Mascha Kaléko
geboren 7. Juni 1907 in Chrzanów (Schidlow), Galizien, Polen
gestorben 21. Januar 1975, in Zurich, Schweiz
polnisch-deutsch-jüdische Dichterin
35. Todestag am 21. Januar 2010
Biografie • Zitate • Weblinks • Literatur & Quellen • Werke
Biografie
Nach ihren frühen Erfolgen mit Gedichten in der Tradition Heines und Tucholskys wurde Mascha Kaléko von den Nazis zur Aufgabe ihrer Heimat und ihrer Karriere gezwungen. Das Gefühl, Außenseiterin zu sein, kannte sie seit ihrer Kindheit, seit ihre Familie aus dem armen Galizien nach Deutschland gekommen war. Aber sie passte sich schnell an, beherrschte den Berliner Dialekt bald perfekt - wie ihre ersten Gedichte zeigen.
Nach der Schulzeit arbeitete sie ab dem 16. Lebensjahr als Sekretärin und verarbeitete ihre Erlebnisse in ihren reizvollen und originellen frühen Gedichten, die erst in Zeitungen erschienen und dann bei Rowohlt unter den Titeln Das lyrische Stenogrammheft (1933) und Das kleine Lesebuch für Große (1935). Kalékos Songs waren so erfolgreich wegen ihrer ungewohnten Verbindung von Berliner Schnoddrigkeit und der Wärme und Melancholie des Ostjudentums; sie wurden von ihr selbst und Chansonsängerinnen wie Claire Waldoff und Rosa Valetti im Radio und in Cabarets vorgetragen. Nach ihrem Verbot durch die Nazis wurden die Songs abgeschrieben und heimlich verbreitet.
1928 heiratete Mascha Saul Kaléko, einen Philologen, von dem sie sich nach zehn Jahren scheiden ließ, um den Musikwissenschaftler und Dirigenten Chemjo Vinaver zu heiraten, Vater ihres Sohnes Evjatar und Spezialist für chassidische Chormusik.
1938 emigrierte die Familie nach New York; es bereitete Mascha zwar große Freude, ihren Sohn heranwachsen zu sehen, aber sie kam nicht zum Schreiben, und Chemjo schaffte es nicht, in der Musikwelt Fuß zu fassen. Mascha verdiente Geld mit Werbetexten und machte die Öffentlichkeitsarbeit für den Chor ihres Mannes. In Verse für Zeitgenossen verarbeitet Kaléko ihre Exilerfahrungen in eindringlichen satirischen Gedichten. Ihr Comeback hatte 1956 mit dem Wiederabdruck des Lyrischen Stenogrammhefts eingesetzt; nach zwei Wochen stand es auf der Bestsellerliste, und Kaléko machte erfolgreiche Lesereisen durch Europa.
1960 zog Kaléko wegen der Arbeit ihres Mannes mit nach Jerusalem, aber sie wurde dort nie richtig heimisch. Obwohl sie in den 60er und frühen 70er Jahren weiter veröffentlichte, war das Comeback doch nur kurz gewesen; wieder geriet sie in Vergessenheit. Mascha und Chemjo waren beide nicht sehr gesund, und 1968 starb plötzlich ihr Sohn, der in den USA ein erfolgreicher Dramatiker und Regisseur geworden war. Nach Chemjos Tod 1973 verstärkte sich Maschas Isolation immer mehr. Sie starb an Magenkrebs während einer Reise durch Europa.
Joey Horsley
Zitate
Aus rechtlichen Gründen mussten wir (und viele andere Webseitenbetreiberinnen) leider die Gedichte entfernen. Betroffen ist auch die Kaléko-Seite der Philosophischen Universität Düsseldorf, die wir hier zitieren:
»Die verdienstvolle Kaléko-Editorin Gisela Zoch-Westphal betreute den Nachlass von Mascha Kaléko. Die Rechte an den Texten der Autorin übertrug sie an die Textboerse Lore Cortis. Diese Textboerse untersagt die Internet-Textpräsentation.«
Links
Berlin.de: Gedenktafel für Mascha Kaléko. Zuletzt geprüft am 18.06.2007.
