Lieber Fußball als Männerfußball

Es gibt Frauenfußball und Fußballfrauen. Fußballmänner sagt man nicht, und Männerfußball nur dann, wenn von “Frauenfußball” die Rede ist.
Der „Deutschen Fußballnationalmannschaft“ ist in Wikipedia ein Eintrag von enzyklopädischer Gründlichkeit gewidmet. Dass es sich bei der Mannschaft, wie schon der Name sagt, um Männer handelt, wird ansonsten nicht weiter thematisiert, so selbstverständlich ist das. Neben dieser richtigen, eigentlichen Nationalmannschaft gibt es noch die „Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen“; auch ihr hat Wikipedia einen Eintrag gewidmet, der natürlich viel kürzer ist als der für die Männermannschaft.

In den Medien höre und lese ich in letzter Zeit immer häufiger das Wort Fußballfrauen statt etwa Fußballerinnen oder Fußballspielerinnen. Fußballdamen wäre noch ein bißchen kürzer, aber dennoch scheint es out zu sein: zu herablassend. Da hat immerhin die feministische Sprachkritik etwas bewirkt. Auch werden unsere Nationalspielerinnen nicht mehr zu Fußballmädchen geschrumpft wie ehedem. Fußballmädchen wird reserviert für den weiblichen Fußball-Nachwuchs.

Was ist gegen die Bezeichnung Fußballfrauen einzuwenden? Eigentlich nichts, nur symmetrisch ist sie halt nicht. Männliche Spieler heißen schlicht Fußballer oder Fußballspieler, nicht Fußballmänner.

Wörter auf -mann bezeichnen oft ungelernte oder dubiose Männerberufe und -machenschaften wie Milchmann, Müllmann, Staatsmann, Dunkelmann, Hintermann und Hampelmaann. „Klingelingeling, hier kommt der Eiermann“ - solche Lachhaftigkeit passt nicht zu unseren Helden der Nation, die für die nationale Ehre ihre Knochen hinhalten, wie uns immer versichert wird.

Aber „We’ve come a long way, baby!“ Frauen, denen der DFB noch bis 1973 das Fußballspielen verbot*, sind inzwischen Weltklasse, besonders die deutschen Spielerinnen. „Second class don’t turn me on at all“ - die zweite Klasse passt uns überhaupt nicht mehr.

Der heutige Präsident des DFB, Theo Zwanziger, gibt offen zu, dass Frauen besseren Fußball spielen als Männer: “[weil sie] fairer miteinander spielen, weil sie respektvoller miteinander umgehen, weil sie nicht diese knüppelharten Zweikämpfe führen, weil da nicht die brutalen Fouls passieren.” (Quelle: hier)

Was können wir tun, damit die Besseren nicht mehr wie Zweitklassige behandelt werden?

Wir könnten z.B. die Fußballstatuten dahingehend revidieren, dass eine Fußball-Nationalelf selbstverständlich die Nation repräsentieren sollte, sonst verdient sie ja den Namen nicht. Die Nation besteht bekanntlich zu 52 Prozent aus Frauen. Die Nationalelf sollte also aus 6 Frauen und 5 Männern bestehen. Wie bei einem „Mixed“, einem gemischten Doppel im Tennis oder Badminton, über das uns Wikipedia wie folgt belehrt:

Beim Mixed wird in der Regel das Spielsystem gegenüber dem Herren- bzw. Damendoppel verändert, um die geschlechtsspezifischen Besonderheiten besser einsetzen zu können (z. B. mehr Muskelkraft des männlichen Teamspielers). So besetzt z. B. beim Badminton der Mann im gemischten Doppel primär die Angriffsposition im hinteren Teil des Spielfeldes.

Wie üblich werden hier zwar nur die Stärken des männlichen Spielers erwähnt, die weiblichen existieren aber durchaus: Theo Zwanziger hat sie für den Fußball oben aufgezählt.

