Presseartikel über Luise F. Pusch

Interview mit Luise F. Pusch über eine gerechte Sprache für Frauen und Männer im Schweizer Migros Magazin vom 8. März 2011:
http://www.migrosmagazin.ch/suche?searchText.searchText=pusch&xs=&action.search=Suche

Fragebogen zur geschlechtergerechten Sprache, basierend auf dem Interview im Migros Magazin:
http://www.migrosmagazin.ch/index.cfm?id=43259

Interview mit Luise F. Pusch in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) zum 8. März (Themen: Sprache, Berühmte Frauen):
http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Prof.-Luise-Pusch-Deutsch-ist-eine-Maennersprache

Artikel über eine Veranstaltung mit Luise F. Pusch zum 8. März 2011 in Kirchheim/Teck (Thema: Sprache):
http://www.teckbote.de/nachrichten/stadt-kreis_artikel,-„Sprache-ist-besser-als-eine-Burka“-_arid,66190.html

Artikel über Luise F. Pusch in dieStandard am 29.4.2010 (Thema Frauenbiographien, FemBio-Datenbank und Web-Portal):
http://diestandard.at/1271375478240/Frauenbiographieforschung-Suche-franzoesische-Pferdefreundin-mit-unehelichem-Kind

Luise F. Pusch liest und kommentiert Eugen Friedell (50 min PodCast, gesendet am 29.4.2010)
http://sendungsarchiv.o94.at/get.php?id=094pr4310

Gespräch mit Luise F. Pusch über Frauen, Sprache und Macht (50 min PodCast, gesendet am 29.10.2010)
http://www.fro.at/ondemand/index.php?id=14606&sid=38

Interview mit Luise F. Pusch in der taz am 19.4.2009 (Thema Sprache):
http://www.taz.de/1/nord/artikel/1/worte-sind-die-sache-selber/

Interview mit Luise F. Pusch in dieStandard am 7.3.2009 (Thema Sprache):
http://diestandard.at/1234508867124/PuschInterview-Laengerfristig-bin-ich-fuer-die-Abschaffung-des-in

Artikel über “Ohne Frauen ist kein Staat zumachen” und Frauenbiografik, ORF, 16.1.2008:
http://oe1.orf.at/artikel/212038

Artikel über Luise F. Pusch in “Welt der Frau”
http://www.welt-der-frau.at/index.htm?http://www.welt-der-frau.at/viewcat.asp?ID=2651&cat=5

Artikel über Luise F. Pusch in der “Zeit” vom 20.1.1989 (Thema Frauenbiographien, Datenbank):
http://www.zeit.de/1989/04/frau-sucht-frauen

FemBio:  Sylvia Pankhurst (1882-1960) Fortschrittsgeist des 20. Jahrhunderts

P r e s s e i n f o r m a t i o n

Sylvia Pankhurst (1882-1960)

Fortschrittsgeist des 20. Jahrhunderts:
Mut für Frauenrechte und soziales Engagement

Zum 50. Todestag am 27. September 2010


Die englische Aktivistin der Sufragettenbewegung, Sozialistin und Schriftstellerin Sylvia Pankhurst, geboren am 5. Mai 1882 in Manchester, ist gemeinsam mit Mutter Emmeline und Schwester Christabel ein Symbol für den Kampf um das Frauenwahlrecht in Großbritannien Anfang des 20. Jahrhunderts. Als Pazifistin und Sozialistin zeigt sie Herz für die Arbeiterinnen in Londons East End und ruft ein publizistisches Sprachrohr für Frauenrechte und Unterschichtsprobleme ins Leben, die Zeitschrift „The Woman’s Dreadnought“. Ihrem sozialen Gewissen folgt sie in einem konsequenten Lebensweg. 

Sylvia Pankhurst Eltern gehörten der Independent Labour Party an. Durch ihren Vater, einen Rechtsanwalt, kommt Sylvia früh mit dem Elend der Slums in Manchester in Berührung. Diese Eindrücke prägen sie zutiefst. Dank eines Stipendiums kann sie Kunst studieren. Mit Mutter und Schwester engagiert sie sich in der 1903 in London gegründeten Women’s Social and Political Union (WSPU). Protestmärsche und Demonstrationen führen immer wieder zu Verhaftungen, Eindrücke, die sich in Beschreibungen des berüchtigten Frauengefängnisses Holloway in ihrem Buch The Suffragette Movement (1931) niederschlagen. Bei den Gefängnisaufenthalten treten die Suffragetten oft in den Hungerstreik, auf den die Regierung brutal mit Zwangsernährung reagiert. In der Frage des Frauenwahlrechts bewegt sich nichts und die Aktionen der WSPU werden immer militanter. Sylvia gründet die eigene East London Federation of Suffragettes und mit einem weiterentwickelten politischen Ansatz die Women’s Suffrage Federation, später Worker’s Socialist Federation. Ihre Zeitschrift (dt. Das Schlachtschiff) dient ihr inzwischen zur Aufklärung über die elenden Lebensbedingungen der Unterschicht. Aus dieser Zeitschrift geht später die Publikation Workers’ Dreadnought hervor. Sylvia nimmt Teil an der kommunistischen Bewegung und wird darin eine wichtige Figur ihrer Zeit.

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges hatte Sylvia bereits einen von Mutter und Schwester getrennten Weg eingeschlagen. Als Pazifistin wollte sie nicht Versorgungsaufgaben an der Heimatfront übernehmen. Sie ging weiter ihrem sozialpolitischen Engagement nach. Ihre Arbeit im East End war jetzt nötiger denn je, denn viele Männer waren fort, und die Frauen mussten ihre Familien allein durchbringen und zudem noch in der Kriegsproduktion arbeiten – natürlich zu einem geringeren Lohn als die Männer.

Im Alter von 44 Jahren gebiert sie ihr einziges Kind, ihren Sohn Richard. Mit dem Vater des Kindes, einem italienischen Exilsozialisten, lebt sie auch ohne Ehe in einer glücklichen Beziehung. Sie setzt das Schreiben und ihre politischen Aktivitäten fort. Der zweite Weltkrieg schließlich ist für sie Anlass, gegen den Faschismus zu kämpfen, hatte sie sich doch vorher schon dem Antifaschismus zugewandt. Als Mussolini 1935 in Äthiopien einmarschiert, unterstützt sie die Bevölkerung vor Ort. Sie widmet sich fortan der sozialen und politischen Arbeit in Äthiopien, schreibt über äthiopische Kunst und Kultur und gründet 1956 mit ihrem Sohn die Monatszeitschrift Ethiopia Observer, welche die gesellschaftliche Entwicklung Äthiopiens publizistisch begleitet. 78-jährig stirbt sie in Addis Abeba. Sogar Kaiser Haile Selassie nimmt an ihrer Beerdigung teil.

