Jane Marcet

(Jane Marcet, geb. Haldimand; Jane Haldimand Marcet)

geboren am 1. Januar 1769 in London
gestorben am 28. Juni 1858 in London

englische Sachbuchautorin (Naturwissenschaft, Volkswirtschaft)
245. Geburtstag am 1. Januar 2014


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Jane Marcet trug in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidend zur Popularisierung natur- und wirtschaftswissenschaftlichen Wissens bei. Ihre Bestseller über Chemie, Botanik, Naturphilosophie und Volkswirtschaft hatten großen Einfluß auf die Entwicklung dieser Disziplinen: Der 16-jährige Buchbinderlehrling Michael Faraday z.B., später ein berühmter Chemiker und Physiker, kam durch Marcet-Lektüre zum erstenmal mit Chemie in Berührung.

Jane Haldimand wurde als einzige Tochter einer wohlhabenden Schweizer Kaufmannsfamilie 1769 in London geboren und bekam wie ihre Brüder eine gute Ausbildung. Mit 15 Jahren verlor sie ihre Mutter und übernahm die Leitung des Haushalts. Als Dame des Hauses traf sie führende Persönlichkeiten des Londoner Kulturlebens, u.a. die Maler Sir Joshua Reynolds und Thomas Lawrence, bei denen sie auch Malerei studierte - ihre Werke illustrierte sie später alle selbst.

Mit 30 heiratete Jane den aus der Schweiz stammenden Arzt Alexander Marcet (1770-1822). Er beschäftigte sich intensiv mit Chemie (ab 1819 lehrte er das Fach an der Universität Genf) und ermunterte seine Frau zu eigenen Studien. Sie besuchte Chemie-Vorlesungen bei Humphry Davy und beschloß bald, ihre neugewonnenen Kenntnisse einem breiten Publikum leicht faßlich zu vermitteln – und wurde so zur Erfinderin des populärwissenschaftlichen Sachbuchs. Ihre Conversations on Chemistry, intended more specially for the Female Sex erschienen 1806 und erlebten 14 englische, 21 amerikanische, 4 französische sowie je eine deutsche und eine Schweizer Ausgabe. Jede neue Auflage wurde komplett aktualisiert, so daß spätere Ausgaben Faradays elektrochemische Experimente abhandeln, zu denen seine Lektüre von Marcets Conversations Jahrzehnte zuvor den Keim gelegt hatte.

Die Conversations on Chemistry finden statt zwischen einer Lehrerin und ihren beiden Schülerinnen Caroline und Emily (dieses Erfolgsmuster wird in den anderen Werken Marcets nur leicht variiert). Caroline interessiert sich hauptsächlich für Explosionen, was einerseits zur Auflockerung des teils trockenen Stoffs beiträgt, andererseits den Anlaß zur Vorführung chemischer Experimente abgibt. Die Veranschaulichung der Theorie anhand von Experimenten war etwas völlig Neues im naturwissenschaftlichen Unterricht.

Marcet wollte ganz bewußt Frauen und Mädchen an die Wissenschaften heranführen. Als der Vater der mit den Marcets befreundeten Erfolgsautorin Maria Edgeworth wohlmeinend vorschlug, statt der Schülerin in Conversations on Political economy doch lieber einen Schüler zu nehmen, lehnte Jane Marcet ab. Ihre Bücher verkauften sich auch so prächtig: Die Conversations on Political Economy (1816) wurden sogar das meistverkaufte Buch des 19. Jahrhunderts.

Luise F. Pusch

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Zitate

Hence my deep veneration for Mrs. Marcet: first, as one able to convey the truth and principle of those boundless fields of knowledge which concern natural things, to the young, untaught, and inquiring mind.

(Edgar Fahs Smith)

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Literatur & Quellen

Quellen

Alic, Margaret. 1987 (1986). Hypatias Töchter: Der verleugnete Anteil der Frauen an der Naturwissenschaft. Aus d. Engl. von Rita Peterli. Zürich. Unionsverlag.

Google-Buchsuche: Jane Marcet

Polkinghorn, Bette. 2001. Jane Marcet (1769-1858) und Harriet Martineau (1802-1876), in: Gronert, Anka. 2001. Frauen in der Ökonomie: Die Anfänge in England. Marburg. Metropolis. S. 39-57.

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Hedwig Dohm