26.09.2010

Das Lied von Bernadette La Hengst

Vorgestern geriet ich zufällig in einen vier Jahre alten Podcast aus der Serie “Feminismus Heute” des Deutschlandradios. Inzwischen war das also Feminismus von gestern geworden.

Zu hören war “Die Musikerin und Performerin Bernadette La Hengst über Lebensentwürfe”. Ich hatte von der “Musikpowerfrau” aus Bad Salzuflen noch nie gehört, was aber gar nichts heißen will, denn ich höre seit dem Aufkommen der Disco Music Ende der 70er Jahre kaum noch Rock- und Popmusik. Irgendwann in den 90ern habe ich noch die Indigo Girls mitbekommen, und das war’s dann auch schon.

Bernadette La Hengst, Jahrgang 1967, faszinierte mich sofort wegen ihres aparten Namens. Die Interviewerin Svenja Flaßpöhler (der Name ist ja auch nicht ohne) befragte sie dazu und erfuhr, dass sie eigentlich Bernadette Hengst hieße und dass alle immer dachten, das sei ihr “Künstlername”. Dadurch angeregt, machte sie dann einen Künstlerinnennamen daraus, indem sie das “La” einfügte. Sie habe dabei an La Garbo gedacht, oder an La Knef.

Aber wer sagt denn “La Garbo” oder “La Knef”? Hier sagen wir doch eher “die Knef” und “die Garbo” und “die Callas”. Höchstens bei Callas auch mal “La Callas”, wie ihre italienischen und französischen Fans.

Warum also nicht Bernadette Die Hengst? Wurde nicht gefragt und daher auch nicht verraten. Über die rasante Mischung aus weiblichem “La” und männlichem “Hengst” wurde auch kein Wort verloren, solche Kombinationen verstehen sich im Zeitalter von Transgender wohl von selbst.

In dem Interview gab die Künstlerin, die sich auch entschieden als solche versteht, viel Kluges zum Feminismus von sich, obwohl sie sich unnötigerweise von meinen geliebten Birkenstockschuhen distanzieren zu müssen glaubte, die nach ihrer Aussage zur Standardausstattung “biederer” und “asexueller” Altfeministinnen gehören. Solche Altfeministinnen wollten sich in ihren “lila betuchten Frauenhäusern” von Männern abgrenzen und dort z.B. bei Konzerten mit ihrer damaligen Band “Die Braut haut ins Auge” keine Männer zulassen - diese Engstirnigkeit sei ihr immer zuwider gewesen.

Bernadette La Hengst hat eine kleine Tochter, die sie sehr liebt - aber natürlich macht La Fohlen ihr Leben nicht einfacher. Sie hat sogar einen Song “Rockerbraut & Mutter” über die Zwiespältigkeit des Mutterglücks geschrieben, den sie auf ihrer CD “La Beat” veröffentlicht hat.

Baby, baby, baby,
wo ist das Vorbild für das Leben
das ich meine?
Wo sind die Role Models,
die mir zeigen, wie es geht,
vielleicht gibt es welche,
ich kenne keine.
Und jetzt bin ich schon mittendrin in diesem Leben,
das ich mir nicht zugetraut hab,
wie solln das zusammen gehen?
Rockerbraut und Mutter.
ich geh wie auf Butter,
ich fühl mich wie die erste Frau auf der Erde,
als wäre da keine Geschichte,
liegt es vielleicht daran,
daß man nicht darüber spricht,
und keine Gedichte schreibt,
keine Bilder malt,
keine Lieder singt?
dieses Lied ist für dich, mein Kind.

Bei den Altfeministinnen hätte La Hengst massenhaft Role Models und Texte über ihr Problem finden können. Sie haben das sofort thematisiert, ja die Frauenbewegung entstand in Deutschland 1968 mit dem Aktionsrat zur Befreiung der Frauen in Berlin, dem es genau um La Hengsts uraltes Problem ging: Wie schaffe ich es, Künstlerin oder sonstwie berufstätige Frau und gleichzeitig Mutter zu sein? Um dies Problem gemeinsam zu lösen, auch gemeinsam mit den Vätern, gründeten die entnervten, aber zielstrebigen Mütter die berühmten Kinderläden in Berlin.