Eine gemischte National-Elf könnte auch unsere Fußballmänner auf Weltmeista-Niveau** bringen. Für die Spielerinnen hätte die Regelung den Vorteil, dass sie endlich für voll genommen würden und dieselben Privilegien einfordern und genießen könnten wie die Männer.

Für das weibliche Fanvolk ergäbe sich das seltene Schauspiel, dass Frauen von Männern einmal gleichberechtigt behandelt würden. Denn wenn es um das gemeinsame Gewinnen geht, hilft nur bedingungslose Kooperation, egal welche Gefühle mann außerhalb des Spiels für die Teamkameradin hegen mag.

Wird uns das nicht immer als leuchtendes Beispiel vorgehalten: Die Jungs lernen den Teamgeist schon als Kleinkinder auf dem Bolzplatz und stellen damit die Weichen für ihren Erfolg im Leben, Mädchen hingegen lernen es nie, denn die Fußball-Jugendkultur ist uns verwehrt (nicht mehr, es bessert sich allmählich, aber dennoch …).

Nach dem beliebten Top-Down- oder Trickle-down-Prinzip hätte eine Neuregelung Konsequenzen von der Bundesliga bis in den letzten Vorstadt-Fußballverein. Soll eine Nationalelf herangebildet werden, muss der weibliche Nachwuchs genau so gefördert werden wie der männliche - eine Zeitlang sogar mehr, bis die jahrzehntelange Bevorzugung der Jungs kompensiert ist.

Goldene Zeiten stünden uns bevor: Eine ganze fußballverrückte Nation könnte buchstäblich von Kindesbeinen an zu echter Gleichberechtigung erzogen werden - einfach, weil sonst kein Gewinn zu erzielen ist. Das gilt zwar überhaupt und in jeder irgendwie relevanten Hinsicht - aber so begreifen sie es vielleicht besser.

Die Jungs täten gut daran, sich für dieses Modell des Mixed-Fußballs noch rechtzeitig zu begeistern. Sonst ziehen die Besseren endgültig an ihnen vorbei zu immer neuen Höhen der Spielkunst und Faszination - und sie bleiben auf ihren „brutalen Fouls“ sitzen. Wir hätten dann eine “Fußball-Nationalelf” (weibliche Profis) und daneben eine “Fußballnationalmannschaft der Männer” (mit Amateurstatus).
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*Aus der Begründung des DFB in den fünfziger Jahren: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

**feministisch für “Weltmeisterinnen-Niveau”.

 

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# | Luise F. Pusch am 06/25 um 06:27 PM

Hütet Euch vor den FussballerINNEN!! Sonst ergeht es ihnen wie den Bürgern: Politiker reden dauernd von “unsere Wähler und Wähler, Bürger und Bürger”, weil sie für die BügerINNEN und WählerINNEN keine Zeit haben. Buchstäblich. Sie verschlucken nämlich konsequent die weibliche Endung!! Also: Fussballfrauen. Dann ist und bleibt es klar.

Was das “gemischte Doppel” und die Gleichberechtigung im Fussball betrifft, so melde ich ernste Sorge um die Frauen an: Männer verstehen Gleichberechtigung immer dann sofort, wenn sie den Frauen Nachteile abgeben können. Hier wäre das: Schienbeintreten, Bodychecks und andere Grobheiten. Da Männer den Frauen vor allem gewichtsmässig überlegen sind, müssten die Frauen mit schlimmen Verletzungen rechnen. Fairplay bei Männern - dieses Märchen wurde mir als Kind auch erzählt und ich habe es auch ziemlich lange geglaubt. Fairplay bei Männern gibt es nur, wenn der andere grösser und stärker ist, und mann mit einem Faustschlag ins Gesicht rechnen muss… Das möchte ich den Fussballfrauen nun wirklich nicht zumuten.

