Susan Sontag
(Susan Rosenblatt [Geburtsname])
geboren am 16. Januar 1933 in New York
gestorben am 28. Dezember 2004 in New York
amerikanische Schriftstellerin und Kritikerin, “public intellectual”
75. Geburtstag am 16. Januar 2008
Biografie • Zitate • Links • Literatur
Biografie
In allem war sie etwas früher dran, die hochbegabte Susan Sontag, die sich 14jährig bei Thomas Mann in sein Haus in Santa Barbara einlud, um mit ihm über seinen Roman Der Zauberberg zu diskutieren, mit 16 an der Universität von Chicago Französisch, Literatur und Philosophie studierte, 17jährig den Soziologen Philip Rieff heiratete, und 1959, nach Studienaufenthalten in Berkeley, Cambridge, MA (Harvard), Oxford und Paris mit ihrem siebenjährigen Sohn David nach New York kommt, um, frisch geschieden, ein neues Leben anzufangen. Geprägt von europäischen Kunst- und Denkwelten, versorgt sie Amerika mit Nachrichten über das französische Kino, über europäische Fotografie, über Bataille, Barthes, Fassbinder, Cioran, kantische Ethik und benjaminsche Ästhetik. Schnell wird die Mittlerin zwischen den Kulturen zu Amerikas Parade-Intellektueller.
»Der Welt meine ungeteilte Aufmerksamkeit angedeihen lassen - diesem Auftrag widme ich mich. Das ist mein Job, meine Profession, meine Lebensaufgabe.«
Das tut sie als Schriftstellerin, Kritikerin, Filmemacherin, Dramatikerin, Professorin. Und als Politikerin. Während des Vietnam-Kriegs reist sie 1968 nach Hanoi, während des Jugoslawien-Kriegs 1993 bricht sie nach Bosnien auf und lebt dort drei Jahre im belagerten Sarajevo. 2001 kritisiert die New Yorker Jüdin anläßlich einer Preisrede in Jerusalem die Palästinapoltitik Israels als verhängnisvoll. Die Heuchelei der US-Regierung angesichts des Folterskandals im Abu-Ghraib-Gefängnis 2004 schockiert sie: »als ob diese Bilder selbst das Entsetzliche wären und nicht das, was sie zeigen«. Immer legt Susan Sontag den Finger auf die Wunde.
Als 1976 bei ihr zum ersten Mal Krebs festgestellt wird, schreibt sie ihren Essay Krankheit als Metapher und resümiert 1988 in einem weiteren Essay, Aids und seine Metaphern:
»Was einen umbrachte, waren nach meiner Überzeugung die Ammenmärchen und Metaphern rund um den Krebs. Die Menschen sollten Krebs einfach als Krankheit begreifen lernen - eine ernste Krankheit, aber eben eine Krankheit, weder Fluch noch Strafe, noch Peinlichkeit ... Und nicht zwangsläufig eine Krankheit zum Tode.«
Susan Sontags Krankheit führte zum Tode. Beeindruckend dokumentiert hat das in A Photographer’s Life die Fotografin Annie Leibovitz, ihre Lebenspartnerin seit 1988. »Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen«, sagt Susan Sontag. Begraben liegt sie auf dem Friedhof Montparnasse in Paris.
Zitate
Der Kommunismus war nur für jene eine Utopie, die ihn nicht erlebten. Für alle anderen war es die Hölle. Auch mag ich den Begriff Utopie nicht, sprechen wir lieber von Idealismus. Der totale Sieg des Kapitalismus hat viele alarmierende Konsequenzen, und eine davon ist die Zerstörung jeder Art von Idealismus. Der Kapitalismus ist eine Ideologie der Selbstsucht und des falschen Individualismus, sie zerfrisst das menschliche Zusammengehörigkeitsgefühl und provoziert irrationale Gegenreaktionen - den fanatischen Nationalismus in Serbien beispielsweise oder den Dschihad gegen die Moderne in muslimischen Ländern.
(Susan Sonntag in einem Interview, gefunden hier)
Aids zwingt die Menschen zu realisieren, dass Sex als grausamste Konsequenz Selbstmord oder Mord in sich birgt.
(Susan Sontag in Aids and Its Metaphors, 1989, gefunden auf susannealbers.de, Fundstelle nicht mehr online)
Wir waren zwei Menschen, die sich gegenseitig durchs Leben halfen. Das Wort, das es am ehesten trifft, ist wohl »Freundin«.
(Annie Leibovitz über ihre Beziehung zu Susan Sontag in einem Interview mit dem Guardian, gefunden hier)
Links
Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Preisträger. 2003 – Susan Sontag. Mit Biografie und (deutschsprachiger) Bibliografie.
Brinkemper, Peter V.: Die politische Rebellion der Erlebnisse. Zum Vermächtnis von Susan Sontag.
Bronstering, Andrea: Portrait Susan Sontag. lespress.de.