FrauenbildNachzulesen ist das alles (und nicht nur das!) haarklein in dem wunderbaren Buch von Iris Gusner und Helke Sander, Fantasie und Arbeit: Biografische Zwiesprache. Schüren Verlag 2009. Auch Helke Sanders Film “Mitten im Malestream” (2005) beschäftigt sich ausführlich mit diesem Aspekt der Geschichte der deutschen Frauenbewegung.

Also der “Feminimus heute” à la Bernadette La Hengst ist tatsächlich von gestern und bedarf vor allem der bewussten Aneignung bereits erreichter Problemlösungen und erprobter Strategien der Birkenstockfeministinnen.

Im Gegenzug will ich auch gerne was von La Hengst übernehmen. Das vielseitig einsetzbare “La” ist mir sehr sympathisch. Vielleicht sollte ich mich Luise La Pusch nennen?
Manchmal werde ich nämlich von Veranstaltern als “Luise Puff” oder “Luise Pfusch” vorgestellt. Mit einem schicken “La” dazwischen wäre das vielleicht leichter zu ertragen.

 


# | Luise F. Pusch am 26.09.2010 um 08:40 PM • Permalink

19.09.2010

Meine Freundin, die Baum

Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Einundfünfzigste Lektion.

Gemeint ist nicht Vicki Baum, obwohl wir ihrer in diesen Wochen besonders herzlich gedenken, zum 50. Todestag.

Nein, ich denke an “richtige Bäume”. Sie gehören sicher zu den liebenwertesten Geschöpfen dieser Erde; sie spenden Schatten, binden CO2 und stehen klaglos und ohne viel Worte zu machen ihr ganzes Leben lang aufrecht, wie ein tschechischer Dichter mal bewundernd vermerkte.

Auf ihre ganz eigene Weise illustrieren sie die tiefe Erkenntnis Pascals: “ Ich habe entdeckt, dass alles Unglück der Menschen von einem einzigen herkommt: dass sie es nämlich nicht verstehen, in Ruhe in einem Zimmer zu bleiben.«

Wie sinnig ist es daher, dass die Bäume alle weiblich sind:

Die Akazie, die Birke, die Buche, Eibe, Eiche, die Erle, Esche, Fichte, die Kastanie, Kiefer, Lärche, die Linde, Palme, Tanne, die Ulme, die Weide

Nur der Ahorn tanzt aus der Reihe. Und auch der Baum ist männlich. Das sollten wir ändern. 

Und warum sind die Bäume alle weiblich? Darüber rätseln die Gelehrten schon lange. Die griechische Sage kennt die Dryaden (Baumnymphen); sie bewohnen die Bäume als gute Geister und sterben mit ihnen. Deswegen, meint die klassische Philologie, werden die Bäume z.B. im Lateinischen als “von Natur weiblich” aufgefaßt. Denn obwohl ihr grammatisches Geschlecht oft männlich ist - quercus (Eiche), pinus (Kiefer), malus (Apfelbaum) - erlauben sie Attribute nur in femininer Form: quercus alta (hohe Eiche), pinus bella (schöne Kiefer). Das “männliche Aussehen” dieser Wörter hat später oft zum Geschlechtswandel geführt, weshalb die Kiefer heute zum Beispiel auf Französisch le pin, auf Italienisch il pino und auf Spanisch el pin heißt.

Die deutschen Baumnamen waren widerstandsfähiger und blieben weiblich. Und überhaupt - was haben gute altdeutsche Wörter wie Birke, Buche, Esche, Erle und Linde mit griechisch-römischen Baumnymphen zu schaffen? Da steckt doch sicher mehr dahinter, und ich denke/hoffe, dass meine matriarchats- und göttinnenkundigen Leserinnen uns hier bald aufklären werden.

Von Heine stammt ein Gedicht, das gern herangezogen wird, um die symbolische Bedeutung des grammatischen Geschlechts zu illustrieren:

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh’;
           
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.
Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.
Aus Lyrisches Intermezzo (1822-23), Nummer 33).

Um eine Hetero-Schnulze zu evozieren, vermännlicht Heine die Fichte zum “Fichtenbaum” - wie schade. Dabei hat doch in Wirklichkeit eine Fichte von einer Palme geträumt! Auch um in Zukunft solche Willkür und Denaturierung gar nicht erst aufkommen zu lassen, sollten wir ab sofort die Baum sagen.