Aber die Sponsoren entdecken nun vielleicht die Werbemöglichkeit beim Frauenfussball. Dann wird von selbst so etwas wie eine Gleichberechtigung - auch auf der Ebene der Entschädigungen - eintreten. Hoffentlich!
lg Dürr

Dürr  on  06/26  at  10:03 AM

@dürr: Ich glaube nicht, dass Männer die Frauen des eigenen Teams vors Schienbein treten würden - das würde ja mit Sicherheit ihren Sieg gefährden. Beim gegnerischen Team ist das was anderes, um da die “brutalen Fouls” effektiv zu verhindern, müssten weitere Maßnahmen her. Z.B. prinzipiell eine weibliche Schiedsrichterin, außerdem sofort die rote Karte bei brutalen Übergriffen. Das Mitmachen der Frauen, ihre taktisch überlegene Spielweise, würde sowieso den gesamten Spielstil ändern, stelle ich mir vor.
Aber Du hast auf eine ernste Gefahr hingewiesen, die vielleicht schwerer wiegt als die Vorteile der Mixed-Teams.

lfp  on  06/26  at  10:29 AM

20elf von `seiner` schönsten seite las ich heute i.d. vorankündigung von 3-sat. es klappt noch immer nicht, daß medienmacher von `ihrer` schönsten seite berichten. auch das wort `mannschaft` für die frauenfußball-elf spukt in sämtlichen medienblättern herum.
macho-sprüche, wie sie auch von dem ehemaligen fußballer mario basler verkündet werden `fußball ist nichts für frauen` lese ich in vielen internet-blogs zum thema `fußball`.
“wenn mädels auf dem rasen rumtoben wollen, sollen sie ein netz aufstellen und tennis spielen, das ist sexy” (mario basler)
in den köpfen vieler männer herrscht nach wie vor viel abwertung. bei nw-news.de verkündet ein angeblicher experte jörg rinne “kicker-kunst sieht anders aus”. mit fußball, was von frauen da auf dem platz geboten wird, hat das nichts zu tun: zu langsam, kein körperbetonter einsatz im zweikampf, keine abwehrstrategie usw.usw.  für diesen angebl. experten ist die wm nur eine “sogenannte” weltmeistaschaft. die leserInnen durften abstimmen: frauen an den fußball? ca. 46 % verneinten, sicherlich waren das alles lesER.

die machos von `damals` leben weiter, um die höherwertigkeit des mannes - auch im sport - zu beweisen. “nicht das grössere quentchen gehirnmasse, sondern der grössere bizeps schuf den macho und damit das bewusstsein zur höherwertigkeit.” fast überall, wo frauen in sog. männerdomänen einbrachen, erleb(t)en sie häme, abwertung, feindseligkeit, gewalt, männerdominanz.

eine studie nimmt sexismus, homophobie, rassismus im fußball unter die lupe (s.u.). diese weist darauf hin, was eigentlich überall sichtbar ist: die selbstverständlichkeit männlicher dominanz. alles andere als `normal` im fußballkontext sind demnach frauen und schwule männer. zwar sei man sich auch bei kleineren dorfmannschaften mittlerweile bewusst, dass eine offene ächtung von fußball spielenden frauen nicht mehr drin ist.
um frauen aber dennoch draußen zu halten, bediene man sich des allseits beliebten rückgriffes auf die natur, die halt einfach so ist, langsamer, einfach körperlich unterlegen und schlechter im zweikampf, fasst die studie ein paar dieser altbekannten sager über die sportlichen leistungen von frauen zusammen.

der fußballsport zeigt sich immer noch als eine männerdomäne, wo archaische männlichkeit konstruiert und gelebt wird. ekelhaft die ständige spuckerei auf den rasen, brutale fouls, schauspielerei, taktische spielverzögerungen - ganz zu schweigen von den enormen polizeieinsätzen rund um die fußballstadien, um die hooligans und gewaltbereiten (pöbelnden) fans in den griff zu bekommen.

