Gisela Steineckert

geboren am 13. Mai 1931 in Berlin

deutsche Schriftstellerin
80. Geburtstag am 13. Mai 2011


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Gisela Steineckert ist eine vor allem in den neuen Bundesländern bekannte und beliebte, aber nicht unumstrittene Schriftstellerin. Zu DDR-Zeiten hatte sie viele gesellschaftliche Funktionen, unter anderem im Schriftstellerverband der DDR, und wurde vielfach ausgezeichnet. Sie hat über dreißig Bücher, zahlreiche Hörspiele, etwa 2800 Liedtexte, einige Filmdrehbücher und viele Briefe verfaßt. Besonders über und für Frauen schreibt Gisela Steineckert, und Frauen vor allem fühlen sich davon angesprochen, wie sie mit Witz und Verstand zwischenmenschliche Beziehungen untersucht und darstellt. Vielfältig sind ihre Ausdrucksformen; sie sagt, es gebe außer dem Roman keine literarische Form, in der sie sich nicht versucht habe. Am bekanntesten ist sie als Lyrikerin – klare, unverschnörkelte, aber feinfühlige und tiefgründige Gedichte und Lieder sind ihr Markenzeichen.

Vorgeworfen wird ihr vor allem ihr Engagement in der DDR-Kulturpolitik (Bettina Wegener: “Oberzensorin”) und ihre Aussage, daß sie gern in der DDR gelebt habe, auch wenn sie sie nicht zurückhaben wolle. Steineckert bekennt sich auch unter den geänderten Bedingungen zu linken Positionen, und das macht sie angreifbar. “Heiße rote Nudel” ist noch einer der harmloseren Ausdrücke, mit denen sie bedacht wurde und wird. Ihr Publikum achtet sie aber auch und gerade dafür, daß sie nicht mit dem Ende der DDR alle Überzeugungen über Bord geworfen und ihr Mäntelchen nach dem Wind gehängt hat. Dabei leugnet sie jedoch weder eigene Fehler noch die der DDR-Politik.

Gisela wird am 13. Mai 1931 in Berlin in denkbar ungünstige Lebensumstände geboren: ihre Mutter, ein Dienstmädchen, ist ledig und hat bereits eine Tochter, der Vater ist ein jähzorniger, kalter Mann, der als Schneider arbeitet – wenn er nicht gerade das wenige Geld vertrinkt, das die Familie besitzt. Angst, Schläge und Entbehrung sind an der Tagesordnung. Giselas Mutter bekommt noch zwei weitere Kinder und überlebt mehrere Abtreibungen.

Der Krieg wirkt befreiend, denn Vater wird eingezogen. Gisela wird mit zwei Geschwistern 1940 nach Oberösterreich evakuiert. Dort erlebt sie erstmals eine angenehmere Zeit ohne Hunger und ohne Angst vor Schlägen. Mit den verbesserten Lebensumständen bessern sich auch ihre schulischen Leistungen. Ihre Mutter kommt einige Zeit später mit dem jüngsten Kind ebenfalls nach Österreich. Nach dem Ende des Krieges kehren Mutter und Kinder 1946 nach Berlin zurück, auch der Vater hat den Krieg überlebt.

Durch Lektüre und Filme, in denen Gisela mehr von den Verbrechen der Nazis erfährt, findet sie zu einer antifaschistischen Haltung. Autodidaktisch bildet sie sich weiter, besonders auf literarischem Gebiet. Gisela arbeitet als Sozialhelferin in Kindertagesstätten, bevor sie im November 1946 gegen den elterlichen Willen eine kaufmännische Lehre beginnt.

1947 heiratet sie (knapp siebzehnjährig) Walter Steineckert. Nach der Heirat arbeitet sie als Sprechstundenhilfe bis zur Geburt ihrer Tochter im Mai 1951. Erste schriftstellerische Versuche folgen.

Als 1953 ihre Eltern und Geschwister alle in die BRD übersiedeln, bleibt sie in der DDR. Ihre Ehe wird geschieden, und Gisela Steineckert arbeitet als Sachbearbeiterin im Rathaus Berlin-Pankow. Da ihre Tochter nicht kindergartenfähig ist und es keine Verwandten mehr gibt in Berlin, heiratet sie den Vater ihres Kindes zum zweiten Mal; 1957 läßt sie sich wieder scheiden.

