Lillie Langtry

(Emilie Charlotte Le Breton, verh. Langtry)

also available in English

geboren am 13. Oktober 1852 auf der Insel Jersey, England
gestorben am 12. Februar 1929 in Monte Carlo, Monaco

englische Schauspielerin
85. Todestag am 12. Februar 2014


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Ihren ersten Ruhm verdankte Lillie Langtry nur ihrer Schönheit und ihrem exquisiten Geschmack. Zahllose Liebesaffären halfen, sie bekannt zu machen. Ihren anhaltenden Erfolg als Schauspielerin und Geschäftsfrau aber verdankt sie ihrer geistigen Unabhängigkeit, Entschlossenheit und Klugheit. 

Emilie Charlotte Le Breton wuchs auf der Insel Jersey in einer anglikanischen Pfarrfamile auf. Gegen den Willen ihrer Eltern heiratete sie mit zwanzig Edward Langtry, der viel weniger vermögend war als sie vermutet hatte. Die Passivität, die Frauen ihrer Schicht vorgeschrieben war, langweilte und deprimierte Lillie.

1875 zogen die Langtrys nach London. Zu einer Party erschien Lillie in einem einfachen schwarzen Kleid und mit einer einfachen Frisur und beeindruckte die anwesenden Künstler zutiefst mit dieser ungewohnten Schlichtheit, die ihre Schönheit unterstrich. Bald wetteiferten die Maler darum, sie porträtieren zu dürfen. Nach einem Bild, das John Everett Millais von ihr gemalt hatte, nannte man sie “The Jersey Lily”. Fotografien und Zeichnungen von Langtry, hundertfach vervielfältigt, schmückten bald die Schaufenster und machten sie zu einer der populärsten “Berufsschönheiten” der Zeit. Bei gesellschaftlichen Anlässen wurde Lillie umschwärmt von Künstlern, Intellektuellen und Angehörigen der High Society. Ihr Mann pflegte sie zu begleiten und verblasste neben ihr derartig, dass er mehr und mehr dem Alkohol zusprach.

Bald erregte sie auch die Aufmerksamkeit des Prinzen von Wales, des späteren Königs Edward VII., und wurde seine Mätresse. Die Liaison mit dem Prinzen, später mit anderen bekannten Persönlichkeiten, erhöhte nur ihren Ruhm. Zu ihren FreundInnen gehörten Oscar Wilde (der für sie „Lady Windermere‘s Fächer“ (1892) schrieb), Sarah Bernhardt, der Premierminister William Gladstone und ein amerikanischer Eisenbahnmagnat.

1881 gebar Lillie eine uneheliche Tochter. Als der Prinz seine Gunst anderen zuwandte, fand Lillie sich plötzlich von Gläubigern verfolgt. Sie beschloss, ihren Zauber als Schauspielerin zu vermarkten. Nach einem erfolgreichen Debüt in einer Wohltätigkeitsvorführung stellte sie eine eigene Truppe zusammen, die 1882 auf Tournee in den Vereinigten Staaten ging. Meist spielte sie schöne und charmante Damen der Gesellschaft in Boulevardstücken.

Begeisterte Kritiken für ihre Schauspielkunst bekam Lillie nie - trotzdem zog sie das Publikum magisch an mit ihrer Schönheit, ihrer raffinierten Garderobe und ihrem skandalumwitterten Liebesleben. Ihr anscheinend immerwährendes gutes Aussehen führte sie auf die tägliche Gymnastik zurück, die sie sich in der Kindheit angewöhnt habe. Den Erlös ihrer Kassenerfolge am Theater investierte sie geschickt, z.b. in Grundbesitz in den USA und einen Rennstall in England. Bald gehörte sie zu den wohlhabendsten Frauen ihrer Zeit.

Langtrys zweite Ehe mit Hugo de Bathe im Jahre 1899, die ihr nach dem Tod seines Vaters den Titel Lady de Bathe einbrachte, wurde auch kein Erfolg, aber scheiden ließ sie sich nicht. Im Alter schrieb sie ihre Memoiren „The Days I Knew“, die 1925 erschienen, und zog sie sich nach Monte Carlo zurück, wo sie 1929 starb.

Zitat:
Der Mann trägt, was ihm gefällt und folgt nur zwei Regeln: Es soll bequem sein und sein Erscheinungsbild aufbessern. Die Frau hat ein Recht auf dasselbe Privileg, und wenn die Gesellschaft es ihr nicht gibt, muss sie es sich nehmen. Was einer anderen gut steht, sieht an mir vielleicht scheußlich aus, und umgekehrt. Jede Frau hat ein Recht auf ihre Unabhängigkeit. Es ist ihr Recht, sich auffällig oder bescheiden anzuziehen, wie es ihr gefällt. Es ist ihr Recht, das Diktat der Mode zu ignorieren und sich so zu kleiden, wie es am besten zu ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit passt. Heutzutage, wo die Frauen überall das Wahlrecht bekommen, heißt es, sie sei endlich dem Mann gleichgestellt. Aber wirklich gleichgestellt ist sie erst dann, wenn sie sich von den Fesseln der Mode befreit und sich selbständig macht. (Lillie Langtry in ihren Siebzigern, nach dem zweiten Weltkrieg, zitiert nach Noel B. Gerson, Because I Loved Him: The Life and Loves of Lillie Langtry, 1971).

Katherine E. Horsley

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Literatur & Quellen

lillielangtry.com (englisch)

FrauenbildAronson, Theo. 1988. The King in Love: King Edward VII’s Mistresses. Chicago. Harper & Row.

Gerson, Noel B. 1971. Because I Loved Him: The Life and Loves of Lillie Langtry. New York. Morrow.

Langtry, Lillie. 1925. The Days I Knew: Memoirs.

Röhrig, Anna Eunike. 2010. Mätressen und Favoriten: Ein biographisches Handbuch. Göttingen. MatrixMedia.

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Hedwig Dohm