männerfußball ist für mich nicht attraktiv. auch heute noch wird das thema lesben und schwule beim Fußballsport versteckt gehalten. dabei waren und sind es lesben, die den frauenfußball geprägt und sich ins zeug gelegt haben gegen sämtlich klischees und sportl. diskriminierungen ankämpfen mussten. 
“FUSSBALL von ihrer LESBISCHEN seite” sollten wir sichtbar machen und unsere stärke zeigen.
zur info: um die sichtbarkeit von lesben zum thema zu machen, sollte in diesem jahr der münchner csd einmalig einen weiblichen vornamen tragen “christina street day”.  diese aktion hatte zu einer hitzigen, teilweise beleidigenden debatte geführt mit viel polemik, so dass die veranstalterInnen dass ganze absagen mussten.

so sieht`s aus in den köpfen vieler menschen !

lesbophobie scheint auch im fußball aktuell zu sein -  sonst würden sich nicht allzu brave fußballspielerinnen ausgerechnet im männerblatt `playboy` nackt präsentieren - ein ort, wo frauen als willige sex/objekte wie häschen gewünscht sind: “schön, sexy, gestylt, auf shopping-tour” so gefällt frau sich in alten rollenklischees - das erinnert mich sehr an die tv-sendung sex and the city… sei sexy, sagt mann den frauen!

nein danke, vom männerfußball können wir frauen nichts lernen -  hier können männer von frauen etwas lernen , und zwar schon in der jugendarbeit - vor allem, dass sie und ihre sportlichen fähigkeiten endlich ernst genommen werden. das gilt auch für das gesamte umfeld - frauenfußball wird wie ein familienfest gefeiert, hooligans, pöbeleien, polizeieinsätze u.m. können verhindert werden.

http://diestandard.at/1308186649936/Fussball-Studie-Fussball-verbindet-vor-allem-weisse-Maenner

Anne  on  06/26  at  12:29 PM

nachtrag:

im tross internationaler männerfußball-spiele werden aufgrund der großen nachfrage der männlichen frauenbenutzer zwangs-/prostituierte eingeschleppt - zuhälter, bordellbesitzer, frauenhändler reiben sich die hände angesichts der profite,die die mega-männer-events verheissen. und viele spieler und funktionäre schweigen, verstummen - bis auf einige wenige, wie der geschäftsführer der männerarbeit d. evang. kirche deutschlands:
männer schaffen den markt für prostitution und somit auch für zwangsprostitution.

http://www.ann.de/ann/index.php?option=com_content&task=view&id=12&Itemid=31

anne  on  06/26  at  01:09 PM

@lfp: Natürlich waren nicht die “eigenen” Männer gemeint, obwohl Fouls im eigenen Team in der Wirtschaft gang und gäbe sind - vor allem gegen Frauen! Obwohl längst zahlreiche Studien belegen, dass Unternehmen mit namhaftem Frauenanteil in der Führung die besseren Ergebnisse bringen, spricht die Anzahl der Frauen in den oberen Etagen von allem, nur nicht von Sachlickeit, Interesse an der Firma oder von Fairness.

@Anne: Wie wahr - und doch ist das ganze Geschwätz über die nicht schwulen Fussballer eher fraglich. Die Homoerotik ist bei jedem Tor buchstäblich mit Händen greifbar. Auch so ein rationales Männerthema. Als ob die sexuelle Präferenz der KickerInnen den Ball interessieren würde… Im Uebrigen ist es immer das Gleiche: Sobald eine Frau - aus welchen Gründen auch immer - an Mann oder Männern kein Interesse zeigt, sich selbst beschäftigt, ist sie lesbisch. Zudem gelten Ansammlungen von mehr als drei Frauen, die etwas ohne Männer unternehmen, bereits als gefährliche Zusammenrottung. Und dann gleich ELF plus Ersatzfrauen! Das muss die Helden ja zutiefst schockieren. (Unterbeschäftigte Psychologinnen! Hier wäre ein lukratives Kundensegment der Zukunft: Sollten die deutschen Frauen nochmals WeltmeisterINNEN werden, gibt es bei den Herren viel zu tun. Bewältigung schwerer (Fussball-/Frauen)Traumata!)
lg Dürr

Dürr  on  06/26  at  10:26 PM

Liebe Luise, Du sprichst mir aus der Seele: Ich kann dieses Gequake vom “Frauenfußball” nicht mehr hören. Der wird tatsächlich so abgehandelt wie Minigolf im Vergleich zu Golf - im übrigen auch von Frauen.

