Karoline Schulze–Kummerfeld

(Caroline/Karoline Schulze/Schultze [Geburtsname]; Karoline Kummerfeld [Ehename])

geboren am 30. September 1745 in Wien
gestorben am 20. April 1815 in Weimar

deutsche Schauspielerin und Memoirenschreiberin
200. Geburtstag am 20. April 2015


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Vor allem in der Rolle von Lessings »Miss Sara Sampson« war Karoline Schulze beliebt beim deutschen Publikum. Mit dem Theaterleben war sie aufgewachsen. Ihre Mutter entstammte dem Adel und war aus der Ehe mit einem ungebildeten Landedelmann geflohen und beim Theater gelandet. Ihr Vater konnte sein Universitätsstudium nicht finanzieren und landete ebenfalls beim fahrenden Volk. Als Kind mußte auch die kleine Karoline ihr Brot auf den Brettern verdienen.

Geschult in der lebhaften, ausdrucksvollen Darstellungskunst des Stegreifspiels, verstand es Karoline Schulze, die ZuschauerInnen auch in auswendig gelernten Rollen zu fesseln. Sie spielte bei den besten fahrenden Theatertruppen ihrer Zeit, mit Doebbelin (1757-58), Ackermann (1758-1767) und Koch (1767-68). In Hamburg vertrieben die Theaterkabalen der Madame Hensel sie 1767 von der Bühne. Dadurch verlor sie die Chance, an Deutschlands erstem Nationaltheater aufzutreten. Bei Koch in Leipzig aber erlangte sie noch mehr persönlichen Ruhm.

1768 verließ Karoline Schulze das Theater, um einen Hamburger Bankschreiber zu ehelichen - nicht ohne vorher (wie sie meinte) ihre Ehre und ihre Zukunft schriftlich abzusichern. Der Bankschreiber wurde leider wahnsinnig und starb 1777; er hinterließ ihr nur Schulden. Diese zu bezahlen sah sie als ihre Pflicht an, obwohl sie rechtlich nicht dazu gezwungen war. Dafür mußte sie hart arbeiten. Als sie versuchte, ihre Kunst wieder auszuüben, fand sie nicht mehr die frühere Resonanz - vorbei die Zeit, wo die Zuschauer sie nachts singend durch die Straßen nach Hause begleitet hatten. In Weimar, in der Nähe ihrer Gönnerin, der Herzogin Anna Amalie, eröffnete sie 1785 eine Nähschule. Dort starb die einst Gefeierte 1815.

Ihre für die Frauen- und die Theatergeschichte sehr aufschlußreichen Memoiren sind lebendig und anschaulich geschrieben. Es finden sich darin detaillierte Beschreibungen der allgemeinen Bedingungen des damaligen Theaters und des Alltags einer Theaterfamilie zur Zeit der Wandertruppen. Interessant für die Frauen-Sozialgeschichte sind ihre Schilderungen der Nachstellungen von Männern und der Hausarbeit von Mutter und Tochter. Aus den Memoiren entsteht das Bild einer selbstbewußten Frau des achtzehnten Jahrhunderts.

Schulze-Kummerfeld war stolz auf ihre Fähigkeiten, wohl aber eher bescheiden für ihre Person. Dennoch hat sie sich zu behaupten und für sich zu sorgen gewußt. Wegen der naiven Erzählkunst ihrer Memoiren verdient sie nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Schriftstellerin anerkannt und bekannt zu werden.

(Text von 1995)

Katherine R. Goodman

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Zitate

Nicht um müßig, bequemer oder freier zu leben, bin ich auf dem Theater. Meine Eltern waren vor mir auf demselben und gaben mir bei dem Theater mein Dabeisein. Gereicht mir also zu keinem Vorwurf, und unglücklich wäre der oder die, die über mich die Nase rümpfen oder mir Achtung versagen würden, die mir zukäme.[...] Ich bin stolz und hitzig wie ein Mann.
(Karoline Schulze-Kummerfeld)

1828, Anfang März (?).
Hier, caro amico [v. Holtei] das Opus der Voigt [Lebensgeschichte der Caroline Kummerfeld geb. Schulz]... Die darin vorkommenden Geschichten sind toll genug; »Stella« verbürgt sich für die Wahrheit derselben, und ich, die ich die kleine, alte, sehr rechtliche Heldin noch persönlich gekannt habe, möchte es ebenfalls thun. Goethe hat mir erzählt, daß sie damals wirklich Furore gemacht, und wie er als Student zum Sterben in sie verliebt gewesen und sich im Leipziger Parterre die Hände fast wund geklatscht habe, wenn sie in dem Weiße’schen Trauerspiel als Julia auftrat und in der Scene, ehe sie den Trank nimmt, die Ottern und Schlangen und Kröten von ihrem weißatlasnen Reifrock herunterschlenkerte, die sie in ihrer Phantasie daran heraufkriechen sah.
(Johanna Schopenhauer. Briefe an Karl von Holtei. Leipzig 1870)