Ab 1957 schreibt Gisela Steineckert als freie Schriftstellerin Hörspiele sowie Artikel für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Während einer kurzen Ehe mit dem Schriftsteller Heinz Kahlau schreibt sie mit ihm ihr erstes Drehbuch. 1962-1963 arbeitet sie als Kulturredakteurin beim Eulenspiegel, verfaßt weitere Drehbücher und gibt verschiedene Anthologien heraus. 1965 beginnt ihre sehr intensive Mitarbeit in der Singebewegung (Oktoberklub u.a.), die bis etwa 1973 andauert. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Sängerinnen und Sängern entstehen zahlreiche Lieder – Schlager, Chansons, Kinderlieder und anderes. In dieser Zeit lernt Gisela Steineckert Jürgen Walter kennen; eine Weile sind sie ein Paar. Bis heute besteht das gute Verhältnis zwischen der Schriftstellerin und dem Chansonnier, viele Lieder entstammen dieser Zusammenarbeit.

Seit über dreißig Jahren ist Steineckert mit Wilhelm Penndorf verheiratet. Der ehemalige Chefredakteur für Musik bei Radio DDR gab ihr zuliebe seine Karriere auf und hält ihr bei ihrer Arbeit den Rücken frei. Nach der gesellschaftlichen Wende in der DDR kam für Gisela Steineckert wie für viele andere eine schwierige Zeit: von einem Tag auf den anderen brachen Beziehungen weg, ihre Bücher fanden vorerst keine Verleger, und bereits gedruckte Bücher wurden aus den Läden genommen, um Platz für westliche Herzschmerzliteratur zu machen. Glücklicherweise kamen nach kurzer geistiger Abwesenheit viele LeserInnen wieder zur Besinnung ... Seitdem sind weitere Bücher erschienen, neue Lieder entstanden in Zusammenarbeit mit verschiedenen InterpretInnen, und Gisela Steineckert tourt unermüdlich durch die Lande und ermutigt ihr Publikum in Lesungen, die sich eines immensen Zuspruchs erfreuen.

Seit 1990 engagiert sich Gisela Steineckert im dfd, dem “neuen” Demokratischen Frauenverband Deutschlands, damals als Vorsitzende, heute als ehrenamtliche Vorsitzende.

Almut Nitzsche

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Zitate

Krieg ist im Land
der Sieger erklärt dem Besiegten den Schlachtenlärm
Dein lang entbehrter Kolibri
Friß Staub und zeig dein Leben her
Mea culpa, ich habe gelebt
Ein großes Wort, doch wie erklärt es sich
ich hab geliebt, geborn, mich erfreut und bitter geweint
wir nähern uns, wer aber kann bezeugen
anläßlich von hoffentlich was es dich geschüttelt hat
Niemand kann bezeugen, denn es ging um mich
Du hast keine Freiheit gehabt
Herr, welche habe ich denn jetzt
Freiheit hab ich mir genommen in mancher bereuten Nacht
an manchem verschluderten, auch wohlgenutzten Tag
es ist mir in die Beine gefahrn und ich habe getanzt
jemand hat mich gelobt und ich freute mich dran
es hob mich über mich hinaus, dass ich wieder ranging
ich habs geliebt wie einen Kerl, der einen reizt zur Weißglut
nun heul ich in den Nächten vor Heimweh
und denke tags, laß dich nie wieder sehn
Sprich härter, es hängt dir alles davon ab
Um welche Heldentat steht ihr nun da und zeigt auf euren Warenkorb
sehr hübsch, aber ihr weckt auch Mörder auf
die Rotte findet sich, germanisch Feuerrad, es rollt
und ich, ich habe Angst
für Frauen ist Krieg im Land, in der Arbeit, im Bett, im dunklen Hausflur
So ist halt die menschliche Natur
wolln wir sehn, wehren wir uns
denn anders wird kein Frieden sein

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Links

www.gisela-steineckert.de

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Literatur & Quellen

Pressemitteilungen
Detlef Plog. 1983. Spuren. Ein Gisela-Steineckert-Porträt in Gesprächen, Texten, Zeugnissen. VEB Lied der Zeit, Musikverlag Berlin.
Gisela Karau. 1999. Weibergeschichten. Berlin. Karl Dietz Verlag.

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Hedwig Dohm