Gunta Stölzl

(Adelgunde Stölzl, Gunta Sharon-Stölzl, Gunta Stölzl-Stadler)

geboren am 05. März 1897 in München
gestorben am 22. April 1983 in Zürich

Deutsch-Schweizerische Textilkünstlerin


BiografieZitateWeblinksLiteratur & QuellenBildquellen


Biografie

Gunta Stölzl war die einzige vollwertige Meisterin, die das Bauhaus in seiner 14-jährigen Geschichte hervorbrachte. Nicht der Meisterrat, sondern die Angehörigen ihrer Werkstatt, der Weberei, hievten sie in diese Position. Unter Stölzls Leitung gedieh die Weberei zu einem der einträglichsten Bauhaus-Ressorts. Dass die Ausnahme-Meisterin 1931 dennoch regelrecht herausgeekelt wurde, hatte freilich andere Gründe.

»Ein neuer Anfang. Ein neues Leben«: Von München nach Weimar

Im Oktober 1919, sechs Monate nach Bauhaus-Gründung, trug sich Gunta Stölzl in dessen Studierendenliste ein. Begeistert notierte sie: »Ein neuer Anfang. Ein neues Leben« (alle nachfolgenden Stölzl-Zitate (1) aus: Stölzl 1997; (2) aus: Stölzl 2009; (3) aus: Droste 1987). 22 Jahre war sie damals alt. Und künstlerisch reichlich vorgebildet: Fast acht Semester hatte sie bereits an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München absolviert. 1917 unterbrach sie ihr Studium kurzzeitig: Heimgesucht von einer künstlerischen Sinnkrise, wurde sie durch flammenden Kriegsberichte ihres vier Jahre älteren Bruders Erwin dazu angestachelt, etwas »für das Vaterland ... zu tun« (2). Fortan pflegte sie als Rotkreuzschwester verwundete deutsche Soldaten in Italien und Flandern. Eingangs begrüßte sie den sogenannten Großen Krieg ausdrücklich. Am Ende gestand sie: »Über die furchtbare Kriegslage kann ich mich gar nicht aussprechen« (2). Zurück in München, 1919, empfand sie das dortige kulturelle und soziale Klima plötzlich klaustrophobisch eng. Kurzerhand wechselte sie nach Weimar ans Bauhaus, dessen offiziell emanzipatorisches Programm ihr ungleich zeitgemäßer schien.

»...statt dass ich schlechte Fresken male«: Einstieg in die Textilkunst

Eigentlich wollte Gunta Stölzl Glas- oder Freskenmalerin werden. Von bohrenden künstlerischen Selbstzweifeln geplagt, zauderte sie bald: Lieber stehe sie künftig »irgendwo und bemale Möbel sehr gut«, als dass sie die Welt mit »schlechte(n) Fresken« (2) übersäe. Sie lenkte ihren Fokus in Richtung Textilkunst und fasste mit zwei Kommilitoninnen den Entschluss, eine reine Bauhaus-Frauenklasse zu gründen. »Mit diesem Plan gingen wir zu Gropius«, berichtete sie hochbetagt, »und unser Plan gelang« (1): 1920 installiert und 1921 in der Weberei aufgegangen, korrespondierte der Impuls zur Geschlechterseparierung trefflich mit Direktor Gropius’ Zukunftsplänen: Im Glauben, die meisten Bauhausschülerinnen studierten ohnedies in die Hausfrauenehe hinein, hatte er längst überlegt, »die wenigen Plätze« anderer Werkstätten nur noch mit »den Befähigtesten« (1) zu besetzen, womit er die männliche Schülerschar meinte. Stölzl freilich band an die Idee einer Frauenklasse andere Hoffnungen: Zeitlebens in produktive Frauenfreundschaften involviert und angemürbt vom enormen männlichen Konkurrenzdruck der Kunstschule, versprach sie sich von einer männerexkludierenden Arbeitsstätte einen Kreativitätsschub für alle Studentinnen.

