Margarete von Navarra

(Marguerite de Navarre (oder d'Angoulême), Königin von Navarra)

geboren am 11. April 1492 in Angoulême
gestorben am 21. Dezember 1549 auf Schloss Odos bei Tarbes

französische Dichterin und Diplomatin
465. Todestag am 21. Dezember 2014


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Sie beherrschte sieben Sprachen und schrieb ihre Texte meist nebenbei, in ihrer Sänfte, wenn sie über Land getragen wurde. Margarete von Navarra, die Schwester König Franz I., war die glänzendste und, wie die Chronisten rühmen, liebenswürdigste Gestalt der französischen Renaissance. Sie förderte die Künste und Wissenschaften, unterstützte die kirchlichen Reformbewegungen, auch wenn sie selbst den alten Glauben beibehielt, und baute und unterhielt viele Spitäler, u.a. das erste Pariser Kinderspital.

Sie führte ein wechselvolles Leben mit vielen Reisen und diplomatischer Tätigkeit für den Bruder (Damenfrieden von Cambrai). Zweimal unglücklich verheiratet, von häufigen Schwangerschaften und Fehlgeburten belastet, fand sie Ausgleich und später Zuflucht im Schreiben.

Ihr berühmtestes Werk ist das Heptameron, eine Boccaccios Decamerone nachgestaltete, unvollendet gebliebene Sammlung von 72 Novellen (100 waren geplant), die erst neun Jahre nach ihrem Tod erschien, unter Pseudonym und von “anstößigen” Stellen gereinigt. Sie schildert das Leben ihrer Gesellschaftsschicht mit Witz und Charme - ein spannendes Zeitdokument von hoher literarischer Qualität. Außerdem schrieb sie Mysterienspiele, Komödien, geistliche Lieder, epische Gedichte (ihre späten großen Dichtungen sind Les Prisons und das Navire) - und Liebesgedichte, die erst erst 350 Jahre später wieder auftauchten.

Sie war die engste Vertraute und Freundin ihres Bruders und zeitweilig die einflußreichste Frau an seinem Hof. Es war die Zeit der Glaubenskämpfe und brennenden Scheiterhaufen, die ihre Hoffnung auf eine Welt ohne Hass und Gewalt zunichte machten. “San sentement et comme en apathie” habe sie, so Rabelais, am Ende ihres Lebens den Ereignissen zugeschaut. Ronsard fand nach ihrem Tod alle Ehre, Grazie und Schönheit entschwunden.

(Text von 1992, zum 500. Geburtstag)

 

 

Birgit E. Rühe-Freist

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Zitate

Je mehr der Liebe, desto mehr Verdruß,
Ich seh nicht, wie es anders könnte sein;
Betrübter ich, je mehr ich schweigen muß,
Denn mein Gedächtnis still schenkt ihn mir ein,
All meinen Kummer, den ich oft vernein
Vor andern, spöttisch, um Vernunft zu zeigen;
Und also schaff ich mir mein Unglück eigens
Weil ichs verberg; drum hab ich denn entschieden,
Dass, diesen Schmerz zu tilgen, der mich peinigt,
Ich reden, reden werd - doch nicht mehr lieben.

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Literatur & Quellen

Brink, J. R. 1980. Female Scholars: A Tradition of Learned Women Before 1800. Montréal, Canada. Eden Press Women’s Publications.

Davis, B.  J.. 1990. Marguerite de Navarre.

Freer, M. 1986. The Life of Marguerite d’Angoulême. 2 Bde.

Margarete von Navarra. 1974. Die Liebesgedichte der Margarete von Navarra. Zweisprachig. Übs. u. hrsg. von Werner Dürrson. Darmstadt. Erato-Presse.

Marguerite de Navarre. 1975. L’Heptaméron. Paris. Edition Garnières Frères.

Metzler Autorinnen Lexikon. Hg. Hechtfischer, Ute, Renate Hof, Inge Stephan & Flora Veit–Wild. 1998. Stuttgart; Weimar. Metzler. 1998.

Sartori, Eva Martin & Dorothy Wynne Zimmerman. 1991. French Women Writers: A Bio-Bibliographical Source Book. New York. Greenwood.

Siemsen, Anna. 1943. Der Weg ins Freie. Zürich. Büchergilde Gutenberg.

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Hedwig Dohm