Fischer Verlage: Susan Sontag. Übersicht über im Fischer-Taschenbuch-Verlag erschienene Werke und Kurzbiografie.
Google Buchsuche: Susan Sontag.
Hanser Verlag: Susan Sonntag. Bei Hanser erschienene Werke und biografische Informationen.
Homepage Susan Sontag. Werke, Rezensionen, Biografie und gut sortierte Linkliste.
Internet Movie Database: Susan Sontag. Filmografie und Kurzbiografie.
Jentzsch, Barbara: Warten auf Susan. Eine öffentliche Institution. Am 16. Januar wurde Susan Sontag 70 Jahre alt. In: Freitag 04 vom 17.1.2003.
Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Sontag, Susan (1933-2004).
Kiefer, Bernd: Die Reisende zwischen den schönen Dingen. Susan Sontag, 1933 – 2004. Nachruf. In: Ikonen Heft 6.
Kleine-Brockhoff, Thomas: Die Revisionistin. In: Die Zeit Nr. 27 vom 26.06.2003.
Krüger, Michael: Ah, Susan! Toujours fidèle. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 52 vom 01.01.2006, S. 32.
Lueken; Verena: Voller Lust an der Erkenntnis. Susan Sonta. Nachruf, erschienen im Börsenblatt 1-2005, S. 50-51 (pdf-Datei, 1,12 MB. 2 Seiten, mit Fotos).
Mejias, Jordan: Susan Sontag. Im endlosen Strom der Schreckensbilder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 119 vom 24.05.2004, S. 33.
Mejias, Jordan: Susan Sontags Nachlaß. Ich wollte Garbo sein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 211 vom 11.09.2006, S. 31.
Raddatz, Fritz J.: Eine Frau, die das Meer pflügte. In: Die Zeit 01/2004.
Ritter, Henning: Sie kam, sah und schrieb. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 305 vom 30.12.2004, S. 39.
Schreiber, Daniel: Die Kunst, das Wort zu ergreifen. Warum wir wieder Intellektuelle wie Susan Sontag brauchen. In: Freitag 47 vom 23.11.2007.
Sontag, Susan: Die Erweiterung der Welt. Warum Literatur lebensnotwendig ist. Dankesrede zur Verleihung des Literary Award der Los Angeles Library am 7. April. Aus dem Englischen von Matthias Fienbork. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 305 vom 30.12.2004, S. 39.
Sontag, Susan: Folteraffäre. Endloser Krieg, endloser Strom von Fotos. Deutsch von Eva Christine Koppold. In: Süddeutsche Zeitung vom 24.5.2004.
Sontag, Susan: Über Paul Goodman. Ein Essay. In: Gestaltkritik Heft 2/2000.
Verna, Sacha: Die amerikanische Misere. Die Schrifstellerin Susan Sontag über Romane, Utopien und den Angriff der Regierung Bush auf die Verfassung der Freiheit. Interview. In: Die Zeit 09/2002.
Villhauer, Bernd: Museale Gestik und Phänomenologie. Das Bild vom Intellektuellen in Susan Sontags Essays und Romanen. In: Tabula Rasa 2/1993.
Ziegler, Alexander: Webseite Susan Sontag (deutschsprachig). Kurze Informationen zu Leben und Werk von Susan Sontag und Annie Leibovitz, mit Fotos.
Literatur
Quellen
Sontag, Susan (2002): Über Fotografie. München. Hanser (Edition Akzente).
Sontag, Susan (2003): Das Leiden anderer betrachten. München. Hanser.
Sontag, Susan (2003): Krankheit als Metapher & Aids und seine Metaphern. Essays. (=Illness as metaphor & Aids and its metaphors). Aus dem Amerikanischen von Karin Kersten und Caroline Neubaur sowie Holger Fliessbach. München. Hanser.
Sontag, Susan (2005): Worauf es ankommt. Essays. München. Hanser.
Literaturen - Das Journal für Bücher und Themen.
Sontag, Susan: Folteraffäre. Endloser Krieg, endloser Strom von Fotos. Deutsch von Eva Christine Koppold. In: Süddeutsche Zeitung vom 24.5.2004.
Werke (deutschsprachige Ausgaben)
Biesenbach, Klaus (Hg.) (2007): Into Me – Out Of Me. Mit Texten von Georges Bataille, Klaus Biesenbach und Susan Sontag. Ostfildern. Hatje Cantz Verlag.
Kratzert, Armin (Hg.) (1987): Camp. Mit einem Essay von Susan Sontag. München. Popa.
Leibovitz, Annie; Sontag, Susan (1999): Women. Bildband mit Fotografien von Annie Leibovitz und einem Essay von Susan Sontag. Ins Deutsche übersetzt von Jörg Trobitius (Essay) und Marion Kagerer (Biografien). München. Schirmer Mosel, 2001.
