres Standes und Wertes auf dem Heiratsmarkt erzogen worden war. Im Widerspruch dazu stand ihre romantische Vorstellung von einer Liebesverbindung.

Das Leineschloss in Hannover diente als Wohnsitz für die fürstliche Familie und ihren Hofstaat. In diesem abgeschlossenen Raum kannte und beobachtete jede jeden. Bespitzelungen, Intrigen und Liebschaften sorgten für eine brodelnde Gerüchteküche im und um das Schloss. Den paar Tausend Einwohnerinnen und Einwohnern der Residenzstadt Hannover entging nichts. Affären waren auch den Damen erlaubt, solange gewisse Spielregeln eingehalten wurden. So war es für Frauen weder schicklich, sich mit Männern unter dem eigenen Stand einzulassen, noch durfte wirkliche Liebe entstehen.
Sophie Dorothea übertrat die ungeschriebenen Gesetze, als sie während des Karnevals 1691 ein inniges Liebesverhältnis mit dem Grafen Philipp Christoph Königsmarck begann. Der schwedische Kavalier und Kriegsheld, der als Offizier am hannoverschen Hofe diente, war jung, reich, verschwenderisch und sah blendend aus.

Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg

Mehr als vier Jahre dauerte diese »affair serjos«, wie Königsmarck selbst sie nannte. Eine Zeit der intensiven Liebe zwischen der Kurprinzessin und dem rangniederen Adeligen, in der glühende, verschlüsselte Liebesbriefe gewechselt und Fluchtpläne geschmiedet wurden. Es fehlte nicht an Warnungen, bevor Königsmarck am 11. Juli 1694 bei einem Besuch im Schloss verschwand. Er wurde weder lebend wieder gesehen, noch fand man seine Leiche. Als sicher erwies sich später aber, dass er von vier Kavalieren des Hofes getötet wurde. Ob es sich dabei um vorsätzlichen Mord oder einen Unglücksfall handelte, ist nicht mehr aufzuklären. Die Höfe in Hannover und Celle ließen sämtliche Unterlagen zur Sache Königsmarck und der anschließenden Scheidung des Kurprinzenpaares vernichten.

Schon 16 Tage nach dem Verschwinden Königsmarcks wurde Sophie Dorothea in den Amtshof Ahlden bei Celle gebracht, wo sie mit wenigen kurzen Unterbrechungen bis zu ihrem Lebensende am 13. November 1726 streng bewacht gefangen blieb. Das Scheidungsurteil erging am 7. Januar 1695. Sophie Dorothea wurde »vorsätzlicher und böswilliger Desertation und Verweigerung der ehelichen Beiwohnung« für schuldig befunden.

Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg

Während im Jahre 1714 Georg Ludwig in London den Thron bestieg und damit die Personalunion zwischen Hannover und England begann, lebte Sophie Dorothea, die an seiner Seite hätte Königin werden können, bis zu ihrem Tod als Staatsgefangene in Schloss Ahlden. Im Volksmund bekannt als »Prinzessin von Ahlden« verbüßte sie eine 32 Jahre dauernde, lebenslange Strafe. Sie sah ihren Sohn Georg August, den zweiten hannoverschen Herrscher auf dem englischen Thron, verheiratet mit Caroline von Brandenburg-Ansbach, und ihre Tochter Sophie Dorothea, verheiratet mit dem preußischen Soldatenkönig und Mutter Friedrich des Großen, nie wieder. Sühnte sie einen Mord, den sie nicht begangen hatte, an dem sie nicht beteiligt war, ja von dessen Planung sie nicht einmal etwas wußte, oder büßte sie dafür, dass sie es gewagt hatte, gegen die Staatsräson zu lieben?

