Eva Schulze-Knabe

geboren am 11. Mai 1907 in Pirna
gestorben am 15. Juli 1976 in Dresden

deutsche Malerin und Widerstandskämpferin
105. Geburtstag am 11. Mai 2012


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Eva Schulze- Knabe war eine der bedeutendsten Künstlerinnen der DDR. Sie gilt als eine „staatstragende Auftragskünstlerin, deren Vergangenheit als Widerstandskämpferin gegen die Nazi-Diktatur ideal ins offizielle Geschichtsbild paßte“, und die heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, wie ihre Tochter und ihre Enkeltochter resümieren. 1984 wurde eine Straße in Dresden nach ihr benannt.

Eva Schulze-Knabe studierte in Leipzig und an der Dresdner Kunstakademie, trat der Künstlergruppe ASSO und 1931 der KPD bei. Im selben Jahr heiratete sie den gleichgesinnten Künstler Fritz Schulze. Beide waren u.a. mit Hans und Lea Grundig und der Schriftstellerin Auguste Lazar befreundet.

FrauenbildNach dem Beginn der faschistischen Herrschaft versuchten sie, mit einigen Genossen die Strukturen der illegalen KPD aufrecht zu erhalten. Im August 1933 wurden sie das erste Mal verhaftet, ein halbes Jahr gefangengehalten, beim Prozess allerdings freigesprochen.

Sie bildeten erneut einen kleinen Widerstandskreis. 1941 flog die Gruppe auf, Fritz Schulze und seine beiden Genossen wurden 1942 vor dem „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und in Plötzensee hingerichtet. Eva Schulze- Knabe erhielt eine lebenslängliche Zuchthaustrafe.

Nach ihrer Befreiung 1945 lebte sie freischaffend in Dresden und beteiligte sich mit ihren künstlerischen Mitteln am Aufbau der neuen Gesellschaftsordnung in der DDR. Sie erhielt viele Auszeichnungen, darunter die Verdienstmedaille, zweimal den Vaterländischen Verdienstorden und schließlich 1969 den Nationalpreis der DDR.

Sie war während ihrer Ausbildung mancherlei Einflüssen ausgesetzt gewesen - vom Expressionismus über den Kubismus bis zur Neuen Sachlichkeit- ohne daß sie sich einer Strömung angeschlossen hätte.
Schon früh schuf sie frontale Porträts von selbstbewußten Menschen wie „Hilde Ulbricht“ (um 1933) und „Wäsche- Paul“ (Kohle, 1934) oder das „Bildnis eines Negers“ (1931) mit klaren, kompakten Formen. Die Farben bleiben gedämpft, leuchten gelegentlich grell auf wie bei dem „Jungen im gelben Pullover“ von 1931.
In kleinformatigen Linolschnitten, die in ihrer Gestaltung denen von Frans Masereel nicht unähnlich sind, thematisierte sie Armut und Elend der Weimarer Republik.
Ihr lebensgroßes Selbstbildnis von 1931, für das sie im selben Jahr einen Preis erhielt, erinnert vom Ausdruck her an Werke der sowjetischen Avantgarde der 20er Jahre. Herausfordernd stolz, mit einfachem Kittelkleid und zurückgekämmtem Haar steht sie vor dem Betrachter, das rechte Bein vorgestellt, die linke Hand an der Hüfte.
Faszinierend auch ihr großes Doppelbildnis mit Fritz Schulze auf braunrotem Papier (Kohle, weiß gehöht) von 1934. Sie trat für eine völlige Gleichberechtigung der Frauen ein, wie ein Genosse der Gestapo gegenüber bezeugte.

FrauenbildWährend der Zuchthauszeit zeichnete sie sich auf Briefumschlägen, mit spitzen Zügen, von Krankheit, Hunger und Angst entstellt. Die Schrecken der faschistischen Verfolgung verarbeitete sie später in für sie ungewöhnlichen Pastellen vom „Volksgerichtshof“.

Auch ihre Impressionen vom zerstörten Dresden zeugen davon, wie sie versuchte, das Alptraumhafte auf neue Weise zu gestalten.
Zu ihren überzeugenden Porträts aus der DDR-Zeit gehören das der „Arbeiterfrau“ („meine Aufwartung“) von 1955 und das des „Helden der Arbeit Karl Krüger“ (1957), aber auch das des jungen hoffnungsfrohen „Parteisekretärs Nacke“ (1961) und das der Weberin und Volkskammerabgeordneten Elsa Hentschke (1962). Betörend das Bild der Tochter („Tina im gestreiften Pullover“, 1966) und berührend sensibel das eines lesenden afrikanischen Studenten, das von der Dresdner Gemäldegalerie erworben wurde.
Die porträtierten Menschen wirken meist ernst, in sich gekehrt, ja verschlossen - den berühmten „lachenden Brigadier“ des sozialistischen Realismus wird man bei ihr vergeblich suchen.

FrauenbildIn expressionistischer Form- und Farbgebung malte sie immer wieder die Landschaft ihrer sächsischen Heimat, durch die sie schon als junge Frau so gern zu Fuß oder mit dem Fahrrad gewandert war.

1971 entstand ihr unerhörtes „Selbstporträt mit Helm“, das sie in Bergarbeitermontur und mit Brille zeigt, hager, entschlossen dreinblickend, die rechte Hand auf die Hüfte gestemmt, in der linken Hand den Pinsel - bar jeder „weiblichen Schönheit“. Es wurde als einziges DDR-Kunstwerk in die vor einigen Jahren erschienene Monographie „Wie Frauen sich sehen“ der englischen Kunsthistorikerin Frances Borzello aufgenommen.
So, wie sie sich darstellte, muß sie auch gewesen sein - eine starke, unabhängige und eigensinnige Frau, die die meiste Zeit ihres Lebens auf sich allein gestellt war.

Cristina Fischer

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Literatur & Quellen

Eva Schulze-Knabe/ Wolfgang Balzer: Fritz Schulze, Künstler und Kämpfer. Sachsenverlag 1950

FrauenbildEva Schulze-Knabe 1907- 1976. Malerei und Grafik (Katalog). Stadtmuseum Pirna 2007, 98 S., 17,90 €

Die Enkelin von Eva Schulze-Knabe, die Hamburger Kunsthistorikerin Dr. Kathrin Reeckmann, bittet für die Erstellung eines Werkverzeichnisses um Hinweise auf weitere Werke der Malerin in Privatbesitz. Email-Adresse: nachlass.eva-schulze-knabe@gmx.de

Birgit Sack/ Gerald Hacke: GEZEICHNET. Kunst und Widerstand. Das Dresdner Künstlerpaar Eva Schulze-Knabe (1907-1976) und Fritz Schulze (1903-1942). Lebenszeugnisse - Leidenswege, Heft 17
Dresden 2005. ISBN: 3-934382-17-7, 8,50 €

Ingrid von der Dollen: Malerinnen im 20. Jahrhundert. Hirmer Verlag 2000, geb., 413 S.
ISBN-10: 3777487007 ISBN-13: 978-3777487007

Ursula Feist: Künstlerinnen in der DDR. In: Kunstdokumentation SBZ. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 1996.

Eva- Maria Herkt: Eva Schulze- Knabe (Reihe: Maler und Werk). Verlag der Kunst, Dresden 1977.

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Hedwig Dohm