Überhaupt diese ständigen Vergleiche mit dem Männerfußball. Da wird immer wieder betont, daß das Frauen- gegen das Männerteam ja überhaupt keine Chance hätte. Derartige Vergleiche gibt es bei anderen Sportarten nicht. Niemand käme auf die Idee, daß die vielen WM-Titel einer Magdalena Neuner weniger wert wären, weil sie gegen die - na, wie hießen die doch gleich… - Biathlon-Männer keine Chance hätte (die übrigens ihrerseits, he he, im Männerwettbewerb oft hinterhergelaufen sind). Niemand erwartet auch von einer Maria Riesch, daß sie beim Herrenalpinski mitfährt.

Wenn es nur darum ginge, wer der Stärkste ist, dürfte es im Judo, Boxen, Gewichtheben keine Wettbewerbe für männliche Leichtgewichtler geben. Und im Rudern keine Einer, weil die Achter sowieso viel schneller sind.

Habe übrigens bei der heutigen Übetragung ein neues Wort gelernt: Frauenfußballerinnen! Ich schätze, es ist noch ein langer Weg.

Christine  on  06/26  at  11:01 PM

Hihi! Das ist wie wenn ein Gynäkologe von seinen PatienteN redet. Aber Logik war noch nie die Stärke derer mit dem Reserve-Gehirn im Kopf.
lg Dürr

Dürr  on  06/27  at  09:03 AM

hallo @ Dürr zur lesbophobie - ich stimme dir zu - nur, sobald frauen z.b. kein interesse am vorgegebenen hetero-leben zeigen und als lesben bezeichnet werden, wehren viele vehement dieses ach so schlimme `stigma` von sich. warum solidarisieren sie sich nicht einfach? lesbischsein, lesbisches leben ist doch mehr als sexualität und keine reine `sexuelle` vorliebe, wie uns z.b. die männer/porno-industrie vermitteln will. 

es wird auch heute das thema lesben und fussball nicht thematisiert, obwohl sie es waren, die trotz aller anfeindungen, diskriminierungen im sport durchgehalten und den fußball für frauen mitgeprägt haben. fußball der frauen ist durch diskriminierungen geprägt!
wie eine lesbenzeitschrift zu recht schreibt: “fußball als integrationsmotor für frauen mit migrationshintergrund ist heute o.k. und hat ein öffentliches gesicht - fußball als integrationsmotor für lesbische frauen tabu!
....denn je mehr fußball zum breitensport wird und neue weiblichkeitsnormen einzug halten, desto mehr besteht die gefahr, dass in den unteren ligen eine neue lesbenfeindlichkeit entsteht. ehrgeizige trainer, die jetzt mädchen-teams und eine frauenfußballabteilung in ihren vereinen aufbauen, wollen nicht zu viele lesbische spielerinnen in ihren reihen haben. frauenfußball soll doch `normal` werden. da stören zu viele lesbische spielerinnen. außer sie melden sich vehement zu wort.” zitatende

wie lfp hier im blog zum coming out mal geschrieben hat: “der sprechakt des coming out wird meist falsch analysiert als `bekenntnis`- dabei ist es eine korrektur. das coming out ist notwendig nicht um mich als `andersartig` zu markieren, sondern um falsche annahme über meine identität zu korrigieren. solange ich nicht mein coming out mache, gehen alle davon aus, dass ich heterosexuell bin. damit die heterosexualität diesen privilegierten status verliert, müssen viele lesben und schwule das coming out auf sich nehmen.. bis die sexuelle präferenz politisch und begrifflich etwa den status d. religionszugehörigkeit erreicht hat. ob eine katholisch, muslimisch oder atheistisch ist, muss sie mir auch erstmal mitteilen. automatische vorannahmen, die korrigiert werden müssen , sind nicht üblich - anders als im europ. mittelalter, wo alle welt katholisch war.”

