Sophie Gräfin von Hatzfeldt

geboren am 10. August 1805 in Berlin
gestorben am 25. Januar 1881 in Wiesbaden

deutsche Sozialistin
130. Todestag am 25. Januar 2011


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Der Name der „roten Gräfin“ ist eng mit dem Ferdinand Lassalles verbunden. Kennen gelernt hatte sie den 20 Jahre Jüngeren 1846, nach 23 unerträglichen Ehejahren. Mit 17 aus finanziellen Gründen an ihren Vetter Edmund von Hatzfeldt-Wildenburg verheiratet, war sie vom ersten Tag an von ihrem Ehemann gedemütigt worden, der schon in der Hochzeitsnacht seine Geliebte bevorzugte. Versuche, ein eigenständiges Leben zu führen, ahndete der Gatte mit Sperrung der Alimente, Hausarrest, ja sogar Entführung der Kinder. Doch die Gräfin lehnte es ab, still zu dulden, wie es ihre Familie forderte. In Lassalle findet sie endlich einen Bundesgenossen, der ihr Schicksal als den Ausdruck allgemeinen menschlichen Unrechts sieht. Acht Jahre lang führt er für die Gräfin aufsehenerregende Prozesse um Scheidung, Geld und die Kinder.

Während der Revolutionsjahre 1848/49 wird das Haus der Gräfin in Düsseldorf zu einem Treffpunkt von Revolutionären (darunter Marx), die die Hatzfeldt-Prozesse als Kampf gegen das alte Feudalsystem sehen. Hatzfeldt und Lassalle unterstützen die Revolution, werden bespitzelt, das Haus durchsucht. Die Gräfin, im Überfluss aufgewachsen, ist bereit, ein einfaches Leben zu führen und für ihre Überzeugung sogar ins Gefängnis zu gehen.
Selbst nach den Prozessen, die ihr finanzielle Unabhängigkeit und den schmerzlichen Verlust der Kinder bringen, bleibt sie Lassalle eng verbunden. Ende der 50er Jahre steht sie seinem illustren Salon in Berlin vor. Als attraktive Hausherrin in tief dekolletierten Roben ist sie in ihrem Element, genießt die zwanglose Diskussion unkonventioneller Meinungen und raucht dabei unzählige Zigaretten und sogar Zigarren – ein Skandal.

Nach Lassalles Duelltod 1864 sieht sie ihre Aufgabe in der Vollstreckung seines politischen Willens. Sie versucht, seine Politik im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) weiterzuführen, redigiert Artikel und Wahlkampfbroschüren, finanziert eine Zeitung und politische Agitatoren, stößt aber bald an die Grenzen ihres Geschlechts. Als Frau darf sie nicht Mitglied des ADAV werden. So versucht sie immer wieder Kandidaten zu lancieren, die Lassalles Richtung vertreten und ihr das Engagement später wenig danken. Die Auseinandersetzungen in der frühen Arbeiterbewegung sind hart, mann ist nicht zimperlich. Marx, der ihr früher „ungleich mehr politischen Verstand“ als Lassalle zuschrieb, nennt sie ab 1865 nur noch „die alte Hure Hatzfeldt“. Es gelang ihr nicht, Lassalles Richtung in der Arbeiterbewegung durchzusetzen. Dennoch hat sie diese Bewegung mitgeprägt und wurde von vielen Arbeitern hoch verehrt.

Gabriele Koch

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Zitate

“Die Gräfin appelliert an meine Freundschaft, ihr die nächsten Monate zu widmen. Gewiss soll ich in Bädern verweilen, so hätte sie es gern. Aber ich kann nicht.” (Mathilde Franziska Anneke, 1864)

“Wenn Sie länger bleiben, was ich gar nicht zu hoffen wage, so bleibe ich auch. [...]. Ich wünsche möglich nahe von Ihnen. Wäre es nicht möglich, im selben Hause mich wie Sie in Pension zu geben? [...] Gehen Sie nicht fort, ohne mich zu sehen. Ich bitte Sie sehr, sehr darum.” (Sophie von Hatzfeldt an Mathilde Franziska Anneke, 1865)

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Literatur & Quellen

Abosch, Heinz & Dieter Schneider. 1985. “Treueste und zuverlässigste Lassalleanerin: Sophie von Hatzfeldt”. Ötv-magazin 2/1985. S. 26-29.

Bartolosch, Thomas A. 1998. “Sophie von Hatzfeldt (1805-1881). Herkunft, Leben und Wirken der “roten Gräfin”: Eine biographische Studie über das Schicksal einer emanzipierten Frau des deutschen Hochadels im 19. Jahrhundert”,  in: Betrifft: Heimat 9 (1998). S. 24-32.

Hirsch, Helmut. 1981. Sophie von Hatzfeldt in Selbstzeugnissen, Zeit- und Bilddokumenten. Düsseldorf. Schwann.

Kling-Mathey, Christiane. 1989. Gräfin Hatzfeldt 1805 bis 1881: Eine Biographie. Berlin; Bonn. J.H.W. Dietz Nachf.

Schneider, Dieter. Hg. 1988. Sie waren die ersten: Frauen in der Arbeiterbewegung. Vorwort Monika Wulf-Mathies. Frankfurt/M. Büchergilde Gutenberg.

Stephan, Cora. 1988. “Hatzfeldt, Sophie von”, in: E. Jakoby. Hg. Lexikon linker Leitfiguren. Frankfurt; Olten; Wien.

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