Deutsches Literaturarchiv Marbach: Nachlaß Kaléko, Mascha. Zuletzt geprüft am 18.06.2007.
Dominik, Nikolaus: Wie Mascha Kaléko Walter Mehring vor den Nazis rettete. GlaubeAktuell.de. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
dtv / Literatur-Café: Mascha Kaléko - Ein Podcast mit Gedichten der Lyrikerin. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
Frauen-Kultur-Archiv der Universität Düsseldorf: Mascha Kaléko. Biografischer Überblick, Gedichte, Tagebucheinträge und Text über eine Begegnung mit Mascha Kaléko. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
Fruchtmann, Ruth: Mascha Kaléko. Gekürzte Fassung aus: Britta Jürgs (Hg.): Leider hab ich’s Fliegen ganz verlernt (siehe unter Literatur). Kenntnisreiche Biografie mit vielen Zitaten. hagalil.com. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
Homann, Ursula: Ich bleibe der Fremde im Dorf - Mascha Kaleko und ihre Lieder. In „Der Literat“, Fachzeitschrift für Literatur und Kunst, 47.Jahrgang, Juni 6/2005. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
lyrikline.org: Mascha Kaléko. Gedichtauswahl, Biografie, Publikationen. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha: Ausstellung Mascha Kaléko (1912 - 1975) in der “Sammlung Melanie Wolff”. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
Wagner, Kathleen: Autoren, deren Werke den Bücherverbrennungen zum Opfer fielen. Mascha Kaléko. Links und knappe Informationen. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
Wikipedia: Mascha Kaléko. Zuletzt geprüft am 01.06.2007.
Literatur & Quellen
Quellen
Bauschinger, Sigrid. 1977. “Mascha Kaléko”, in Neue Deutsche Biographie. 1953-1985. Hg. von d. Historischen Kommission b. d. Bayr. Akademie der Wissenschaften. Bd. 1-14. Berlin. Duncker & Humblot. Bd. 11 (1977): 55.
Drewitz, Ingeborg (1981): Die zerstörte Kontinuität. Exilliteratur und Literatur des Widerstandes. Wien: Europa-Verl.
Kaléko, Mascha (1977): In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlass. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 1294).
Kosch, Wilhelm. 1968-1984. Deutsches Literaturlexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begr. von Wilhelm Kosch. 3., völlig neu bearb. Aufl. Hg. Bruno Berger und Heinz Rupp. Bd. 1-9. Bern; München. Francke.
Wellershoff, Irene Astrid (1982): Vertreibung aus dem “kleinen Glück”. Das lyrische Werk von Mascha Kaléko. Dissertation. Aachen: Technische Hochschule.
Kaléko, Mascha; Zoch-Westphal, Gisela (1987): Aus den sechs Leben der Mascha Kaléko. Biographische Skizzen, ein Tagebuch und Briefe. Berlin: arani.
Lermen, Birgit (1990): Deutsche Dichterinnen jüdischer Herkunft. Mascha Kaléko - Hilde Domin. Aachen: Hauptabt. Erziehung und Schule im Bischöflichen Generalvikariat (Orientierung, 14).
Rosenkranz, Jutta (2007): Mascha Kaléko. Biografie. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv-premium, 24591).
Sperner, Franziska (2006): Die Neue Sachlichkeit und Mascha Kaléko. E-Book. Hausarbeit, Benotung: 2-, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Germanistisches Seminar). München und Ravensburg: Grin.
Werke
Bücher und Hörbücher
Kaléko, Mascha (1933): Das lyrische Stenogrammheft. Verse vom Alltag. Berlin: Rowohlt.
Kaléko, Mascha (1935): Kleines Lesebuch für Große. Gereimtes und Ungereimtes. Berlin: Rowohlt.
