Annette von Droste-Hülshoff

(Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff [eigentlicher Name laut Taufregister]; Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Louise Maria Freiin von Droste zu Hülshoff; Annette Elisabeth Freiin von Droste-Hülshoff; Elisabetha [Pseudonym])

geboren am 10. Januar 1797 auf Schloß Hülshoff bei Münster
gestorben am 24. Mai 1848 in Meersburg

deutsche Dichterin und Komponistin
165. Todestag am 24. Mai 2013


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff, die einzige Schriftstellerin, die in keiner deutschen Literaturgeschichte fehlt und eine der wenigen Frauen, deren Porträt einen deutschen Geldschein zierte, kämpfte ein Leben lang gegen die Erwartungen ihres Standes und ihrer Familie, die literarische Leistungen, gar von einer Frau, nicht ernstnahmen und öffentliches Auftreten grundsätzlich ablehnten. Drostes eigene Ambivalenz ihrer weiblich-ständischen und ihrer dichterischen Rolle gegenüber prägt fast all ihre Arbeiten und trägt sehr zu ihrer heutigen Wirkung bei. Die mikroskopisch genau beobachteten Bilder ihrer Naturlyrik und Balladen vermitteln in ihren oft geheimnisvollen, schauerlichen Stimmungen, mit ihren Spiegelbildern und DoppelgängerInnen psychologische Einsicht in die Gespaltenheit des modernen Menschen. Die geniale Kriminalerzählung Die Judenbuche verweist auf die Unsicherheit aller Erkenntnis. Der Gedichtzyklus Das geistliche Jahr gilt als wichtigstes Werk der religiösen Dichtung im 19. Jahrhundert. Aber auch diese Gedichte sind geprägt von Zweifeln, die höchst modern anmuten: »Mein Wissen musste meinen Glauben töten!«

Annette von Droste-Hülshoff

Das ländliche Leben auf Schloss Hülshoff und im Rüschhaus war trotz Gesellschaften, Vorlesen und Musizieren oft einsam und langweilig; ständig war jemand krank und musste gepflegt werden. Annette war zeitlebens selbst oft krank. Literarische Anregung und Ermutigung bekam sie von FreundInnen in Münster, Köln und Bonn, darunter Frauen wie Johanna und Adele Schopenhauer. Die Freundschaft mit dem fast 18 Jahre jüngeren Levin Schücking war entscheidend für ihre schöpferische Entwicklung. In den Monaten, die sie 1841-42 bei ihrer Schwester Jenny in Meersburg am Bodensee verbrachten, spornte er die Dichterin an, Die Judenbuche abzuschließen und mehr als 50 Gedichte (darunter über ein Dutzend Balladen) zu schreiben. Droste war zutiefst enttäuscht, als er Meersburg verließ und ein Jahr darauf heiratete. Sie starb 1848 mit 51 Jahren. Ihr Ruhm stand noch ganz am Anfang.

(Der Text wurde 1996 verfasst.)

Joey Horsley

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Zitate

Ich steh’ auf hohem Balkone am Turm,
Umstrichen vom schreienden Stare,
Und laß’ gleich einer Mänade den Sturm
Mir wühlen im flatternden Haare;
O wilder Geselle, o toller Fant,
Ich möchte dich kräftig umschlingen,
Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand
Auf Tod und Leben dann ringen!

(Annette von Droste–Hülshoff)



Annette von Droste-Hülshoff

Ein Herz, so stark, das Schwerste zu verwinden,
So warm, um leicht in Flammen aufzugehn,
So tief, um ahnend Tiefstes zu verstehn,
So weich, um nur in Starrheit Halt zu finden;

Ein Geist, geschaffen, Geister zu ergründen,
Stolz, um Gemeines groß zu übersehn,
Demütig, wenn ein Lebenswerk geschehn
Und seine Spur verweht scheint von den Winden;

Einsam erwachsen auf der Heimatflur,
Einsam trotz innig ernstem Liebessehnen,
Im Stillen sammelnd ewigen Gewinn;

Allein an Gott dich klammernd und Natur,
Zu Perlen reiften dir all deine Thränen;
So wardst du Deutschlands größte Dichterin.

(Heyse, Paul (1830-1914). In: Hadrian. Hildesheim: Olms (Gesammelte Werke, Reihe 3, 5), S. 543)



Droste-Hülshoff, Annette Elisabeth, Freiin von, namhafte deutsche Dichterin, geb. 10. Jan. 1797 auf Hülshoff, dem Stammhaus ihrer altwestfälischen, speziell altmünsterschen Familie, gest. 24. Mai 1848 auf Schloß Meersburg am Bodensee.