Ein Selbstporträt von Sylvia Pankhurst zeigt sie als eher zarte Erscheinung. Hinter diesem fragilen Äußeren verbergen sich aber zeitlebens Energie und Geist. Zitat Pankhurst zur Behauptung ihrer Epoche “You cannot educate the mass!”, mit dem sie sich als ihrer Zeit weit vorausdenkend erweist: “Chemical and mechanical inventions are making possible an ever greater and more excellent production, with a lesser expenditure of labour. Therefore from this time onwards humanity may free itself when it chooses from the necessity of dividing itself into thinking, cultured classes, on the one hand, and labouring exploited classes on the other. True Socialists, and above all true Communists, must not only believe in the possibility of educating the mass, but must loyally dedicate themselves to the labour involved, both in self-education and in assisting others to acquire education.“ (1918)

FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit umfassendste Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika.
Original-FemBio zu Sylvia Pankhurst von Cornelia Heuer hier.

Evelyn Thriene


24.09.2010

FemBio Frau des Monats:  Marianne Werefkin

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FemBio Frau des Monats:  Marianne Werefkin

Revolutionärin der Malerei

150. Geburtstag am 11. September 2010


Die russische Malerin, Kunsttheoretikerin und Mäzenin Marianne von Werefkin ragt als Malerin und Kunsttheoretikerin aus ihrem Zeitkontext heraus – und auch als Frau. 

Marianne von Werefkin entstammt einer gebildeten und begüterten Adelsfamilie. Die Mutter ist Malerin, der Vater General, der für seine Verdienste im Krimkrieg von Zar Alexander II. das Gut Blagodat in Litauen geschenkt bekommt, eine beliebte Sommerfrische der Familie. Werefkin hat dort ihr Atelierhaus. Ab 1874 bekommt die Tochter aufgrund ihres außergewöhnlichen Talents professionellen Zeichenunterricht. Ilja Repin, der bedeutendste Maler des russische Realismus, wird 1880 ihr Privatlehrer.

Bei einen Jagdunfall durchschießt sie ihre rechte Hand. Doch Werefkin lässt sich von einem fehlenden Mittelfinger nicht vom Malen abhalten. Ihre Behinderung wird ihr nicht wirklich zum Hemmnis, weit mehr jedoch eine 27 Jahre währende Beziehung zu dem vier Jahre jüngeren, mittellosen Offizier Jawlensky. 1892 lernt sie den ebenfalls malenden Jawlensky kennen, als sie selbst bereits durch Ausstellungen als »russischer Rembrandt« gilt. »Die Liebe ist eine gefährliche Sache, besonders in den Händen Jawlenskys«, urteilt sie. Auf eine Heirat verzichtet sie, nicht zuletzt deshalb, weil sie eine großzügigen Rente des Zaren als verheiratete Frau verloren hätte. Sie förderte ihn mit all ihren Kräften, um ihm zu ermöglichen, was „einem schwachen Weibe“ zu ihrer Zeit verwehrt ist. »Drei Jahre vergingen in unermüdlicher Pflege seines Verstandes und seines Herzens. Alles, alles, was er von mir erhielt, gab ich vor zu nehmen – alles, was ich in ihn hineinlegte, gab ich vor, als Geschenk zu empfangen … damit er nicht als Künstler eifersüchtig sein sollte, verbarg ich vor ihm meine Kunst.«  Ihr Geliebter dankt es ihr, indem er sich an der neunjährigen Helene Nesnakomoff vergeht, der Gehilfin von Werefkins Zofe. Mit der Zofe hat er bereits ein Verhältnis und sie bekommt einen Sohn. Werefkin führt Tagebuch und erfindet ab diesem Zeitpunkt in den »Lettres à un Inconnu« einen imaginären Gesprächspartner, um den Mangel in ihrem Leben auszugleichen. 20 Jahre später heiratet Jawlensky die Mutter seines Sohnes, um sich gänzlich von der inzwischen verarmten Werefkin zu distanzieren.

1896 zieht Werefkin nach München-Schwabing, wo sie bald einen berühmten Salon unterhält. Hier trifft sich die Kunstwelt und diskutiert über die neusten Entwicklungen. Werefkin wird zur charismatischen Theoretikerin und Impulsgeberin. 1906 endet ihre zehnjährige Jawlensky-Krise und sie greift erneut zum Pinsel. Bis zum Beginn des ersten Weltkriegs schafft sie bahnbrechende, weit in die Zukunft weisende Werke.

Sie beeinflusst Wassily Kandinsky, der mit ihren Ideen als wichtiger Theoretiker in die Kunstgeschichte eingehen sollte, zum Beispiel mit der Schrift „Über das Geistige in der Kunst, insbesondere in der Malerei“ aus den Jahren 1911/12. Die Ideengeberin Werefkin wird nicht erwähnt. Werefkin gründet zusammen mit weiteren Künstlerkollegen in ihrem „rosafarbenen Salon“ die Neue Künstlervereinigung München, ohne Kandinsky. Nach einer unschönen Intrige, initiiert von Kandinsky, Marc und Macke, spaltet sich der »Blaue Reiter« ab. Werefkin wird zu »des blauen Reiterreiterin«, wie ihre Freundin Else Lasker-Schüler sie nennt.
 
Mit Ausbruch des ersten Weltkriegs geht Werefkin mit Jawlensky in die Schweiz. Werefkin schließt sich der Dada-Bewegung an. Die russische Revolution führt jedoch zum Verlust ihrer zaristischen Rente. 1921 bricht sie mit Jawlensky. Sie verdient ihren Lebensunterhalt als Vertreterin für Pharmaprodukte und mit grafischen Arbeiten. Verarmt, jedoch ungebrochen schöpferisch, verbringt sie das letzte Viertel ihres Lebens in Ascona, getragen von Freundschaft und Bewunderung für ihre Werke. Am 6. Februar 1938 stirbt sie in Ascona. Die Stadt verdankt ihr durch ihre Schenkung einen reichen Bestand an Werefkin-Werken. Sie befinden sich im Museo comunale di Ascona, dem Sitz der Fondazione Marianne Werefkin.

Am 26. März 2010 wird in Ascona die Werefkin-Biographie von Brigitte Rossbeck präsentiert.


