Lise Meitner

(Elise Meitner [eigentlicher Name]; Prof. Dr. Lise Meitner)

geboren am 17. November 1878 in Wien [durch falsche Eintragung meist 7. November angegeben, auch von Meitner selbst]
gestorben am 27. Oktober 1968 in Cambridge, England

österreichisch-schwedische Atomphysikerin
135. Geburtstag am 17. November 2013


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

»Lise Meitners Arbeit ist gekrönt worden mit dem Nobelpreis für Otto Hahn.« (Renate Feyl)

Werden heute noch Frauen in den Naturwissenschaften als Exotinnen betrachtet, so war das erst recht der Fall, als sich Lise Meitner um die Jahrhundertwende entschloss, Physik zu studieren. Als zweite Frau in der Geschichte der Wiener Universität promovierte sie im Hauptfach Physik und setzte sich somit deutlich von dem Frauen »nahegelegten« Weg ab: Nicht die drei K’s, sondern die experimentelle Physik wurde zum Zentrum ihres Lebens.

Lise Meitner

1922 erhielt sie das Recht, Vorlesungen an der Berliner Universität zu halten. Einigen Zeitungen zufolge hielt sie ihre Antrittsrede denn auch nicht über »Probleme der kosmischen Physik«, sondern »über Probleme der kosmetischen Physik«. Erst langsam war die Öffentlichkeit bereit zu akzeptieren, dass es eine Frau ist, die hervorragende wissenschaftliche Arbeit leistet.

1926 erfolgt die Ernennung der Professorin Lise Meitner zur Leiterin der physikalisch-radioaktiven Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie (Berlin-Dahlem), dessen Leiter Meitners langjähriger Mitarbeiter Otto Hahn ist.

Durch die Annexion Österreichs 1938 wurde die Jüdin Lise Meitner deutsche Staatsbürgerin und musste fliehen: zunächst, mit Hilfe von Freunden, nach Holland, dann nach Dänemark, um sich schließlich in Schweden niederzulassen. Nur langsam – es fehlen Geld und Geräte – kann Meitner mit ihrer Arbeit in Stockholm fortfahren. Noch im selben Jahr berichtet ihr Otto Hahn von einer Entdeckung, die er »Zerplatzen« nennt; er kann sich aber den Vorgang nicht richtig erklären – das gelingt kurz darauf Lise Meitner und ihrem Neffen Otto Robert Frisch: Es handelt sich um die Kernspaltung.
Meitner weigert sich aber, in den USA an Arbeiten teilzunehmen, die den Bau einer Atombombe möglich machen sollen, und bleibt in Stockholm.

Lise Meitner

Trotz aller Erfolge als Atomforscherin bleibt ihr die größte Anerkennung versagt: der Nobelpreis. Zur Flucht gezwungen, war es ihr unmöglich geworden, die Experimente zusammen mit Otto Hahn (der 1945 den Nobelpreis für Chemie erhielt) fortzusetzen. Sie starb 1968 im Alter von fast 90 Jahren in Cambridge.

(Text aus dem Kalender »Berühmte Frauen 1988«)

Beate Schräpel

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Zitate

Lise Meitner

Das kann die Lise nicht, das steht nicht im Physikbüchl.

(Ihre Geschwister über die mangelnde Begabung Lise Meitners zur Hausarbeit, gefunden hier)



Daß die übrige Welt Deutschland bedauert, könnt Ihr wirklich nicht erwarten. Was man in diesen Tagen von den unfaßbaren Greueln in den Konzentrationslagern gehört hat, übersteigt alles, wovor man sich gefürchtet hatte. Als ich im englischen Radio einen sehr sachlichen Bericht der Engländer und Amerikaner über Belsen und Buchenwald hörte, fing ich laut an zu heulen und konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Und wenn Du die Menschen gesehen hättest, die aus den Lagern hierher kamen. Man sollte einen Mann wie Heisenberg und viele Millionen mit ihm zwingen, sich diese Lager und die gemarterten Menschen anzusehen. Sein Auftreten in Dänemark 1941 ist unvergeßlich.
Du wirst Dich vielleicht erinnern, daß ich, als ich noch in Deutschland war, (und heute weiß ich, daß es nicht nur dumm, sondern ein großes Unrecht war, daß ich nicht sofort weggegangen bin) Dir oft sagte: Solange nur wir die schlaflosen Nächte haben und nicht Ihr, solange wird es in Deutschland nicht besser werden. Aber Ihr hattet keine schlaflosen Nächte. Ihr habt nicht sehen wollen, es war zu unbequem. Ich könnte es Dir an vielen, großen und kleinen, Beispielen beweisen. Ich bitte Dich, mir zu glauben, daß alles das, was ich hier schreibe, ein Versuch ist, Euch zu helfen.

