Anita Rée
(Anita Clara Rée)
geboren am 9. Februar 1885 in Hamburg
gestorben am 12. Dezember 1933 in Kampen/Sylt
deutsche Malerin
140. Geburtstag am 9. Februar 2025
Biografie • Zitate • Weblinks • Literatur & Quellen • Bildquellen
Malerei als Freizeitbeschäftigung höherer Töchter genügt der hochbegabten Anita Rée nicht, sie will eine ausgebildete, professionelle Künstlerin werden. Die aus einem reichen jüdisch-liberalen Elternhaus stammende (und protestantisch erzogene) Rée muss nicht nur ihre Eltern überzeugen, sondern auch von Anfang an gegen tiefe Selbstzweifel ankämpfen.

Während ihrer Ausbildung bei Arthur Siebelist wendet sich Rée an Max Liebermann, dem sie einige Bilder und Zeichnungen zeigt. Von ihm zu einem Kunststudium ermutigt, richtet sie sich im Dachgeschoß des Elternhauses ein Atelier ein, das ihr zum wichtigen Rückzugsort wird.
1910 überwirft sie sich mit ihrem Lehrer und bildet mit Friedrich Ahlers-Hestermann und Franz Nölken eine Ateliergemeinschaft. Gerade aus Paris zurückgekehrt, genießt es Nölken, seine neuen Erfahrungen einer begabten Schülerin weiterzugeben. Die Freundschaft zerbricht, als sich Rée unerwidert in Nölken verliebt.
Tief verletzt reist sie 1912 nach Paris, um ihre Studien fortzusetzen. Sie übt sich im Aktzeichnen bei Fernand Léger, nimmt kubistische Strömungen auf, auch Einflüsse von Picasso, Matisse und Cézanne lassen sich nachweisen. 1919 gründet sie zusammen mit anderen fortschrittlichen MalerInnen die Hamburger Sezession, an deren jährlichen Ausstellungen sie sich erfolgreich beteiligt.
Von 1922 bis 1925 hält sich Rée überwiegend in Positano auf; es ist eine sehr produktive und glückliche Zeit. Mit dem Buchhändler und Maler Christian Selle erlebt sie eine Zeit erfüllter Liebe. In Positano findet Rée zum Malstil der Neuen Sachlichkeit mit vom südlichen Licht beeinflussten kräftigen Farben. Neben Bildern der Landschaft und der Architektur der Küstenstädtchen südlich Neapels entstehen sinnliche Aktbilder.

Nach ihrer gemeinsamen Rückkehr endet plötzlich die Beziehung mit Selle. War ihr erotisches Interesse an Frauen bisher nur unterschwellig spürbar, gewinnt es jetzt für Rée, wie ihr Briefwechsel und ihre Bilder zeigen, verstärkt an Bedeutung.
Das Leben wird für Rée trotz beruflicher Anerkennung immer schwieriger. Nach dem Verkauf des Elternhauses lebt sie in ärmlichen Verhältnissen, spart an Malutensilien, obwohl sie eigentlich über ausreichende Geldmittel verfügt. Maike Bruhns sieht in ihrer einfühlsamen Biographie der Malerin darin »den Ausdruck ihrer Welt- und Zukunftsängste«. Mit der Machtergreifung der Nazis steigern sich diese Ängste noch, dazu kommt die Furcht vor Alter und Verarmung und eine unerträgliche Einsamkeit. Im Dezember 1933 nimmt sich Anita Rée auf Sylt, wo sie seit 1932 lebt, mit Veronal das Leben.

Welchen Sinn hat es, ohne Familie und ohne die einst geliebte Kunst und ohne irgendeinen Menschen in so einer unbeschreiblichen, dem Wahnsinn verfallenen Welt weiter einsam zu vegetieren und allmählich an ihren Grausamkeiten innerlich zugrundezugehen?
(Anita Rée, 1933, gefunden hier)

Büsing, Nicole; Klaas, Heiko (2006): Kunst statt Kochtopf. Hamburger Künstlerinnen der Avantgarde in der Kunsthalle der Hansestadt. kunstmarkt.com.
Online verfügbar unter http://www.kunstmarkt.com/pagesmag/kunst/_id101653-/ausstellungen_berichtdetail.html?_q=%20, zuletzt geprüft am 01.02.2020.
Hamburger Kunsthalle: Anita Rée.
Online verfügbar unter https://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/anita-ree, zuletzt geprüft am 01.02.2020.
Rainer Herold: Galerie Herold – Anita Rée.
Online verfügbar unter http://galerie-herold.de/de/kuenstler/kuenstler-details/art-info/anita-ree/Artist/, zuletzt geprüft am 01.02.2020.
Bruhns, Maike (Hg.) (1995): Drei Malerinnen der Hamburgischen Sezession. Alma DelBanco, Anita Rée, Gretchen Wohlwill. Ausstellungskatalog. Redaktion: Hermann Feldgen und Isabella Vértes. Kataloggestaltung: Peter Appelt. Texte und Konzept: Maike Bruhns. Hamburg. Festival der Frauen; British American Tobacco (Germany). (WorldCat-Suche)
Bruhns, Maike (1986): Anita Rée. Leben und Werk einer Hamburger Malerin 1885 – 1933. Maike Bruhns. Verein für Hamburg. Geschichte. Hamburg. Verein für Hamburgische Geschichte (Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, 29). ISBN 3-923356-15-3. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Dick, Jutta (Hg.) (1993): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt (rororo, 6344 : rororo-Handbuch). ISBN 3-499-16344-6. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Heise, Hildegard; Heise, Carl Georg (1969): Anita Rée. Hamburg, 1885 – 1933. Ein Gedenkbuch von ihren Freunden. Hamburg. Christians. (Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Sello, Gottfried (1988): Malerinnen aus fünf Jahrhunderten. Hamburg. Ellert & Richter. ISBN 3-89234-077-3. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Wolff-Thomsen, Ulrike (Hg.) (1994): Lexikon schleswig-holsteinischer Künstlerinnen. Heide. Boyens. ISBN 3-8042-0664-6. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Bruhns, Maike (2001): Hamburger Kunst im »Dritten Reich«. Hamburg. Dölling und Galitz (Kunst in der Krise / Maike Bruhns, 1). ISBN 978-3-933374-94-3. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Elsbeth-Weichmann-Gesellschaft (Hg.) (2002): Frauen im Hamburger Kulturleben. Elsbeth Weichmann, Gertrud Bing, Anita Rée, Lavinia Schulz, Annemarie Marks-Rocke, Eliza HansenElsbeth-Weichmann-Gesellschaft. Hamburg. Christians. ISBN 3-7672-1403-2. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Hofmann, Werner (Hg.) (1986): Eva und die Zukunft. Das Bild der Frau seit der Französischen Revolution. Ausstellungskatalog. Darin: Anita Rée von Bettina Roggmann. München. Prestel. ISBN 3-7913-0754-1. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Schulze, Sabine; Bronfen, Elisabeth (2003): Nackt! Frauenansichten. Malerabsichten. Aufbruch zur Moderne. Ausstellungskatalog. Ostfildern-Ruit. Hatje Cantz. ISBN 978-3-7757-1384-9. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
Weimar, Friederike (2003): Die Hamburgische Sezession 1919 – 1933. Malerei, Grafik, Plastik. Geschichte und Künstlerlexikon. Fischerhude. Verlag Atelier im Bauernhaus. ISBN 3-88132-258-2. (Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)
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