Auguste Schmidt

geboren am 3. August 1833 in Breslau
gestorben am 10. Juni 1902 in Leipzig

Pionierin der deutschen Frauenbewegung
180. Geburtstag am 3. August 2013


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Auguste Schmidt - wer war das denn? So fragen auch feministisch belesene Frauen. Mit den Namen Otto-Peters, Dohm, Lange, Bäumer, Braun, Augspurg und Heymann verbinden sich für viele inzwischen plastische Vorstellungen, aber die Gestalt Augustens bleibt seltsam blaß. Dabei war sie immerhin Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins  (ADF) von 1865, Mitherausgeberin seines Vereinsorgans Neue Bahnen, Mitgründerin des Vereins deutscher Lehrerinnen und Erzieherinnen von 1869, Mitgründerin des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins (ADLV) von 1890 und Erste Vorsitzende des Bundes deutscher Frauenvereine von 1894 bis 1899. Das bestimmende Wort dieses Lebens scheint das “mit”; sie war die geborene “rechte Hand”, eine großartige Rednerin zwar, wie ihr alle bescheinigen, ansonsten aber wohl ebenso unauffällig wie unentbehrlich. Diese Funktion brachte ihr übrigens in Judy Chicagos Dinner Party einen ehrenvollen Platz unter den 999 “Women of Achievement” des “Heritage Floor” ein, mit der bezeichnenden Erläuterung: “Working with Otto-Peter [sic], Schmidt helped found the German women’s movement.”

Nach dem Tod des verehrten Vorbilds Louise Otto-Peters stand die 62jährige Auguste Schmidt ab 1895 dann im Schatten der jüngeren Generation, von der sie sich teils angreifen, teils verteidigen lassen mußte. Vorgeworfen wurde ihr unter anderem ‘Vereinsmeierei’ und Zurückweichen vor dem Männerstaat. Helene Lange schreibt in ihren Lebenserinnerungen: “Es hat sich so gefügt, daß ich ... den Kampf mit [den Radikalen] in der vordersten Linie zu führen hatte. Es war erst ein Verteidigungskrieg, den ich mit für die zu solchem Kampf wenig geeignete Auguste Schmidt führte ...”
Wieso wenig geeignet? Dazu wieder Helene Lange: “Sie war die Verkörperung dessen, was man mit dem uns heute etwas altmodisch anmutenden Begriff ‘gütig’ bezeichnet.”

(Text von 1992)

Zitat:
“Auguste ... wies auf der ersten deutschen Frauenkonferenz ... in weiser Voraussicht darauf hin, daß die Frauenbewegung nicht so sehr den Widerstand egoistischer Männer als vielmehr die Teilnahmslosigkeit derjenigen Frauen fürchten müsse, die sich in dem Zustand ewiger Kindheit und Unterordnung glücklich und zufrieden fühlten. Das Problem der Frauen liege vor allem im Nichterkennen der eigenen Situation.” (Weiland, S. 244)

 

Luise F. Pusch

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Literatur & Quellen

Morgenstern, Lina. Hg. 1888-91. Die Frauen des 19. Jahrhunderts: Biographische und culturhistorische Zeit- und Charactergemälde. Mit Illustrationen. Berlin. Verlag der deutschen Hausfrauenzeitung.

Plothow, Anna. 1907 [5. Aufl.]. Die Begründerinnen der deutschen Frauenbewegung. Leipzig. Friedrich Rothbarth.

Weiland, Daniela. 1983. Geschichte der Frauenemanzipation in Deutschland und Österreich. Biographien, Progamme, Organisationen. Hermes Handlexikon. Düsseldorf. Econ TB.

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Hedwig Dohm