Juliette Drouet

(Julienne Gauvin [eigentlicher Name])

geboren am 10. April 1806 in Fougères
gestorben am 11. Mai 1883 in Paris

französische Schauspielerin, Geliebte von Victor Hugo, Briefschreiberin

125. Todestag am 11. Mai 2008


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Juliette Drouet

Biografie

Früh verwaist und mittellos war Juliette Drouet als junge Frau nach Paris gekommen und hatte ihre außergewöhnliche Schönheit (»fatales Geschenk der Götter« – Victor Hugo) zur Lebensgrundlage gemacht: Sie arbeitete als Künstlermodell und – in mehr oder weniger unbedeutenden Rollen – als Schauspielerin. Mit 19 gebar sie ihre Tochter Claire (die von ihrem Vater, dem Bildhauer James Pradier, nie anerkannt wurde), in den folgenden Jahren lebte sie von Unterhaltszahlungen wohlhabender Liebhaber.

Doch mit 26 nahm ihr Leben eine radikale Wende: Sie begegnete dem 30-jährigen Victor Hugo bei den Proben zu dessen Stück Lucrèce Borgia. Wie andere ins Kloster, trat sie in die Liebe ein. Sie verzichtete auf berufliche Ambitionen, verkaufte Schmuck und luxuriöse Garderobe, lebte fortan nur noch in der Erwartung seiner heimlichen Besuche. Hugo, obwohl hingerissen vom Glück, das er in ihren Armen fand (seine Ehefrau Adèle hatte nach acht Ehejahren und fünf Schwangerschaften auf getrennten Schlafzimmern bestanden), war als angehender Dichterfürst auf seinen guten Ruf bedacht. Er brachte seine Geliebte in wechselnden Souterrainzimmern in der Nachbarschaft seiner Pariser Wohnsitze unter, verbot ihr auszugehen, zeigte sich nie mit ihr in der Öffentlichkeit. Einziger Lichtblick waren die Sommerferien, da durfte sie Hugo auf seinen Reisen ins In- und Ausland begleiten, während nun ihrerseits Adèle und die Kinder auf das Eintreffen zärtlicher Briefe des Gatten und Vaters warteten.

Über 50 Jahre lang hielt Juliette Drouet ihrem Geliebten die Treue und schrieb ihm ein- bis zweimal täglich, auch noch, nachdem sein sexuelles Interesse (und seine wunderbaren Liebesgedichte) längst zahlreichen anderen Frauen galten. Sie las, korrigierte und kopierte mit Begeisterung und großem Sachverstand sein immer umfangreicher werdendes Werk, flickte seine Wäsche, kochte ihm seine Lieblingsgerichte. Als 1843 Hugos älteste Tochter Léopoldine bei einem Bootsunfall ums Leben kam und drei Jahre später Drouets Tochter Claire starb, verband sie das gemeinsam erfahrene Leid. 1851 – durch den Putsch Louis Napoléons waren Leben und Freiheit des erklärten Antimonarchisten Hugo in höchster Gefahr – organisierte sie seine Flucht nach Belgien und folgte dann ihm und der Familie, wie immer in gebührendem räumlichen Abstand, in das 19-jährige Exil auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey.

Selbst nach Adèle Hugos Tod (1868) und der Rückkehr des Dichters ins endlich von der Monarchie befreite Frankreich (1870) besserte sich Juliette Drouets Lage nur unwesentlich: Sie durfte Victor Hugo jetzt gelegentlich zu gesellschaftlichen Ereignissen begleiten, lebte zeitweilig mit ihm und seinen Kindern und Enkelkindern in Paris unter einem Dach (in getrennten Wohnungen), litt aber umso mehr unter seinen sexuellen Abenteuern mit immer jüngeren Partnerinnen. Bis zum Schluss verweigerte ihr Hugo die späte Genugtuung einer Legalisierung ihres Verhältnisses.

Sie starb 77-jährig an Krebs. Hugo ließ sie im Grab der Tochter beisetzen, einen Grabstein mit einer seiner Gedichtzeilen – wie sie es sich gewünscht hatte – bekam sie nicht. Was von ihr bleibt, sind 18.000 (!) Briefe, in denen sie den Geliebten bis zu ihrem Tod ihrer nie ermüdenden Zuneigung versichert – ein literarisches Werk, geschrieben in aller Heimlichkeit und für einen einzigen Leser.