# | Luise F. Pusch am 19.09.2010 um 07:23 PM • Permalink

12.09.2010

“Elternteil” aufs Altenteil

Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Fünfzigste Lektion.

In den Medien tobt derzeit ein Scheingefecht um die Rettung der Wörter “Mutter” und “Vater”, die angeblich europaweit abgeschafft werden sollen. Stattdessen solle ab sofort “das Elter” gesagt werden. Das habe der Europarat jüngst beschlossen und empfohlen, ereifert mann sich. Hier der entsprechende Artikel von Bild.de, einer von ganz vielen derselben Art. Sie brauchen nur “Europarat” und “Elter” oder “Mutter” zu googeln.

Nichts davon ist wahr, die Sache wurde frei erfunden, und dann schrieb es einer vom anderen ab - eine bemerkenswerte neue Strategie des Antifeminismus, über die ich mich ausführlicher in der Emma äußern werde.

Heute geht es mir nur um die Wörter “Elter” und “Elternteil” - armselige Sprachmittel in der Tat, um eine beliebige Person des Elternduos, Mutter oder Vater, zu benennen. Brauchen wir überhaupt so ein Wort? Ja, z.B. für Gesetze und Gesetzeserläuterungen:

Ab dem Jahr 2000 erhalten in Deutschland geborene Kinder von AusländerInnen die deutsche Staatsbürgerschaft, sofern sich ein Elternteil seit 8 Jahren rechtmäßig in Deutschland aufhält.

Wie viel besser ist da das Englische ausgestattet. In englischsprachigen Ländern haben sie nicht nur die “parents” (Eltern), sondern auch “a parent” (ein “Elternteil”):

… provided that one parent has legally resided in Germany for at least 8 years.

Und dann haben die glücklichen AngelsächsInnen auch noch das Wort “parenting”, für das es keine passende Übersetzung gibt, sondern nur ad-hoc-Behelfslösungen wie: “Elternschaft”, “Kindererziehung”, “Elternkompetenz”, “Eltern sein” - was es alles nicht trifft.

Mein Vorschlag: Entweder benutzen wir “eltern” kühn als Verb:

Ich eltere,
du elterst,
wir eltern.
Wir wechseln uns mit dem Eltern (parenting) ab.

Oder “Parenting” wird aus dem Englischen entliehen, am besten gleich mit “Parent” zusammen. Wenn wir schon Wörter wie “Multitasking”, “download”, “Dealer”, Deal” und “Showbusiness” übernehmen, warum dann nicht mal ein wirklich nützliches und wichtiges Wort, das wir offenbar umso dringender brauchen, je mehr die Rechte, Pflichten, Streitigkeiten, Bedürfnisse, Stärken und Defizite von Eltern zum öffentlichen Gesprächsstoff werden? 

“Parents” kommt natürlich - über das Französische - aus dem Lateinischen. Auch die Französin sagt “les parents” und “le (statt la, leider) parent”. Die anderen romanischen Sprachen aber können wir als Hilfsreservoir vergessen. Auf Spanisch heißen die Eltern “los padres” (die Väter), auf Italienisch “i genitori” (die Erzeuger).

Das Deutsche steht mit “Eltern” sozusagen in der Mitte einer Skala der Frauenfreundlichkeit: “I genitori” und “los padres” sind rein patriarchal, “die Eltern” ist neutral, immerhin - und “parents”, ob Englisch oder Französisch, ist matriarchal geprägt, kommt es doch vom lateinischen “parere” (gebären). Die “parents” sind also “die Gebärenden”, nur im übertragenen Sinn dann auch die ErzeugerInnen.

Damit wäre denn auch das Geschlecht von “Parent” klar, es muss ein Femininum sein: “Die Parent”, wie “die Gebärende”. “Der Gebärende” ergibt ja wenig Sinn. Der nichtgebärende Elternteil - was sage ich, die nichtgebärende Parent - ist immer herzlich mitgemeint.

Wenn das dem Nichtgebärer nicht passt, können wir ihm auch noch ganz anders kommen. Dann sagen wir - als Ausgleich für die ungalanten spanischen Gepflogenheiten - statt “Parent” nämlich gleich Mutter. Heißt doch die “parent company” hierzulande auch “Mutterkonzern”, “Mutterunternehmen”, “Muttergesellschaft” oder “Konzernmutter”.


