Gioconda Belli

geboren am 9. Dezember 1948 in Managua

nicaraguanische Schriftstellerin und Freiheitskämpferin
65. Geburtstag am 9. Dezember 2013


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Starke Frauen kennzeichnen das Leben und Werk Gioconda Bellis. Zunächst einmal ist sie selbst eine: Sie stammt aus einer der reichen Familien Nicaraguas, besucht eine Klosterschule in Spanien, studiert in den USA Kommunikationswissenschaften, wird früh Ehefrau und Mutter. Als sie Anfang 20 ist, bricht sie mit der traditionellen Rollenzuschreibung. Sie übernimmt einen Job in einer Werbeagentur und schließt sich, aus Empörung über die Armut der Bevölkerung und den Machtmißbrauch des Somoza-Regimes, der sandinistischen Befreiungsfront an, die sie logistisch, im Exil in Mexiko und Costa Rica dann auch publizistisch und in diplomatischen Missionen unterstützt.

In Abwesenheit wegen subversiver Tätigkeit zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, kehrt Gioconda Belli 1979, beim Sieg der sandinistischen Revolution, zurück nach Nicaragua. Bis 1986 arbeitet sie auf verschiedenen kulturpolitischen Posten für die Revolutionsregierung, unter anderem als Fernsehdirektorin und Pressesprecherin. Enttäuscht über das politische Versagen, die Realitätsferne und den Machismo der Kader – die ihr beispielsweise den Kontakt zu ihrem späteren Ehemann verbieten, einem amerikanischen Journalisten –, sagt sie sich Anfang der 1990er Jahre von den Sandinisten los. In Die Verteidigung des Glücks, ihren Memoiren, erzählt sie von dem Zwiespalt zwischen politischem Engagement und ihrer Selbstverwirklichung als Frau. „Ich gelangte zu der Überzeugung, daß es genauso berechtigt ist, glücklich sein zu wollen, wie die Revolution zu machen“, ist ihr Fazit. „Wie wollte ich die Welt retten, wenn ich nicht so klug war, nach meinem eigenen Glück zu streben?“

Seit sie 1970 ihre ersten erotischen Gedichte veröffentlicht hat, in denen die Frau das Subjekt in der Sexualität ist – was im erzkatholischen Nicaragua einen Skandal auslöst –, schreibt Gioconda Belli für das weibliche Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und für die Emanzipation der Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die Protagonistinnen ihrer bislang vier Romane – Bewohnte Frau (1988), Tochter des Vulkans (1990), Waslala (1996), Das Manuskript der Verführung (2006) – müssen sich in einer männlich dominierten Welt behaupten. Lavinia, die Heldin von Bewohnte Frau, findet über die Liebe zu einem compañero zur Befreiungsbewegung und gleichberechtigten Teilnahme am bewaffneten Widerstand, Tochter des Vulkans erzählt von Sofia, die sich ein selbstbestimmtes Leben erkämpft, inklusive freier Sexualität und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Die literarische Kritik hat die einfache Erzählstruktur und inhaltliche Anklänge an telenovelas moniert, doch Gioconda Belli zielt mit ihren Romanen auch auf eine möglichst breite Wirkung. Tatsächlich sind beide Bücher Bestseller geworden, offensichtlich konnten sich viele Leserinnen, insbesondere auch in Nicaragua, mit dem Streben der Protagonistinnen nach Befreiung von alten Rollenklischees identifizieren.

Waslala handelt von der ambivalenten Suche der jungen Melisandra nach einer gerechten Gesellschaft und gleichberechtigten Geschlechterbeziehungen.  Das Manuskript der Verführung, ihr neuester Roman, erzählt die Geschichte Johannas von Spanien, genannt die Wahnsinnige – wie immer bei Gioconda Belli, die heute mit ihrer Familie in Kalifornien lebt, aus weiblicher Perspektive. Dabei geht es nicht nur um die Vergegenwärtigung einer historischen Persönlichkeit. In der intensiven Auseinandersetzung mit Johanna findet vielmehr Lucia, die siebzehnjährige Klosterschülerin und Heldin dieses Romans, ihre weibliche Identität und erkennt, daß sie ein anderes Leben wählen kann – ihr eigenes.

 

 

 

Gudrun Honke

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Hedwig Dohm