Annette von Droste-Hülshoff

Sie siedelte nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter nach dem Witwensitz Ruschhaus bei Münster über und lebte seit 1840 größtenteils bei ihrem Schwager, dem gelehrten Freiherrn Jos. v. Laßberg, auf Schloß Meersburg am Bodensee, wo ihr 1898 ein Denkmal (von Stadelhofer) errichtet wurde. Ein andres Denkmal (von Ant. Rüller) ist ihr im November 1896 in Münster gewidmet worden.

Sie zeigte eine höchst eigenartige Individualität voll der reichsten poetischen Anlage und war ausgestattet mit seltenem Verständnis für die geheimsten Reize der Natur wie des Seelenlebens. Kaum berührt von den Ideen der Zeit, wurzelt die Dichterin in dem stillen Milieu ihrer Heimat und in den Anschauungen ihrer streng katholischen Umgebung, denen sie, wenn auch von gelegentlichen Zweifeln gequält, die Treue bewahrte.

Annette von D. trat zuerst mit »Dichtungen« (Münster 1837) hervor, deren erzählender Teil das außerordentliche Schilderungstalent und die realistische Energie der Dichterin bekundete. Voll ausgereift erschien dann ihr Talent in ihren »Gedichten« (Stuttg. 1844, 6. Aufl. 1900), durch die sie sich trotz der vielfach harten, spröden und von knorrigen Auswüchsen und sprachlichen Provinzialismen getrübten Form zum Rang der hervorragendsten deutschen Dichterin erhob. Namentlich bekundete sie ihre Meisterschaft auf dem Gebiete des farbengesättigten Stimmungsbildes sowie auf dem der poetischen Erzählung (»Die Schlacht im Loener Bruch«, »Das Fräulein von Rodenschild«, »Der Geierpfiff«, »Die Krähen«, »Sommernachtstraum«, »Die Schwestern«, »Die Vergeltung« u.a.). Von packender Vollendung ist ihre Novelle »Die Judenbuche« (zuerst im »Morgenblatt« 1842).

Aus ihrem Nachlaß erschienen: die religiöse Liedersammlung »Das geistliche Jahr« (Stuttg. 1850, 3. Aufl. 1876) und »Letzte Gaben« (Hannov. 1860); ferner »Briefe« (Münst. 1877, 2. Aufl. 1880); »Lieder mit Pianofortebegleitung« (das. 1877). Ihre »Gesammelten Schriften« gaben Levin Schücking (Stuttg. 1879, 3 Bde.; neue vermehrte Aufl. 1898, 3 Bde.) und die Romanschriftstellerin Elisabeth, Freiin von D. (geb. 1845) mit Biographie von Kreiten (Münst. 1884–87, 4 Bde.; 2. verbesserte Aufl. 1900) heraus; jetzt liegen ihre Gedichte in zahlreichen Einzelausgaben vor; eine Auswahl gab W. v. Scholz heraus (Leipz. 1901). Ihr Briefwechsel mit Levin Schücking aus den Jahren 1840–46 erschien Leipzig 1893. Vgl. Schücking, Annette von D., ein Lebensbild (2. Aufl., Hannov. 1871); Hüffer, Annette von D. und ihre Werke (Gotha 1887); Riehemann, Erläuternde Bemerkungen zu A. v. Droste-Hülshoffs Dichtungen (Osnabr. 1896–98, 2 Hefte); Wormstall, A. v. D. im Kreise ihrer Verwandten und Freunde (Münst. 1897); Zottmann, Deutschlands größte Dichterin (Frankf. a. M. 1897); W. v. Scholz, Annette v. D. als westfälische Dichterin (Münch. 1897); Bankwitz, Die religiöse Lyrik der A. v. D. (Berl. 1899).

(Meyers Großes Konversations-Lexikon. Studienausgabe (2005). Berlin: Directmedia Publishing (Digitale Bibliothek, Sonderband), S. 45446-45448)

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Links

Annette von Droste Gesellschaft e


1  Annette von Droste Gesellschaft e. V.

Annette von Droste-Hülshoff und Levin


2  Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking.

droste-forschung.de


3  droste-forschung.de. Forum für die Forschung, Vermittlung und Diskussion zu Annette von Droste-Hülshoff. Navigation etwas umständlich – Sitemap nutzen!

Freie Universität Berlin – Universitätsbibliothek – Annette von Droste-Hülshoff


4  Freie Universität Berlin – Universitätsbibliothek: Annette von Droste-Hülshoff. Thematisch geordnete Linksammlung.

Hacken, Siegmund – Droste-Hülshoff


5  Hacken, Richard; Siegmund, Marianne: Droste-Hülshoff, Annette [Elisabeth Freiin] von. Links zum Nachlass.

Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Droste-Hülshoff


6  Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Droste-Hülshoff, Annette von.

