Françoise Sagan

(Françoise Quoirez)

geboren am 21. Juni 1935 in Cajarc, Südwestfrankreich
gestorben am 24. September 2004 in Honfleur

französische Schriftstellerin
10. Todestag am 24. September 2014


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Ein kleines Bistro am Pariser Boulevard Saint-Germain im Jahre 1954. Hier, wo sich die Größen des französischen Existentialismus treffen, schreibt sie das Buch, das sie mit einem Schlag weltbekannt machen wird – Bonjour tristesse. Sie ist 19 Jahre alt. Der „Mythos Sagan“ ist geboren. Bonjour tristesse wird zu einer literarischen Sensation, einem großen finanziellen Erfolg und zum Skandal – es schockiert durch die ungeschminkte Darstellung des sexuellen Verlangens von Frauen. Sagan nimmt die sexuelle Befreiung der 60er Jahre vorweg. Die Jugend identifiziert sich mit ihrer vorurteilslosen Denkweise. Noch im selben Jahr wird die junge Autorin mit dem Preis der französischen Literaturkritik ausgezeichnet.

Françoise Quoirez stammte aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie. Proust, Apollinaire, Faulkner, Éluard und die Existentialisten waren ihre Lieblingsautoren, in deren Texten sie die Titel für ihre Romane fand. Außerordentlich produktiv und vielfältig, schuf sie ein Gesamtwerk von über 40 Titeln – Romane (Lieben Sie Brahms?, Und mitten ins Herz u.v.a.), Novellen, Theaterstücke (Ein Schloss in Schweden), Filmdrehbücher, Autobiographisches (Mein Blick zurück). Immer wieder standen ihre Bücher ganz oben auf den Bestsellerlisten, sowohl in Frankreich als auch im Ausland. Daneben schrieb sie Chansontexte für Juliette Gréco, Yves Montand und Johnny Hallyday, schuf Theaterinszenierungen, drehte Filme. Obwohl sie das „Recht auf Faulheit“ verteidigte, arbeitete sie selber pausenlos, bis zur Erschöpfung.

Ihr soziales und politisches Engagement äußerte sich v.a. in öffentlichen Stellungnahmen und der Unterstützung von Manifesten – z.B. zum Recht auf Widerstand im Algerienkrieg 1960 und Legalisierung der Abtreibung 1971, sowie ihrem Eintreten für Mitterrand ab 1974. Ebenso sehr machte sie durch ihr bewegtes Privatleben von sich reden. Wie ihre Figuren gehörte sie zum mondänen Paris mit allen dazugehörigen Vorlieben und Lastern – schnelle Sportwagen, Alkohol, Spiel, Pferderennen, Drogen -, für die sie im Laufe ihres Lebens das mit ihren Büchern verdiente Millionenvermögen ausgab. Eine ganze Clique von FreundInnen lebte auf ihre Kosten, Sagans Großzügigkeit kannte keine Grenzen. Sie gab selber zu, eine völlig falsche Vorstellung vom Geld gehabt zu haben: „Ich habe immer gedacht, Geld wäre ein guter Diener und ein schlechter Herr. Ein Mittel und kein Ziel. … Aber Geld ist unser Tyrann.“

Sie förderte ihre eigene Legende, führte ein Leben voller Exzesse und Skandale, die die Schlagzeilen füllten, aber auch die Justiz beschäftigten. Mehrfach wurde sie wegen Drogenbesitzes und –konsums sowie wegen Steuerhinterziehung, z.B. in der berühmten Bestechungsaffäre im Elf-Konzern, verurteilt.

Florence Malraux erklärt diese Flucht in den Exzess mit Sagans Unfähigkeit, allein zu sein. Die Einsamkeit ist das Hauptthema in ihrem Werk, die Einsamkeit und die Anstrengung der Menschen, ihr zu entfliehen. Sie selber geht von einer Liebesbeziehung zur anderen, wobei sie mit der Zeit Frauen den Männern vorzieht. Nach zwei sehr kurzen Ehen - mit Guy Schoeller und dann dem amerikanischen Künstler Robert Westhoff, mit dem sie einen Sohn hat - findet sie mit der Modedesignerin Peggy Roche die große Liebe. Die beiden Frauen leben über 15 Jahre zusammen, bis zu Peggy Roches Tod. Trotzdem spricht Sagan nicht gern öffentlich über ihre Frauenbeziehungen – ein Einfluss ihrer bürgerlichen Erziehung? – und erwähnt das Thema auch nicht in ihren Romanen, im Gegensatz zu Colette, mit der sie oft verglichen wird.

Hinter dem Bild einer frivolen und unmoralischen Françoise Sagan verschwindet gelegentlich ihre wahre Lebensmotivation – das Schreiben, das für sie „die einzige Rechtfertigung ihrer selbst, das einzige aktive Zeichen ihrer Existenz“ darstellt. Trotz des enormen kommerziellen Erfolgs ihrer Bücher wurde Sagan von manchen Literaturkritikern nicht ernst genommen. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie ihr großes Talent nur für Themen wie Traurigkeit, Misserfolg, Niederlage verwendet habe und so schnell und oberflächlich schreibe, wie sie – nach Darstellung der Presse – zu leben schien. Andere aber lobten die Musikalität ihrer Sätze, die einfache, klare, natürliche Schreibweise. Sie selber gab zu, in manchen finanziellen Krisen Romane veröffentlicht zu haben, mit denen auch sie nicht ganz zufrieden war. Ihre autobiographischen Texte zeigen sie als eine ernsthafte Frau, empfindsam gegenüber der Tragik des Lebens, einer Tragik, die sie im Alter einholte.

Finanziell ruiniert, schwerkrank, lebte sie bei Ingrid Mechoulam, die sie bis zum Ende pflegte, versorgte und liebte, aber auch von ihren Freunden isolierte. Sie starb mit 69 an einer Lungenembolie und wurde in Carjac neben Peggy Roche begraben, in dem Land, wo sie geboren wurde, das sie liebte, neben der Frau, die sie liebte und von der sie geliebt wurde.

Christine Le Franc

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Zitate

“Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit.” Bonjour tristesse

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Literatur & Quellen

Delassein, Sophie. 2002. Aimez-vous Sagan.. Paris. Fayard.

Lamy, Jean-Claude. 1988. Sagan. Paris. Mercure de France.

Lelièvre, Marie-Dominique. 2008. Sagan à toute allure. Paris. Denoël.

Moll, Geneviève. 2005. Madame Sagan. Paris. Ramsay.

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Hedwig Dohm