Anja Lundholm

(Helga Erdtmann [Geburtsname]; Ann Berkeley [Pseudonym]; Alf Lindström [Pseudonym])

geboren am 28. April 1918 in Düsseldorf
gestorben am 4. August 2007 in Frankfurt am Main

deutsche Schriftstellerin
95. Geburtstag am 28. April 2013


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Helga Erdtmann mit ihren Eltern

Mehrere Jahrzehnte lang verarbeitete Anja Lundholm literarisch das unfassbare Leid, das sie als Holocaust-Opfer erfahren hatte. Als Helga Erdtmann wurde sie geboren, Tochter eines Krefelder Apothekers und einer Mutter aus einer jüdischen Bankiersfamilie.
Nach dem Besuch des Lyzeums studierte sie von 1936 bis 1939 Klavier, Gesang und Schauspiel an der Staatlichen Akademischen Hochschule für Musik in Berlin, wurde aber als »Halbjüdin« schon nicht mehr zum Abschluss zugelassen. Der Vater – SS-Mitglied – trieb 1938 die Mutter in den Selbstmord und betrog sodann die Tochter um ihr Erbe.

Anja gelang schließlich 1941 mithilfe eines gefälschten Passes die Flucht nach Rom. Dort wurde sie Mitglied einer Widerstandsgruppe – und vom Vater an die Gestapo verraten, als sie sich bei ihm meldete und ihn um Geld bat. Anjas gerade geborene nichteheliche Tochter Diana wurde verschleppt und sah die Mutter erst sieben Jahre später wieder, von englischen Zeitungsreportern in Lucca aufgespürt. Anja selbst kam 1943 ins KZ Ravensbrück, wo sie für medizinische Versuche missbraucht und, für tot gehalten, abtransportiert wurde. Mitgefangene retteten ihr das Leben.

Anja Lundholm

Ihre Flucht endete schließlich in Brüssel. Dort schlug sich Anja als Barpianistin durch und traf den schwedischen Stahlmanager Lundholm, den sie heiratete. Der gemeinsame Sohn Melvyn kam 1951 in London zur Welt. Ihr Sprachtalent verhalf der jungen Frau zu einem neuen Beruf als Dolmetscherin, literarische Übersetzerin und Journalistin für britische Zeitungen.

Als die Ehe mit Lundholm 1953 scheiterte, zog Anja nach Frankfurt/Main und begann zu schreiben. Vor allem mit ihren autobiographisch geprägten Romanen gelang es, »das Nichtdarstellbare in einer Weise darzustellen, dass … es uns nicht loslässt« (Petra Roth).

Anja Lundholm

Lundholms Werke sind in klarer, distanzierter und unsentimentaler Sprache verfasst und wurden im Laufe mehrerer Jahrzehnte mit vielen wichtigen Auszeichnungen und Ehrungen bedacht.

Seit den 1950er Jahren kämpfte die Autorin gegen die Erkrankung an multipler Sklerose an und war lange bettlägerig und pflegebedürftig, bevor sie im Jahre 2007 der Krankheit erlag. Ihr letztes Buch erschien 1991.

Anna Eunike Röhrig

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Zitate

Heiraten heißt gehorchen und immer Angst haben zu müssen, dass man etwas falsch macht und angebrüllt wird. […] Ich will frei sein, wenn ich erwachsen bin. Freiheit muß etwas sehr Schönes sein.

(Anja Lundholm, gefunden hier)



… mich kann man doch gar nicht liebhaben, ich bin frech, ich habe Mückenbeine und eine blühende Phantasie. Dazu bin ich faul und gefräßig und verstockt und schwächlich und zimperlich und eigenwillig und neugierig und altklug und und und, immer mehr Worte fallen mir ein, ich habe sie doch hundertmal zu hören bekommen, kenne sie in- und auswendig, es war von Anfang an ausgemacht, dass ich kein Kind zum liebhaben bin.

(Lundholm, Anja (1983): Geordnete Verhältnisse. Roman. München, Zürich. Piper, 2003 (Serie Piper, 3531). ISBN 3-492-23531-X.

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Links

Das Höllentor


0 »Das Höllentor«. Autorin Anja Lundholm gestorben.

Czerny 2007 – Die zwei Leben der Anja


1  Czerny, Hans (2007): Die zwei Leben der Anja Lundholm. Wach, forsch und nicht gebrochen. Monsters and critics.

Hoghe 1994 – Titel des Artikels fehlt


2  Hoghe, Raimund (1994): (Titel des Artikels fehlt). In: Die Zeit Nr. 23 vom 03.06.1994. ZEIT online.

hr-online.de 2007 – Zum Tod von Anja Lundholm


3  hr-online.de (2007): Zum Tod von Anja Lundholm. »Mahnerin gegen das Vergessen«. hr-online.de.

Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Lundholm, Anja


4  Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Lundholm, Anja, 1918-2007.

Stadt Osnabrück – Friedensstadt Osnabrück


5  Stadt Osnabrück: Friedensstadt Osnabrück – Preisträger 1991 – Lew Kopelew und Anja Lundholm (Sonderpreis).

Stahl 02.03.2006 – BDS-Literaturpreisträgerin 1988


6  Stahl, Renate (1998): BDS-Literaturpreisträgerin 1988 – Anja Lundholm. Laudatio auf Anja Lundholm. Bund Deutscher Schriftsteller.

