27.02.2012

Gauck und die Second Lady

Wulff geht, Gauck kommt - und bringt andere Probleme mit sich, die sein Vorgänger uns immerhin erspart hat, nämlich: Wie nennen wir jetzt die Frau an seiner Seite? Bettina Wulff war „Bundespräsidentengattin“ oder kurz „Präsidentengattin“ und noch kürzer „First Lady“. Gaucks Gattin lebt seit Jahrzehnten getrennt von ihm; seine Lebensgefährtin seit 12 Jahren, die Journalistin Daniela Schadt, wird statt der gesetzmäßigen Bundespräsidentengattin ins Schloss Bellevue ziehen. Und wie soll sie dann heißen? Vielleicht Bundespräsidentenlebensgefährtin? Das Ausland wird sich wieder totlachen über die Wortungetüme, zu denen die deutsche Sprache fähig ist.

Mein Freund Christoph, mit dem ich das Problem erörterte, sagte strahlend: „First Lady nennen wir sie“. Aber die First Lady ist doch eigentlich Gerhild Gauck, von der Joachim getrennt lebt. Daniela Schadt wäre demnach wohl eher die „Second Lady“. Aber das klingt zu zweitklassig für die Lebensgefährtin immerhin des Herrn Bundespräsidenten.

„Mätresse“ schlug Joey vor, nachdem sie sich zuvor über die moralische Unordnung gewundert hatte, die die Deutschen inzwischen anscheinend zu verkraften gelernt haben. Keine Chance für irgendein höheres Staatsamt hätte Gauck mit seiner Vielweiberei in den USA, das sei mal sicher.

Nun soll der Bundespräsident ja für sein Volk ein moralisches Vorbild sein. Unter diesem Aspekt ist es interessant, dass finanzielle Unregelmäßigkeiten inzwischen so viel schwerer genommen werden als eheliche. Wulff geht und mit ihm das Vorbild des treusorgenden Gatten und Familienvaters, der der Gattin ein eigenes Häuschen am Stadtrand bieten wollte und dafür seine Karriere aufs Spiel setzte. Gauck kommt und mit ihm ein fragwürdiges Vorbild undurchsichtiger Familienverhältnisse. Wieso lebt er von seiner Gattin seit Jahrzehnten getrennt und lässt sich nicht wenigstens ordentlich scheiden? Wieso hat er stattdessen neben der Gattin seit 12 Jahren eine Zweitfrau? Und wozu braucht der rüstige Greis überhaupt eine zwanzig Jahre jüngere Frau? Damit andere Greise seines vergreisenden Volkes es dem Vorbild nachmachen? Und wer garantiert dem deutschen Volke, dass Gauck nicht bald schon eine dritte und vierte Frau braucht? Bei der Ehefrau ist immerhin nur eine vorgesehen und amtlich, und damit hat es sich für die SteuerzahlerInnen.

Ich finde, all diese Erwägungen sprechen eindeutig dafür, dass das höchste Staatsamt nicht länger als „Gesamtpaket“ (FAZ) von Bundespräsi plus Hausfrau konzipiert wird, sondern bis auf weiteres Frauen oder Schwulen vorbehalten bleibt: Der Bundespräsidentinnen- oder Bundespräsidentengatte (oder auch die Gattin der Bundespräsidentin) hält sich bescheiden im Hintergrund und begleitet das Staatsoberhaupt höchstens mal zur Oper, wie Herr Sauer es vormacht. Schon die Wörter „BundespräsidentInnengattIn“ und „First Gentleman“ sind so unmöglich, dass man eine so peinliche Erscheinung am liebsten vergessen oder gar nicht erst zulassen möchte, jedenfalls nicht in einer offiziellen Funktion.

Angela Merkel macht es ebenfalls vor: Eine Person, die ein hohes Staatsamt bekleidet, macht ihren Job am besten alleine. Sie braucht dazu keine „Frau an ihrer Seite“ und erst recht keinen Mann.

Insofern ist die lebenspartnerInnenschaftliche Unorthodoxie, wie Berlin sie uns vorexerziert mit Merkel, Wowereit und Westerwelle, ein echter Hoffnungsschimmer, an dem Gauck & Schadt sich orientieren sollten. Die Lebensgefährten, weil ungewohnt, halten sich im Hintergrund und werden nicht, wie die „Frau an seiner Seite“ alter Ordnung, zum eisernen Bestandteil des Protokolls bis hin zum „Damenprogramm“. Und das ist auch gut so. Die Person an seiner oder ihrer Seite ist reine Privatsache, und wo sie dies noch nicht ist, wird es Zeit, dass sie es wird. Schon aus sprachästhetischen Gründen.

Zum Weiterlesen: Glosse “Bundespräsident: Nicht ohne Hausfrau” von Ulrike Sommer

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Luise F. Pusch am 27.02.2012 um 08:45 AM