Barbara Fleischer

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Links

Falke – Sophie Dorothea Gräfin von Wilhelmsburg


Falke, Ursula: Sophie Dorothea Gräfin von Wilhelmsburg. (Link aufrufen)

Google Buchsuche – Kurprinzessin Sophie Dorothea von Hannover


Google Buchsuche: Kurprinzessin Sophie Dorothea von Hannover. (Link aufrufen)

Internet Movie Database – Saraband for Dead Lovers deutscher


Internet Movie Database: Saraband for Dead Lovers (deutscher Titel: Königsliebe). Spielfilm von 1948 um die Königsmarck-Affäre. (Link aufrufen)

Kraft – Anton Ulrich Herzog zu Braunschweig


Kraft, Stephan: Anton Ulrich Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Zugabe zum Beschluß der römischen Octavia, [vol. 6] (Nürnberg: J. Hoffmanns Wittib/ E. Streck, 1707). (Link aufrufen)

Kraft – Gelebte Literatur


Kraft, Stephan: Gelebte Literatur: Sophie Dorothea und Graf Königsmarck. historicum.net. (Link aufrufen)

Wikipedia – Clara Elisabeth von Platen


Wikipedia: Clara Elisabeth von Platen. Platen gilt als Drahtzieherin der Königsmarck-Affäre. (Link aufrufen)

Wikipedia – Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg


Wikipedia: Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg. (Link aufrufen)

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Literatur & Quellen

Anton Ulrich von Braunschweig-Lüneburg 1996 – Solane und Rhodogune

Heyse 1877 – Graf Königsmark

Kwan 2006 – Gefangene von Ahlden



Anton Ulrich von Braunschweig-Lüneburg (1996): Solane und Rhodogune. Die zwei Geschichten der einen Sophie Dorothée, Prinzessin von Ahlden. Mit einem editorischen Vorbericht herausgegeben von Jeanne Vandré. Überleitungen und Anhang von Maria Munding. Hannover. Revonnah (Schriftstücke, 3). ISBN 3-927715-99-9.
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Blumenthal, Lieselotte (1963): Schillers Dramenplan »Die Prinzessin von Zelle«. Berlin. Akademieverlag (Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-Historische Klasse, 56,2).
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Gilde, Luise (1966): Die Reichweite der Prinzessin von Celle. Ein Beitrag zu Schillers Interessensphäre. Mit zahlreichen unveröffentlichten Dokumenten. Zum 300. Geburtstag der Prinzessin von Celle. London. Selbstverlag.
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Haidheim, L (1903): Zwei Herzoginnen. Berlin. O. Janke.
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Heyse, Paul (1877): Graf Königsmark. Trauerspiel in fünf Akten. Berlin. Hertz (Dramatische Dichtungen / von Paul Heyse, 8).
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Hisserich, Walther (1906): Die Prinzessin von Ahlden und Graf Königsmark in der erzählenden Dichtung. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturgeschichte. Darmstadt. Roether.
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Knoop, Mathilde (1999): Kurfürstin Sophie von Hannover. Nachdruck der Ausgabe Hildesheim 1964. Hannover. Hahn (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen / 32 ; Niedersächsische Biographien, 1). ISBN 978-3-7752-5817-3.
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Kwan, Elisabeth E. (2006): Gefangene von Ahlden. Sophie Dorothea von Hannover (1666-1726). In: Kwan, Elisabeth E.; Röhrig, Anna Eunike: Frauen vom Hof der Welfen. Göttingen. MatrixMedia-Verl.978-3-932313-17-2. S. 64–80.
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Lehr, Helene (1991): Sophie Dorothea. Die verhängnisvolle Liebe und das tragische Schicksal der Prinzessin von Hannover. Biographischer Roman. (=Princess of Hanover). Ins Deutsche übersetzt von Peter Naujack. Bern. Scherz. ISBN 3-502-10410-7.
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Leister, Dieter-Jürgen (1953): Bildnisausstellung Die Prinzessin von Ahlden und ihre Zeitgenossen. Ausstellungskatalog. Celle. Vaterländisches Museum.
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Leitner 1993 – Skandal bei Hof

