mannhaft

Fundstücke aus unserem sexistischen Alltag werden hier ausgestellt und erläutert.

23.08.2006

Lücken im deutschen Wortschatz

1) Gesucht: der jugendliche Naive und der komische Alte …

Daß es für die “Wöchnerin” im deutschen Wortschatz kein männliches Pendant gibt, ist verständlich,  denn bisher hat die moderne Medizin es noch nicht geschafft, daß auch der Mann mal Pause macht und in die Wochen kommt. Daß aber auch die “jugendliche Naive” und die “komische Alte” auf der deutschen Bühne und in der deutschen Sprache keine adäquaten Partner finden, bleibt erstaunlich. Denn in der kruden Wirklichkeit treffen wir doch dauernd auf den jugendlich naiven Radaubruder und die komischen alten Politiker.

Die Reihe wird unbeirrt fortgesetzt.


# | Luise F. Pusch am 23.08.2006 um 07:17 PM • Feministische SprachkritikmannhaftPermalink

18.06.2006

Max Kruse, der Sohn von Käthe Kruse

Ich sehe sonntagmorgens gern die halbstündige Sendung LeseZeichen vom Bayr. Fernsehen - frau erfährt auf unterhaltsame Weise, was die Konkurrenz gerade so (um)treibt.

Heute kam ein schönes Porträt des liebenswerten Max Kruse, Sohn von Käthe Kruse, der auf seiner Homepage im zweiten Absatz mitteilt: “Aufgewachsen bin ich bei meiner Mutter, der Schöpferin der Käthe Kruse Puppen.”

Ich wußte bis dahin nicht, daß dieser Max Kruse Käthe Kruses Sohn ist. Ich hatte ihre Autobiographie vor 25 Jahren gelesen und von daher nur behalten, daß sie einen Sohn namens Max hatte. Aber es gibt ja Kruses wie Sand am Meer, und viele von ihnen werden Max heißen.

Die Sendung LeseZeichen jedenfalls verriet mit keiner Silbe, daß dieser Max genau der Sohn von Käthe ist. Ich mußte das erst googeln.

Hat mann oder frau jemals einen Bericht über Jane Fonda gelesen, in dem nicht im ersten Satz darauf hingewiesen wird, daß sie die Tochter des berühmten Henry ist? Falls Sie es nicht glauben, hier ein aktuelles Beispiel über eine andere berühmte Tochter eines berühmten Mannes: “Anjelica Huston, Tochter des legendären John Huston (‚Der Malteserfalke’, 1941), ist eine der angesehensten Schauspielerinnen Hollywoods.” Es geht um ihren großartigen Film Ein Bastard aus Carolina, mit dem Vater John und Der Malteserfalke nun wirklich nichts zu tun haben.

Noch etwas hat mich sehr gewundert. Auf Wikipedia gibt es ein ausführliches Porträt zu Käthe Kruse. Als Literatur werden diverse autobiographische Werke ihres Sohnes Max angeführt. Ihre Autobiographie hingegen - doch wohl die Hauptquelle - fehlt. Um das da nachzutragen, werde ich mich nun endlich mit der Ergänzungstechnik auf Wikipedia vertraut machen!

3 Minuten später: Schon geschehen. Die Käthe-Kruse-Wiki-Seite ohne ihre Autobiographie ist history!


# | Luise F. Pusch am 18.06.2006 um 12:14 PM • mannhaftPermalink

20.05.2006

Freudsche Fehlleistungen

In diesem Monat wird allenthalben des 150. Geburtstages von Sigmund Freud am 6. Mai gedacht. So wollen denn auch wir nicht zurückstehen und an zwei besonders merk-würdige Freudsche Fehlleistungen erinnern. Folgende Erkenntnis überkam den Jahrhundertdenker im Jahre 1933:

FrauenbildMan meint, daß die Frauen zu den Entdeckungen und Erfindungen wenig Beiträge geleistet haben, aber vielleicht haben sie doch eine Technik erfunden, die des Flechtens und Webens. Wenn dem so ist, so wäre man versucht, das unbewußte Motiv dieser Leistung zu erraten. Die Natur selbst hätte das Vorbild für diese Nachahmung gegeben, indem sie mit der Geschlechtsreife die Genitalbehaarung wachsen ließ, die das Genitale verhüllt. Der Schritt, der dann noch zu tun war, bestand darin, die Fasern aneinander haften zu machen, die am Körper in der Haut staken und nur miteinander verfilzt waren.
(aus “Die Weiblichkeit”, zitiert nach Freud-Studienausgabe Bd. 1: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse und Neue Folge. Frankfurt/M. Fischer, 3. Aufl. 1978, S. 562)

Damit nicht genug, mußte er auch noch folgende Altersweisheit zum besten geben (ebd., S. 565):

Vergessen Sie aber nicht, daß wir das Weib nur insofern beschrieben haben, als sein Wesen durch seine Sexualfunktion bestimmt wird. Dieser Einfluß geht freilich sehr weit, aber wir behalten im Auge, daß die einzelne Frau auch sonst ein menschliches Wesen sein mag.

Das ist doch sehr beruhigend! - Den Hinweis auf diese Schwachstellen verdanke ich Sibylle Duda.


# | Luise F. Pusch am 20.05.2006 um 10:21 PM • mannhaftPermalink

19.05.2006

Berliner

In der Mai-Nummer des Magazins der Deutschen Bahn, genannt mobil, erfahren wir auf S. 33, daß Berliner Männer sind und eine kleine Frau haben: großbusig, barbusig und geschmückt mit einer langen blonden Mähne. Die Frau des Berliners ist noch kleiner als seine beiden Kinder. Klicken Sie auf das Bild, dann erscheint der Berliner à la DB in seiner ganzen Schönheit, inklusive Winzfrauchen auf dem Arm.
Frauenbild Der Begleittext verrät auch keinerlei Einsicht darüber, daß “die Berliner” zu 52 Prozent weiblich sind (jedenfalls sagt mann uns das doch immer, wenn wir verlangen, daß die Doppelform “Berlinerinnen und Berliner” benutzt werden soll). “Der Berliner”, wie die Deutsche Bahn ihn sieht, wird den Bahnreisenden nähergebracht auf “Kanal 4 - Literatur im Zug”. An Literaturschaffenden fanden die Bahn, der Hörverlag und die Kulturwelle des Hessischen Rundfunks, die für das Programm verantwortlich sind, ebenfalls nur Männer. Ihre Namen will ich hier nicht nennen, dies ist ja kein Reklame-Blog für Männer.


# | Luise F. Pusch am 19.05.2006 um 10:18 PM • Feministische SprachkritikmannhaftPermalink

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Hedwig Dohm