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TicinARTE, Ascona, dokumentiert:

»La Signora« hieß sie bei den Fischer- und Winzerfrauen, die gern vor ihr ihr Leid ausbreiteten. Und stets ward ihnen einfacher Trost zuteil: Die Malerin streichelte die Kinder, und die armen Frauen machten große Hofknickse und küssten die braunen Hände der großen Frau mit dem bunten Kopftuch, welche die Tracht des Landes trug und die Sprache des Landes sprach, so, als sei das Tessin ihre Heimat


Evelyn Thriene
Original-FemBio zu Marianne Werefkin von Luise F. Pusch HIER.

09.09.2010


FemBio: Florence Nightingale – Eine Frau ist ihrer Zeit voraus

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FemBio: Florence Nightingale – Eine Frau ist ihrer Zeit voraus
100. Todestag am 13. August 2010


Der August ist der “Monat der großen Krankenschwestern”. 1910 starb Florence Nightingale, zwei Wochen später wurde Mutter Teresa geboren (am 27.8.1910). Der Krankenpflegerin, Reformerin sowie Pionierin der Statistik und Epidemiologie Florence Nightingale gedenken wir an ihrem 100. Todestag. Mit 36 Jahren war sie bereits eine Nationalheldin. 

Die Reduzierung der Sterblichkeitsrate der Soldaten in den Lazaretten und neue Maßstäbe in der Krankenpflege machten sie berühmt. Sie rebellierte früh gegen die erstickende Weiblichkeitsnorm ihrer Klasse und wurde auf ihrem erfolgreichen Lebensweg schließlich zum Vorbild im Bereich der Medizin.

Während des Krimkrieges (1853-56) leitete sie als Verwaltungschefin bald die gesamte Versorgung der britischen Lazarette mit über zehntausend Menschen. Sie revolutionierte die Kranken-pflege und inspirierte den Schweizer Henri Dunant (1828-1910) zur Gründung des Roten Kreuzes. Nach ihren Ratschlägen wurden Lazarette und Krankenpflegeeinrichtungen in der ganzen Welt errichtet. Da sie sich neben der Krankenpflege auch um die soziale Not kümmerte, geht auch die Sozialarbeit auf ihre Initiative zurück. Ihre Pionierinnentätigkeit brachte England die nichtkonfessionellen Sozialdienste.

Nightingale gilt zudem als Vorreiterin bei der Anwendung statistischer Hilfsmittel in der Epidemiologie. Ihre Analysen des öffentlichen Gesundheitswesens sind Spitzenleistungen ihrer Zeit, zum Beispiel ihre Arbeit zu den Hygienebedingungen im ländlichen Indien. Ihre weitreichenden Statistik-Kenntnisse bewies sie mit der Erfindung des „Polar Area - Diagramms“, das sie unter anderem dazu benutzte, die medizinische Versorgung der britischen Soldaten während des Krimkriegs zu dokumentieren. Sie gilt seither als Pionierin der visuellen Darstellung mathematisch-statistischer Zusammenhänge.

Sie diente der britischen Regierung als Ratgeberin für das Gesundheitswesen. In deren Auftrag entwickelte sie ein statistisches Verfahren zur systematischen Erhebung der Bevölkerungszahl, der Geburts- und Todesraten sowie der Todesursachen. 1858 wurde Florence Nightingale als erste Frau in die Royal Statistical Society berufen. Später erhielt sie die Ehrenmitgliedschaft in der American Statistical Association.

Ihr Wirken fand in den allerhöchsten Kreisen Anerkennung: 1907 erhielt Nightingale den königlichen Orden „Order of Merit“.

Florence Nightingale zur Bedeutung der Krankenpflege: „Krankenpflege ist keine Fe-rienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert - wenn sie zur Kunst werden soll - eine ebenso große Hingabe, eine ebenso ernste Vorbereitung wie das Werk eines Malers oder Bildhauers, denn was bedeutet die Arbeit an einer toten Leinwand oder kaltem Marmor im Vergleich zu der am lebendigen Körper, dem Tempel für den Geist Gottes?“

Ein Porträt Florence Nightingales von Joey Horsley und Evelyn Thriene mit allen relevanten Quellen (Bücher und Links) findet sich auf dem Frauenbiographie-Portal http://www.fembio.org.

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Anfragen zu Interviews oder Lesungen bitte direkt an Luise F. Pusch richten. (lfp(at)fembio.org)

Evelyn Thriene, 31.07.2010

FemBio: Bella Abzug Die „Very Serious Woman“ wäre am 24. Juli 90 Jahre geworden

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FemBio: Bella Abzug
Die „Very Serious Woman“ wäre am 24. Juli 90 Jahre geworden

Bella Savitzky Abzug, New Yorkerin, Feministin, Antikriegs-Aktivistin, Politikerin und Rechtsanwältin ging bereits mit 77 Jahren von uns.

Sie war eine nationale Persönlichkeit, oft einfach Bella genannt und durch ihre markanten Hüte weithin bekannt. Ihre kraftvolle Art und ein flamboyanter Stil riefen Kontroversen und Kritik hervor in der politischen Arena der USA, aber tatsächlich widmete sie ihr Leben dem Gemeinwohl und dem Einsatz für Unterdrückte und Vergessene. Nationale Berühmtheit erlangte sie als erste Jüdin, die in den Kongress gewählt wurde und als Führerin der Weltfrauenbewegung. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, sich Gehör zu verschaffen, hinterließen bei jüngeren Aktivistinnen einen bleibenden Eindruck.

Bella Savitzky, am 24. Juli 1920 in New York geboren, wuchs als Tochter russisch-jüdischer ImmigrantInnen in der Bronx auf. Schon im Alter von elf Jahren beschloss sie, Anwältin zu wer-den. Ihr Redetalent trainierte sie bereits, als sie in U-Bahn-Stationen Geld für zionistische Anliegen sammelte. Bella machte 1947 ihren juristischen Abschluss an der Columbia-Universität. Sie hatte sich auf Arbeitsrecht spezialisiert und konzentrierte sich in ihrer Anwaltskanzlei auf linke Anliegen: Gewerkschaften, Arbeitsrecht und Bürgerrechte. Während der McCarthy-Ära verteidigte sie MandantInnen, die wegen kommunistischer Aktivitäten angeklagt waren. In den 60er Jahren machte Bella gegen den Vietnamkrieg und Atomversuche mobil. Sie war Mitbegründerin der Organisation “Women’s Strike For Peace” (Frauen-Friedensstreik) und führte Gruppen nach Washington, um dort Lobby-Arbeit für den Frieden zu machen.