# | Luise F. Pusch am 12.09.2010 um 03:52 PM • Permalink

03.09.2010

Die Debatte um Sarrazin aus feministischer Sicht

Es gibt in Deutschland zwei beliebte Forderungen, die aber nicht laut ausgesprochen werden dürfen:

• Frauen zurück an den Herd!
• Ausländer raus!

Wenn dann aber eine oder einer kommt und diese Forderungen in einem Buch vertritt, ergibt sich ein überwältigender Verkaufserfolg.
So geschah es vor 4 Jahren mit Eva Hermans Buch “Das Eva-Prinzip: Für eine neue Weiblichkeit”. Und so geht es seit Montag mit Thilo Sarrazins “Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen”. Hermans Buch befand sich gleich nach Erscheinen auf Platz eins bei Amazon, genau wie jetzt Sarrazins Buch. Auch Sarrazin darf sich auf sehr satte Gewinne freuen.

Beide verloren bald nach ihrem riesigen publizistischen Erfolg ihre öffentlich-rechtlichen Ämter, beide mit derselben Begründung: “Unerträgliche Nähe zu Nazithesen”.

Gegen Herman argumentierten damals zuerst nur Feministinnen, der Rest des Volkes jubelte ihr zu und kaufte ihre Bücher. Im Falle Sarrazin schweigen die Feministinnen vorerst, das Volk kauft seine Bücher, und Medien und Politik verurteilen Sarrazin unisono, von links bis rechts.

Gestern sah ich in “KulturZeit” (3sat), wie Michel Friedman Sarrazin in Grund und Boden verdammte.

Darf einer, der seinerzeit in der Versenkung verschwinden musste, weil es herausgekommen war, dass er sich Zwangsprostituierte ins Hotel bestellt hatte, sich moralisch über einen anderen Patriarchen erheben? Offenbar darf er.

Der Vorfall erklärt ganz gut, weshalb die Feministinnen noch schweigen: Wir haben es mit zwei verschiedenen Versionen des Patriarchats zu tun. Sarrazin kämpft gegen das muslimische Patriarchat mit westlich-patriarchalen Mitteln, seine Gegner verteidigen es oder wollen da nichts Unrechtes erkennen. Die Schriftstellerin Monika Maron und die türkischstämmige Feministin Necla Kelek sind bisher die einzigen weiblichen Promis, die sich auf die Seite von Sarrazin stellen, Kelek vor allem, weil sie in ihm einen Verbündeten im Kampf gegen das muslimische Patriarchat sieht.

Das muslimische Patriarchat verlangt, dass die Frau sich verhüllt, das westliche Patriarchat verlangt, dass sie sich auszieht. Sarrazin will nicht, dass muslimische Familien hier nichts tun, als “lauter Kopftuchmädchen” zu produzieren und es sich im übrigen “mit Sozialtransfers bequem machen”.

Natürlich aber produzieren muslimische Familien nicht nur “Kopftuchmädchen”, sondern auch Jungs, und die finden wir Frauen weit gefährlicher, weil sie manchmal “Ehrenmorde” begehen. Allerdings sind sie nicht gefährlicher als nichtmuslimische Jungs und Männer, die auch häufig Frauen umbringen, wenn auch meist nicht aus Gründen der Ehre.

Sarrazin befürchtet, dass in Deutschland die durchschnittliche Intelligenz sinken wird, weil “bildungsferne Schichten” wie die muslimischen Familien mehr Nachwuchs produzieren als die sogenannte Elite.

Auch hier können wir Feministinnen nur den Kopf schütteln über dies naive Vertrauen eines Bankers auf die Meriten der Eliten. Haben doch diese Eliten gerade ganze Volkwirtschaften an den Rand des Abgrunds manövriert, was “bildungsfernen Schichten” nicht so schnell gelingen würde.

Die ganze Sache ist sehr komplex, deshalb will ich hier nur auf “die Bildung” eingehen.
Da haben wir auf der einen Seite die “bildungsfernen Schichten” und auf der anderen Seite “die Bildungsverlierer”. Früher sagte mann stattdessen einfach “dumm” oder “blöd”: Das “dumme Volk” und die “dummen Jungs”. Vor allem aber “das dumme Weib”, auch “dumme Gans” oder “blöde Kuh” genannt.