»Wir glaubten ja beinahe, das Weben erfunden zu haben«: Selbstbewusstseins-Schübe

»Kühe in der Landschaft«, betitelte Gunta Stölzl ihren ersten – noch – gegenständlichen Gobelin, den sie 1920 an geliehenem Hochwebstuhl schuf. Das notgedrungen freie Experimentieren mit Garn- und Stoffresten, Spitzen und Schleiern, Leder- und Pelzfetzen – angesichts darniederliegender Finanzen erbettelten die StudentInnen das Gros ihres Materials vor Ort bei auserwählten WeimaranerInnen – faszinierte sie. Laut Stölzl und Annie Albers fehlte eingangs jede Kontrolle. Und jede Anleitung: Helene Börner, die Werkmeisterin, habe nichts anderes verkörpert als eine »Handarbeitslehrerin ältesten Stils«, die »nicht einmal die einfachste Bindungslehre« habe vermitteln können (1), erinnerte Stölzl wenig freundlich. Das nahezu anarchische Klima stärkte Gunta Stölzls Selbstbewusstsein: »Wir glaubten ja beinahe, das Weben erfunden zu haben ... so unbeschwert vom traditionellen Handwerk manipulierten wir den Webstuhl.« (1) Schon bald, noch als Schülerin, wagte sie die ersten Schritte als Lehrerin. Offiziell war der Maler und Graphiker Georg Muche seit 1921 Formmeister der Weberei. Da er textilhandwerklich gänzlich unbeflissen war, hielt inoffiziell allerdings rasch Stölzl die Zügel in der Hand. Die SchülerInnen liebten sie, denn sie ersetzte hierarchiefürchtige Pädagogik durch solidaritätsgläubiges Teamwork.

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»Wir wollen nicht Künstler werden, sondern Menschen«: Künstlerische Ambitionen und Optionen

Nicht »Kunst um d. Kunst willen« wolle sie hervorbringen, erklärte Gunta Stölzl streng bauhaus-konform, »sondern Dienst am Menschen« (1) wolle sie leisten. »Wir wollen nicht Künstler werden, sondern Menschen«. Motivische Abstraktion und exzeptionelle Material-Mixe kamen ihr hierzu gerade recht. Ihre frühen Arbeiten waren oft schreiend bunt und strotzten vor frei abstrahierten Phantasiemustern. Danach dominierte die gemäßigte, geometrisierende Linie. Liebend gern mischte sie hier einen Metallfaden ins Textil, dort ein Band, ein wenig Wolle oder Seide, später, ab 1925/26, Cellophan, Kunstbast, Papier- oder Eisengarn. »Die Lust zu weben – aus dem Material heraus zu gestalten« erklärte sie zur Lebensmaxime: »Ich hoffe, dass in meinen Arbeiten der Puls noch zu spüren ist, das Glück des Webens«, erklärte sie 78-jährig (1). Ehemals von antiquiertem Kunstgattungs-Hierarchiedenken absorbiert, redete sie die Genres nun gleich. Sie schuf Teppiche, die sich wie Bilder lasen. Neugierig arbeitete sie sich durch alle greifbaren Materialien, Farben, Strukturen und Techniken. Schon 1921 glückte ihr ein bis heute vielzitiertes, temperamentvoll gemustertes Gewebe, die blau-rot-gelbe Bespannung für Marcel Breuers sog. »Afrikanischen Stuhl«. Nebenher tüftelte sie an vielerlei Gebrauchstextil, belegte 1922 mit Freundin Benita Otte einen Färbereikurs im entlegenen Krefeld. Bei ihrem sog. Gesellenstück von 1923, einem 2 x 3 m großen Smyrnateppich (realiter erhielten Bauhaus-WeberInnen erst ab 1925 einen extern anerkannten GesellInnenbrief), verwirbelte sie erneut dicht an dicht gesetzte abstrakte Figuren. Auf der ersten Bauhausausstellung 1923 präsentiert, war der Teppich rasch nach Holland verkauft.

»Ich stelle mich so oft ... außerhalb der bürgerlichen Welt«: Zwischen Rebellion und Anpassung