Mit einem Friedens- und Frauenprogramm ließ sie sich für den Kongress aufstellen. Ihr Wahlkampfslogan war: “Diese Frau gehört ins Haus – ins Abgeordnetenhaus”. Als eine von nur neun Frauen unter insgesamt 435 Abgeordneten war sie von 1970 - 1976 Parlamentsmitglied. Als Abgeordnete wurde Abzug berühmt für ihre starken Überzeugungen, ungeschminkten politischen und persönlichen Meinungen und die geschickte Nutzung des parlamentarischen Systems. Sie war eine machtvolle, mitreißende Rednerin. Vom ersten Tage an setzte sie sich für die Beendigung der Wehrpflicht und des Vietnamkriegs ein, aber auch für die Interessen der Veteranen. Sie kämpfte im Kongress unerbittlich für Frauenrechte, die Rechte von Minderheiten, Lesben und Schwulen, für Kinderbetreuung, sozialen Wohnungsbau und eine Gesundheitsfürsorge für alle. Feindschaft erlebte sie aufgrund ihrer Kritik am “old-boy network”, welches das gesamte politische System bestimmte.

Offene Kritik übte sie entsprechend an sogenannten Fortschrittlichen, die Kompromisse eingingen, kapitulierten und Gefälligkeiten austauschten, statt sich für die Interessen ihrer WählerInnen einzusetzen. Gegenangriffe zielten auf Bellas Stil, Auftreten und Äußeres. Die Medien brachten des öfteren Sensationsberichte über ihre Persönlichkeit und ihre Aktivitäten. Sie opferte Schlaf und Gesundheit für ihre WählerInnen und die USA, und sie klagte, ihr gnadenloser Terminkalender mache sie einsam. Glücklicherweise standen ihr nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1986 noch ihre beiden Töchter Eve und Liz zur Seite.

Bella wandte sich nach dieser Phase wieder ihrer Anwaltskanzlei zu, blieb aber national wie international eine wichtige politische Kraft. Präsident Jimmy Carter ernannte sie zur Co-Vorsitzenden des National Advisory Committee on Women – entließ sie aber, als sie Einwände gegen Kürzungen zuungunsten von Frauen erhob. Viele Ausschussmitglieder traten aus Solidarität mit ihr zurück.

Die Umweltbewegung und die Weltfrauenbewegung runden ihr Lebenswerk ab. Auch ihre Brustkrebserkrankung konnte sie nicht von der politischen Arbeit abhalten. Sie war Mitgründerin und Präsidentin der Women’s Environment and Development Organization. Als Vorsitzende der New York City Commission on the Status of Women und danach in der Ersten Weltkonferenz über Brustkrebs leitete Abzug Anhörungen über die Zusammenhänge zwischen Umwelt und Brustkrebs. Sie arbeitete als Beraterin bei der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung.

1991 organisierte sie den Frauenkongress für die Gesundheit des Planeten als Teil des UN-Umwelt-Gipfels in Rio. Nur zwei Nächte nach einer Ansprache vor der UNO starb Bella Abzug 1998 an Komplikationen nach einer Herzoperation. Ihr Vermächtnis ist ein unbedingter Einsatz für Frauen, Menschenrechte, Arme und Unterdrückte sowie eine Vision für einen gesunden und friedlichen Planeten.

Ein Porträt zu Bella Abzug von Katherine E. Horsley findet sich auf dem Portal http://www.fembio.org.

FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit umfassendste Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika.

Bella Abzug über ihr Leben: „Manche Männer würden mich gerne abtun mit blöden Kommentaren über meine Hüte, meine Kraftausdrücke oder meine Figur. Vielleicht glauben sie, dass sie, indem sie sich auf Aspekte meines farbenfrohen Charakters konzentrieren, von den Dingen ablenken können, die mir wirklich wichtig sind, wie Kinderbetreuung, Abschaffung der Wehrpflicht und Beendigung des Krieges. Was ich sagen will ist: Jeder, der meint, er brauchte mich nicht ernst zu nehmen, sollte sich in Acht nehmen.“


Evelyn Thriene, 22.07.2010

FemBio: Königin Luise - Ein Leben für Familie und Preußen

Königin Luise
Ein Leben für Familie und Preußen
200. Todestag am 19. Juli 2010

Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz, Königin von Preußen – die bis heute beliebteste deutsche Königin. Sie war der anmutige und charmante Gegenpol zu ihrem Gatten, dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. Obwohl keine „Herrscherin“, prägte sie doch ihre Zeit entscheidend.

1776 erblickte sie das Licht der Welt und verbrachte ihre ersten zehn Lebensjahre in Hannover. Ihr Vater, Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz, war von seinem Schwager, dem englischen König Georg III. (auch Kurfürst von Hannover) zum Gouverneur von Hannover ernannt worden. Als Luise sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter, Friederike von Hessen-Darmstadt. Sie hatte mit nicht einmal 30 Jahren schon zehn Kinder geboren. Der Vater heiratete eine Schwester seiner Frau, die aber schon nach der Geburt ihres ersten Kindes starb. Karl brachte seine überlebenden Kinder bei ihrer Großmutter in Darmstadt unter.

Für die heranwachsende Luise sollten Schönheit und Liebreiz, nicht Bildung, als wichtigste Faktoren zu einer frühen Ehe führen. Doch sie erhielt auch Unterricht in Französisch, Englisch, Ge-schichte und Deutsch sowie in Zeichnen, Malen und Klavierspiel. Ihre Hauptaufgabe nach der Heirat war das Gebären von – möglichst männlichem – Nachwuchs zur Sicherung der Dynastie. Viele Prinzessinnen starben damals in jungen Jahren im Kindbett oder an Erschöpfung nach zu vielen Geburten und Fehlgeburten. Von 1793 an, Luise heiratete mit siebzehn Jahren, bis zu ihrem Tod 1810 war sie fast ununterbrochen schwanger. In knapp 17 Ehejahren brachte sie zehn Kinder zur Welt, sieben von ihnen erreichten das Erwachsenenalter. Einige gelangten in höchste Positionen. Erst in späteren Jahren ging sie daran, ihre Bildungslücken zu schließen. Sie ließ sich über Geschichte und Philosophie informieren und bat Freundinnen wie Marie von Kleist und Caroline von Berg, sie bei der Auswahl ihrer Lektüre zu unterstützen. Frau von Berg, ihre Hofdame, Mentorin und Vertraute, führte einen literarischen Salon und korrespondierte mit Berühmtheiten wie Goethe, Herder, Jean-Paul und dem Freiherrn von Stein.

