Michelle Bachelet

(Dr. Verónica Michelle Bachelet Jería)

geboren am 29. Sept.1951 in Santiago, Chile

chilenische Politikerin, Kinderärztin und Epidemiologin; Gesundheitsministerin (2000-2002), Verteidigungsministerin (2002-04), Präsidentin der Republik Chile (2006-2010), Executive Director, UN Women, ab 2010

60. Geburtstag am 29. September 2011


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Als erste frei gewählte Präsidentin Südamerikas – im vielleicht konservativsten Land des Kontinents – trat Michelle Bachelet im März 2006 ihre vierjährige Amtszeit an. Bachelet behauptete von sich, sie verkörpere »alles, was in Chile als Todsünde gilt«, denn sie sei weiblich, sozialistisch, agnostisch und lebe von ihrem Mann getrennt. Die neue Regierungschefin ging die soziale Schieflage des Landes an: Sie strebte eine gerechtere Einkommensverteilung und eine Reform des Erziehungssystems an und besetzte genau die Hälfte der Ministerposten mit Frauen, wie sie es im Wahlkampf versprochen hatte. Aber sie hat auch die erfolgreiche freie Marktwirtschaft ihrer Mitte-Links-Koalition Concertación beibehalten und außenpolitisch eher mit Brasiliens Lula als mit dem radikaleren Hugo Chavez (Venezuela) zusammengearbeitet.

Constenla 2006 – Michelle Bachelet

Bachelets Vater, ein General der Luftwaffe unter Salvador Allende, wurde nach Pinochets blutiger Machtübernahme gefoltert und starb 1974 im Gefängnis. Die jungsozialistische Aktivistin und Medizinerin Michelle und ihre Mutter Ángela Jeria, Anthropologin, wurden 1975 ebenfalls verhaftet und gefoltert. Nach wochenlangem Gefängnisaufenthalt gingen sie ins Exil, zuerst nach Australien und dann in die DDR, wo Michelle an der Humboldt-Universität ihr Medizinstudium wiederaufnahm. 1979 kehrte sie nach Chile zurück, schloss 1982 ihr Studium an der Universität von Chile in Santiago ab und qualifizierte sich bis 1986 zusätzlich in Pädiatrie und Epidemiologie. 1986 bis 1990 leitete Bachelet die medizinische Abteilung einer NRO, die Kindern von Opfern der Junta beistand.

Nach dem Sturz Pinochets 1990 nahm Bachelet eine Stelle beim Gesundheitsministerium an. 1996 bis 1998 studierte sie nationale Sicherheits- und Wehrkunde in Santiago und am Inter-American Defense College in Washington, D.C.. Danach arbeitete sie als Beraterin im chilenischen Verteidigungsministerium. Präsident Ricardo Lagos ernannte Michelle Bachelet 2000 zur Gesundheitsministerin, 2002 zur ersten Verteidigungsministerin Chiles – und Lateinamerikas. Bachelet gewann rasch Vertrauen und Ansehen und erwies sich als durchsetzungsstark, indem sie sich für eine Demokratisierung des Militärs einsetzte.

Guzmán Bravo, Rojas Donoso 2005 – La hija del tigre

Die Mutter von drei Kindern, die fünf Sprachen spricht, war sehr beliebt als Ministerin, und als sie gegen den konservativen Medienmogul Piñera kandidierte, gewann sie mit einer Mehrheit von 53,5 Prozent. »In ihrer Antrittsrede rief sie ihre Landsleute zur Aussöhnung, zur Integration gesellschaftlicher Randgruppen und zum Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit auf (vgl. FAZ, 13.3.2006).« (Munzinger)

Die ersten Monate ihrer Amtszeit wurden allerdings durch Massenproteste von SchülerInnen überschattet, die im Mai und Juni 2006 wegen gravierender Probleme im Erziehungswesen auf die Straße gingen und mit Unterstützung von LehrerInnen, StudentInnen und Gewerkschaften zwei Nationalstreiks organisierten. Weitere Demonstrationen für mehr soziale Teilhabe setzten Bachelet 2007 unter Druck, und im Januar 2008 protestierte das indigene Volk der Mapuche, die das Selbstbestimmungsrecht über ihre traditionellen Siedlungsgebiete forderten. Um die Initiative in ihrer Koalition zu behalten und ihre sozialpolitischen Reformpläne erfolgreich umzusetzen, bildete die Präsidentin während ihrer vierjährigen Amtszeit die Regierung über zehnmal um. (Vgl. Munzinger)

Politzer 2010 – Bachelet en tierra de hombres

Außenpolitisch hatte Bachelet durch bilaterale Kooperationsabkommen Erfolg, z.B. mit Spanien und mit Japan. Auf Grund seines Wirtschaftsbooms bekam Chile 2009 als erstes südamerikanisches Land eine Einladung in die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD; Beitritt 11.1.2010). (Vgl. Munzinger) Obwohl die Präsidentin sehr beliebt war, durfte sie laut Verfassung nach Ablauf ihrer Amtszeit nicht wiedergewählt werden. Der Kandidat ihrer Mitte-Links-Koalition, Eduardo Frei, wurde von dem Multimillionär Sebastián Piñera, Bachelets früherem Wahlgegner, geschlagen; am 11.3.2010 wurde Piñera vereidigt.

Michelle Bachelet wurde Im September 2010 von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Chefin der neuen Frauenorganisation United Nations Entity for Gender Equality and the Empowerment of Women (UN Women, http://www.unwomen.org/) ernannt, in der vier bisher existierende UN-Ämter zusammengeführt wurden. Als Executive Director führt Bachelet den Kampf für Gerechtigkeit und Fortschritt für Frauen und Mädchen in der ganzen Welt weiter.

