Catherine Helen Spence

geboren am 31. Oktober 1825 in Melrose, Schottland
gestorben am 3. April 1910 in Norwood, Südaustralien

australische Autorin, Reformerin, Feministin und Predigerin
185. Geburtstag am 31. Oktober 2010


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Ihr Lebenswerk war beeindruckend, und sie wurde “The Grand Old Woman of Australia” genannt – trotzdem geriet Catherine Helen Spence in Vergessenheit. Völlig zu Unrecht, sagen Dale Spender und andere, die sich der Erforschung historisch bedeutender Frauen widmen. Denn Spence war gleich auf mehreren Gebieten eine Pionierin.

In der Literatur war Clara Morison: A Tale of South Australia During the Gold Fever (1854) der erste von einer Frau geschriebene Roman über Australien. Das wurde aber erst über zehn Jahre später klar, als Spence ihr Pseudonym “a Colonist of 1839” ablegte. Sie schrieb viele Kurzgeschichten und sechs Romane, von denen einer schon deshalb besondere Neugier weckt, weil die Sydney Mail ihn als “zu sozialistisch und daher gefährlich” zurückwies. Wieso? Weil die Autorin von Handfasted es darauf angelegt hatte, den “Bund der Ehe zu lockern”! Lange vor Charlotte Perkins Gilman ersann sie eine feministische Utopie inklusive wechselnde Ehen auf Probe, mehr Bildung für Mädchen als für Jungen, soziale und berufliche Privilegien für Waisen und ungeplante Kinder, u.v.m. Wie eine Figur am Ende des Romans jedoch bedauert, war die reale Gesellschaft weit davon entfernt, sich das auch nur vorzustellen. Ohne Kontakt zur literarischen Szene und mit wenig Hoffnung, in ästhetischer Hinsicht an die Werke der bewunderten George Eliot heranzureichen, wandte Spence sich zunehmend anderen Genres zu. Als geachtete Essayistin und Rezensentin war sie in verschiedenen Magazinen regelmäßig vertreten und verdiente Geld, das sie dringend gebrauchen konnte: Im Laufe ihres Leben zog sie allein drei Generationen von Waisenkindern auf.

Sie war die erste Frau im Beirat des Bildungsministeriums, und ihre zukunftweisende Monographie The Laws we Live Under (1880) war das erste Sozialkundebuch, das an australischen Schulen verwendet wurde. Ihre theoretischen Untersuchungen und ihr Aktivismus zeugen von einem ausgeprägten sozialen und politischen Bewußtsein: Als Autorin und Inhaberin zahlreicher Ämter engagierte sie sich für die familiäre Unterbringung von Waisen und vernachlässigten Kindern, die Betreuung ehemals straffälliger Kinder, die Gründung von Kindergärten und von höheren Schulen für Mädchen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von TextilarbeiterInnen, die Reform des Wahlsystems, das Frauenwahlrecht und bessere Bildungschancen für Frauen.

Der wachsende Erfolg förderte Catherines außerordentliches Talent als Rednerin – mit dem Akzent ihrer schottischen Heimat, die sie im Alter von 14 mit ihrer Familie verließ. Als erste Frau hielt sie am South Australian Institute Vorlesungen. Nachdem sie sich vom repressiven calvinistischen Glauben befreit hatte, predigte sie häufig für die Unitarian Church, die schon damals ein Forum für progressive Gedanken bot und sie “fröhlicher” stimmte. 1893 wurde Spence zur Weltausstellung nach Chicago entsandt, um als Delegierte mehrerer Organisationen fünf Vorträge zu halten. Das internationale Networking im “Women’s Building” kam ihren feministischen Zielen zugute. Auf anschließenden Vortragsreisen in den USA, Großbritannien und der Schweiz löste ihre direkte, natürliche und zuweilen schroffe Art in Verbindung mit der erstaunlichen Belesenheit dieser Autodidaktin Faszination und Enthusiasmus aus.

Eine Premiere gelang ihr leider nur halb: Spence kandidierte 1897 als erste Frau für die Federal Convention, aber sie gewann nicht. Ihr Tatendrang blieb dennoch ungebrochen. Als sie 84jährig stirbt, gilt sie als Beispiel dafür, wie Frauen sich auf dem jungen Kontinent Australien über die traditionellen Schranken von Geschlecht und Klasse hinwegsetzen können. Wenn in einer Dissertation 1614 Veröffentlichungen von Catherine Spence aufgeführt werden, scheint “eine neue Bewertung ihres Beitrags als Schriftstellerin und Autorin” mehr als geboten.

Marion Kremer

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Zitate

Erfolgstip an alle Frauen aus dem Mund der Protagonistin Clara Morison, als ihr eine Arbeit angeboten wird:
“Ich habe Lust auf alles, was nicht ladylike ist, und werde das natürlich umgehend lernen.”

Kommentar zur Besiedlung der USA:
“Die Pilgerväter leugneten den Beitrag der Pilgermütter an der Gründung der Staaten. Und das, obwohl diese Frauen ihren vollen Anteil an den Mühen, Härten und Gefahren des Pionierlebens hatten und sich obendrein auch noch mit den Pilgervätern selbst herumplagen mußten.” (Autobiographie)

Zur Erbsünde:
“Seit dieser unglückseligen Apfelesserei im Garten Eden gibt es kein Entrinnen vor dem Gefühl, daß die Welt vom einem Fluch belegt ist. Warum wurde das Todesurteil eigentlich nicht unverzüglich vollstreckt und ein neuer Anfang mit vorsichtigeren Leuten gemacht?” (Autobiographie)

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Literatur & Quellen

Albinski, Nan Bowman. 1989. “Handfasted: An Australian Feminist’s American Utopia”, Journal of Popular Culture, Bd. 23, Heft 2, S. 15-31.

Australian Dictionary of Biography, Bd. 6: 1851-1890. Carlton, Victoria. Melbourne University Press.

Bennett, Bruce. 1986. “Catherine Spence, George Eliot and the Contexts of Literary Possibility”, Journal of Commonwealth Literature, Bd. 21, Heft 1, S. 202-210.

Ljungdahl, Lesley A.D. 1993. “Catherine Helen Spence: From ‘a Colonist of 1839’ to ‘the Grand Old Woman of Australia’” (Ph.D. thesis, University of New South Wales), Dissertation Abstracts International, Bd. 55, Nr. 2, August 1994.

Magarey, Susan. 1985. Unbridling the Tongues of Women: a Biography of Catherine Helen Spence. Sydney. Hale & Ironmonger.

Spender, Dale. 1988. Writing a New World: Two Centuries of Australian Women Writers. London/New York. Pandora.

Thomson, Helen. 1983. “Catherine Helen Spence: Pragmatic Utopian”, In: Shirley Walker, Hg., Who Is She? New York. St. Martin’s Press. S. 12-25.

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Hedwig Dohm