Luise war tief gläubig, woraus sie Kraft für sich und die Menschen ihrer Umgebung schöpfte, und sie verfügte über eine Festigkeit und Talente, die Geschichte schreiben sollten. Ihre wahre Bedeutung erkannten zunächst nur wenige, auch wenn sie später eine geradezu kultische Verehrung erfuhr. Luise traf Kaiser Napoleon - ein allerletzter, verzweifelter Versuch, den siegreichen Feldherrn zu milderen Friedens-Konditionen für Preußen zu bewegen. Oberflächlich betrachtet hatte das berühmte Treffen zu Tilsit im Sommer 1807 keinen Erfolg. Napoleon hatte aber Beratern die Absicht anvertraut, den Preußischen Staat aufzulösen bzw. einen seiner Verwandten auf den Thron eines bedeutungslosen Rest-Preußens zu setzen. Dies wurde offenbar durch Luises Einschreiten verhindert. Sie hat den Preußischen Staat gerettet – und nicht der russische Zar, wie bis heute behauptet wird.

Weder hatte sie mit Napoleon eine weitergehende Beziehung und hat sich auf diese Weise für Preußen geopfert, noch hatte sie Liebesverhältnisse mit Prinz Louis Ferdinand von Preußen und dem Russischen Zaren Alexander I, wie ihr verschiedentlich unterstellt wurde. Wenn sie zwei ihrer Kinder nach diesen beiden Männern benannt hatte, so allein aus Bewunderung und Achtung. Eine schwärmerische Innigkeit damaligen Erlebens und die von tiefer Seelenbewegung erfüllte Sprache ihrer Zeit sollte in unserer heutigen Bewertung Anlass zu Vorsicht in der Interpretation geben. Die Königin von Preußen zeichnete tatsächlich eine hingebungsvolle Treue zu ihrem Ehemann aus. Ihre Einstellung zur Familie – in guten wie in schlechten Zeiten – war Vorbild für das entstehende Bürgertum.

Ihren Ehemann beriet sie in Fragen von Krieg und Frieden. Sie entschied dabei immer in Hinwendung zu ihrem Volk, gerade auch zu den einfachen Menschen. Die Kriegführung gegen Napoleon war zunächst nicht erfolgreich. Die furchtbare Niederlage Preußens brachte jedoch überraschend in der Folge eine Sammlung aller Kräfte hervor, einen gewaltigen Aufschwung für die späteren Befreiungskriege und die Niederlage Napoleons. 

Das Königspaar musste allerdings vorher fliehen und blieb bis Ende 1809 im Exil in Ostpreußen. Luises letzte Lebenszeit war von Krankheit, Schwermut und Traurigkeit gekennzeichnet – ganz im Gegensatz zu ihrer Jugendzeit, als die Frau Rat Catharina Elisabeth Goethe, die Mutter des Dichters, noch schrieb: „Das Zusammentreffen mit der Prinzessin von Mecklenburg hat mich außerordentlich gefreut … von einer steifen Hofetikette waren sie da in voller Freyheit – tantzend – sangen und sprangen den gantzen Tag .. .“  Den Untergang Napoleons und die glanzvolle »Wiedergeburt« Preußens erlebte Königin Luise nicht mehr.

Schloss Charlottenburg mit Schlosspark und Mausoleum ist Luises letzte Ruhestätte, ebenso wie die ihres Gatten Friedrich Wilhelm III., ihres Sohns Kaiser Wilhelm I. und dessen Frau. Auf dem Überwurf des Kissens um ihren Kopf herum befindet sich ein Sternenkranz mit 12 Sternen, Symbol der „Sternenkrone“ – Inspiration für die Gestaltung der heutigen Europa-Flagge.

Ein Porträt von Königin Luise von Preußen, verfasst von Luise F. Pusch, findet sich auf dem Portal http://www.fembio.org.
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Gertrud Alfter, die Leiterin des Planteurhauses in Walbeck/ Hettstedt, eine ehemalige Luisenschule, kommentiert: „Bereits vor hundert Jahren wurde hier der Königin gedacht. Die Frauen unserer Zeit seien daran erinnert, dass sie gleichberechtigte Chancen im Berufsleben als selbstverständlich ansehen, Königin Luise sich dies für ihre Töchter wünschte und ein Augenmerk auf deren Zukunft legte – eine Vorreiterin für Reformen.“ (Planteurhaus, Gedenkveranstaltung am 19. Juli 2010, 19.00 Uhr)

13.07.2010

FemBio:  Monika Mann – Entdeckung des Jahres. Lange Suche nach dem Lebensglück

„Falls ich Ihnen kein Begriff bin: das vierte der sechs ungeratenen Mann-Kinder“ – so stellte sich einst Monika Mann selbst vor (1972, Briefdokument). Bekanntheit kann die im Jahr 1910 geborene Mann-Tochter tatsächlich erst jetzt erringen, da die Biografin Karin Andert so empathisch ihre Lebensgeschichte porträtiert und Hannelore Elsner aus ihrem New Yorker Tagebuch liest. Literaturkritiker und Filmemacher sahen an ihr vorbei, oder sie orientierten sich am Urteil Katia und Thomas Manns: Diese stellten ihre Tochter als minderwertig und sonderbar dar.

Die Familie des Nobelpreisträgers Thomas Mann ist für die Deutschen so etwas wie die Königsfamilie in Großbritannien – und tatsächlich wurden sie auch schon “Die deutschen Windsors” genannt. Doch das Leben der Tochter Monika bleibt lange im Schatten. Die deutsche Schriftstellerin und Feuilletonistin Monika Mann übt sich in Jugendjahren zunächst vielversprechend am Klavier, aus Mangel an Anerkennung in der Familie bricht sie dies ab und verbringt Jahre in Paris, München, Frankfurt und Berlin. Ihren Lebensunterhalt und den Besuch kunsthandwerklicher Schulen finanzieren die Eltern.

Im Mai 1933 emigriert sie und folgt ihrer Familie nach Sanary-sur-Mer. Im Jahr 1934 nimmt sie in Florenz ihr Klavierstudium wieder auf und begegnet dem aus Ungarn stammenden Kunsthistoriker Jenö Lányi, ihrem späteren Ehemann. Nach dem Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft nimmt sie die tschechoslowakische an. 1940 erhält das Ehepaar in England von der kanadischen Regierung die ersehnten Einreisepapiere und kann dem Londoner Blitzkrieg entkommen. Die Überfahrt nach Kanada endet jedoch in einer Katastrophe. Bei der Torpedierung des Schiffes durch ein deutsches U-Boot kommt Monika Manns Ehemann ums Leben. Es ist ein Verlust, der für lange Zeit ihre Gefühlswelt prägt. Monikas Rettung durch einen englischen Zerstörer und ihr erneuter Aufbruch von Schottland führt aber nicht wirklich in ein neues Leben. In Amerika ignorieren ihre Eltern ihre Traumatisierung und ihren drängenden Wunsch nach einem Neuanfang.