Kaléko, Mascha (1945): Verse für Zeitgenossen. Cambridge, Mass.: Schoenhof.
Kaléko, Mascha (1961): Der Papagei, die Mamagei und andere komische Tiere. Ein Versbuch für verspielte Kinder sämtlicher Jahrgänge. Hannover: Fackelträger-Verl. Schmidt-Küster (Die kleine Reihe).
Kaléko, Mascha (1967): Verse in Dur und Moll. Gütersloh: Bertelsmann (Kleine Lesering-Bibliothek).
Kaléko, Mascha (1968): Das himmelgraue Poesie-Album der Mascha Kaléko. Berlin: Blanvalet.
Kaléko, Mascha (1973): Hat alles seine zwei Schattenseiten. Sinn- & Unsinngedichte. Erstausg. Düsseldorf: Eremiten-Presse (Broschur, 46).
Kaléko, Mascha (1976): Feine Pflänzchen. Rosen, Tulpen, Nelken und nahrhaftere Gewächse. Düsseldorf: Eremiten-Presse (Broschur, 68).
Kaléko, Mascha (1977): Der Gott der kleinen Webefehler. Spaziergänge durch New Yorks Lower Eastside und Greenwich Village. Düsseldorf: Eremiten-Presse (Broschur, 75).
Kaléko, Mascha (1977): Horoskop gefällig? Verse in Dur und Moll. Berlin: Eulenspiegel-Verlag.
Kaléko, Mascha (1977): In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlass. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 1294).
Kaléko, Mascha (1980): Heute ist morgen schon gestern. Gedichte aus dem Nachlaß. Berlin: arani.
Kaléko, Mascha (1982): Wie’s auf dem Mond zugeht. Sigmaringen: Thorbecke.
Kaléko, Mascha (1984): Der Stern, auf dem wir leben. Verse für Zeitgenossen. Illustrationen: Werner Klemke. Reinbek: Rowohlt.
Kaléko, Mascha (1984): Ich bin von anno dazumal. Chansons, Lieder, Gedichte. Berlin: arani.
Kaléko, Mascha (1994): “Mascha?”. 64 min. Text-Zusammenstellung und Vortrag: Gisela Zoch-Westphal. Hamburg: Litraton. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2003): Die paar leuchtenden Jahre. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 13149).
Kaléko, Mascha (2003): “Hat alles seine zwei Schattenseiten”. Musikalische Collage. Vorgelesen von Barbara Schnitzler. Musik: Albrecht Riermeier. Berlin: Duo-phon Records. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2004): Elke Heidenreich liest “Weil du nicht da bist …”. Alltagspoesie von Mascha Kaléko. 70 min. Köln: Random House Audio. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2007): Liebesgedichte. Ausgewählt von Elke Heidenreich. Frankfurt am Main: Insel.
Kaléko, Mascha (2007): Mascha Kaléko spricht Mascha Kaléko. “Interview mit mir selbst”. Durch Leben und Werk führen Gisela Zoch-Westphal & Gerd Wameling. Berlin: Universal Music. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2007): Mein Lied geht weiter. Hundert Gedichte. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 13563).
Kaléko, Mascha; Kaschnitz, Marie-Luise; Kästner, Erich; Ringelnatz, Joachim (2003): Du aber bist der Hafen. Liebesgedichte. Komponist: Oliver Hartmann. Vorgelesen von Frank Suchland. Bückeburg: ContraPunkt-Hörbuchverl. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha; Zoch-Westphal, Gisela (1987): Aus den sechs Leben der Mascha Kaléko. Biographische Skizzen, ein Tagebuch und Briefe. Berlin: arani.
Streich, Deryk (Hg.) (1998): Faltplan der Liebe. Illustrierter Faltplan mit Liebesgedichten von Erich Fried, Ingeborg Bachmann, Mascha Kaleko, Rose Ausländer und anderen. Wiesbaden: Beerenverlag (Literarische Faltpläne, 2).
