(Lise Meitner in einem Brief an Otto Hahn, 27.6.1945, den dieser nicht erhalten hat; gefunden hier)

Lise Meitner

 

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Links

ARIADNE-Projekt »Frauen in Bewegung« – Lise Meitner


ARIADNE-Projekt »Frauen in Bewegung«: Lise Meitner. Biografie, Werke in der Österreichischen Nationalbibliothek, Sekundärliteratur, Bildernachweis. (Link aufrufen)

Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien


Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie. Früher: Hahn-Meitner-Institut. (Link aufrufen)

Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Meitner, Lise


Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Meitner, Lise, 1878-1968. Literatur und Medien. (Link aufrufen)

Korortin – Meitner Lise


Korortin, Rene: Meitner Lise, Physikerin. Tabellarische Angaben zu Leben und Werk. (Link aufrufen)

LeMO – Biographie


LeMO: Biographie: Lise Meitner, 1878-1968. Tabellarischer Lebenslauf. (Link aufrufen)

Lise-Meitner-Literaturpreis


Lise-Meitner-Literaturpreis. (Link aufrufen)

Meitner 1924 – Der Zusammenhang zwischen β


Meitner, Lise (1924): Der Zusammenhang zwischen β- und γ-Strahlen. Posner Memorial Collection in Electronic Format. (Link aufrufen)

Meitner, Delbrück 1935 – Der Aufbau der Atomkerne


Meitner, Lise; Delbrück, Max (1935): Der Aufbau der Atomkerne. Natürliche und künstliche Atomumwandlungen. Posner Memorial Collection in Electronic Format. (Link aufrufen)

Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen – Lise-Meitner-Habilitationsprogramm


Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen: Lise-Meitner-Habilitationsprogramm. PDF-Datei mit Vergabemodalitäten. (Link aufrufen)

rowohlt.de – Leseprobe aus


rowohlt.de: Leseprobe aus: Monographie Lise Meitner. Dargestellt von Lore Sexl und Anne Hardy. (Link aufrufen)

Satzung des Lise-Meitner-Preises


Satzung des Lise-Meitner-Preises. (Link aufrufen)

Schroeder 2003 – Lise Meitner


Schroeder, Manfred (2003): Lise Meitner. Zur 125. Wiederkehr ihres Geburtstages. Vortrag. (Link aufrufen)

Seilnacht – Otto Hahn und Lise Meitner


Seilnacht, Thomas: Otto Hahn und Lise Meitner. (Link aufrufen)

Stern.de – Kernspaltung


Stern.de: Kernspaltung. Lise Meitner – übergangenes Genie. (Link aufrufen)

Wikipedia – Lise Meitner


Wikipedia: Lise Meitner. Sehr umfangreiche Biografie. (Link aufrufen)



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Literatur & Quellen

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Bührke, Thomas (1998): Newtons Apfel. Sternstunden der Physik. Von Galilei bis Lise Meitner. Thomas Bührke. München. Beck (Beck’sche Reihe, 1202). ISBN 3-406-44402-4.
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Chiu, Charles S. (1994): Frauen im Schatten. Einstein-Marić, Mileva; Trakl, Margarete Jeanne; Meitner, Lise; Jesenská, Milena; Schütte-Lihotzky, Margarete. Wien. J & V. ISBN 3-224-17669-5.
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Derado, Thea (2007): Im Wirbel der Atome. Lise Meitner – eine Frau geht ihren Weg. Ein biografischer Roman. Lahr. Kaufmann. ISBN 3-7806-3059-1.
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Dick, Jutta (Hg.) (1993): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt (rororo, 6344 : rororo-Handbuch). ISBN 3-499-16344-6.
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Ernst Peter Fischer erzählt. Paarläufe der Wissenschaft (2006). Konzeption, Regie, Produktion: Klaus Sander. Köln. Supposé. 4 Audio-CDs. ISBN 978-3-932513-68-8.
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Ernst Peter Fischer erzählt 2006

Fölsing 1991 – Nobel-Frauen

Hahn 1975 – Erlebnisse und Erkenntnisse



Fölsing, Ulla (1991): Nobel-Frauen. Naturwissenschaftlerinnen im Porträt. München. Beck (Beck’sche Reihe, 426). ISBN 3-406-34018-0.
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Grieser, Dietmar (1991): Köpfe. Portraits der Wissenschaft. Viktor Kaplan, Ludwig Boltzmann; Gregor Mendel, Alfred Adler, Ernst Mach und Lise Meitner. Mit einem Vorwort von Alfred Vendl. Wien. ÖBV. ISBN 3-215-07723-X.
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Hahn, Otto (1975): Erlebnisse und Erkenntnisse. Mit einer Einführung von Karl-Erik Zimen. Herausgegeben von Dietrich Hahn. Düsseldorf. Econ. ISBN 3-430-13732-2.
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Hermann, Armin (1979): Der Weg in das Atomzeitalter. Physik wird Weltgeschichte. München. Moos, 1986. ISBN 3-89164-021-8.
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Kerner 1998 – Lise, Atomphysikerin



