Nomos-Quartett: Drei Frauen und ein Mann machen wunderbar Musik
Leider habe ich nur selten Zeit, ins Konzert zu gehen, aber wenn das Nomos-Quartett spielt, muss ich einfach hin. Die Gründe dafür werden in den ekstatischen Rezensionen, die auf ihrer Homepage versammelt sind, schön ausgebreitet. Ich kann mich der Begeisterung nur anschließen. Von meinem Lieblingskomponisten Schubert gibt es bekanntlich überirdisch schöne Quartette und das Streichquintett in C-Dur (vgl. unten meine Empfehlung). Sie spielen auch diese Meilensteine der Quartett- und Quintettliteratur überragend, eben “aus dem Innersten” (Titel ihrer Konzertreihe). Hier finden Sie alle aktuellen Informationen für Ihre Konzertplanung.
# | Luise F. Pusch am 15.08.2009
Franz Schubert Streichquintett C-Dur, D.956

Franz Schubert
Streichquintett C-Dur, D.956
Nomos Quartett (Martin Dehning, 1. Violine, Sonja-Maria Marks, 2. Violine, Friederike Koch, Viola und Sabine Pfeiffer) mit Klaus Kämper, Violoncello
Amphion, Juli 2000
Audio-CD.
Mein Kommentar:
Schuberts C-Dur-Quintett, komponiert in seinem Todesjahr, 1828, ganz ungewöhnlich besetzt nicht mit zwei Bratschen, sondern zwei Celli, ist für mich das kühnste und bewegendste Werk der Kammermusik.
“Vor dem C-Dur-Quintett verneigen sich alle Menschen, denen Musik etwas bedeutet, glücklich bewundernd - oder sie schwärmen”, schreibt Joachim Kaiser.
Schubert ist besonders für ausdrucksgehemmte Menschen eine große Hilfe, die selbst im schneidendsten Schmerz noch zwanghaft Haltung bewahren. Solche Menschen können Schubert an ihrer Stelle sprechen lassen.
Von den vielen Einspielungen, die es gibt, liebe ich besonders die mit Rostropowitsch und dem Emerson Streichquartett und die neue mit dem Nomos-Quartett. Aber Rostropowitsch & Emerson sind alles Männer, während das Nomos-Quartett zu drei Vierteln weiblich besetzt ist.
# | Luise F. Pusch am 15.08.2009
Puccini: Tosca (Gesamtaufnahme / Mailand 1953)
Puccini: Tosca
(Gesamtaufnahme / Mailand 1953)
von Giacomo Puccini
Dirigent: Victor de Sabata
mit Maria Callas (Sopran), Giuseppe di Stefano (Tenor), Tito Gobbi (Bariton), Franco Calabrese (Baß), Angelo Mercuriali (Tenor), Melchiorre Luise (Baß), Dario Caselli (Baß), Alvaro Cordova (Tenor), Chor der Mailänder Scala, Orchester der Mailänder Scala
2 Audio-CDs EUR 19,99
Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2001
Label: EMI Classi (EMI Vertrieb)
Mein Kommentar:
Alle Callas-KennerInnen sind sich einig, daß ihre Tosca unter de Sabata mit di Stefano und Gobbi nicht nur die ultimative Callas-Aufnahme, sondern überhaupt eine Sternstunde der Schallplattengeschichte ist, weil alle Beteiligten auf höchstem Niveau agieren.
Was soll ich noch mehr dazu sagen? Vor dreißig Jahren mußte ich aus beruflichen Gründen ganz plötzlich und eilig Italienisch lernen. Ich lernte es mit Hilfe dieser berühmten Tosca-Aufnahme, indem ich mir die deutsche neben die italienische Textfassung legte, außerdem ein Vokabelheft anlegte. Wie frau weiß, ist beim Vokabellernen Wiederholung ratsam – und zu endloser Wiederholung neigte ich bei dieser Musik sowieso!
Meine italienischen Kollegen im Forschungsprojekt fanden mein Italienisch zwar etwas opernhaft, aber charmant.
