Käte Duncker

geboren am 23. Mai 1871 in Lörrach
gestorben am 2. Mai 1953 in Bernau
deutsche Sozialistin und Politikerin
50. Todestag am 2. Mai 2003


Käte Duncker wurde am 23. Mai 1871 in Lörrach in Baden geboren, wuchs aber in Friedrichroda am Rande des Thüringer Waldes auf. Die Straße, in der Kätes Mutter nach dem frühen Tod ihres Mannes eine Gästepension betrieb, wurde später nach ihrem einzigen Kind benannt und heißt heute: Käte-Duncker-Straße.

Käte wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf; ihr Vater war Kaufmann gewesen. Zur Sozialdemokratie fand sie als Lehrerin durch die Konfrontation mit den dürftigen Lebensverhältnissen ihrer SchülerInnen aus proletarischen Familien. Käte begann sich für die Ideen der Arbeiterbewegung zu interessieren, las ihre Schriften und besuchte ihre Veranstaltungen. Als sie 1893 wieder an einer Arbeiterversammlung teilnahm, machte nicht nur die mitreißende Rede von Clara Zetkin großen Eindruck auf sie, sondern auch ein gutaussehender junger Musikstudent, Hermann Duncker, in den sich Käte verliebte und dem seinerseits die junge, blonde, selbstbewußte Frau gefiel.

Gegen den anfänglichen Widerstand ihres Vormundes und ihrer Mutter hatte Käte durchgesetzt, Lehrerin zu werden. Sie unterrichtete, nachdem sie in Eisenach 1890 ihr Examen gemacht hatte, von 1893 bis 1897 an Mädchenschulen in Leipzig und Hamburg. In den Schulkollegien wurde sie wegen ihres Engagements für die Arbeiterbewegung angefeindet und letztlich gezwungen, ihren Beruf aufzugeben, obwohl sie gerne Lehrerin gewesen war. Ihr ausgeprägtes pädagogisches Talent kam nun der Bildungsarbeit der sozialdemokratischen Partei zugute.

Ihre Ehe mit Hermann Duncker war von Beginn an unkonventionell und erstaunlich modern. Als beide im August 1898 heirateten, war Hermann nach dem Beginn eines Zweitstudiums noch Student und machte erst 1903 Examen, als ihr zweites Kind Karl geboren wurde und ihre Tochter Hedwig bereits vier Jahre alt war. 1909 wurde Wolfgang geboren. Die Ehe war auf gegenseitige Unterstützung aufgebaut. Wie Käte ihren Mann beim Studium und bei seiner späteren journalistischen und lehrenden Tätigkeit an der Parteischule in Berlin unterstützte, las Hermann alle Manuskripte zu Reden und Vorträgen, die Käte auf sozialistischen Veranstaltungen und internationalen Frauenkongressen (1910 in Kopenhagen, 1915 in Bern) hielt. Auch an ihren Veröffentlichungen u.a. über “Frauenerwerbstätigkeit” (1899), “Bekämpfung der Kinderarbeit” (1906), “Sozialistische Erziehung im Haus” (1910) nahm Hermann regen Anteil. Als Käte 1907 zweite Redakteurin der von Clara Zetkin herausgegebenen Zeitschrift Die Gleichheit wurde, bestimmte ihre Tätigkeit in Stuttgart den Wohnort der Familie.

Die intensive Arbeit für die Partei belastetete aber auch das Ehe- und Familienleben; gemeinsam verlebte Tage oder gar Wochen waren allzu selten. Mißstimmungen, Mißverständnisse und gesundheitliche Zusammenbrüche Kätes mit nachfolgenden längeren Sanatoriumsaufenthalten waren die Kehrseite ihrer nichtalltäglichen Ehe.

Von Beginn des ersten Weltkrieges an beteiligte sich Käte Duncker an der linken Opposition der Partei gegen den Krieg. Sie arbeitete gemeinsam mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Spartakusbund und gab die Zeitschrift Internationale mit heraus. Im Dezember 1918 war sie Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands und wurde 1920 als Abgeordnete der KPD in den Landtag von Thüringen gewählt, nachdem sie nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aus Angst vor Verhaftung vorübergehend Deutschland verlassen hatte.

Als Hermann Duncker 1933 von den Nazis abgeholt wurde und später ins Ausland emigrierte, fand Käte Unterschlupf in Friedrichroda und tarnte sich dort mit der Bewirtschaftung der Pension ihrer Mutter. 1938 begleitete sie ihren Sohn Karl in die USA, der – vergeblich – hoffte, dort von seinem Nervenleiden durch eine Operation geheilt zu werden. Er nahm sich das Leben und ließ seine fast siebzigjährige Mutter allein zurück, die sich ohne englische Spachkenntnisse und getrennt von ihrer Familie in dem fremden Land zurechtfinden mußte. Es gelang ihr, eine Aufenthaltsgenehmigung für ihren Mann zu erwirken, der 1941 in die USA kam. Nach dem Krieg kehrten Käte und ihr Mann nach Deutschland zurück, sie ließen sich in Bernau in Ostdeutschland nieder und engagierten sich für die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Käte Duncker starb am 2. Mai 1953.

aus Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits, Bd 3
(in Vorbereitung)

Hiltrud Schroeder

Kirsch, Ruth. 1982. Käte Duncker: Aus ihrem Leben. Berlin. Dietz

Fembiografie empfehlen       Druckversion

Seitenanfang

Hedwig Dohm