1919, als querbeet die Revolutionen brodelten, betonte Stölzl, »immer schon mehr zu den Sozialisten« (2) tendiert zu haben. »Ich stelle mich so oft ... außerhalb der bürgerlichen Welt« (1). Die NachbeterInnen »überbrachte(r) Gesellschaftsform«, glaubte sie, seien »jedes selbständigen Denkens« enthoben. Im dennoch frisch belegten Tanzkurs erschienen ihr die Mitfrauen als andere Spezies, als »hübsch angezogene Puppen, mit denen man den Abend ganz gern verplaudert«, während sie sich selbst den Herren der Runde zuordnete – »wir (die Männer)« (2). Parallel waren ihr von Anfang an allzu dick aufgetragene anti-bürgerliche Attitüden ein Gräuel – »bin ich es denn ... und hab’ ich wirklich das Recht und die Kraft dazu?« (1). Ihre vielzitierten, 1926 publizierten Worte, nach denen Frauen besonders prädestiniert seien, »auf dem textilen Gebiet Schöpferisches zu leisten«, weil sie u.a. über »ein mehr rhythmisches als logisches Denken« verfügten (2), sollten dennoch nicht einseitig als Rolle rückwärts in genderpolitische Urzeiten interpretiert werden: Stölzl rezitierte jene, außer- wie innerhalb des Bauhauses begehrte biologistische Phrase, weil sie die von männlicher Rivalität weitgehend isolierte, schuleigene Weberei als weibliche Domäne sichern wollte. Ohnehin muss gelten: Dass sich Stölzl zwölf lange Jahre, d.h. weit länger als die meisten Frauen, an der Kunstschule hielt, war einer gehörigen Portion Kompromissbereitschaft und, ansatzweise, weltanschaulicher Deckungsgleichheit geschuldet. Bewusst oder unbewusst lebte Stölzl die letzte der drei Überlebensstrategien, die Forscherin Anja Baumhoff für Bauhaus-Frauen zusammentrug: Da Stölzl weder – wie Marianne Brandt – über einen männlichen Mentor verfügte, noch – wie Lucia Moholy – einen Bauhausmeister ehelichte (um danach unbezahlt für die Stätte tätig zu sein), war sie darauf angewiesen, die männliche Hälfte nicht über Gebühr zu verärgern und pflegte deshalb regulär nicht zu widersprechen. Zumindest nicht öffentlich.

»Es geht mir in der Arbeit jetzt ganz gut«: Werk- und Jungmeisterin


Rechtspolitische Querelen zwangen das Bauhaus 1925 von Weimar nach Dessau. Gunta Stölzl trat in Helene Börners Fußstapfen als Weberei-Werkmeisterin: »(e)s geht mir in der Arbeit jetzt ganz gut (1), berichtete sie ihrem Bruder, trotz strammen Arbeitspensums. Zwei Jahre später, nach Georg Muches Weggang, übernahm sie – dank ausdrücklicher Fürsprache der Werkstattangehörigen – die Weberei-Gesamtleitung. Für das Bauhaus eine kleine Sensation: Das erste Mal war eine Frau auf eine männlich besetzte Position gerückt, wenngleich »nur« innerhalb eines damals als »typisch weiblich« determinierten Genres. Obendrein sah ihr Arbeitgeber, der Magistrat der Stadt Dessau, für sie eine ungleich spärlichere Entlohnung vor als für die männlichen Kollegen, befristete ihren Vertrag auf Dreimonats-Intervalle und verwehrte ihr Rentenanspruch und Professorinnen-Titel. Stölzl rebellierte, drohte mit sofortiger Kündigung, war jedoch nur in puncto Gehalt erfolgreich. Parallel avancierte die Weberei dank ihrer Kreativität und Energie zu einer der lukrativsten Einrichtungen des Bauhauses, bzw., wie Stölzl bilanzierte, zur »am besten verdienende(n) Werkstatt«. Der glänzende Erfolg beeindruckte ihre kunsthierarchiegläubigen Mitmeister erschütternd wenig: Stringent wiesen sie den vermeintlich »kunstgewerblichen« Textilien den untersten Rang zu. »So blieben wir halt die Dekorativen im Sternenbanner Bauhaus«, scherzte Stölzl (3).

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»Besonders ideal ist dieses kapitalistische Unternehmen nicht«: Erste Dissonanzen

