Adrienne Rich

(Adrienne Cecile Rich)

geboren am 16. Mai 1929 in Baltimore, Maryland
gestorben am 27. März 2012 in Santa Cruz, Kalifornien

US-amerikanische Dichterin und Essayistin


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Adrienne Rich ist eine der renommiertesten amerikanischen DichterInnen unserer Zeit. Davon zeugen zahllose Ehrungen wie der prestigeträchtige National Book Award, die Ehrendoktorwürde von Harvard oder das mit einer halben Million Dollar dotierte McArthur-Stipendium.

Aufgewachsen in Baltimore in einem kultivierten Südstaatenelternhaus, wurde sie früh von ihrem Vater, einem Pathologieprofessor, zum Gedichteschreiben angehalten. Schon ihr erster Gedichtband A Change of World (1951) wurde ausgezeichnet. Es war die Mutterschaft – Rich gebar zwischen 1955 und 1959 drei Söhne – die ihr Leben und Schreiben radikal veränderte, wie sie später in dem Buch Von Frauen geboren: Mutterschaft als Erfahrung und Institution beschreibt. Der erschöpfende Alltag mit drei kleinen Kindern, die sie liebte, die sie aber am Schreiben hinderten, bedeutete für sie eine Zerreißprobe. Neben der Entscheidung, sich nach der Geburt des dritten Sohnes sterilisieren zu lassen, war es vor allem ihr politisches Engagement, das ihr neue Möglichkeiten eröffnete. Der Durchbruch kam mit der neuen Frauenbewegung, die es ihr erlaubte, die Welt radikal zu hinterfragen und ihr Erleben als Frau in den Mittelpunkt ihrer Gedichte zu stellen.

Nach konfliktreichen letzten Ehejahren und dem Tod ihres Mannes 1970 wurden Frauen und die Liebe zu Frauen in ihrem Leben immer wichtiger. Mit der aus Jamaika stammenden Autorin Michelle Cliff lebt sie jetzt schon über 30 Jahre zusammen. Ihr Essay “Zwangsheterosexualität und lesbische Existenz” sowie ihre facettenreichen Liebesgedichte an Frauen machten sie zu einer Identifikationsfigur in der lesbischen Bewegung.

Seit den 60er Jahren unterrichtet Rich an verschiedenen Universitäten - u.a. Cornell und Stanford - und veröffentlicht auch literarische Essays. Ihre Gedichte sind jetzt offener in der Form und politischer als früher. Viele drücken das Spannungsverhältnis zwischen intensivem persönlichem Erleben und einer prekären politischen Situation aus. Der Titel ihres sechsten Gedichtbandes The Will to Change (1971) ist programmatisch. Es ist immer wieder Veränderung, die Rich in ihren Gedichten anstrebt: Tabus und Lügen aufdecken, Beziehungen herstellen und die Möglichkeit „das zu erfinden, wonach wir uns sehnen.“

Auch mit fast 80 ist sie noch politisch aktiv, übt leidenschaftlich Kritik an Präsident Bushs Politik und dem Irakkrieg. Ihr Denken ist stärker als früher international ausgerichtet. In dieser bedrohten Welt hat Dichtung für sie eine besondere Bedeutung: „Poetry keeps the underground aquifers flowing; it is the liquid voice that can wear through stone.”

Einundzwanzig Liebesgedichte

…Du hast mein Haar geküsst
um mich zu wecken. Ich träumte du wärest ein Gedicht,
sage ich, ein Gedicht, das ich einer zeigen wollte…
und ich lache, versinke wieder und träume
von meinem Wunsch, dich allen zu zeigen, die ich liebe,
offen aufeinander zugehen zu können,
was nicht einfach ist, im Zuge der Schwerkraft,
die das gefiederte Gras einen langen Weg durch die aufsteigende Luft nach unten trägt.

Der Traum einer gemeinsamen Sprache: Gedichte 1974-1977

Gabriele Koch

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Links

Nachrufe:

The Washington Post

The New York Times

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Literatur & Quellen

Gedichte von Adrienne Rich online, mit Kurzbiographie und Interpretationen (englisch) (4.5.2009)

Rich, Adrienne.1979 [1976]. Von Frauen geboren: Mutterschaft als Erfahrung und Institution [=Of Woman Born: Motherhood as Experience and Institution]. Übs. aus d. am. Englisch Gesine Strempel & Meo H.-Rentzel. München. Frauenoffensive.

Rich, Adrienne. 1979. On Lies, Secrets, and Silence: Selected Prose 1966-1987. New York / London. W.W. Norton / Virago.

Rich, Adrienne. 1982. Der Traum einer gemeinsamen Sprache. Gedichte 1974-1977. Aus dem am. Engl. von Verena Stefan & Gabriele Meixner. München. Frauenoffensive.

Rich, Adrienne. 1990. Um die Freiheit schreiben: Beiträge zur Frauenbewegung. Ausw., Übers. aus d. am. Englisch. u. Nachw. von Barbara von Bechtolsheim. Frankfurt/M. Suhrkamp.

Rich, Adrienne. 1993. What Is Found There: Notebooks on Poetry and Politics. New York; London. Norton.

Rich, Adrienne. 2001. Arts of the Possible: Essays and Conversations. New York. Norton.

Sickels, Amy. 2005. Adrienne Rich. Philadelphia. Chelsea House.

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Hedwig Dohm