# | Luise F. Pusch am 30.04.2006
Antonio Vivaldi: Juditha Triumphans

Antonio Vivaldi: Juditha Triumphans
mit Magdalena Kozena, Maria Jose Trullu, Marina Comparato, Anke Herrmann, Tiziana Carraro, Coro dell’Accademia di Santa Cecilia, Academia Montis Regalis
Dirigent Alessandro de Marchi
Preis: EUR 35,99
Erscheinungsdatum: 23. Juli 2001
Label: Opus 111; Vertrieb: Helicon
Mein Kommentar:
Im letzten Sommer habe ich “die ultimative feministische Oper” Juditha Triumphans von Vivaldi schon einmal angepriesen. Ich schrieb damals u.a.:
“Judith, die Heldin des alten Testaments, schlägt dem feindlichen General Holofernes den Kopf ab und rettet dadurch ihr Land. Die Handlung ist also schon mal schwer in Ordnung. Hinzu kommt, daß alle Rollen von Frauen gesungen werden und daß Juditha und ihre Dienerin Abra einander innigst zugetan sind, die Heldinnentat gemeinsam planen und durchziehen und ihren tiefen Gefühlen füreinander in langen überirdisch schönen Arien Ausdruck verleihen – dagegen wirkt Don Josés Blumenarie geradezu blaß. Es gibt inzwischen mehrere Aufnahmen, aber die mit Dominguez und Cundari aus den sechziger Jahren bleibt unübertroffen.”
Dem ist nun jubelnd hinzuzufügen: Es gibt eine neue Aufnahme, die an den stimmlichen Glanz der alten heranreicht und die sich darüberhinaus im Glanz der neusten Aufnahmetechnik präsentiert. Und klangtechnisch haperte es bei der alten doch leider sehr!
Die KritikerInnen – einschließlich Stimmen-Experte Jürgen Kesting - sind sich einig, daß dies eine in jeder Hinsicht (bis hin zur sorgfältigen Ausstattung) herausragende Edition ist. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der jungen tschechischen Mezzosopranistin Magdalena Kozena in der Titelpartie. “If you are not totally transported by her aria Veni, me sequere fida with its glorious melody and seductive soprano chalumeau (an early cousin to the clarinet) accompaniment, you should have a doctor check your pulse”, meint Frank Cadenhead. Dem kann ich nur zustimmen. Übrigens: Diese Arie singt Juditha für Abra.
# | Luise F. Pusch am 30.04.2006
Gebrauchte Lieder: Maren Kroymann
Gebrauchte Lieder
Maren Kroymann
begleitet von Jo Roloff & Band
Live-Mitschnitt aus der Bar jeder Vernunft, Berlin.
Label: Hörkunst 2001.
Audio-CD.
Mein Kommentar:
Maren Kroymann singt keine neuen, sondern gebrauchte Lieder, second-mouth songs sozusagen. Es sind auch eigentlich keine Lieder, sondern Schlager, Hits, aus den 50er und 60er Jahren. Das war die Zeit ihrer (und auch meiner) Kindheit & Jugend. Als inzwischen herangereifte Fanin serviert sie, gekonnt und artig begleitet von Jo Roloff und seinen Go-Go-Boys, die Oldies mit einer unwiderstehlich charmanten Mischung aus Verehrung und sanfter bis bissiger Ironie. Musikalisch kann sie es mit den Originalen von Elvis über Caterina Valente bis Udo Jürgens und Dusty Springfield ohne weiteres aufnehmen. Aber während z.B. Elvis nur den Elvis-Stil beherrschte, verfügt diese virtuose Stimmen-Imitatorin und Parodistin über eine reiche Palette an Gesangsstilen.
Maren Kroymann behauptet in ihren witzigen und intelligenten Zwischentexten, sie habe diese Lieder gebraucht, um erwachsen zu werden und das Erwachsenwerden auszuhalten. Ich nehme es ihr nicht ab - diese Frau ist so stark und begabt, die brauchte wohl auch damals keinen Elvis, um durch die präfeministischen 50er und 60er Jahre zu kommen. Aber es ist ein hübscher Trick, um ein breites, retrogewandtes Publikum zu erreichen, glänzend zu unterhalten und auch noch mit leichter Hand feministisch anzureichern. Sehr brauchbare Lieder.
# | Luise F. Pusch am 30.04.2006









