Rachel Ruysch

getauft am 3. Juni 1664 in Den Haag
gestorben am 12. August (oder im Oktober) 1750 in Amsterdam

niederländische Stilllebenmalerin
350. Geburtstag am 3. Juni 2014


BiografieZitateWeblinksLiteratur & QuellenBildquellen


Biografie

Rachel Ruysch gehört zu den wenigen Künstlerinnen, deren Ruhm über ihre Lebzeiten hinaus erhalten blieb und deren Einfluss auf nachfolgende Künstlerinnen noch Generationen später spürbar ist. Ruysch hatte sich, wie zu ihrer Zeit durchaus üblich, auf eine ganz bestimmte Gattung spezialisiert. Den überwiegenden Teil ihres Œuvres machen Blumenstilleben aus, die von kleinen Sträußchen und Blumengirlanden bis zu großen, exquisit in Szene gesetzten Blumenarrangements in kostbaren Vasen reichen; sie bevorzugt dabei einen einheitlich dunklen Hintergrund, fügt jedoch manchmal Architekturelemente mit Ausblick in die Landschaft hinzu, um ihren Bildern eine größere Tiefe zu geben. Zu ihrem Repertoire gehören auch Früchtestilleben und Pflanzenensembles in freier Natur, z. B. Blumen auf moosigem Waldgrund.

Stillleben von Rachel Ruysch

Rachel wurde 1664 in Den Haag als Tochter des berühmten Anatomie- und Botanikprofessors Frederik Ruysch geboren, ihr Großvater mütterlicherseits war der ebenso bekannte Architekt Pieter Post. Die genauen Kenntnisse der Pflanzen, die es ihr ermöglichten, auf eine geradezu akribische Art jedes Detail in ihren Stillleben getreu darzustellen, verdankt sie ihrer Kindheit. Ihr Vater, ein begabter Amateurmaler, erkannte das Talent seiner Tochter und gab sie im Alter von 15 Jahren zu dem bekannten Maler Willem van Aelst in die Lehre, dessen Einfluss auf die Komposition sich in Ruyschs Werken bis zu ihrer mittleren Schaffensperiode nachweisen lässt. Typisch ist die S-förmige Kurve, die sich von links unten nach rechts oben zieht und zusammen mit einer raffinierten »Chiaroscuro-Technik« den Bildern räumliche Tiefe gibt.

In ihren späteren Werken verwendet Ruysch eine hellere Farbpalette und vermindert die »Helldunkel-Malerei«, so dass die Blumensträuße weniger dreidimensional, dafür umso dekorativer wirken. Damit ebnet sie den »feinsinnig-festlichen Blumenbildern des Rokoko« den Weg.

Stillleben von Rachel Ruysch

1693 heiratet Ruysch den Porträtmaler Juriaen Pool und dieser wohl glücklichen Ehe entspringen zwischen den Jahren 1695 und 1711 zehn Kinder, von denen merkwürdigerweise keines die Begabung der Eltern erbt und Malerin wird. Weitaus erfolgreicher als ihr Ehemann (ihre Bilder erreichen Traumpreise bis über 1000 Gulden) arbeitet Ruysch trotz der zahlreichen Nachkommenschaft weiter.

1708 wird sie von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz zu seiner Hofmalerin ernannt und hält sich zusammen mit ihrem Mann zweimal in Düsseldorf auf. Die Gemälde aus dieser Zeit werden alle von ihrem Mäzen gekauft. Insgesamt sind heute noch ungefähr 100 Bilder von Ruysch bekannt, von denen die meisten signiert und manche auch datiert sind – das früheste 1681, das späteste 1747. Ruysch hat also bis in das enorm hohe Alter von 83 Jahren gemalt! Der erste Biograph Jan van Gool, der Ruysch zwei Jahre vor ihrem Tod persönlich aufsuchte und zu ihrem Leben befragte, zeigte sich gleichermaßen von ihrer Persönlichkeit wie von der immer noch ausgeübten Kunstfertigkeit beeindruckt.