Wikipedia – Anja Lundholm


7  Wikipedia: Anja Lundholm.



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Literatur & Quellen


Werke



Berkeley, Ann (1971): Ich liebe mich, liebst du mich auch? Roman. Unter Pseudonym erschienener Roman Lundholms. Hamburg, Düsseldorf. von Schröder. ISBN 3-547-71312-9.
(Suchen bei Eurobuch | WorldCat)



Lundholm, Anja (1997): Ansprache zur Entgegennahme des Hans-Sahl-Preises 1997. In: Exil, Jg. 17 (1997), Heft 2. S. 5–10.



Lundholm, Anja (1982): Bluff. Dr. Alexis Körbers Weg in den Abgrund. Roman. (=Ich liebe mich – liebst du mich auch?). Bergisch Gladbach. Lübbe (Bastei Lübbe, 10190). ISBN 3-404-10190-1.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Lundholm, Anja (1972): Der Grüne. Roman. Bergisch Gladbach. Lübbe, 1983 (Bastei Lübbe). ISBN 3-404-10329-7.
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Lundholm – Die äußerste Grenze

Lundholm – Ein ehrenhafter Bürger

Lundholm – Geordnete Verhältnisse

Lundholm – Halb und halb Eine Jugend

Lundholm – Höllentor

Lundholm – Im Netz



Lundholm, Anja (1988): Die äußerste Grenze. Roman. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt-Taschenbuch-Verl. (rororo, 12146). ISBN 3-499-12146-8.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Lundholm, Anja (1994): Ein ehrenhafter Bürger. Roman. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt (rororo, 13263). ISBN 3-499-13263-X.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Lundholm, Anja (1983): Geordnete Verhältnisse. Roman. München, Zürich. Piper, 2003 (Serie Piper, 3531). ISBN 3-492-23531-X.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Lundholm, Anja (1966): Halb und halb. Eine Jugend im Berlin der dreißiger Jahre. Roman. München. Piper, 2004 (Serie Piper, 3826). ISBN 3-492-23826-2.
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Lundholm, Anja (1988): Höllentor. München. Langen-Müller, 2007. ISBN 978-3-7844-3106-2.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Lundholm, Anja (1968): Ich liebe mich – liebst du mich auch? Roman. Out Of Print Vendor, 1997.
(Suchen bei Eurobuch | WorldCat)



Lundholm, Anja (1991): Im Netz. Bericht. München. Langen Müller, 2005. ISBN 978-3-7844-3006-5 .
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Lundholm – Jene Tage in Rom

Lundholm – Mit Ausblick zum See

Lundholm – Morgen-Grauen

Lundholm – Narziß postlagernd

Lundholm – Nesthocker

Lundholm – Zerreissprobe



Lundholm, Anja (1982): Jene Tage in Rom. Roman. München. Langen-Müller, 2004. ISBN 978-3-7844-2947-2.
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Lundholm, Anja (1979): Mit Ausblick zum See. Roman. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt-Taschenbuch-Verl., 1990 (rororo, 12636). ISBN 3-499-12636-2.
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Lundholm, Anja (1970): Morgengrauen. Roman. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt, 1997 (rororo, 22220). ISBN 3-499-22220-5.
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Lundholm, Anja (1985): Narziß postlagernd. Briefe einer Ehe. Roman. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt, 1987 (rororo, 5933). ISBN 3-499-15933-3.
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Lundholm, Anja (1977): Nesthocker. Roman. München. Bertelsmann, 1989. ISBN 3-570-05227-3.
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Lundholm, Anja (1974): Zerreissprobe. Roman. München. Goldmann, 1980 (Goldmann-Taschenbuch, 3877). ISBN 3-442-03877-4.
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Quellen



Atkinson, Ursula (2000): Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit. Ausgewählte Romane von Anja Lundholm. Darmstadt. Wissenschaftliche Buch-Gesellschaft (Edition Universität). ISBN 3-534-14941-6.
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Hildebrandt, Irma (2005): Odyssee Rom – Ravensbrück – Brüssel – Frankfurt: Anja Lundholm. In: Hildebrandt, Irma: Frauen mit Elan. 30 Porträts von Rosa Luxemburg bis Doris Dörrie. Kreuzlingen, München. Hugendubel (Diederichs).
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Hoffmann – Frankfurts starke Frauen



Hoffmann, Hilmar (2006): Frankfurts starke Frauen. Begegnungen 1945 bis heute. Mit Fotos von Anna Meuer. Frankfurt (Main). Societäts-Verlag. ISBN 978-3-7973-1002-6 .
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Literatur und Medien



Gropper, Christian (2007): Die zwei Leben der Anja Lundholm. Chronik eines Jahrhunderts. Fernsehmitschnitt ARD, 28.08.2007.

Hildebrandt 2000 – Tun wir den nächsten Schritt



Hildebrandt, Irma (2000): Tun wir den nächsten Schritt. 18 Frankfurter Frauenporträts. Kreuzlingen, München. Hugendubel. ISBN 3-89631-400-9.
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Sauer, Jutta (1992): Erich Maria Remarque. Friedenspreis der Stadt Osnabrück. Verleihung an Lew Kopelew und Anja Lundholm 1991. Osnabrück. Steinbacher. ISBN 3-926131-08-X .
(Suchen bei Eurobuch | WorldCat)



Bildquellen

DasErste.de 

Monsters and Critics 

Spiegel online 

Hessischer Rundfunk 

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