FemBio-Special: Frauen aus Hannover

Sophie von Hannover

(Sophie von der Pfalz, auch bekannt als Sophie von Hannover, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, Kurfürstin von Hannover, Erbprinzessin von Großbritannien)

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geboren am 14. Oktober 1630 in Den Haag
gestorben am 8. Juni 1714 in Hannover

deutsche Kurfürstin


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

In ihren Memoiren berichtete Sophie von Hannover über eine ihrer vielen Reisen von Fürstenhof zu Fürstenhof: “Indessen kam ich in guter Verfassung nach Heidelberg; die Hitze hatte mir etwas Farbe gegeben, und der Herr Kurfürst [ihr Bruder] hielt mich gar nicht für krank. Er sprach eine Stunde lang mit mir, ohne mich zum Sitzen aufzufordern. Er glaubte, daß ich mit ihm zu Abend speisen würde, aber ich entschuldigte mich und legte mich ins Bett. Nach dem Abendessen sprach er noch an meinem Bett zwei Stunden lang mit mir, und ich bin niemals so froh gewesen wie dieses Mal, auf seine Gesellschaft zu verzichten, denn die Hebamme war mir nötiger. Die ganze Nacht hindurch war ich krank, bis ich gegen zehn Uhr morgens von einem Knaben entbunden wurde, den man nach dem König von Dänemark Christian nannte.” [Memoiren und Briefe, Hg. v. Geerds, S. 119]

Sophie war ein ruhender Pol in der barocken Adelsgesellschaft. Gelassen auf Gott und die Prädestination vertrauend, war sie ein gerngesehener Gast und eine beliebte Gastgeberin, deren wochenlange Karnevalsfeiern in Hannover den Adel aus ganz Mitteleuropa anzogen.

Geboren wurde das zwölfte Kind des aus seinem Land vertriebenen ‘Winterkönigs’ Friedrich V. von der Pfalz und seiner Frau Elisabeth aus dem Hause Stuart am 14. Oktober 1630 in Den Haag. Nach englischer Tradition wuchs sie getrennt von den Eltern in einem Nursery Palace auf. Der Vater starb 1632. Sophie ging 1641 zunächst an den Hof der Mutter nach Den Haag, später nach Heidelberg, wo ihr Lieblingsbruder Karl Ludwig den Familienbesitz zurückerhalten hatte. 1658 wurde sie mit Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg verheiratet. Die Heiratspolitik betrachtete sie ebenso gelassen wie sie später über die Mätressen, Affären und freudenreichen Reisen ihres Mannes nach Italien hinwegsah.

1660 wurde Sophies erster Sohn Georg Ludwig (gest. 1727) geboren. Es folgten fünf weitere Söhne und eine Tochter: Friedrich August (1661-1690), Maximilian Wilhelm (1666-1726), Sophie Charlotte (1668-1705), Karl Philipp (1669-1690), Christian Heinrich (1671-1703) und Ernst August (1674-1728).

Als Sophie 1664/65 – eine Zeit, in der sie etliche Fehl- und Totgeburten erlitt - nach Italien reiste, vermißte sie vor allem ihre Kinder. Das warme Land fand sie zwar interessant, jedoch konnte sie mit der Mentalität der Italienerinnen nichts anfangen: “Man kann sich vorstellen, wie eine Deutsche wie ich sich fremd in einem Lande fühlen mußte, wo man nur an Liebesangelegenheiten denkt, und wo die Damen sich für entehrt halten würden, wenn sie keine Verehrer hätten.” [Memoiren, S. 80.]

1662 zogen Sophie und Ernst August nach Iburg, um die Nachfolge des verstorbenen Bischofs von Osnabrück anzutreten. 1667 wurde mit dem Bau eines repräsentativen Schlosses in Osnabrück begonnen, dessen Gartenanlagen “die Frau Bischöfin” sich mit Hingabe widmete. Eine Fahrt nach Frankreich zu ihrer geliebten Nichte Liselotte von der Pfalz bildete den Höhepunkt dieser Jahre. Sophie reiste mit ihrer Tochter incognita und nahm viele Eindrücke prächtiger Barockbauten und -gärten mit nach Deutschland zurück.