Stillleben von Rachel Ruysch

Adriane von Hoop

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Zitate

In der Familie der trefflichen Blumenmalerin Rachel Ruysch, die durch ihre Kunst ihr Geschlecht geehrt hat, sah ich auch sehr schöne Blumenstücke, welche man zu ihrem Andenken aufbewahrte. Darunter waren Blumen, die sie als siebenjähriges Mädchen, und ein Stück, welches sie in ihrem siebzigsten Jahre gemalt hatte. Beide Arbeiten waren sich gleich und zeigten die kindliche Seele der liebenswürdigen Künstlerin.
(Heinrich Wilhelm Tischbein. In: Tischbein, Heinrich Wilhelm: Aus meinem Leben. Herausgegeben, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Kuno Mittelstädt, Berlin: Henschelverlag, 1956. S. 84)

Stillleben von Rachel Ruysch

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Links

Gerber, Louis: Rachel Ruysch. Leben und Werk 1664-1750
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Hoogsteder & Hoogsteder: Rachel Ruysch, Amsterdam’s Pallas and Minerva of the Amsterdam IJ. kunstpedia.com.
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National Gallery of Art, Washington D. C.: Allegorical Portrait of an Artist, Probably Rachel Ruysch
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National Museum of Women in the Arts: Rachel Ruysch. Biografie (englisch) und Portfolio.
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Literatur & Quellen


Quellen
Grant, Maurice Harold (1956): Rachel Ruysch, 1664-1750. Leigh-on-Sea. Lewis.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1980): Das unterdrückte Talent. Die Rolle der Frauen in der bildenden Kunst. Aus dem Englischen von Rainer Redies und Ingrid Krüger. Berlin. Ullstein. ISBN 3-550-07688-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Rennolds, Margaret B. (1987): National Museum of Women in the Arts. Revised and reprinted. New York. Abrams. (Times mirror books) ISBN 0-8109-1373-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Sello, Gottfried (1988): Malerinnen aus fünf Jahrhunderten. Hamburg. Ellert & Richter. ISBN 3-89234-077-3.
(WorldCat-Suche)

Turner, Jane (Hg.) (1996): The dictionary of art. In thirty-four volumes. 34 Bände. London. Macmillan. ISBN 1-884446-00-0.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Weiterführende Literatur
Baumstark, Reinhold (Hg.) (2009): Kurfürst Johann Wilhelms Bilder. Band 2 – Galerie und Kabinette. München. Hirmer. ISBN 9783777460857.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Baumstark, Reinhold (Hg.) (2009): Kurfürst Johann Wilhelms Bilder. Band 1 – Der Sammler und Mäzen. München. Hirmer. ISBN 9783777460758.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Baumstark (Hg.) 2009 – Kurfürst Johann Wilhelms Bilder

Baumstark (Hg.) 2009 – Kurfürst Johann Wilhelms Bilder

Greer 1980 – Das unterdrückte Talent

Haberlik, Mazzoni 2006 – Künstlerinnen

Sander (Hg.) 2008 – Die Magie der Dinge

Schad 1997 – Frauen, die die Welt bewegten

Haberlik, Christina; Mazzoni, Ira Diana (2006): Künstlerinnen. Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. 3., überarb. Aufl. Hildesheim. Gerstenberg. (50 Klassiker) ISBN 3806725322.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Sander, Jochen (Hg.) (2008): Die Magie der Dinge. Stilllebenmalerei 1500 – 1800. Ausstellungskatalog. Ostfildern. Hatje Cantz. ISBN 3-7757-2206-8.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Schad, Martha (1997): Frauen, die die Welt bewegten. Geniale Frauen, der Vergangenheit entrissen. Augsburg. Pattloch. ISBN 3629000924.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Taylor, Paul; Mitchell, Peter (1996): Dutch flower painting 1600-1750. An exhibition. London. Dulwich Picture Gallery. ISBN 1898519099.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

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Bildquellen

Wikimedia Commons
cosmopolis.ch
kunstpedia.com
kunstkopie.ch

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Hedwig Dohm