Louise Aston
(Louise Franziska Aston, geb. Hoche, verh. Meier)
geb. 26. November 1814 in Gröningen bei Halberstadt
gest. 21. Dezember 1871 in Wangen/Allgäu
deutsche Schriftstellerin, Revolutionärin, Frauenrechtlerin
140. Todestag am 21. Dezember 2011
Biografie • Zitate • Literatur & Quellen
Biografie
Die jüngste Tochter eines Konsistorialrats erhält eine Privaterziehung und wird, kaum 17jährig, zur Ehe mit dem englischen Fabrikanten Samuel Aston gezwungen: “Verzweiflung sprach den Hochzeitssegen, / Sprach ihren Fluch am Traualtar!” Die Ehe, die sie in dem Roman Aus dem Leben einer Frau (1847) verarbeitet, wird zweimal geschieden, 1844 entgültig. Aston lässt sich mit der einzig überlebenden ihrer drei Töchter in Berlin nieder und strebt eine literarische Laufbahn an. Sie verkehrt mit Junghegelianern und ist bald als hosentragendes “Mannweib” berüchtigt. Anonyme Briefe veranlassen eine polizeiliche Unterredung, bei der Aston bekennt: “sie glaube nicht an Gott und rauche Zigarren. Sie beabsichtige, die Frauen zu emanzipieren und sollte es ihr Herzblut kosten. Sie halte die Ehe für ein unsittliches Institut….” Noch vor Erscheinen ihres ersten Gedichtbandes, Wilde Rosen (1846), wird sie aus Berlin verbannt. Bald danach veröffentlicht sie Meine Emanzipation, Verweisung und Rechtfertigung, in dem sie das Prinzip der Gleichheit und das Recht der Frau auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit radikal formuliert. Anscheinend verliert sie wegen ihres Lebenswandels das Sorgerecht für die Tochter. Sie bleibt aber “ein kämpfendes Kind der kämpfenden Zeit!” 1847 wird sie in Berlin festge-nommen und ausgewiesen. Im Revolutions-jahr 1848 erlebt sie dort die Märzrevolution. Sie schließt sich den Freischaren an und nimmt als Pflegerin am Schleswig–Holsteinischen Feldzug teil. Dabei lernt sie ihren zweiten Mann, Dr. med. Daniel Eduard Meier, kennen. Aston veröffentlicht einen zweiten Roman, Lydia, und redigiert 7 Nummern der Zeitschrift Der Freischärler, bevor sie als radikale Demokratin erneut Berlin verlassen mss. Nach mehreren Ausweisungen wird sie vorläufig in Bremen geduldet, wo sie den Roman Revolution und Contrerevolution (1849) schreibt. Die Freischärlerreminiszenzen von 1850 sind ihre letzte Veröffentlichung. Schon vor der Heirat im November desselben Jahres bekommt Meier die ersten beruflichen Schwierigkeiten, denn Aston galt als “tätiges Werkzeug der Propaganda”. Nach Meiers Entlassung 1855 begann für das Paar eine 20jährige Wanderschaft. Die erste Station war Russland während des Krimkrieges, die letzte Wangen im Allgäu, wo Louise Aston-Meier bald nach der Ankunft 1871 starb.
Margaret Ward
Zitate
Ich nehme das Recht in Anspruch, auf ‘meine Facon’ selig zu werden, mich auf meine Art mit dem Weltall zu vermitteln, ein Recht, das den Frauen so gut zusteht wie den Männern.
Ja, kühlen in frischen Lebensfluthen
Will ich der lodernden Seele Gluten!
Ich will vor Sünde und Kreuz bewahrt,
Stark durch des eigenen Geistes Ringen,
Mich aus Fesseln und Banden schwingen
Auf zu begeisterter Himmelfahrt! (Louise Aston, Nachtphantasien)
Literatur & Quellen
Brinker-Gabler, Gisela, Karola Ludwig & Angela Wöffen. 1986. Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1800-1945. München. dtv TB 3282.
Carico, Marilyn Eschinger. 1977. The Life and Works of Louise Aston-Meier. University of Tennessee Phil. Diss. Knoxville, TN.
Frederiksen, Elke. Hg. 1989. Women Writers of Germany, Austria, and Switzerland. New York; Westport, CN; London. Greenwood.
Goetzinger, Germaine. 1983. Für die Selbstverwirklichung der Frau: Louise Aston in Selbstzeugnissen und Dokumenten. Frankfurt/M. Fischer TB 3743.
Goodman, Katherine R. 1986. Dis/Closures: Women’s autobiography in Germany between 1790 and 1914. New York; Bern; Frankfurt/M. Peter Lang.
Linnhoff, Ursula. 1983 [1979]. “Zur Freiheit, oh, zur einzig wahren”: Schreibende Frauen kämpfen um ihre Rechte. Frankfurt/M., Berlin, Wien. Ullstein TB 20351.
Meine Seele will Freiheit: Frauen setzen sich durch. Dreißig Frauenschicksale in Selbstzeugnissen, ausgewählt und bearbeitet von Hilde D. Kathrein und Rita Herbig. 1992. Heilbronn. Eugen Salzer.
Möhrmann, Renate. 1977. Die andere Frau: Emanzipationsansätze deutscher Schriftstellerinnen im Vorfeld der Achtundvierziger- Revolution. Stuttgart. Metzler.
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