Andrea Schweers

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Zitate

Ich liebe Dich wie die Löwin ihren Gefährten liebt.
Ich liebe Dich wie eine leidenschaftliche Frau,
die bereit ist, bei der geringsten Geste
ihr Leben aufs Spiel zu setzen.
Ich liebe Dich mit der Seele und dem Verstand,
die Gott seinen Geschöpfen verliehen hat,
um außergewöhnliche Menschen
wie Dich bewundern zu lassen.
Darum, mein herrlicher Victor,
kann ich im selben Moment rasen,
weinen, kriechen und aufrecht stehen.
Ich beuge mein Haupt und bete Dich an!

(Juliette Drouet an Victor Hugo (1836), gefunden hier)



Wenn Du wüßtest,
wie ich mich nach Dir sehne,
wie die Erinnerung an vorige Nacht
mich in einen Freudentaumel stürzt
und mit Wünschen erfüllt.
Wie gern möchte ich mich in Ekstase
Deinem süßen Atem
und Deinen Küssen hingeben,
die mir so viel Glück schenken!

(Juliette Drouet an Victor Hugo (1833), gefunden hier)



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Links

Google Buchsuche – Juliette Drouet


1 Google Buchsuche: Juliette Drouet.

Olympio


2 Olympio – Victor Hugo. Buchbesprechung mit Details zu Hugos Frauengeschichten. In: Der Spiegel 6/1958 vom 05.02.1958, Seite 49.

Wikimedia Commons – Juliette Drouet


3 Wikimedia Commons: Juliette Drouet.

Wikipedia – Juliette Drouet


4 Wikipedia: Juliette Drouet.



Letzte Linkprüfung durchgeführt am 19.06.2008 (AN)

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Literatur


Quellen

Drouet 2002 – Mon grand petit homme

Hugo, Drouet 2002 – Correspondance 1833

Novarino 2001 – Victor Hugo



Drouet, Juliette (2002): Mon grand petit homme. Mille et une lettres d’amour à Victor Hugo. Éd. par Paul Souchon. Paris. Gallimard (L’imaginaire, 457). ISBN 2-07-076371-4.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Hugo, Victor; Drouet, Juliette (2002): Correspondance 1833 – 1882. Éd. par Jean Gaudon. Paris. Fayard. ISBN 2-213-61101-7.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Novarino, Albine (2001): Victor Hugo, Juliette Drouet. Dans l’ombre du génie. Paris. Acropole (Les couples célèbres). ISBN 2-7357-0209-X.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)

Pouchain, Sabourin 1992 – Juliette Drouet ou la dépaysée



Pouchain, Gérard; Sabourin, Robert (1992): Juliette Drouet ou la dépaysée. Paris. Fayard. ISBN 2-213-02095-7.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)




Weiterführende Literatur

Drouet 2005 – My beloved Toto

Drouet, Hugo 2007 – The Love Letters of Juliette

Gasiglia, Houbre et al. 2006 – Mon âme à ton cœur



Drouet, Juliette (2005): My beloved Toto. Letters from Juliette Drouet to Victor Hugo, 1833-1882. Translated and with an introduction, additional notes, and glossary by Victoria Tietze Larson. Albany. State University of New York Press (Women Writers in Translation). ISBN 0-7914-6571-3.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Drouet, Juliette; Hugo, Victor (2007): The Love Letters of Juliette Drouet to Victor Hugo. Herausgegeben von Louis Guimbaud. Übersetzt von Theodora Davidson. Gardners Books. ISBN 054832008X.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Gasiglia, Danièle; Houbre, Gabrielle et al. (2006): Mon âme à ton cœur s’est donnée. Juliette Drouet – Victor Hugo. Paris. Paris musées. ISBN 978-2-87900-986-5.
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Huas, Jeanine (1985): Juliette Drouet. Le bel amour de Victor Hugo. Paris. Lachurié. ISBN 2-904182-05-5.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Hugo, Victor (1985): Lettres à Juliette Drouet, 1833 – 1883. Le livre de l’anniversaire. Paris. HarPo. ISBN 2-86889-001-6.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)

Pouchain 2005 – Victor Hugo

Troyat 1997 – Juliette Drouet



Pouchain, Gérard (2005): Victor Hugo, Juliette Drouet. 50 ans de lettres d’amour, 1833-1883. Lettres de l’anniversaire. Rennes. Ouest-France. ISBN 2-7373-3550-7.
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Troyat, Henri (1997): Juliette Drouet. La prisonnière sur parole. Paris. Flammarion (Grandes biographies). ISBN 2-08-067403-X.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)


Bildquellen

Kunst-für-alle.de

Kunstkopie.de

victorhugo2002.culture.fr

Wikimedia

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Hedwig Dohm