fußball für frauen und lesbische frauen werden auch heute in vielen ländern nicht wirklich akzeptiert. lesbische spielerinnen bekennen sich nicht öffentlich, aus angst vor ausgrenzung und dem verlust ihrer sponsoren.

z.b. das interesse in england am fußball der frauen - da rührt sich fast nichts. das eröffnungsspiel wurde nicht einmal live übertragen. auf die frage nach der frauen-wm reagierte ein londoner blatt mit einem `sonnigen` spruch “die einzige frau, die in unserer zeitung erscheint, ist die auf seite 3. `nackte des tages`”(presse-auszug)

@ christina - in der tat, die ständigen vergleiche
mit dem männerfußball nerven mich auch - hier versucht man/n seine `höherwertigkeit` im sport zu
untermauern - wobei die erfolge zählen, und da liegen hier i.d. brd auch im fußball die frauen vorne.
auch steffi grafs erfolge waren für boris becker unerreichbar….

und wenn es 1oomal heisst, aber ungern in unserer hetero-welt gesehen wird, fußball WAR und IST auch ein lesbensport - na, und? als frau und lesbe bin ich stolz darauf - auch auf unsere vielen lesbischen (fussball) ahninnen.
mehr stolz ihr frauen…

grüsse von anne

anne  on  06/27  at  02:31 PM

1994 veröffentlichte Mariah Burton Nelson ihr Buch “The Stronger Women Get, the more Men Love Football.” Untertitel: “Sexism and the American Culture of Sports.” Einleitend ein Kommentar ihres Bruders: “Nowadays, women can and do compete with men on an equal basis almost everywhere . . . Football is one of the few remaining arenas in which male muscle matters. Thank God for football.”
Arme Männer, jetzt wird ihnen auch noch diese Domäne streitig gemacht! Doch das nehmen sie nicht gelassen hin, sexistische bis hin zu pornografischen Anpöbelungen müssen sich die Spielerinnen gefallen lassen. Mir persönlich geht Fussball auf den Wecker- of Männer- oder Frauenfussball. Kommen im Radio Fussballnachrichten, schalte ich ab. Wenigen scheint noch bewusst zu sein, dass Fussball den Teamgeist künftiger Krieger stärken sollte.

Dr. Sauter-Bailliet, Theresia  on  06/27  at  06:00 PM

@Anne: Was Du über die Lesben im Fussball, bzw. im normalen Leben sagst, ist wahr! Aber: Vergiss nicht, die Definitionsmacht haben noch immer die Männer und diese gehen von sich aus. Will heissen: Für SIE IST ihre Sexualität/sexuelle Präferenz die Identität. Für Frauen eben nicht. Aber sie beurteilen Frauen nach IHREN Massstäben. Kommt hinzu, dass jede Lesbe die für Männer zur Verfügung stehende Anzahl von Frauen verkleinert. Je weniger Frauen zur Verfügung stehen, umso mühsamer für die Männer, Frauen für Sex und tägliche Zudienste zu kriegen. Und DAS ist es, was den Zorn auf Fussbälle tretende Frauen so gross werden lässt. Ganz einfach. Bubi hat wieder ein Mami, das nicht spurt.