Früher galt ein ganzes Geschlecht - und zwar meins, das weibliche -  als “dumm” und genetisch minderbegabt. Schon deshalb bin ich auf solche Thesen, die ganzen Gruppen die Intelligenz absprechen, nicht gut zu sprechen. Heute würde niemand mehr laut den “physiologischen Schwachsinn des Weibes” behaupten, aber es ist nicht lange her. Weil die Frauen so dumm waren, ein kleineres Gehirn hatten als die Männer und das Studieren ihrem Uterus schadete, durften sie nicht studieren, nicht wählen - also den Männern nicht ihre Plätze an der Sonne streitig machen. Ähnliches galt für die Schwarzen (damals SklavInnen) in den USA. Benachteiligt sind beide Gruppen bis heute.

Interessant ist nun aber die Sache mit den “Bildungsverlierern” - der geschraubte Ausdruck soll verhindern, dass wir uns deren Situation als ausweglos, weil genetisch bedingt, vorstellen. Mit “Bildungsverlierern” sind im derzeitigen Diskurs vor allem Jungs gemeint. Mädchen, auch die türkischen, passen sich den schulischen Anforderungen besser an, machen ihren Abschluss, bekommen Arbeitsplätze, verdienen Geld und könnten selbständig sein - wenn sie nicht von den Bildungsverlierern und -verweigerern aus Neid unterdrückt würden. Dies jedenfalls war die Botschaft des Arte-Themenabends “Der neue Mann: Brutaler Macho?” am Dienstag. Besonders eindrücklich die Debatte mit den Feministinnen Malika Sorel und Serap Cileli, die der deutschen und der französischen Gesellschaft vehement vorwarfen, vor den Menschenrechtsverletzungen muslimischer Machos die Augen zu verschließen aus Scham wegen ihrer Nazi- bzw. Kolonialvergangenheit.

Ich stimme ihnen zu und bin überhaupt schon lange eine Anhängerin der Forderung: Ausländerinnen rein!
Bei Ausländern wäre ich vorsichtig, genau wie bei Inländern.

Fazit: Sarrazin lokalisiert den Feind in der falschen Ecke, wie es meist geschieht. Die bildungsfernen Schichten sind zur (weiblichen) Hälfte gar nicht so bildungsfern. Sie sind auch mehrheitlich integrationsbereit. Aber die Bildungsverlierer unter ihnen behindern sie auf Schritt und Tritt.

Und wenn jetzt wieder “unzulässige Verallgemeinerung!” gerufen wird, möchte ich auf das Vorbild des auswärtigen Amtes oder der amerikanischen Homeland-Security-Behörde verweisen. Sämtliche AusländerInnen, die in die USA einreisen wollen, stehen unter dem Generalverdacht, TerroristInnen zu sein und müssen sich endlosen Prüfungen unterziehen. Das auswärtige Amt warnt regelmäßig deutsche TouristInnen, nicht in bestimmte Länder zu reisen, z.B. in den Kongo, nach Ägypten oder in den Yemen. Dabei sind doch die meisten Menschen (besonders die Frauen) dort friedlich und lieb und tun niemandem was zu leide. Trotzdem folgen wir diesen “unzulässigen Verallgemeinerungen” unserer Behörden, denn wenn Gefahr für Leib und Leben droht, ist eben Verallgemeinerung die Methode der Wahl. Millionen von “unschuldigen” Autos werden aus dem Verkehr gezogen, wenn bei einem die Bremsen versagt haben, Millionen von “unschuldigen” Hühnern “gekeult”, wenn bei einem die Vogelgrippe diagnostiziert wurde.

Dass wir nicht öfter offiziell vor Männern, ob Bildungsverlierer oder nicht, gewarnt werden, liegt nur daran, dass die Offiziellen selbst überwiegend Männer sind. Auch den brandgefährlichen Nazis fiel es nicht ein, das Volk rechtzeitig vor den Nazis zu warnen.


# | Luise F. Pusch am 03.09.2010 um 08:33 AM • Permalink

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Hedwig Dohm