Keri Hulme

geboren am 9. März 1947 in Christchurch, Neuseeland/Aotearoa

neuseeländische Schriftstellerin
65. Geburtstag am 9. März 2012


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Mit 18 Jahren hatte Keri Hulme einen Traum über einen merkwürdigen stummen Jungen, den sie in einer Kurzgeschichte mit dem Titel „Simon Peter´s Shell“ verarbeitete. Fünfzehn Jahre später wurde aus dieser Geschichte der Roman „the bone people“ (deutsch: Unter dem Tagmond), der seine Veröffentlichung einem kleinen neuseeländischen Frauenverlagskollektiv namens Spiral Collective verdankt. Von diversen anderen Verlagen war er vorher abgelehnt worden. Der Roman erhielt nicht nur den New Zeeland Book Award, den Mobil Pegasus Prize, sondern auch 1985 den renommierten Booker Prize und setzte sich damit gegen Romane von u.a. Doris Lessing, Iris Murdoch und Peter Carey durch.

Erst nachdem sie den Booker Prize gewonnen hatte, war Hulme in der Lage, ihren Traum, sich ganz dem Schreiben widmen zu können, zu verwirklichen.

Bereits als Kind hatte Hulme angefangen zu schreiben. Sie las viel und schrieb zu ihrem eigenen Vergnügen Geschichten wie z.B. die von Enid Blyton so um, wie sie ihre Meinung nach hätten geschrieben werden sollen. Mit zwölf fing sie an, Gedichte zu schreiben, und während der Schulzeit gewann sie bereits Preise für Essays. Trotzdem hat sie zu dieser Zeit nie daran gedacht, professionelle Autorin zu werden, einfach weil ihr nicht bewusst war, dass es so etwas wie Neuseeländische Literatur überhaupt gab. Katherine Mansfield kannte sie zwar, aber die war für sie eine Fremde, eine, die nicht in Neuseeland verwurzelt war und so früh wie möglich nach England floh. Erst als Hulme entdeckte, dass sie mit Schreiben Geld verdienen konnte, hörte sie mit ihren Gelegenheitsjobs auf - meistens pflückte sie Tabak -, mit denen sie sich bis dahin über Wasser gehalten hatte. Erst danach konnte sie ihren Roman vollenden.

Hulme ist eine Einzelgängerin und verbringt nur eine begrenzte Zeit im Jahr mit Familie und FreundInnen. Sie lebt in einem achteckigen Haus, das sie selbst gebaut hat, in Okarito an der Westküste. Als Nachtmensch beginnt sie selten vor zehn Uhr abends zu schreiben und kann dabei durchaus den Rest der Welt vergessen.
Sie sieht sich als Feministin, da sie als Frau geboren sei, auch wenn sie nie einer Gruppe angehört hat. Für sie war es ein Glück, dass ihr nie traditionelle Erwartungen aufgedrängt wurden. Sie lebt keinerlei Beziehungen und bezeichnet sich selber als „neuter“, Neutrum.
Erst durch die Frauenbewegung und deren Veröffentlichungen hat sie entdeckt, wie viele Autorinnen ihr schon vorgegangen waren. In deren Tradition sieht sie ihr Schreiben inzwischen.

Ihre Wurzeln hat Hulme auch in der Maori-Kultur, durch die sie Dinge anders sehen und erfahren kann, was sich wiederum auch auf ihr Schreiben auswirkt.
Wiederkehrende Themen in ihren Werken sind Menschen, die mit sich selber hadern, mit irgendwelchen Problemen konfrontiert sind, sowie unangepasste Menschen, die sich nicht an Normen halten, Menschen am Rande des Zusammenlebens, AußenseiterInnen, ExzentrikerInnen. Sie interessiert sich für das Außergewöhnliche, aber auch für normale Menschen in besonderen Situationen.
Ein anderer Schwerpunkt beim Schreiben ist für sie das Feiern der guten Dinge im Leben, wozu für sie Fischen, Trinken, Kochen, Essen und Glücksspiele gehören.
Schreiben ist für sie nicht nur ein kreativer Akt, sondern auch eine Art Spiel.

Ihre Befürchtung, dass sie nicht viel länger als 42 Jahre leben würde, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Ihr Ziel jedoch, neun Bücher zu schreiben und mit jedem besser zu werden, hat sie fast erreicht.

 

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Zitate

Ich denke, dass Frauen Dinge anders sehen müssen als Männer und eine andere Perspektive haben, genau wie Maori und Pakeha aus unterschiedlichen Perspektiven schreiben, weil alles, was AutorInnen schreiben, von der eigenen Perspektive und dem eigenen Hintergrund geprägt ist.

“Es war mir nie bewusst, dass ich wunderbar unterstützt wurde von einem Erbe von Autorinnen, die wie Ahnenfiguren waren, zu denen ich aufsehen konnte.“

“Aber die Tatsache, dass ich Maori spreche, beeinflusst meinen Sprachgebrauch. Eine andere Sprache zu sprechen, ist wie ein zusätzliches Paar Augen und Ohren zu haben – und eine andere Art, die Welt zu sehen. Du hörst Dinge anders und du kannst Beziehungen buchstäblich auf verschiedene Weisen sehen.“

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Literatur & Quellen

The Silences Between: Moeraki Conversations (Gedichte). Auckland University Press, 1982

the bone people (Roman). Spiral, 1983 (deutsch: Unter dem Tagmond)

Lost Possessions (Gedichte). Victoria University Press, 1985

Te Kaihau/The Windeater (Kurzgeschichten). Victoria University Press, 1986 (deutsch: Der Windesser Te Kaihau)

Te Whenua, Te Iwi/The Land and the People. 1987

Zusammen mit Robin Morrison: Homeplaces: Three Coasts of the South Island of New Zealand. Hodder and Stoughton, 1989.

Strands (Gedichte). 1992

Zusammen mit Julia Brooke-White & Hokitika Craft Gallery Cooperative Society:
Hokitika Handmade. Hokitika, 1999.

Bait. Viking, 1999

Stonefish (Kurzgeschichten). Huia Publishers, 2004


Information über Keri Hulme:

Kedgley, Sue: Our Own Country. Leading New Zealand Women Writers Talk About Their Writing and Their Lives.

http://www.nzlf.auckland.ac.nz/author/?a_id=70

 

 

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Hedwig Dohm