Rosa Manus

(Rosette Susanne Manus)

geboren am 20. August 1881 in Amsterdam
gestorben vermutlich am 28. April 1943 im KZ Ravensbrück

niederländische Frauenrechtlerin, Mitbegründerin des IAV (Internationaal Archief voor de Vrouwenbeweging)
70. Todestag am 28. April 2013


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Rosa Manus wurde als zweites von sieben Kindern und als älteste Tochter einer vermögenden jüdischen Familie 1881 in Amsterdam geboren. Ihr Vater war der Tabakhändler Henry Philip Manus, ihre Mutter Soete Vita Israël. Nach ihrer Schulzeit wurde sie auf ein Internat in der Schweiz geschickt, um ihr Französisch zu verbessern und gute Manieren zu lernen. Ihr Leben nach ihrer Rückkehr, in dem sich Besuche, um einen möglichen Ehemann kennenzulernen mit Wohltätigkeitsarbeiten abwechselten, langweilte sie nur. Ihr Plan, einen Modesalon zu eröffnen, wurde von ihrem Vater durchkreuzt: Es gehöre sich nicht für eine anständige Frau, für Geld zu arbeiten. So sehr sie dieses Ereignis auch verärgerte, es veranlasste sie später immer wieder, möglichst oft professionelle Hilfe von Frauen in Anspruch zu nehmen und Unternehmen von Frauen zu unterstützen.

Erst 1908 kam Rosa Manus mit dem Feminismus in Berührung, als sie gebeten wurde, bei der Organisation des dritten Kongresses des Weltbundes für Frauenwahlrecht, der in Amsterdam stattfand, mitzuhelfen. Bei diesem Treffen lernte sie Carrie Chapman Catt kennen, mit der sie für den Rest ihres Lebens eine innige Freundschaft verband.

FrauenbildVieles, was sie auf diesem Kongress hörte, bestätigte die Erfahrungen, die sie als Mädchen und junge Frau gemacht hatte.

Zwei Jahre später wurde Manus aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit zur „Special Organizer“ des Weltbundes ernannt; in dieser Funktion war sie an der Vorbereitung aller Kongresse des Weltbundes bis weit in die dreißiger Jahre beteiligt.

Häufig reiste sie mit anderen Frauen bereits vor den Kongressen in Nachbarländer des Gastlandes, um Frauen dort zur Teilnahme zu ermutigen und einzuladen. So fuhr sie z.B. 1935 mit der englischen Präsidentin des Bundes nach Ägypten, Palästina und Syrien, um Frauen in diesen Ländern auf den ersten außereuropäischen Kongress in Istanbul aufmerksam zu machen.

Rosa Manus war auch Sekretärin des Komitees für Frieden und Freiheit des Weltbundes in Amsterdam, sowie von 1923 bis 1938 Vizepräsidentin des Weltbundes und koordinierte zahlreiche politische Aktionen und Propagandafeste.

Eine ihrer unzähligen Aktionen in der Zwischenkriegszeit war das Sammeln von mehr als acht Millionen Unterschriften als Sekretärin des Internationalen Abrüstungskomitees, die dem Vorsitzenden des Völkerbundes Lord Cecil unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit übergeben wurden.

Nicht nur international, sondern auch in der niederländischen Frauenbewegung spielte Rosa Manus eine große Rolle. So war sie Sekretärin der Amsterdamer Abteilung der Vereinigung für Frauenwahlrecht und beteiligte sich an der Vorbereitung der wichtigen Ausstellung „De vrouw 1813 – 1913“ (Die Frau 1813 – 1913), die 1913 ca. 300.000 BesucherInnen anzog, unter ihnen viele ausländische Feministinnen. Auch Königin Wilhelmina besuchte die Ausstellung zweimal.

1915 war Manus aktiv an der Vorbereitung des Internationalen Frauenkongresses in Den Haag beteiligt, der auf Initiative von Aletta Jacobs, der ersten Frau, die in den Niederlanden ein Universitätsstudium abschloss und Ärztin wurde, veranstaltet wurde. Dort trafen sich sowohl Frauen aus neutralen als auch aus Ländern, die am Krieg beteiligt waren, um Regeln für einen dauerhaften Frieden aufzustellen und bei zahlreichen Staatsoberhäuptern darauf zu dringen, den Krieg zu beenden.

Rosa Manus war von 1910 bis 1940 neben Aletta Jacobs die wichtigste Leitfigur der niederländischen Frauenbewegung und aktiv in zahlreichen Organisationen im In- und Ausland. Ihr Schwerpunkt war dabei hauptsächlich das Organisieren von Veranstaltungen, also weniger deren inhaltliche Ausrichtung.

1935 begründete Rosa Manus zusammen mit Johanna Naber und Willemijn Posthumus-van der Goot das IAV (Internationaal Archief voor de Vrouwenbeweging - Internationales Archiv für die Frauenbewegung, dieses wurde 1988 umbenannt in IIAV – Internationaal Informatiecentrum en Archief voor de Vrouwenbeweging – Internationales Informationszentrum und Archiv für die Frauenbewegung, seit 2009 heißt es Aletta, Instituut voor Vrouwengeschiedenis, Institut für Frauengeschichte) in Amsterdam. Dort brachte sie sowohl ihr eigenes als auch das Archiv von Aletta Jacobs unter, in der Hoffnung, dass sie dort sicher wären - eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte. Bereits einige Monate nach der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 wurde das IAV von den Nazis geschlossen und geplündert. Die Unterlagen kamen erst im Mai 2003 nach langen Irrwegen wieder zurück, nachdem sie 1992 in Moskau wiedergefunden wurden.

Ab 1933 bestimmte ihre jüdische Abstammung und Identität Rosa Manus’ Leben. Durch ihre zahlreichen internationalen Aktivitäten war sie besser informiert als viele andere zu dieser Zeit in den Niederlanden und ahnte bereits, welches Unheil kommen würde. Schon 1933 wurde sie Vorsitzende eines Frauen-Komitees für Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland. Auch fungierte sie als Kontaktperson, die Informationen aus Deutschland an jüdische Frauenorganisationen in Amerika weiterleitete.

Am 16. August 1941 wurde sie aufgrund ihrer „pazifistischen und internationalen Neigungen“ verhaftet. Die ersten drei Monate verbrachte sie im Oranje-Hotel in Scheveningen, das als Gefängnis für Gefangene aus dem Widerstand eingerichtet war, ab November 1941 war sie im Konzentrationslager in Ravensbrück, wo sie vermutlich am 28. April 1943 starb.

Auf dem Friedhof Zorgvlied in Amsterdam gibt es einen Gedenkstein für sie auf dem Familiengrab.

 

 

 

 

 

Doris Hermanns

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Links

Kurzbiografien und Quellen online, auf Niederländisch:

http://www.historici.nl/Onderzoek/Projecten/BWN/lemmata/Index/bwn1/manus

http://www.iisg.nl/bwsa/bios/manus.html

http://www.aletta.nu

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Literatur & Quellen

Ammers-Küller, Jo van. 1935. Rosa Manus, in: Jo van Ammers-Küller: Bedeutende Frauen der Gegenwart: Zehn Frauenbildnisse. Bremen, Carl Schünemann.

 

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Hedwig Dohm