Bereits zu Weimarer Zeiten wies die Weberei stattliche 900 Eigentumsrechte an Textilien vor. 1925 pries Direktor Gropius das Ressort stolz als bestausgestattete Handweberei Deutschlands (3). Mit dem Umzug nach Dessau jedoch wuchs der von außen vorgegebene wirtschaftliche Erfolgszwang zusehends. Alle Weichen waren in Richtung preiswerter, von der Textilindustrie reproduzierbarer Massenware zu stellen, teure Einzelstücke zu meiden. Stölzl litt unter dem stetig steigenden Druck: »Alles muss sich rentieren, d.h. muss einen Geldwert haben ... Besonders ideal ist dieses kapitalistische Unternehmen nicht. Es ist alles wie draussen auch« (3). Seit 1927, dem letzten Jahr unter Gropius’ Führung, drohte die Textilwerkstatt aus allen Nähten zu platzen: Die Bauabteilung des Bauhauses war nun installiert und es galt, für alle erdenklichen Lebensbereiche des »Neuen Bauens« innovative Textilien zu entwickeln, lichtabsorbierende, abwaschbare Vorhänge, schallschluckende Wandbespannungen, reiß- und scheuerfeste Meterware. Nebenher verlangten Messen nach repräsentativen Kollektionen und waren vermeintliche Bagatellen dazwischen zu schieben, z.B. die Bettdecken-Entwürfe für das bauhauseigene Studierendenhaus oder, nachdem Hannes Meyer 1928 die Direktion übernommen hatte, die komplette Textilausstattung der Berliner ADGB-Bundesschule (1928-30). In jener Spanne wurde erstmals leise Kritik an Stölzl laut. Meyer, Stölzl eigentlich wohlgesonnen, rügte die Weberei als zu kunstgewerblich, zu formalistisch, zu individualistisch. Buchstäblich nebenbei gebar Gunta Stölzl am 8. Oktober 1929 Tochter Yael. Auch als Mutter wählte sie einen für die meisten Bauhausfrauen atypischen Weg: Sie zog nicht zu ihrem soeben geheirateten Mann, dem Architekten und Bauhaus-Schüler Arieh Sharon, der in Berlin den Bau der ADGB-Bundesschule leitete. Sie hielt an ihrem Dessauer Job fest.

»zukunftsfroh sieht es hier nicht aus«: Letzte Tage in Dessau

»ich sollte mich nach etwas neuem umsehen« (3), ließ Stölzl ihren Bruder Ende 1930 wissen, »zukunftsfroh sieht es hier nicht aus«. Die persönliche und politische Lage hatte sich in Dessau dramatisch zugespitzt: Eines Morgens fand Stölzl, vermutlich in Anspielung auf ihren jüdischen Mann, ein Hakenkreuz an ihre Tür geschmiert. Hannes Meyer, dem linken Flügel zugeneigt, war fristlos gekündigt worden, und mit ihm seinem Zögling, ihrem Gatten Arieh Sharon. Ludwig Mies van der Rohe führte nun das Direktorat. Gerne hätte er Lilly Reich, seine Freundin, an Stölzls Stelle gesehen. Nebenher lancierten drei StudentInnen die Häme, Stölzl könne »wolle nicht von baumwolle unterscheiden« (zit. n. Müller, S. 48) und prangerte der Vater einer Schülerin vermeintliche Details ihres Privatlebens vor dem Dessauer Magistrat an. Zwar mangelte es Stölzl an schlagkräftigen Beweisen, doch wähnte sie Mitmeister Wassily Kandinsky als Drahtzieher allen Übels. Er habe »wohl nie besondere sympathien« für sie gehegt (1) und beisse, »weil er furcht hat vor meinem bolschew. mann«. (1) Stölzl wusste fast nur noch die Kostufra, die Kommunistische Studentenfraktion hinter sich und kündigte im März 1931, um ihrer Entlassung zuvorzukommen: »ich bin froh, dass ich die sache los bin« (zit. n. Droste, 1987; S. 33), notierte sie im festen Glauben, die Stunden des Bauhauses seien angesichts der politischen Gesamtlage ohnedies gezählt. Sie habe der »weberei-abteilung ... einen über die landesgrenzen hinausgehenden ruf verschafft« (3), lobte Ex-Direktor Gropius im nachgereichten Zeugnis. Dass Stölzl – im Gegensatz zu ihrem textiltechnisch unbeleckten Vorgänger Georg Muche – lebenslang nie mehr einen Lehrstuhl besetzen durfte, ahnte damals niemand.

»meine berühmte vergangenheit! hilft mir natürlich auch ganz gut«: Zürich

In Deutschland chancenlos, gründete Stölzl im Herbst 1931 in Zürich mit zwei ehemaligen BauhäuslerInnen die Handweberei »S-P-H-Stoffe«. Spezialisiert auf die Produktion von Stofftypen für die Industrie und individueller textiler Objekte für Architekten, startete Stölzl das Projekt voller Elan. Insbesondere auf Messen verbuchte sie rasch kleine Erfolge, »meine berühmte vergangenheit! hilft mir natürlich auch ganz gut« (1), glaubte sie. Sie sollte sich irren: Bereits 1933 musste sie das Unternehmen schließen – ein Auftraggeber verweigerte die Zahlung. »Ich weiß absolut nicht wohin ich gehen kann« (3) gestand sie, permanent um eine Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis kämpfend. Erneut gründete sie eine Weberei, zunächst mit dem Bauhäusler Heinrich-Otto Hürlimann die »S+H-Stoffe«, später in Eigenregie, die »Handweberei Flora«, die sie bis 1967 führen sollte. 1942 heiratete sie, ihre erste Ehe war 1936 geschieden worden, den Autor Willy Stadler. Endlich war sie nun Schweizer Staatsbürgerin. Im September 1943, mit 46 Jahren, brachte sie Tochter Monika zur Welt.

