Iris von Roten
geboren am 2. April 1917 in Basel
gestorben am 11. September 1990 in Basel
Schweizer Juristin, Journalistin und feministische Theoretikerin
“Man kann als Frau nicht hingehen und ein Buch von 564 Seiten schreiben, in dem man unentwegt erbittert gegen die Männerwelt vom Leder zieht. Das geht einfach nicht.” (Basler Nachrichten , 28.10.1958)
So der Tenor der Kritik nach der Veröffentlichung von Frauen im Laufgitter. Offene Worte zur Stellung der Frau. Gegen die Autorin Iris von Roten wird eine regelrechte Hetzkampagne angezettelt; sie wird mitverantwortlich gemacht für den negativen Ausgang der Frauenstimmrechtsabstimmung vom 1. Februar 1959.
Mit spitzer Feder hatte die Journalistin und promovierte Juristin Iris von Roten die Liebe als Instrument der Macht entlarvt, die Mutterschaft als Bürde ohne Würde, die Hausarbeit als Haushaltfron, die Demokratie als Schulbeispiel für die Unterdrückung.
Die bösartigen Kritiken erträgt Iris von Roten schlecht; sie erklärt, mit der Frauenthematik wolle sie nichts mehr zu tun haben, sie sei es leid, “Perlen vor die Säue zu werfen”. Sie beginnt zu reisen. Allein fährt sie mit ihrem Fiat 1960 für sechs Monate in die Türkei, sie will das Land und vor allem dessen BewohnerInnen kennenlernen.
Wieder in der Schweiz, macht sich Iris von Roten sofort an die Schreibarbeit, doch ihr Manuskript wird 1962 abgelehnt. Die Absage setzt ihr zu - ob wohl jemand den Ullstein-Verlag vor der “Emanze aus der Schweiz” gewarnt hat? Doch reisen wird Iris von Roten weiterhin. Iran, Irak, Syrien, Libanon, Marokko, Tunesien, Sri Lanka, Brasilien sind ihre Ziele, seit den 70er Jahren sind Malutensilien ihre Begleiterinnen.
Mit zunehmendem Alter werden die langen Autoreisen zu Strapazen. Die abnehmende Sehkraft und chronische Schlafstörungen machen ihr zu schaffen. Besonders leidet sie darunter, daß sie nicht mehr malen kann. Und so ist es für die gescheite, hellsichtige Frau, die großen Wert auf Ästhetik legt, konsequent, das Leben im richtigen Moment zu beenden. “Wie ein Gast wissen muß, wann es Zeit ist zu gehen, so sollte man sich auch rechtzeitig vom Tisch des Lebens erheben.” Am 11. September 1990 erhängt sich Iris von Roten.
Zitate
Die beiden haben zum mindesten nach der Vereinigung Probleme sehr verschiedener Größenordnung im Kopf: Sie fragt sich, ob sie ein Kind bekommen werde, er höchstens, wo sein Tramabonnement geblieben sei. (Iris von Roten)
Iris von Rotens “Frauen im Laufgitter” ist das deutschsprachige “missing link” zwischen Simone de Beauvoirs “Le deuxième sexe” (Das andere Geschlecht) (1949) und Betty Friedans “The feminine mystique” (Der Weiblichkeitswahn). Ging Beauvoir der Unterdrückung der Frau philosophisch auf den Grund und Friedan soziologisch, so lieferte von Roten die wirtschaftliche und juristische Analyse der Besitz- und Rechtlosigkeit der Frau. Die Schweizerin Iris von Roten war nicht nur eine begnadete und gnadenlose Analytikerin, sondern - anders als die Französin und die US-Amerikanerin - noch dazu außerordentlich witzig, darin ihrer Vorgängerin Hedwig Dohm ebenbürtig. Alle drei veröffentlichten ihre bahnbrechenden Analysen mit Anfang vierzig, wie übrigens auch Hedwig Dohm und Charlotte Perkins Gilman – es scheint, daß die Frau Ende dreißig endgültig desillusioniert ist und sich hinsetzt, um ihre Gedanken wütend zu Papier zu bringen. (Luise F. Pusch)
Liliane Studer
Bonacossa, Eleonora. 2003. Der weibliche Sinn in der Welt: Iris von Roten - Neue Aspekte aus Sicht der Geschlechterdifferenz. Aus dem Ital. von Renate Bakov. Königstein/Taunus. Helmer.
Köchli, Yvonne-Denise. 1992. Eine Frau kommt zu früh. Das Leben der Iris von Roten, Autorin von ‘Frauen im Laufgitter’. Zürich. Weltwoche-ABC-Verlag.
Meichtry, Wilfried. 2007. Verliebte Feinde: Iris und Peter von Roten. Zürich. Ammann. 647 S.
Roten, Iris von. 1991 [1958]. Frauen im Laufgitter: Offene Worte zur Stellung der Frau. Zürich; Dortmund. eFeF-Verlag.
Roten, Iris von. 1993 [1965]. Vom Bosporus zum Euphrat: Eine Reise durch die Türkei. Zürich; Dortmund. eFeF-Verlag.
Roten, Iris von. 1993. Blumenblicke. Zürich; Dortmund. eFeF-Verlag.