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Links

Deutsche Digitale Bibliothek: Schulze-Kummerfeld, Karoline (Hamburger Schauspielerin, geb. 30.09.1745 in Wien, gest. 20.04.1815).
Online verfügbar unter https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/JITFTZN7F5DPV4MDMG4QW4CX7DYO5NFO?query=Karoline+Schulze-Kummerfeld&rows=20&offset=0&viewType=list&firstHit=JITFTZN7F5DPV4MDMG4QW4CX7DYO5NFO&lastHit=lasthit&hitNumber=1, abgerufen am 14.04.2015.

Freie Universität Berlin: Die Selbstzeugnisse der Schauspielerin Karoline Schulze-Kummerfeld (1742-1815); kritische Edition des Gesamtwerks.
Online verfügbar unter http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/fmi/arbeitsbereiche/ab_ulbrich/DFG_Projekt_Schulze-Kummerfeld/, abgerufen am 14.04.2015.

Kürschner, Joseph: Kummerfeld, Karoline. In: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 372–374, Digitale Volltext-Ausgabe. Hg. v. Wikisource.
Online verfügbar unter http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Kummerfeld,_Karoline, abgerufen am 14.04.2015.

Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation: Schulze, Karoline; verehel. Kummerfeld, auch genannt Schulze-KummerfeldVerlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Online verfügbar unter http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Schulze_Karoline_1745_1815.xml, abgerufen am 14.04.2015.



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Literatur & Quellen

Goozé, Marjanne E. (Hg.) (2007): Challenging separate spheres. Female Bildung in eighteenth- and nineteenth-century Germany. Darin: Arons, Wendy: »Lass mich sein, was ich bin«. Karoline Schulze-Kummerfeld’s performance of a lifetime. Oxford. Lang. (North American studies in the 19th-century German literature, 40) ISBN 978-3-03911-018-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Goozé (Hg.) 2007 – Challenging separate spheres

Kreuder 2010 – Spielräume der Identität in Theaterformen

Roloff (Hg.) 1997 – Editionsdesiderate zur Frühen Neuzeit

Kreuder, Friedemann (2010): Spielräume der Identität in Theaterformen des 18. Jahrhunderts. Freie Univ., Habil.-Schr.—Berlin, 2005. Enthält ein Kapitel zu den Lebenserinnerungen der Schulze-Kummerfeld. Tübingen. Francke. ISBN 978-3-7720-8354-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Roloff, Hans-Gert (Hg.) (1997): Editionsdesiderate zur Frühen Neuzeit. Beiträge zur Tagung der Kommission für die Edition von Texten der Frühen Neuzeit. Zweiter Teil. Enthält Beitrag zu Veröffentlichungen der Lebenserinnerungen Schulze-Kummerfelds. Amsterdam. Rodopi. (Chloe, 25) ISBN 904200312X.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Schulze-Kummerfeld 1915 – Lebenserinnerungen der Karoline Schulze-Kummerfeld

Schulze-Kummerfeld 1988 – Ein fahrendes Frauenzimmer

Simons (Hg.) 2004 – Deutsche Autobiographien 1690–1930

Schulze-Kummerfeld, Karoline (1915): Lebenserinnerungen der Karoline Schulze-Kummerfeld. Herausgegeben und erläutert von Emil Benezé. 2 Bände. Berlin. Selbstverl. der Gesellschaft für Theatergeschichte. (Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, 23/24)
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Schulze-Kummerfeld, Karoline (1988): Ein fahrendes Frauenzimmer. Die Lebenserinnerungen der Komödiantin Karoline Schulze-Kummerfeld (1745–1815). Herausgegeben von Inge Buck. Berlin. Orlanda Frauenverlag. ISBN 3-922166-42-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Simons, Oliver (Hg.) (2004): Deutsche Autobiographien (1690–1930). Arbeiter, Gelehrte, Ingenieure, Künstler, Politiker, Schriftsteller. CD-ROM, enthält die Lebenserinnerungen der Karoline Schulze-Kummerfeld. Berlin. Directmedia Publishing. (Digitale Bibliothek, 102) ISBN 3-89853-502-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

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Hedwig Dohm