Überraschenderweise erbte Ernst August von seinem Bruder Johann Friedrich 1680 das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, und spätestens seit diesem Zeitpunkt strebte er nach Höherem - der Kurfürstenwürde. Derweil band Sophie, sein großes Talent erkennend, Leibniz an den hannoverschen Hof, der dem Land diplomatisch und wissenschaftlich große Dienste leistete und für Sophie zu einem idealen Gesprächspartner wurde. Mit ihm strebte sie eine Vereinigung der christlichen Religionen an. In einem Brief an die Tochter ihres Bruders Karl Ludwig aus zweiter, morganatischer [d.h. nicht standesgemäßer] Ehe, Raugräfin Luise (1661-1733) schreibt sie: “Ich hoffe die Christen werden bald eins sein (...). In jener Welt wird man uns nicht fragen, von welcher Religion wir gewesen sein, sondern was wir Gutes und Böses getan haben; daran ist wohl am meisten gelegen, das andere ist ein Pfaffengezänk, das bei den Fürsten stehet zu akkordieren.” [Memoiren, S. 219.]

Das Leineschloß in Hannover war düster und bescheiden; mit dem Ausbau von Herrenhausen als Sommerresidenz und der Anlage riesiger Parks hatte Sophie eine neue Aufgabe gefunden. Architekten, Bildhauer und vor allem die Gärtner Henri Perronet und Martin Charbonnier arbeiteten an diesem Gesamtkunstwerk Hand in Hand. Ein neues Gartentheater und das Opernhaus sorgten dafür, daß kulturelle Veranstaltungen in Hannover nicht zu kurz kamen.

Die nächsten Jahre gehörten der Hauspolitik. Seit dem Primogeniturgesetz von 1683, das eine Voraussetzung für die Kurwürde darstellte, waren die braunschweigischen Ländereien unteilbar. Der Alleinerbe Georg Ludwig wurde mit seiner Cousine Sophie Dorothea von Celle verheiratet, Sophie Charlotte heiratete Friedrich von Brandenburg. Drei der nichterbberechtigten Söhne kamen im Krieg ums Leben, in dem sie ihr “Glück” gesucht hatten. Die Mutter trauerte um alle. Von ihren sieben Kindern, die das Erwachsenenalter erreicht hatten, überlebte die Kurfürstin vier, auch ihre einzige Tochter Sophie Charlotte.

Im Februar 1698 starb Ernst August. “Von betrübnis kan man nicht sterben, sunsten würde ich schon lange hin sein, dan mein leid hatt schon lange gedauert” [Knoop, S. 174] schrieb die Witwe der Raugräfin Luise am 2. März 1698. Langanhaltende Trübsal aber war nicht Sophies Sache. Sie nahm auch im Alter Anteil am Leben ihrer Nachkommen und war maßgeblich an der Vermählung ihrer EnkelInnen Sophie Dorothea, der Tochter des neuen Kurfürsten und Friedrich Wilhelm I. von Preußen, dem Sohn Sophie Charlottes beteiligt.

Bis zuletzt blieb die Frage der englischen Thronfolgeregelung spannend. Vor allem Leibniz hatte sich für Sophie, die schließlich eine geborene Stuart und protestantisch war, in London engagiert. Im Act of Settlement von 1701 war endlich festgelegt worden, daß Sophies Erben die künftigen Könige von England sein sollten. Die bis zuletzt geistig und körperlich bewegliche Dame sollte dies nicht mehr erleben. Sie starb am 7. Juni 1714 im Garten in Herrenhausen auf ihrem Abendspaziergang, wie sie es sich vermutlich gewünscht hätte, schnell und ohne Arzt und Priester. Kurz nach ihrem Tod wurde ihr Sohn Georg König von England.

Britta Quebbemann

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Literatur & Quellen

Knoop, Mathilde. 1964. Kurfürstin Sophie von Hannover. Hildesheim.
Rohr, Alheidis von. Hg. 1980. Sophie Kurfürstin von Hannover (1630 - 1714): Begleitheft zur Ausstellung. Hannover. Histor. Museum am Hohen Ufer.
Schnath, Georg. Hg. 1927. Briefwechsel der Kurfürstin Sophie von Hannover. Berlin; Leipzig.
Schroeder, Hiltrud. Hg. 1991. Sophie & Co.: Bedeutende Frauen Hannovers. Hannover. Fackelträger.
Sophie von Hannover. Memoiren und Briefe. Hg. und übersetzt von Robert Geerds. München; Leipzig 1913.

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Hedwig Dohm