Virginia Woolf
englische Schriftstellerin
geboren am 25. Januar 1882 in London
gestorben am 28. März 1941 in der Nähe von Rodmell, Südengland
125. Geburtstag am 25. Januar 2007
Virginia Woolf entstammte einer wohlhabenden Intellektuellen-Familie. Ihre schriftstellerische Karriere begann relativ spät, doch Ende der zwanziger Jahre war sie eine berühmte Autorin. In ihren letzten Lebensjahren geriet sie in eine abgrundtiefe Verzweiflung, gegen die sie lange ankämpfte. 1941, im zweiten Kriegsjahr, ertrug sie es nicht länger und ertränkte sich, 59 Jahre alt, im Fluß Ouse.
Der Name Virginia Woolf ruft heute schon fast stereotype Assoziationen hervor, seit sie mit ihrem Essay A Room of One’s Own (Ein eigenes Zimmer) und durch das Poster mit ihrem Jugendbildnis zu einer Kultfigur der neuen Frauenbewegung wurde. Ihre melancholische Schönheit, ihr Wahnsinn und ihr Selbstmord umgeben sie mit einer düster-romantischen Aura.
Die Nachtseiten ihres Lebens waren sehr real. Sie hatten ihren Ursprung in der Hölle einer viktorianischen Kindheit, im jahrelangen sexuellen Mißbrauch Virginias durch ihre Halbbrüder, der dazu führte, daß sie ihren Körper ablehnte, ihre Schönheit niemals selbst empfinden konnte, sexuell unansprechbar blieb und ihr Leben lang immer wieder von seelischen Zusammenbrüchen erschüttert wurde.
Aber diese Frau, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen, Kritikerinnen und feministischen Denkerinnen der Moderne, war nicht nur jene tragische und hinfällige “Lady of Bloomsbury,” als die sie oft gesehen wird: Im Gespräch war sie ungemein witzig, konnte aber auch geradezu teuflisch boshaft sein. Mit Kindern allerdings ging sie wunderbar um; sie nahm sie ernst und behandelte sie wie ihresgleichen. Sie hatte, wie sie selbst zugab, eine snobistische Schwäche für die Damen der Aristokratie, und sie liebte Reisen, Parties und Klatsch. – Bei alledem war sie eine immens fleißige und disziplinierte Arbeiterin, der das Schreiben lebensnotwendig war, und sie tötete sich, als ihre Verzweiflung auch durch die Magie der Sprache nicht mehr zu bannen war.
----------
Zitate:
Mit 30 Jahren heiratete sie Leonard Woolf: “Nichts wandelte ihre Zuneigung; kein Streit, kein Faktum, keine Wahrheit. Was sie sah, sah er nicht; was er sah, sah sie nicht – und so fort, ad infinitum.” (Virginia Woolf, Between the Acts)
Ihr Lachen war hinreißend, ein unerhörtes Lachen, fast wie das eines Kindes. Jauchzendes Lachen, wenn etwas sie amüsierte. (Virginia Woolf, Between the Acts)
Wenn du nicht da bist, verschwindet die Farbe aus dem Leben, wie Wasser aus einem Schwamm; und ich existiere nur noch, trocken und staubig. (Virginia Woolf an ihre Schwester Vanessa Bell)
Ethels neuer Hund ist tot. Die Wahrheit ist, kein Hund kann die Anstrengung aushalten, mit Ethel zu leben. (Virginia Woolf an Vita Sackville West über die Komponistin Ethel Smyth)
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virginia Woolf an Ethel Smyth)
Es scheint mir ganz unmöglich, Hosen zu tragen. (Virginia Woolf, 1917)
Susanne Amrain
Virginia Woolf in der Deutschen Nationalbibliothek
Amrain, Susanne. 1992. “Virginia Woolf (1882-1941): ‘Gleichmut - Üben Sie sich in Gleichmut, Mrs. Woolf!’”, in: Duda, Sibylle & Luise F. Pusch. Hg. 1992. WahnsinnsFrauen. Frankfurt/M. suhrkamp TB 1876. S 174-225.
Amrain, Susanne. 1994. So geheim und vertraut: Virginia Woolf und Vita Sackville-West. Frankfurt/M. Suhrkamp TB 2292.
Bell, Anne O. Hg. 1977-84. The diary of Virginia Woolf. 5 Bde. London. The Hogarth Press.
Bell, Quentin. 1982 [1972]. Virginia Woolf: Eine Biographie [= Virginia Woolf: A Biography]. Aus d. Engl. von Arnold Fernberg. Frankfurt/M. Suhrkamp TB 753.
DeSalvo, Louise. 1989. Virginia Woolf: The Impact of Childhood Sexual Abuse on Her Life and Work. Boston. Beacon Press.
Gilbert, Sandra M. & Susan Gubar. 1994. No Man’s Land: The Place of the Woman Writer in the Twentieth Century. Vol III: Letters from the Front. New Haven; London. Yale UP.
Lee, Hermione. 1999 [1996]. Virginia Woolf: Ein Leben. Aus dem Engl. von Holger Fliessbach. Frankfurt. Fischer TB..
McNaron, Toni A.H. Hg. 1985. The Sister Bond: A Feminist View of a Timeless Connection. New York, etc. Pergamon.
Nicolson, Nigel. Hg. 1975-80. Correspondence: The Letters of Virginia Woolf. Assistant ed. Joanne Trautmann. 6 Bde. London. The Hogarth Press.
Spater, George & Ian Parsons. 2002 [1977]. Porträt einer ungewöhnlichen Ehe: Virginia & Leonard Woolf [=A marriage of true minds]. Aus dem Engl. von Barbara Scriba-Sethe. Nachw. von Quentin Bell. Überarb. Neuausg. Frankfurt/M. Fischer TB.
Waldmann, Werner. 1983. Virginia Woolf in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg. rororo monographie 323.
Wiggershaus, Renate. 1987. Virginia Woolf. Leben und Werk in Texten und Bildern. Frankfurt/M. insel TB 932.
Woolf, Leonard. 1997 [1990]. Mein Leben mit Virginia. Frankfurt/M. Fischer TB.
Woolf, Virginia. 1981. Augenblicke: Skizzierte Erinnerungen. Mit einem Essay von Hilde Spiel. Stuttgart. Deutsche Verlags-Anstalt.