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Als »Klassikerin der Textilkunst« würdigte die Neue Zürcher Zeitung Gunta Stölzl bereits 1980. Im Gegensatz zu den meisten Bauhaus-Frauen geriet Stölzls Œuvre niemals komplett aus dem Focus der Kunstoberen: 1949 kaufte das Busch-Reisinger-Museum in Cambridge einen Wandbehang aus Bauhaus-Tagen, 1958 schloss sich das New Yorker Museum of Modern Art an, 1967/68 das Londoner Victoria and Albert-Museum. Auch als das Bauhaus im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zum Liebling deutscher AusstellungsmacherInnen und AutorInnen avancierte, waren ihre Werke in den unzähligen Katalogen, Abhandlungen und Kalendern meistens präsent. »Sie war ja die begabteste von allen«, befand Freundin Gertrud Arndt (Link) (1). Auch Stölzl behielt ihre Bauhausjahre zeitlebens in bester Erinnerung – als »unverlierbare Schatzkammer« (2). Zur mangelnden Solidarität des Meisterkollegiums 1930/31 hat sie sich nie geäußert.

Annette Bußmann

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Zitate

»Die Weberei ist vor allem das Arbeitsgebiet der Frau. Das Spiel mit Form und Farbe, gesteigertes Materialempfinden, starke Einfühlungs- und Anpassungsfähigkeiten, ein mehr rhythmisches als logisches Denken sind allgemeine Anlagen des weiblichen Charakters, der besonders befähigt ist auf dem textilen Gebiet Schöpferisches zu leisten.« (Gunta Stölzl: Weberei am Bauhaus. 1926, zit. n. Stölzl 2009)

»unsere ansprüche, die der bauhausweberei, haben sich im laufe der 10 jahre natürlich reichlich oft gewandelt. die anfänge waren absolut tastend, man wollte nur den schönen zwecklosen stoff, man war glücklich, ein anderes ausdrucksmittel an stelle von aquarell und ölfarbe gefunden zu haben, mit dem sich wunderbar malen liess. « (Gunta Stölzl 1930, zit. n. Stölzl 1997)

»War die Arbeit (am Bauhaus, A.B.) das Wichtigste? Ich glaube heute noch, dass das Leben das Wichtigste war. Es war übervoll an Eindrücken, Erlebnissen, Begegnungen, Freundschaften. Freundschaften, die Jahrzehnte überdauerten« (Gunta Stölzl: In der Textilwerkstatt des Bauhauses. 1968, zit. n. Stölzl 1997)

»Erst nach ihrem Tod haben wir uns über die genauen Umstände ihres Abgangs vom Bauhaus informiert (...) über den Mangel an Solidarität der verantwortlichen Meister, die sie einfach haben fallen lassen, hat sie sich nie geäußert.« (Tochter Monika Stadler über ihre Mutter 1995, zit. n. Stölzl 1997)

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Links

Gunta Stölzl Foundation. Works, Museums, Literature, Exhibitions, Remakes, About. Umfangreiche Sammlung zu Leben und Werk, erstellt von Stölzls Töchtern und ihrem Enkel.
Online verfügbar unter http://www.guntastolzl.org/, abgerufen am 24.10.2014.

Bauhaus Online (2014): Gunta Stölzl.
Online verfügbar unter http://bauhaus-online.de/atlas/personen/gunta-stoelzl, abgerufen am 24.10.2014.

Deutsche Nationalbibliothek: Stölzl, Gunta 1897-1983 / Künstlerin. Bücher.
Online verfügbar unter https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118819836, abgerufen am 24.10.2014.

MoMA: The Collection | Gunta Stölzl (Swiss, born Germany. 1897–1983).
Online verfügbar unter http://www.moma.org/collection/browse_results.php?criteria=O%3AAD%3AE%3A5675&page_number=1&template_id=6&sort_order=1, abgerufen am 24.10.2014.