Katalog des Deutschen Musikarchivs – Droste-Hülshoff


7  Katalog des Deutschen Musikarchivs: Droste-Hülshoff, Annette von; Komp.; Textverf.

Lexikon Westfälischer Autoren und Autorinnen – Anna Elisabeth [Annette] von Droste-Hülshoff


8  Lexikon Westfälischer Autoren und Autorinnen: Anna Elisabeth [Annette] von Droste-Hülshoff. Biografie mit umfassender Bibliografie, lohnenswert!

Porrmann – Nach 100 Jahren möchte ich


9  Porrmann, Monika: »Nach 100 Jahren möchte ich gelesen werden«. Annette von Droste-Hülshoff in Briefen. Literarisches Projekt zu Droste mit viel (Brief-)Lesestoff, mit Suchtools, sehr schön gestaltet.

Projekt Gutenberg-DE – Annette von Droste-Hülshoff


10  Projekt Gutenberg-DE: Annette von Droste-Hülshoff. Texte online.

Wikimedia Commons – Annette von Droste-Hülshoff


11  Wikimedia Commons: Annette von Droste-Hülshoff.

Wikipedia – Annette von Droste-Hülshoff


12  Wikipedia: Annette von Droste-Hülshoff.

Wikipedia – Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis


13  Wikipedia: Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis.

Wikiquote – Annette von Droste-Hülshoff


14  Wikiquote: Annette von Droste-Hülshoff. Zitate.

Wikisource – Annette von Droste-Hülshoff


15  Wikisource: Annette von Droste-Hülshoff. Werke von und über Droste-Hülshoff.

wortblume.de – Annette von Droste-Hülshoff


16  wortblume.de: Annette von Droste-Hülshoff – Inhaltsverzeichnis der Gedichte.

Xlibris – Annette von Droste-Hülshoff


17  Xlibris: Annette von Droste-Hülshoff. Biographie, kurze Inhaltsangaben einiger Werke, Bibliographie.

Zeno.org – Droste-Hülshoff


18  Zeno.org: Droste-Hülshoff, Annette von. Texte online.



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Literatur & Quellen


Quellen



Droste-Hülshoff, Annette von (1944): Die Briefe der Annette von Droste-Hülshoff. Gesamtausgabe. Herausgegeben von Karl Schulte Kemminghausen. 2 Bände. Jena. Diederichs.
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Droste-Hülshoff, Annette von (1978-2000): Werke, Briefwechsel. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben von Winfried Woesler. 28 Bände. Tübingen. Niemeyer.
(Suchen bei WorldCat)

Droste-Hülshoff 2007 – Sämtliche Werke in zwei Bänden

Kraft 1994 – Annette von Droste-Hülshoff



Droste-Hülshoff, Annette von (1994): Sämtliche Werke in zwei Bänden. Herausgegeben von Bodo Plachta. Frankfurt am Main. Insel, 2007. ISBN 3-458-17185-1.
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Droste-Hülshoff, Jenny von; Grimm, Wilhelm (1929): Briefwechsel zwischen Jenny von Droste-Hülshoff und Wilhelm Grimm. Münster. Aschendorff, 1978 (Veröffentlichungen der Annette-von-Droste-Gesellschaft, 1). ISBN 3-402-03477-8.
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Heselhaus, Clemens (1971): Annette von Droste-Hülshoff. Werk und Leben. Düsseldorf. Bagel. ISBN 3-513-02119-4.
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Kraft, Herbert (1994): Annette von Droste-Hülshoff. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt (Rowohlts Monographien). ISBN 3-499-50517-7.
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Lavater-Sloman 1981 – Annette von Droste-Hülshoff



Lavater-Sloman, Mary (1950): Annette von Droste-Hülshoff. Einsamkeit und Leidenschaft. München. Heyne, 1981 (Heyne-Taschenbücher, 12; Heyne-Biographien, 77). ISBN 3-453-55078-1.
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Maurer, Doris (1982): Annette von Droste-Hülshoff. Ein Leben zwischen Auflehnung und Gehorsam. Biographie. Bonn. Keil. ISBN 3-921591-22-8.
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Morgan, Mary E (1984): Annette von Droste-Hülshoff. A biography. New York. Lang (American University Studies. Series 1: Germanic languages and literature, 23). ISBN 0-8204-0036-X.
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Röbling 1988 – Heraldik des Unheimlichen



Röbling, Irmgard (1988): Heraldik des Unheimlichen. Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848). Auch ein Portrait. In: Brinker-Gabler, Gisela (Hg.): 19. und 20. Jahrhundert. München. Beck (Deutsche Literatur von Frauen, 2). ISBN 3-406-33021-5. S. 41–68.
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Shafi, Monika (1993): Annette von Droste-Hülshoff. In: Hardin, James; Mews, Siegfried (Hg.): Nineteenth-century German writers to 1840. Detroit. Gale Research (Dictionary of literary biography, 133). ISBN 0-8103-5392-X. S. 49–60.
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Hedwig Dohm