Kerner, Charlotte (1986): Lise, Atomphysikerin. Die Lebensgeschichte der Lise Meitner. Weinheim. Beltz und Gelberg, 1998 (Gulliver-Taschenbuch, 812). ISBN 3-407-78812-6.
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Lemmerich, Jost (Hg.) (1998): Lise Meitner - Max von Laue. Briefwechsel 1938 – 1948. Unter Mitarbeit von Max von Laue. Berlin. ERS-Verlag (Berliner Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, 22). ISBN 3-928577-32-8.
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Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften: Feier der 100. Geburtstage von Albert Einstein, Otto Hahn, Lise Meitner, Max von Laue (1979). Herausgegeben von der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, München. Mit Beiträgen von Reimar Lüst u.a. Stuttgart. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Naturwissenschaftliche Rundschau : Paperback, 1979). ISBN 3-8047-0594-4.
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Meitner, Lise (1926): Atomvorgänge und ihre Sichtbarmachung. Vortrag gehalten in der Münchner chemischen Gesellschaft am 16. Juni 1925. Stuttgart. Enke.
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Meitner, Lise (1941): Über das Verhalten einiger seltenen Erden bei Neutronenbestrahlung. Stockholm. Almqvist & Wiksell; Friedländer (Arkiv för matematik, astronomi och fysik, 27, A, Nr 17).
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Meitner, Lise (1945): Das Zerfallsschema des Scandiums 46. Stockholm. Almqvist & Wiksell; Natura (Arkiv för matematik, astronomi och fysik, 32 A, No 6).
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Meitner, Lise (1946): Über die durch Deuteronenbestrahlung in Kupfer erzeugten radioaktiven Atomarten. Lise Meitner. Stockholm. Almqvist & Wiksell; Natura (Arkiv för matematik, astronomi och fysik, 33 A, No 3).
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Meitner 2003 – Die Frau in der Wissenschaft

Meitner 2005 – Erinnerungen an Otto Hahn

Rife 1992 – Lise Meitner



Meitner, Lise (2003): Die Frau in der Wissenschaft. Originaltonaufnahmen. Lise Meitner. Köln. Supposé. Audio-CD. ISBN 3-932513-46-0.
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Meitner, Lise (2005): Erinnerungen an Otto Hahn. Mit Beiträgen von Mitarbeitern und Weggefährten. Herausgegeben von Dietrich Hahn. Stuttgart. Hirzel. ISBN 3-7776-1380-0.
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Meitner, Lise; Hahn, Otto (1954): Atomenergie und Frieden. Wien. Frick (Schriftenreihe der Österreichischen Unesco-Kommission, 9).
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Rife, Patricia (1990): Lise Meitner. Ein Leben für die Wissenschaft. Ins Deutsche übersetzt von Peter Jacobs. Hildesheim. Claassen, 1992 (Classen extra). ISBN 3-546-00029-3.
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Schlüter, Anne (1992): Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland. Pfaffenweiler. Centaurus (Frauen in Geschichte und Gesellschaft, 22). ISBN 3-89085-419-2.
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Sexl, Hardy 2002 – Lise Meitner

Sime 2001 – Lise Meitner

Vogt, Meitner 2007 – Vom Hintereingang zum Hauptportal



Sexl, Hannelore; Hardy, Anne (2002): Lise Meitner. Dargestellt von Lore Sexl und Anne Hardy. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt (rororo, 50439 : Rowohlts Monographien). ISBN 3-499-50439-1.
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Sime, Ruth Lewin (2001): Lise Meitner. Ein Leben für die Physik. Biographie. (=Lise Meitner. A life in physics). Aus dem Amerikanischen von Doris Gerstner und Shankat Khan. Frankfurt am Main. Insel. ISBN 3-458-17066-9.
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Staatsbibliothek: Lise Meitner zum 125. Geburtstag (2003). Ausstellungskatalog. Text: Jost Lemmerich. Berlin. ERS-Verlag. ISBN 3-928577-51-4.
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Stolz, Werner (1989): Otto Hahn, Lise Meitner. Leipzig. Teubner (Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner, 64). ISBN 3-322-00685-9.
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Vogt, Annette; Meitner, Lise (2007): Vom Hintereingang zum Hauptportal? Lise Meitner und ihre Kolleginnen an der Berliner Universität und in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Annette Vogt. Stuttgart. Steiner (Pallas Athene, 17). ISBN 978-3-515-08881-7.
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Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.


Bildquellen

Hahn-Meitner-Institut Berlin
FU Berlin

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Hedwig Dohm