Von 1943 bis 1952 lebt sie allein in New York. Nach einem erneuten Versuch, als Pianistin zu leben, wendet sie sich der schriftstellerischen Tätigkeit zu. Trotz amerikanischer Staatsbürgerschaft sieht sie ihr zukünftiges Leben in Europa. In einer landschaftlich schönen Gegend, auf Capri, lebt sie wunschgemäß schließlich 32 Jahre lang,  schreibt fünf kleine Bücher und publiziert regelmäßig in Schweizer Zeitungen und deutschen und italienischen Zeitschriften ihre Feuilletons. Ihre letzten Lebensjahre verbringt sie im familiären Umfeld ihres Bruders Golo in Pflege. Am 13. März 1992 stirbt sie in Leverkusen. 

Ein Porträt von Monika Mann, geschrieben für FemBio von ihrer ersten Biographin Karin Andert,  findet sich auf dem Portal http://www.fembio.org.

FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit umfassendste Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika.

Elke Bergmann, Buchhändlerin und Expertin zur Familie Mann kommentiert: “Es ist an der Zeit, dass die Talente der übersehenen Mann-Tochter Monika endlich in den Focus einer Öffentlichkeit rückt, die sich allzu lange nur mit den Erfolgen der Manns beschäftigte. Monika Mann, die vor 100 Jahren geboren wurde, widerfährt jetzt eine späte Gerechtigkeit.“
 

30.06.2010

FemBio:  Aung San Suu Kyi wird 65

P r e s s e i n f o r m a t i o n


FemBio:  Aung San Suu Kyi wird 65
„The Lady“ ringt seit Jahrzehnten um Demokratie und Menschenrechte


Aung San Suu Kyi, am 19. Juni 1945 in Rangun geboren, wuchs in Indien auf als Tochter von Daw Khin Kyi, Botschafterin, und Aung San, Militär-Kommandeur und Präsident der AFPFL (Antifaschistische Freiheitsliga des Volkes).

Seit den späten 1980-er Jahren setzt sich die burmesische Friedensnobelpreisträgerin, Bürgerrechtlerin, Freiheitskämpferin, Oppositionsführerin und Menschenrechtsaktivistin Aung San Suu Kyi für eine gewaltlose Demokratisierung ihres Heimatlandes Burma (Myanmar) ein.

Achtungsvoll wird sie „The Lady“ genannt – aufgrund ihrer würdevollen Ausstrahlung und zarten Figur, ihrer eleganten Kleidung und der Blume, die sie im Haar trägt.
Sie studierte in Delhi Politikwissenschaft, in Oxford Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaft. Sie arbeitete in New York bei der UNO und mit ihrem Mann, dem Tibetologen Michael Aris, in Bhutan.

In Burmas “zweitem Kampf für Unabhängigkeit” nach der Entkolonialisierung in Bezug auf die Briten stand sie an der Spitze der demokratischen Bewegung, die sich in Opposition zur Militärherrschaft gebildet hatte. Trotz Bedrohung durch Waffengewalt und Versammlungsverbot reiste sie für die Nationale Liga für Demokratie (NLD) durchs Land und predigte zivilen Ungehorsam. Ihren grandiosen Wahlsieg im Frühjahr 1990 ignorierte die politische Führung. Ein Hungerstreik für ihre MitstreiterInnen, jahrelange Gefangenschaft und die Weigerung gegenüber der Militärjunta, das Land zu verlassen, zeigt sie immer wieder neu als unbeugsame, aber gewaltfreie Kämpferin für Recht und Gerechtigkeit – ihre Isolation überlebt sie dank strengster Disziplin mit Hilfe von Meditation und Lernen.

Seit 2003 steht sie wieder unter Hausarrest. 2006 kam es zu einem Treffen zwischen Aung San Suu Kyi und dem UN-Gesandten Ibrahim Gambari in Rangun, ihr erstes Treffen mit einem ausländischen Vertreter nach über drei Jahren. Es fand im Rahmen einer neuen diplomatischen UN-Mission statt, in der mit der Regierung über die Achtung der Menschenrechte und die Wiedereinführung der Demokratie gesprochen wurde. Nach einer Reihe von Treffen auf Regierungsebene signalisierte das Regime, dass es an einem weiteren „Dialog“ mit Aung San Suu Kyi kein Interesse mehr habe. In einem Brief an General Than Shwe bot sie 2009 eine neue Ära der Zusammenarbeit an. Sie wollte sich gemeinsam mit der Militärführung für die Aufhebung der internationalen Sanktionen einsetzen. Im März 2010 wurde Suu Kyi, die Hoffnungsträgerin ihres Landes, durch ein von der Militärregierung neu eingeführtes Wahlgesetz von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen.

Die Militärherrschaft Burmas gilt als eines der brutalsten Regime der Welt.

Bereits 1991 erhielt Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis - angenommen an ihrer Stelle von ihren Söhnen - und zuvor den Sacharow-Preis durch das Europäische Parlament. Im Jahr 2000 verlieh ihr US-Präsident Bill Clinton die Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA. Kanada gewährte ihr 2007 die Ehrenstaatsbürgerschaft

Ein Porträt von Aung San Suu Kyi findet sich auf dem Portal http://www.fembio.org. FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit umfassendste Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika.


Die Menschenrechtsaktivistin Erika Korn kommentiert: “Demokratie und Frauen-rechte sind die wichtigsten Stützen der zukünftigen Entwicklung von Gesellschaften - weltweit.“

Anfragen zu Interviews oder Lesungen bitte direkt an Prof.in Dr.in Luise F. Pusch richten! (lfp(at)fembio.org)

17.06.2010

FemBio: Florence Nightingale - Vorbild für die moderne Krankenpflege

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FemBio: Florence Nightingale
Vorbild für die moderne Krankenpflege

Der englischen Krankenpflegerin und Reformerin Florence Nightingale gedenken wir dies Jahr zu ihrem 100. Todestag im August und zum 190. Geburtstag am 12. Mai 2010. Sie gab nichts auf die Forderungen an sie als junge Dame der englischen Oberschicht. Und doch schaffte sie es bereits mit 36 Jahren, Nationalheldin zu werden. 

