FemBio-Special: Berühmte Komponistinnen

Alice Samter

geboren am 11. Juni 1908 in Berlin
gestorben am 19. März 2004 in Berlin

deutsche Komponistin, Stiftungsgründerin
10. Todestag am 19. März 2014


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Die Berliner Komponistin Alice Samter hat die Strömungen des 20. Jahrhunderts in ihren Werken auf äußerst komprimierte und treffende Weise festgehalten. Das umfangreiche Werkverzeichnis der Aphoristikerin mit dem prägnanten Kammermusikstil weist neben einer großen Anzahl von Kompositionen in kleinen Besetzungen auch Bühnenwerke auf, wie die „Schule der Witwen“ nach Jean Cocteau oder „Die Nachtwache“ nach Texten von Nelly Sachs. Lieder auf Texte von Else Lasker-Schüler, Aldona Gustas, Hilde Domin und Ingeborg Bachmann deuten auf ihr starkes Interesse an Frauenliteratur ihrer Zeit, ebenso gibt es eine Reihe von Werken, die durch Gemälde oder Skulpturen von Kolleginnen inspiriert wurden.

Alice Samters Leben ist nicht nur geprägt durch die 95 inspirierenden Jahre im Berliner Kunstleben, sondern insbesondere durch einen außergewöhnlichen Lebensweg. Das Mädchen aus gutbürgerlichem Hause erhält eine solide Basisausbildung als Buchhalterin, arbeitet jahrelang zwischen den beiden Weltkriegen im Büro und verbringt jede freie Minute mit Musikstunden und Konzertbesuchen. 1945 nutzt sie die Chance, sich als Musiklehrerin zu bewerben und ihr Examen nachzureichen. Weitere 30 Jahre ist Alice Samter engagierte Musik- und Kunstlehrerin an einer Berliner Schule, für die sie mehrere Schulopern komponiert. Erst nach der Pensionierung beginnt für Alice Samter das freie Leben als Komponistin. Sie tritt in mehrere Verbände ein, um den Kontakt zu anderen Künstlerinnen zu finden und zu vertiefen. Dies sind die GEDOK Berlin (interdisziplinäre Gemeinschaft der Künstlerinnen), der „Internationale Arbeitskreis Frau und Musik“ in Kassel und die „ILWC“ ( International Leage of Woman Composers) in den USA. Ihre Werke wurden in allen Ländern der Welt aufgeführt und gefeiert.

Kompositionsaufträge international tätiger MusikerInnen beschäftigten die Komponistin bis ins hohe Alter. Das letzte Lied entstand, trotz fast vollständiger Erblindung, noch 2003.  Mehrere Portraitfilme im Westdeutschen Rundfunk (WDR),  bei „Frau TV“ und beim Südwestfunk Baden-Baden sind der außergewöhnlichen Karriere dieser ungewöhnlichen und stets etwas unbequemen Frau gewidmet. Bereits seit den 1980er Jahren werden die Werke von Alice Samter in der Berliner Staatsbibliothek archiviert.

Der Erfolg der Komponistin änderte ihre bescheidene Lebensweise kaum. Sie blieb in der gleichen Wohnung in Berlin-Charlottenburg, in die sie nach der Ausbombung ihres alten Hauses in Berlin Mitte mit der Mutter und ihrer Adoptivschwester evakuiert wurde, einer kleinen Wohnung im vierten Stock eines Hinterhauses. Sie hegte nach wie vor kein Interesse für teure Kleider, hatte nie ein Auto und lehnte jeden Luxus ab. Das angesparte Vermögen wollte die Komponistin für gute künstlerische Zwecke einsetzen. So kam es 1999 zur Gründung der Alice-Samter-Stiftung an der Hochschule der Künste Berlin. Die Stiftung unterstützt bedürftige junge MusikstudentInnen der Hochschule, die alle zwei Jahre ein Konzert mit Werken der Komponistin veranstalten. Zuvor hatte Alice Samter der Staatsbibliothek Berlin für den Ankauf verschiedener Manuskripte von Clara Schumann und Fanny Mendelssohn Gelder gespendet und mehrere Kolleginnen ihres Berliner Umfeldes finanziell unterstützt.

Alice Samter war ein typisches Berliner Individuum, eine Frau mit Geist, hohem Anspruch, eiserner Disziplin und einem guten, großen Herzen.

Adelheid Krause-Pichler

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Literatur & Quellen

Krause-Pichler, Adelheid. 2002. Turbulenzen: Das Leben der Komponistin Alice Samter. Oberhausen. Samter.

Mayer, Clara. Hg. 2001. Annäherungen I - an  7 Komponistinnen. Kassel. Furore.

www.alice-samter.de

Alice-Samter-Stiftung

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Hedwig Dohm