Radewaldt, Ingrid: Bauhaus-Frauen: Gunta Stölzl. In: EMMA, 1. September 2009.
Online verfügbar unter http://www.emma.de/artikel/bauhaus-frauen-gunta-stoelzl-264115, abgerufen am 24.10.2014.
WebCite®-Archivfassung: http://www.webcitation.org/6TZ16OP5t.

SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz: Stölzl-Stadler, Gunta [Sharon-Stölzl, Gunta (Adelgunde Franziska Genovefa); Stadler-Stölzl, Gunta (Adelgunde Franziska Genovefa)].
Online verfügbar unter http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4001644, abgerufen am 24.10.2014.

Stölzl, Gunta: In der Textilwerkstatt des Bauhauses 1919 bis 1931. In: Das Werk, 55 (1968), Heft 11.
Online verfügbar unter http://retro.seals.ch/digbib/view?pid=wbw-002:1968:55::2705, abgerufen am 24.10.2014.




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Literatur & Quellen

Baumhoff, Anja (2001): The gendered world of the Bauhaus. The politics of power at the Weimar Republic’s premier art institute; 1919 - 1932. Zugl.: Baltimore, Univ., Diss. Frankfurt am Main. Lang. ISBN 3-631-37945-5.
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Baumhoff 2001 – The gendered world

Droste (Hg.) 1987 – Gunta Stölzl

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Droste 2011 – Bauhaus

Fiedler, Feierabend et al. (Hg.) 1999 – Bauhaus

Günter 2008 – Die Textilwerkstatt am Bauhaus

Droste, Magdalena (Hg.) (1987): Gunta Stölzl. Weberei am Bauhaus und aus eigener Werkstatt. Berlin. Kupfergraben. ISBN 3-89181-401-1.
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Droste, Magdalena (1998): Das Bauhaus webt. Die Textilwerkstatt am Bauhaus ; ein Projekt der Bauhaus-Sammlungen in Weimar, Dessau, Berlin. Ausstellungskatalog. Berlin. G-und-H-Verl. (Jahresausstellung des Arbeitskreises Selbständiger Kultur-Institute, AsKI ., 1998) ISBN 3-931768-20-1.
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Droste, Magdalena (2011): Bauhaus. 1919 - 1933. Bauhaus-Archiv. Verantw.: Peter Hahn. Hong Kong. Taschen. ISBN 978-3822850022.
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Fiedler, Jeannine, Feierabend, Peter und Schmitz, Norbert (Hg.) (1999): Bauhaus. Köln. Könemann. ISBN 3895086002.
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Günter, Melanie (2008): Die Textilwerkstatt am Bauhaus. Von den Anfängen in Weimar 1919 bis zur Schließung des Bauhauses in Berlin 1933. Saarbrücken. VDM Verl. Dr. Müller. ISBN 978-38364-5379-0.
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Hansen-Schaberg, Thöner et al. (Hg.) 2012 – Entfernt

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Radewaldt, Stadler (Hg.) 1997 – Gunta Stölzl

Stadler, Aloni (Hg.) 2009 – Gunta Stölzl

Wortmann Weltge 1993 – Bauhaus-Textilien

Hansen-Schaberg, Inge, Thöner, Wolfgang und Feustel, Adriane (Hg.) (2012): Entfernt. Frauen des Bauhauses während der NS-Zeit - Verfolgung und Exil. München. edition text + kritik. (Frauen und Exil, 5) ISBN 978-3-86916-212-6.
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Müller, Ulrike (2009): Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. Unter Mitarbeit von Ingrid Radewaldt und Sandra Kemker. 1. Aufl. München. Sandmann. ISBN 978-3-938045-36-7.
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Radewaldt, Ingrid und Stadler, Monika (Hg.) (1997): Gunta Stölzl - Meisterin am Bauhaus Dessau. Textilien, Textilentwürfe und freie Arbeiten. Stiftung Bauhaus Dessau. Ostfildern-Ruit. Hatje Cantz. ISBN 3-7757-0689-5.
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Stadler, Monika und Aloni, Yael (Hg.) (2009): Gunta Stölzl - Bauhausmeister. Ostfildern. Hatje Cantz. ISBN 978-3-7757-2371-8.
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Stölzl, Gunta: Die Entwicklung der Bauhausweberei. In: Bauhaus. Dessau. 5.1931,2.

Wortmann Weltge, Sigrid (1993): Bauhaus-Textilien. Kunst und Künstlerinnen der Webwerkstatt. (=Bauhaus textiles)
Schaffhausen. Stemmle. ISBN 3-905514-09-5.
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