Joey Horsley

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Zitate

Subercaseaux, Sierra 2005 – MichelleDie Erziehung zum Staatsdienst war sehr wichtig, aber auch die Werte, die ich von zu Hause mitbekommen habe, dass die Menschen alle die gleichen Chancen haben sollten und diese auch verdienen. Es geht um den Respekt vor den anderen. Wenn beispielsweise jemand bessere Ausgangsbedingungen hat, muss er solidarisch sein mit den anderen. Ich denke, dass alle diese Werte stark dazu beigetragen haben, dass ich Ärztin werden wollte. Die Medizin ermöglichte es mir, diese Werte, die mich geprägt haben, auf angemessene Weise auszudrücken. Ich sage immer, dass ich diese Werte mit der Muttermilch aufgesogen habe. Verantwortung und Pflicht sind die Begriffe, nach denen ich von klein auf gelebt habe.
(Michelle Bachelet im Januar 2009 im Gespräch mit Heike Zappe)

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Links

Chile – Sie feiern sie wie eine Heilige (2005). In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.12.2005, Nr. 49 / Seite 12.
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derStandard.at (2008): Chiles Präsidentin im STANDARD-Interview: »Es wird keinen Schlussstrich geben«
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Dilger, Gerhard (2005): Die Verbündete. taz.de, 09.12.2005.
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Gerber, Elisabeth; Stiegler, Barbara (2010): Gender an der Macht? Über die Bedeutung von Geschlecht in politischen Spitzenpositionen am Beispiel von Deutschland, Chile, Argentinien und Spanien. Ergebnisbericht einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützten Tagung in Santiago/Chile. PDF-Datei, 44 Seiten.
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Humboldt-Universität zu Berlin (2009): »Ich will da sein für die Menschen in ihrem Schmerz«. Interview, geführt von Heike Zappe. Mit Video.
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Malcher, Ingo (2003): Tür an Tür mit dem Terror. taz.de, 06.09.2003.
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Perger, Werner A. (2003): Porträt: »Versöhnung ist nicht mein Wort«. In: DIE ZEIT 03/2003.
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Quiroga, Yesko (2006): Chile vor einem politischen Umbruch? PDF-Datei, 6 Seiten.
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Ruderer, Stefan: Vom »neuen Politikstil«  zum Krisenmanagement in Chile. Ein Jahr Bachelet. In: GIGA Focus, Nr. 5 (2007). PDF-Datei, 8 Seiten.
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UN Women: Executive Director
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Literatur & Quellen


Quellen
Presidency of the Republic of Chile. Homepage. Nicht erreichbar, Stand: 31.08.2011.
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Chile: Michelle Bachelet wird Präsidentin. Zum ersten Mal in der Geschichte Chiles und Südamerikas wurde eine Frau in das höchste Staatsamt gewählt (2006). (c) ZEIT online, dpa, 16.1.2006.
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Michelle Bachelet. Chile’s First Woman President (2006). Chile Reports. No. 25. 30 January 2006 – Nicht online erreichbar, Stand: 31.08.2011.
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BBC News (2006): The woman taking Chile’s top job. 16.01.2006.
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Chilean Government Biography: Michelle Bachelet Jería. 11.09.2006 – Nicht online erreichbar, Stand: 31.08.2011.
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Munzinger Biographie (2006): Michelle Bachelet
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Wikipedia (2006): Michelle Bachelet. 10. August 2006.
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Weiterführende Literatur

Borzutzky, Weeks (Hg.) 2010 – The Bachelet government

Constenla 2006 – Michelle Bachelet

Guzmán Bravo, Rojas Donoso 2005 – La hija del tigre

Borzutzky, Silvia und Weeks, Gregory Bart (Hg.) (2010): The Bachelet government. Conflict and consensus in post-Pinochet Chile. Gainesville, Fla. University Press of Florida. ISBN 978-0-8130-3475-1.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Constenla, Julia (2006): Michelle Bachelet. Digo lo que pienso, hago lo que digo, palabra de mujer. Buenos Aires. Lumiere. ISBN 978-987-603-011-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Guzmán Bravo, Rosario; Rojas Donoso, Gonzalo (2005): La hija del tigre. Bachelet ; biografía a fondo. Santiago. RiL Editores. (Serie Identikit) ISBN 956284465X.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Klocke, Karla (2006): Das Phänomen Michelle Bachelet. Die Präsidentschaftswahlen 2006 in Chile im Spiegel der internationalen Presse. B.A. Arb. Hildesheim.
(WorldCat-Suche)

Martinelli 2007 – Michelle Bachelet

Politzer 2010 – Bachelet en tierra de hombres

Rinke 2007 – Kleine Geschichte Chiles

Martinelli, Leonardo (2007): Michelle Bachelet. La primavera del Cile. Milano. Sperling & Kupfer Ed. (Continente desaparecido, 52) ISBN 9788820042653.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Politzer, Patricia (2010): Bachelet en tierra de hombres. 2. Aufl. Santiago. Random House Mondadori. (Debate) ISBN 9789568410353.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Rinke, Stefan (2007): Kleine Geschichte Chiles. Orig.-Ausg. München. Beck. (Beck’sche Reihe, 1776) ISBN 3406548040.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Spooner 2011 – The general's slow retreat

Subercaseaux, Sierra 2005 – Michelle

Worth 2008 – Michelle Bachelet

Spooner, Mary Helen (2011): The general’s slow retreat. Chile after Pinochet. Berkeley. University of California Press. ISBN 9780520266803.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Subercaseaux, Elizabeth; Sierra, Malú (2005): Michelle. 1. Aufl. Santiago de Chile. Catalonia. ISBN 9568303219.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Worth, Richard (2008): Michelle Bachelet. New York. Chelsea House. ISBN 0-7910-9500-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

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Hedwig Dohm