Sie hatte die Sterblichkeitsrate der Soldaten in den Lazaretten durch ihren genialen Einsatz enorm reduziert und neue Maßstäbe in der Krankenpflege gesetzt. Dabei entschied sie sich – nach einem langen Ringen um die Frage, wie sie ihrem Leben Sinn geben könnte – erst mit 32 Jahren, sich zur Krankenpflegerin ausbilden zu lassen. Ihre Schrift „Cassandra“, ein flammender Protest gegen die erstickende Weiblichkeitsnorm ihrer Klasse und ein zentraler Text des englischen Feminismus, war der Einstieg in ihr aktives Leben. 1853 übernahm Nightingale die Leitung eines Frauen-Spitals. Ein Jahr später wurde sie vom Kriegsminister auf die Krim geschickt, um den schrecklichen Missständen in den Lazaretten entgegenzuwirken. Nur 38 Krankenpflegerinnen standen ihr zur Seite in ihrem unermüdlichen Kampf gegen den Mangel an Nahrung, an Hygiene und Sanitätsmaterial, gegen den engstirnigen Widerstand der Heeresbürokratie, gegen die Cholera und andere Krankheiten. Bald hielt die energische Verwaltungschefin die gesamte Versorgung der Lazarette mit über zehntausend Menschen in ihrer Hand – und revolutionierte dabei die Krankenpflege. 

Nach ihrer Rückkehr nach England, krank durch die aufreibenden Anforderungen, aber entschlossen weiterzukämpfen, schrieb sie nicht weniger als 200 Bücher und Berichte über soziale Probleme, wie z.B. den Welthunger, die Erziehung, den Bau von Krankenhäusern und die Heeresverwaltung. Ihre School for Nursing wurde zum erfolgreichen Vorbild für eine moderne Krankenpflegeausbildung. Königin Viktoria über die geniale Organisatorin: „Ich wünschte, wir hätten sie im Kriegsministerium!“ 

Ein Porträt von Florence Nightingale mit allen relevanten Quellen (Bücher und Links) findet sich auf dem Frauenbiographie-Portal http://www.fembio.org. FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit umfangreichste Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika. 

Die Psychotherapeutin und Jugendexpertin Dr. Maria Theresia Jung verweist vor allem auf den Vorbildcharakter von Florence Nightingale, der weit über ihre Generation hinausreicht, mit dem Motto: „Helfen hilft allen!“

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09.05.2010

FemBio:  Naomi Klein - Der Ruf nach Gerechtigkeit

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FemBio: Naomi Klein
Der Ruf nach Gerechtigkeit

Die kanadische Journalistin, Aktivistin und Globalisierungskritikerin Naomi Klein – 40. Geburtstag am 5. Mai – ist ein brillianter und gleichwohl gefürchteter Medienstar. Der Weg dorthin war steinig. Für ihre schonungslose Systemkritik ist sie von den politischen Eliten der Bush-Ära heftigst kritisiert worden. Unbeugsam weitete sie jedoch ihr Kritikfeld von den Marketingstrategien großer Konzerne und ihren omnipräsenten Logos aus auf globale systematische Ausbeutung, Gewalt und Un-terdrückung – mit einem besonderen Augenmerk auf die Situation der Frauen, vor allem an der Peripherie der Globalisierungszentren.

Eine links orientierte und feministisch ausgerichtete Herkunft gibt ihr von jungen Jahren an starke Impulse. Ihre Mutter Bonnie Sherr Klein wurde 1980 mit dem Dokumentarfilm „This is not a Love Story“ bekannt – eine erste Analyse kommerzieller Pornografie, die viel Aufsehen erregte und Zustimmung, aber ebenso wüsteste, sexistische Beschimpfungen in den Medien. 1989 erlebt Naomi an der Polytechnischen Hochschule von Montreal den Amoklauf eines jungen Mannes, der sich gegen Frauen richtete:  Er erschießt 14 Frauen und schreit dabei seinen Hass auf Feministinnen heraus. „Von da an war ich Feministin“, so Klein zu diesem Schlüsselerlebnis. Sie hat ihr erstes journalistisches und politisches Feld gefunden und wird Chefredakteurin der Uni-Zeitung. Mit 23 Jahren ist sie bereits Chefredakteurin der linken Wochenzeitung „This Magazine“. Seit 1993 ist sie liiert mit dem Journalisten und Dokumentarfilmer Avi Lewis, auch er hat politisierte Eltern, die Mutter ist eine bekannte Feministin.

Enttäuscht vom Zustand der Linken wendet sie sich dem Arbeitsfeld „Ökonomie“ zu: den aggressiven Werbestrategien der Konzerne, die gleichzeitig massenhaft Arbeitsplätze in Sweatshops armer Länder auslagern und sich als mächtiger gebärden als Regierungen.
   
2000 erscheint „No Logo“. Naomi Klein trifft weltweit den Nerv vieler Menschen. Das Buch wird in 28 Sprachen übersetzt. Ihr Ziel ist es, Zusammenhänge von Neoliberalismus, Konzerngewalt, Katastrophen und staatlicher Repression wie von Überwachung, Folter und Kriegen aufzuzeigen. Sie ist sowohl als Beobachterin im Ausland unterwegs (Argentinien, später Irak) als auch als Publizistin und Aktivistin im eigenen Land. 2007 erscheint „Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus.“ Sie habe „die Meister-Erzählung unserer Zeit aufgedeckt“, schreibt Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, in der „New York Times“.

In den deutschen Medien wird sie fast durchweg von männlichen „Experten“ mit sexistischem Unflat beworfen, der zudem teils antisemitisch eingefärbt ist. Die Medienwissenschaftlerin Brigitta Huhnke kritisierte in einer Expertise zur deutschen Medienreaktion auf Klein „journalistische Inkompetenz und den Verfall öffentlicher Diskurse, in denen Nähe zu den Herrschenden, Projektion und Missachtung zunehmend an die Stelle von Unabhängigkeit, Vernunft und Argumentation treten“.

Brigitta Huhnkes ausführliches Porträt von Naomi Klein findet sich auf dem Frauenbiographie-Portal http://www.fembio.org. FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit größte Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an frei verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und USA.
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Die Diplom-Psychologin und Biographieforscherin Marie Furtwängler unterstreicht die Bedeutung eines Biographie-Portals für Frauen: „Während Männer über Jahrhunderte hinweg wussten, wie wichtig es ist sich zu verbinden – Netzwerke auf allen Ebenen der Gesellschaft zu bilden – haben Frauen erst Mitte des 20. Jahrhunderts zielstrebig angefangen, Lobbyarbeit für sich selbst und ihre Anliegen zu betreiben und auf ihrer Unabhängigkeit zu bestehen, um nicht alle männlichen Entscheidungen, wie zum Beispiel Kriege, mitzutragen. Frauen mussten und müssen Networking erst lernen. Neuere Biographien belegen diesen Trend.“


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FemBio Pressestelle
Evelyn Thriene

Zähringerplatz 11
D-78464 Konstanz

Tel. 0049-(0)7531-282833
Mail: lebenmitdemsee(at)web.de

01.05.2010

FemBio: Das Gedächtnis der Frauen

FemBio e.V. http://www.fembio.org

P r e s s e i n f o r m a t i o n
FemBio: Das Gedächtnis der Frauen
Weltweit größtes Online-Archiv an Frauenbiographien

Der gemeinnützige Verein FemBio e.V. stellt die weltweit größte Datenbank mit Biographien bedeutender, aber nicht selten vergessener Frauen aus aller Welt bereit. Schwerpunkte sind bis dato Europa und die USA.

