Leni Riefenstahl
geboren am 22. August 1902 in Berlin
gestorben am 8. September 2003 in Pöcking (Bayern)
deutsche Regisseurin, Fotografin, Tänzerin und Schauspielerin
100. Geburtstag am 22. August 2002
Leni Riefenstahl, Deutschlands bedeutendste Regisseurin, dreht seit über vier Jahrzehnten keine Filme mehr – weil sie in den 30er Jahren einwilligte, einen Dokumentarfilm über den Reichsparteitag der NSDAP zu machen. Doch behauptet Riefenstahl, die niemals NSDAP-Mitglied war, Triumph des Willens (1934) sei keine faschistische Propaganda, sondern reine – und wohlgemerkt äußerst gelungene - Kunst.
Kann man im Fall Riefenstahl künstlerisches Können und Geschichte trennen? Diese Frage läßt sich schwer beantworten. Ihr Film über die Olympiade von 1936 in Berlin, der Hitler nicht besonders gefiel, weil er den afro-amerikanischen Jesse Owens in einem “zu positiven Licht” erscheinen ließ, wird wegen seiner Verherrlichung des menschlichen Körpers als Aushängeschild der faschistischen Ästhetik betrachtet. Zugleich wurde Olympia (1938), der die filmische Sportreportage nicht nur prägte, sondern erst erschuf, mehrfach ausgezeichnet und in eine Liste der 100 wichtigsten Filme aller Zeiten aufgenommen.
Leni Riefenstahl begann ihre künstlerische Laufbahn nicht als Filmemacherin, sondern als Tänzerin. Als sie Probleme mit dem Knie bekam, trat sie in Bergfilmen als Schauspielerin auf. Ihr Durchbruch als Regisseurin kam im Jahr 1932 mit dem Film Das blaue Licht. Nachdem Olympia fertig war, begann die vierzehnjährige Arbeit an Tiefland (1954). Obwohl Riefenstahl dieses Projekt als Ausrede benutzte, um keine weiteren Filme für Hitler drehen zu müssen, wurde die Produktion in die Geschichte des Dritten Reiches verstrickt: Aus Konzentrationslagern geholte Sinti mußten sich für diesen Film unentgeltlich als StatistInnen hergeben.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde Riefenstahl von Schuld freigesprochen. Trotzdem war es der kaltgestellten Regisseurin unmöglich, in der Nachkriegszeit Filmprojekte zu finanzieren. Unbeeindruckt stieg die willensstarke Künstlerin auf die Photographie um und brachte in den siebziger Jahren zwei Bildbände über den sudanesischen Stamm der Nuba heraus. Im Alter von 72 Jahren lernte sie tauchen, und begann, sich mit Unterwasseraufnahmen zu beschäftigen.
Obwohl jede neue Ausstellung, jedes neue Buch über Riefenstahl Kontroversen auslöst, bleibt die Tatsache ihrer Begabung unumstritten. Die bezaubernde Schönheit und der lyrisch-musikalische Rhythmus ihrer Filme berauschen immer noch. Gerade dieses Talent, durch Film zu verführen, wurde ihr zum Verhängnis.
Rachel Freudenburg
Riefenstahl, Leni. 1973. Die Nuba: Menschen wie von einem anderen Stern. München. List.
Riefenstahl, Leni. 1987. Memoiren. München; Hamburg. Knaus.
Rother, Rainer. 2000. Leni Riefenstahl. Die Verführung des Talents. Berlin. Henschel.
Schwarzer, Alice. 1999. “Leni Riefenstahl: Propagandistin oder Künstlerin?”, Emma 1/1999, S. 32-47.
Filme:
Müller, Ray. 1993. Die Macht der Bilder: Leni Riefenstahl. (TV-Dokumentation).
Riefenstahl, Leni. 1934. Triumph des Willens.
Riefenstahl, Leni. 1938. Olympia. Teil I: Fest der Völker und Teil II: Fest der Schönheit


