Sontag, Susan (1966): Der Wohltäter. Roman. (=The benefactor). Ins Deutsche übersetzt von Louise Eisler-Fischer. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2003 (Fischer-Taschenbücher, 11414).
Sontag, Susan (1968): Kunst und Antikunst. 24 literarische Analysen. (=Against interpretation). Ins Deutsche übersetzt von Mark W. Rien. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2006 (Fischer-Taschenbücher, 6484).
Sontag, Susan (1969): Reise nach Hanoi. (=Trip to Hanoi). Ins Deutsche übersetzt von Anne Uhde. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt.
Sontag, Susan (1978): Krankheit als Metapher. (=Illness as metaphor). Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1996 (Fischer-Taschenbücher, 3823).
Sontag, Susan (1978): Über Fotografie. (=On photography). Ins Deutsche übersetzt von Mark W. Rien und Gertrud Baruch. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2006 (Fischer-Taschenbücher, 3022).
Sontag, Susan (1979): Ich, etc. Erzählungen. (=I, etcetera). Ins Deutsche übersetzt von Marianne Frisch. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2003 (Fischer-Taschenbücher, 5240).
Sontag, Susan (1981): Im Zeichen des Saturn. Essays. (=Under the sign of Saturn). Aus dem Amerikanischen von Werner Fuld, Karin Kersten, Kurt Neff, Mark W. Rien, Jörg Trobitius und Angela Wittmann-Hauser. München, Wien. Hanser, 2003.
Sontag, Susan (1985): Todesstation. Roman. (=Death Kit). Ins Deutsche übersetzt von Jörg Trobitius. München, Wien. Hanser, 2003.
Sontag, Susan (1989): Aids und seine Metaphern. (=AIDS and ists metaphors). Ins Deutsche übersetzt von Holger Fliessbach. München. Hanser, 1997.
Sontag, Susan (1989): Geist als Leidenschaft. Ausgewählte Essays zur modernen Kunst und Kultur. Ins Deutsche übersetzt von Gertrud Baruch und anderen. Leipzig. Kiepenheuer, 1990 (Gustav-Kiepenheuer-Bücherei, 91).
Sontag, Susan (1991): Alice im Bett. Stück in acht Szenen. (=Alice in bed). Ins Deutsche übersetzt von Wolfgang Wiens. Frankfurt am Main. Verlag der Autoren (Theaterbibliothek).
Sontag, Susan (1993): Der Liebhaber des Vulkans. Roman. (=The vulcano lover). Aus dem Amerikanischen von Isabell Lorenz. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2003 (Fischer-Taschenbücher, 10668).
Sontag, Susan (2002): In Amerika. Roman. (=In America). Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld. München. Hanser.
Sontag, Susan (2003): Das Leiden anderer betrachten. (=Regarding the pain of others). Ins Deutsche übersetzt von Reinhard Kaiser. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2005 (Fischer-Taschenbücher, 16480).
Sontag, Susan (2003): Krankheit als Metapher & Aids und seine Metaphern. Essays. (=Illness as metaphor & Aids and its metaphors). Aus dem Amerikanischen von Karin Kersten und Caroline Neubaur sowie Holger Fliessbach. München. Hanser.
Sontag, Susan (2005): Worauf es ankommt. Essays. (=Where the stress falls). Aus dem Amerikanischen von Jörg Trobitius. München. Hanser.
Sontag, Susan (2008): Zur gleichen Zeit. Aufsätze und Reden. Herausgegeben von Paolo Dilonardo und Anne Jump. Ins Deutsche übersetzt von Reinhard Kaiser. München. Hanser.
Sontag, Susan; Hodgkin, Howard (1991): So leben wir jetzt. Aus dem Amerikanischen von Karin Graf. Zürich. Parkett/Der Alltagkett-Verlag.
Weiterführende Literatur
Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Hg.) (2003): Susan Sontag. Ansprachen aus Anlass der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Frankfurt am Main. MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2003).
Faber, Richard (2006): Avancierte Ästhetin und politische Moralistin. Die universelle Intellektuelle Susan Sontag. Würzburg. Königshausen und Neumann.
Focke, Wenda (2007): … dies Hoffnungsfremdland … Leben und Werk von Heinrich Mann, Klaus Mann, Elisabeth Kübler-Ross, Annemarie Schimmel, Susan Sontag, Sándor Márai, Antoine de Saint-Exupéry. Konstanz. Hartung-Gorre.
Leibovitz, Annie (2006): A photographer’s life. 1990 - 2005. Herausgegeben von Mark Holborn. München. Schirmer Mosel.
Nöstlinger, Elisabeth; Schmitzer, Ulrike (Hg.) (2007): Susan Sontag. Intellektuelle aus Leidenschaft. Eine Einführung. Wien. Mandelbaum-Verlag.
Schreiber, Daniel (2007): Susan Sontag. Geist und Glamour. Biographie. Berlin. Aufbau.
Bildquellen
Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Istituto storico della Resistenza e della società contemporanea
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