Maria Carolina Benda

(verh. Wolf)

getauft am 27. Dezember 1742 in Berlin
gestorben am 2. August 1820 in Weimar

deutsche Sängerin, Pianistin und Komponistin, Kammersängerin am Hof der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach
270. Geburtstag am 27. Dezember 2012


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Das 18. Jahrhundert ist eine Epoche der Umbrüche und Aufbrüche, in der Frauen auch nach neuen Tätigkeiten in der Musik suchen. Eine explizite musikalische Ausbildung wie sie Maria Benda und ihre jüngere Schwester Juliane bei ihrem Vater genießen, erhalten jedoch nur wenige. Den meisten bleibt eine eigenständige berufliche Karriere verschlossen. Von Frauen verfasste große Orchesterwerke, Opern oder Kammermusik für mehrere Instrumente sind vor allem in Deutschland die Ausnahme. Viele komponieren für sich, für die Familie und für Freunde. Doch an den europäischen Höfen sind in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schon viele Frauen als Sängerinnen, Musikerinnen oder Lehrerinnen angestellt. Der Zugang dazu hängt allerdings von ihrer sozialen Herkunft, der musikalischen Ausbildung und nicht zuletzt von persönlichen Beziehungen ab, wie Maria Bendas Lebensweg zeigt. Sie wird 1761 als Kammerfrau und Sängerin am Hof der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach angestellt. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Sie kommt aus einer angesehenen Musikerfamilie. Ihr Vater, der aus Böhmen stammende Franz Benda, ist erster Violinist und Komponist am Hof Friedrichs II. Ihre Tante Anna Franziska Hattasch ist Kammersängerin am Hof des Herzogs von Gotha, der Onkel Georg Benda dort Kapellmeister. Von Kindheit an ist Maria Benda von den musikalischen Aktivitäten der Familie umgeben. Gemeinsam mit ihren Geschwistern wird sie vom Vater musikalisch ausgebildet. Doch während die Brüder Violine spielen lernen, erhalten sie und ihre Schwester Juliane Gesangs- und Klavierunterricht. Damit steht der Vater ganz in der Tradition seiner Zeit, gilt doch das Spielen von Streich- und Blasinstrumenten als unweiblich, da Gesicht und Körper während des Spielens „entstellt“ werden. Vor ihrer Anstellung am Hof von Anna Amalia blieb ihr wohl nur wenig Zeit zum Musizieren, denn als 1758 die Mutter verstirbt, übernimmt sie vermutlich gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Wilhelmine die Erziehung der jüngeren Geschwister und die Versorgung des Haushalts.

1761 geht die 18-Jährige mit ihrem Vater auf eine Konzertreise nach Gotha, Weimar und Rudolstadt. Der wichtigste Grund der Reise ist die Eheschließung Franz Bendas mit der Schwester seiner verstorbenen Frau, die bei Anna Amalia als erste Kammerfrau arbeitet. An ihre Stelle treten nun die Töchter Maria und Wilhelmine Benda in den Dienst der Herzogin. Doch Maria wird nicht nur als Kammerfrau, sondern auch als Sängerin engagiert. Die Anstellung als Musikerin oder Musiker, verbunden mit anderen Funktionen im Hofstaat, ist zu dieser Zeit vor allem an kleinen Höfen üblich. Anna Amalia ist trotz eines geringen Budgets bemüht, Wissenschaftler, Gelehrte, Künstler und Künstlerinnen an den Weimarer Hof zu holen und zu fördern. Wichtig ist ihr, die selbst musiziert, komponiert und malt, die verschiedenen Bereiche der Künste miteinander zu verbinden und auch die Frauen in ihrer Umgebung zu fördern. Der Vater weiß seine Töchter am Hof von Anna Amalia gut versorgt. Trotz der guten Stellung bei Friedrich II. ist sein Einkommen nicht üppig, und in Potsdam wollen noch vier Kinder ernährt werden. Außerdem befindet sich das Land im Siebenjährigen Krieg und die Zukunft ist ungewiss.

Am Weimarer Hof lernt Maria Benda den herzoglichen Klavier- und Hofkonzertmeister Ernst Wilhelm Wolf kennen. Beide eint die Liebe zur Musik. Gemeinsam treten sie von nun an bei den wöchentlichen Konzerten der Herzogin auf. 1768 wird Wolf zum Hofkapellmeister ernannt. Zwei Jahre später heiraten Maria Benda und Ernst Wilhelm Wolf.

Frauenbild

1775 gibt Anna Amalia die Regierungsgeschäfte an ihren Sohn Carl August ab. Ernst Wilhelm Wolf bleibt auch unter seiner Regentschaft Kapellmeister, Maria ist weiterhin Kammersängerin. Im selben Jahr gründet die Herzogin das Liebhabertheater, das ab Herbst 1776 von Johann Wolfgang von Goethe geleitet wird. Es ist ein Experimentierfeld für neue theatralische und kompositorische Formen. Zum Ensemble gehören Hofangestellte, interessierte Bürger und Bürgerinnen sowie Adlige der Stadt. Anna Amalia spielt ebenfalls in den Stücken mit und komponiert Musik dafür. Maria Wolf tritt dort als Schauspielerin und Sängerin auf. Darüber hinaus komponiert sie Lieder mit Klavierbegleitung, die in der Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“, in Ernst Wilhelm Wolfs „51 Lieder der besten deutschen Dichter mit Melodien“ und im „Mildheimischen Liederbuch“ veröffentlicht werden. Maria Wolf lebt bis zu ihrem Tod am 2. August 1820 in Weimar. Ihr Ehemann verstarb bereits 1792. Heute erinnert die Bendastraße im Potsdamer Stadtteil Babelsberg an die berühmte Musikerfamilie.

Jeanette Toussaint

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Zitate

„Im Monat May kam Herr Benda von Potsdam nach Weimar, und besuchte die Herzogin. Er brachte eine Tochter mit, die sehr gut sang. Von Weimar reiste er nach Gotha, und ließ sich nebst seiner Tochter hören. Die Gothaische Herrschaft (...) schenkte ihm 1000 Thaler. Damit kam er wieder nach Weimar; seine Tochter blieb daselbst, und wurde Kammerfrau bei der Herzogin. Ich wünschte sie zu sehen. Endlich war Musik in Belvedere. Ich ging hinauf, und lernte den alten Herrn Benda kennen, hörte ihn etliche Solos auf der Violine und seine Tochter etliche Concerts auf dem Flügel spielen, mit besonderem Vergnügen aber einige Arien von Hasse und Graun singen. Nun war alle Sonnabend Concert, und Madem. Benda lies sich allemal darin hören.“ (aus der Autobiografie von Ernst Wilhelm Wolf zitiert in: Franz Lorenz: Die Musikerfamilie Benda: Franz Benda und seine Nachkommen. Berlin 1967, S. 82)

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Links

Eintrag zu Maria Carolina Benda im Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker Instituts

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Literatur & Quellen

Lorenz, Franz: Die Musikerfamilie Benda. Franz Benda und seine Nachkommen. Berlin 1967, S. 81-85.

Toussaint, Jeanette: Zwischen Tradition und Eigensinn. Lebenswege Potsdamer Frauen vom 18. bis 20. Jahrhundert. Hg. vom Autonomen Frauenzentrum Potsdam e.V. Potsdam 2009, S. 29-38.

Weissweiler, Eva: Komponistinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München 1999, S. 140.

Frauenbild

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Hedwig Dohm