Die Kurzbiographien erinnern an Lebensleistungen interessanter Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart. Die Präsentation der Lebensgeschichten umfasst nicht nur Grundinformationen über Leben und Werk, sondern arbeitet gerade die besonderen Lebensumstände aus weiblicher Perspektive heraus, die meist bisher gar nicht dokumentiert wurden. 

Gegründet wurde das Institut für Frauen-Biographieforschung 2001 von der Linguistik-Professorin und Autorin Luise F. Pusch (Hannover/Boston). Die Besonderheit der „FemBiographien“ charakterisiert sie wie folgt: „Ein gewöhnliches Lexikon informiert nicht darüber, wie diese Frauen wirklich gelebt haben. Wenn z.B. große Frauen von Männern behindert, benachteiligt, missbraucht, gequält oder gar ermordet wurden, so erfahren Sie das in anderen Quellen meist nicht. Wenn die Frauen lieber mit Frauen als mit Männern zusammen lebten, so wird das in der Regel ‚diskret’ übergangen. In einer FemBiographie werden aber solche biographischen Fakten genau so wichtig genommen wie alle anderen.“

Heute sind über 30.000 bedeutende Frauen offline dokumentiert: Ein Viertel davon (derzeit 7.400) können über die Eingabe des Namens oder über zahlreiche Kriterien (circa 250 Attribute) gefunden werden. Bereits seit 1982 werden Daten gesammelt, und täglich kommen neue hinzu. Ein Ziel von FemBio e.V. ist es, alle 32.000 Datensätze online kostenlos verfügbar zu machen.

Wer wissen möchte, welche großen Frauen an einem bestimmten Tag Geburtstag haben, in Bern geboren oder gestorben sind, Frauenbeziehungen hatten oder Einzelkinder waren, wird hier fündig. Ebenso lässt sich recherchieren, welche englischen Schriftstellerinnen eine Autobiographie schrie-ben, welche deutschen Journalistinnen emigrierten oder welche französischen Malerinnen einen jüngeren Mann liebten, undsoweiter.

Eine besondere Hervorhebung erfahren auf der Website die Frauen der Woche und die Frauengedenktage für jeden Tag. Ergänzt wird das Angebot durch die Weblogs von Luise F. Pusch (mit ihrer jeweils neusten Glosse) und Joey Horsley (Englisch), Empfehlungen zu Büchern, Hörbüchern, Webseiten, Musik, Filmen und TV-Produktionen. Ein wöchentlicher kostenloser Newsletter informiert über die “Frauen der Woche”, oft neue Biographieeinträge. 


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14.04.2010

„Diese Frau ist der Rede wert“: Luise Pusch, BücherFrau des Jahres 2004 ...

... wird auf der Frankfurter Buchmesse geehrt.

Das Zitat ist treffender Titel einer Festschrift für Luise Pusch, die dieses Jahr ihren 60. Geburtstag feierte. Und wer könnte dem widersprechen? Für ihr unermüdliches feministisches Engagement wird dieser engagierte Linguistin, Autorin, Herausgeberin, Streiterin für die weibliche Hälfte der Gesellschaft dieses Jahr die Ehrung zur BücherFrau des Jahres zuteil. Wie kaum eine andere hat Luise Pusch in den letzten Jahren und Jahrzehnten dafür gesorgt, den Blick auf gesellschaftliche Missstände zu lenken und die Frauen ins Zentrum der Betrachtung zu holen, dabei aber stets mit Charme und einer Portion Ironie, auf ihre ganz eigene Art und Weise und ohne moralischen Zeigefinger.

Ihre Buchveröffentlichungen sprechen für sich:
Angefangen von ihrem Bestseller „Das Deutsche als Männersprache“ (1984), über die Essay-Bände „Alle Menschen werden Schwestern“ (1990) und „Die Frau ist nicht der Rede wert“ (1999). Dazu gesellt sich ihr ursprünglich unter Pseudonym veröffentlichter (autobiografischer) Roman „Sonja“ (inzwischen bei Suhrkamp unter ihrem Namen erschienen).

Nicht zu vergessen sei auch Luise Pusch als Herausgeberin der Sammelbände „Berühmte Frauen“: „Schwestern berühmter Männer“ (1985), „Töchter berühmter Männer“ (1988) und „Mütter berühmter Männer“ (1994) sowie der Trilogie „WahnsinnsFrauen Bd. 1-3“ (1992-1999), dem Suhrkamp-Frauenkalender „Berühmte Frauen“ und dem Memory-Spiel selben Namens.

Die Ehrung findet im Rahmen der Frankfurter Buchmesse traditionell auf der WIP (Women In Publishing)-Party am Samstag, 9.10. von 16 bis 18 Uhr im Raum Concorde, Halle 4.C statt.

Die Frankfurter Buchmesse geht vom 6. bis 11.10.2004 und der Stand der BücherFrauen ist 4.1 D 154.


“Für nichts wird soviel Reklame gemacht wie für Männer” sagte Luise F. Pusch. “Unentwegt erinnern sie an sich selbst: auf Geldscheinen und Gedenkmünzen, mit Bronzebüsten und Straßenschildern, in Lexika und Zitatensammlungen. Frauen kommen dabei, beziehungsweise kamen bis vor kurzem, so gut wie nicht vor. Informationen über bedeutende Frauen der Vergangenheit sind schwer zugänglich, nur mühsam und eher zufällig auffindbar in den dicken Wälzern über ‘wichtige Männer’.”

Frauen haben zur Geschichte und zur Kultur im selben Maße beigetragen wie die Männer, aber die männliche Geschichtsschreibung hat den weiblichen Beitrag entweder trivialisiert oder marginalisiert oder “vergessen”. Seit vielen Jahren arbeitet Luise F. Pusch gegen dieses “Vergessen” an.

Prof. Dr Luise F. Pusch leitet das von ihr in Hannover gegründete Institut für feministische Biographieforschung, FemBio. Ihre Frauenbiographie-Datenbank enthält Einträge zu mehr als 30.000 bedeutenden Frauen international.

Kontakt:

Institut für feministische
Biographieforschung

Prof. Dr. Luise F. Pusch

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Hedwig Dohm