Panzer 2001 – Englands Königinnen

Schmidt 2008 – Das steinerne Herz



Leitner, Thea (1993): Skandal bei Hof. Wien. Ueberreuter. ISBN 3-8000-3492-1.
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Löwen, Walter (1987): Die Welfentrilogie. Ein Bühnenstück. I. Das Welfenlos. II. Prinzessin von Ahlden. III. Leibniz oder die Doppelspielkomödie. Hannover. Moorburg (Reihe Gegenwartsdramatik). ISBN 3-921814-95-2.
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Morand, Paul (1970): Sophie Dorothea von Celle. Die Geschichte eines Lebens und einer Liebe. Hamburg. Wegner. ISBN 3-8032-0137-3.
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Öztanil, Guido Erol (1994): Verbannung der Kurprinzessin Sophie Dorothea nach Ahlden. Ahlden/Aller. Gemeinde.
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Panzer, Marita A. (2001): Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Regensburg. Pustet. ISBN 3-7917-1749-9.
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Röhrig 2010 – Mätressen und FavoritenRöhrig, Anna Eunike (2010): Mätressen und Favoriten. Ein biografisches Handbuch. 1. Aufl. Göttingen. MatrixMedia. ISBN 978-3-932313-40-0.
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Schätzler-Perasini, Gebhard (1926): Prinzessin von Ahlden, das Geheimnis des Schlosses zu Hannover. Roman. Heidenau-Nord. Verlags-Haus Freya (Frauen der Liebe, 57).
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Schmidt, Arno (1956): Das steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi. Geschichte der Kurprinzessin ist in die Romanhandlung eingearbeitet. München. Süddeutsche Zeitung, 2008 (Süddeutsche Zeitung / Bibliothek, 98). ISBN 978-3-86615-548-0.
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Schnath, Georg (1979): Sophie Dorothea und Königsmarck. Die Ehetragödie der Kurprinzessin von Hannover. Hildesheim. Lax (Einzelveröffentlichungen aus »Geschichte Hannovers 1674 – 1714«, 2). ISBN 3-7848-2410-2.
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Sophie Dorothea von Hannover; Königsmarck, Philipp Christoph (1952): Der Königsmarck-Briefwechsel. Korrespondenz der Prinzessin Sophie Dorothea von Hannover mit dem Grafen Philipp Christoph Konigsmarck 1690 bis 1694. Kritische Gesamtausgabe in Regestenform, bearbeitet von Georg Schnath. Hildesheim. Lax (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, 51).
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Thies 2007 – Die verbannte Prinzessin

Walter 2006 – Sophie Dorothea Kurprinzessin von Hannover

Westernhagen 1997 – Und also lieb' ich mein



Thies, Heinrich (2007): Die verbannte Prinzessin. Das Leben der Sophie Dorothea ; Romanbiografie. Springe. zu Klampen (Edition Postskriptum). ISBN 978-3-933156-93-8.
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Walter, Jürgen (2006): Sophie Dorothea Kurprinzessin von Hannover. Ein höfischer Skandal. Biografie. Mühlacker. Stieglitz. ISBN 3-7987-0384-1.
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Weltzien, Otto (1926): Sophie Dorothea. Die »Prinzessin von Ahlden« und ihr Kreis. Celle. Schütting (Schütting-Bücher, 1).
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Westernhagen, Dörte von (1997): Und also lieb’ ich mein Verderben. Göttingen. Wallstein. ISBN 3-89244-246-0.
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Wienbruch, Anny (1976): Die ungekrönte Königin. Sophie Dorothea die Gefangene von Ahlden. Lahr-Dinglingen. Verlag der St.-Johannis-Druckerei Schweickhardt. ISBN 3-501-00080-4.
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Bildquellen

Leibnitiana.
Wikipedia.


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Hedwig Dohm