Im Uebrigen bin ich alles andere als eine Fussball-Fanin! Männerbeine machen mich nicht an, verschwitzte Kerle, die andere ans Schienbein treten auch nicht und johlende Massen sind mir ein Gräuel. Das einzige Spiel, das ich in einem Stadion gesehen habe, war 1970 in Rio de Janeiro im Maracana-Stadion, das 1000ste Goal von Pelé! Das war Klasse, weil die ganze Stadt feierte, es ein Freundschaftspiel der lokalen zwei Vereine war und die Spieler Pelé einen Ball nach dem anderen vor die Füsse “legten”, (die der Goalie dauernd hielt, bis in die Verlängerung!!) damit er endlich sein Goal schiessen konnte. Danach gab es Samba in der ganzen Stadt und bis in die Morgenstunden. DAS war für mich ein Spiel (statt Kampf)! Wenn das Fernsehen eine Einrichtung macht, mit der man die blöden Kommentatoren ausblenden könnte, wäre das eine oder andere Spiel noch zum Anschauen, aber so?
Kommentieren beim Frauenfussball eigentlich Frauen??
lg Dürr

Dürr  on  06/28  at  12:15 AM

@ Dürr - mir geht es auch so - männerfußball - auch i.d. dt. bundesliga - ist zur treterliga mutiert. erinnert an das alte rom/brot und spiele. ausserdem ist die gewaltbereitschaft unter den fans enorm gestiegen. mann solidarisiert sich mit den kriegern und wütet wie die vandalen.   
ganz zu beginn (china) dieser sog. sportart diente dieses spiel als militärisches ausbildungsprogramm. es heisst nicht umsonst “mit drill wie beim militär werden die meisterträume wahr”. ich hoffe, dass frauen das spiel nie als das uns zelebrierte männerfußball übernehmen werden.
aber inzwischen wird sogar wieder militärischer drill als erziehungsideal verkündet. amy chua präsentiert in ihrem buch “das dressierte kind” als alternative den `chinesischen weg` , der aus intensivem militärischem drill besteht - psychoterror inclusive -. schrecklich, wohin driftet diese gesellschaft? 

übrigens frauen kommentieren im tv beim fußball nicht, nur in den pausen darf eine ehemalige spielerin zum spielverlauf vor die kamera treten, dem fernsehmachER rede und antwort stehen.  es gibt nur eine reporterin, die ein bundesliga-spiel samstags im rundfunk! kommentiert.
auch der sportbereich i.d. fernsehanstalten ist eine männerdomäne und wird dementsprechend von männern verteidigt - die medien-welt mit ihrer männl. dominanz ein abbild unserer gesellschaft!

zur info: der vizepräsi der islam. glaubensgemeinschaft in österreich macht sich auch gedanken und verkündete in einer diskussionsveranstaltung “zu viel sport sei für den weibl. organismus nicht gut. begründet hat er die aussage, dass den sportlerinnen hormonstörungen, mehr körperbehaarung, kleinere brüste und sinkende knochendichte drohen. (quelle: derstandard) diese befürchtungen hatten schon ärzte vor ca. 1oo jahren, als frauen fußball spielen wollten ;.)
“mutterschaft ist auch ein sport, sogar der wahre sport der frau ...” (r. miles/1894)

anne  on  06/28  at  12:42 PM

nigeria gehört mit zu den ländern, in denen lesben und schwule ausgegrenzt, verfolgt und mit strafen rechnen müssen. am donnerstag spielt die deutsche elf gegen die nigerianische elf. die nigerianische trainerin hat inzwischen alle lesbischen spielerinnen aus dem team geworfen. leider interessiert das die fifa herzlich wenig, wenn öffentlich menschenverachtende statements abgegeben und gegen die menschenrechte verstossen wird. 
lesben kommen auch nicht in folgendem artikel vor:
“csd demonstriert gegen schwulenfeindlichkeit im sport” (der westen) es stimmt auch hier, mann denkt nur an sich…wie wichtig, dass lesben ihren sprachschatz erweitern und auf den begriff “lesbophobie” bestehen. 

http://www.derwesten.de/sport/fussball/wm2011/Nigeria-schliesst-lesbische-Spielerinnen-aus-id4814513.html

anne  on  06/28  at  07:50 PM

Anne, vergiss das FIFA! Solange Blatter dort regiert, kann das FIFA mit Fug und Recht als die korrupteste NGO der Welt bezeichnet werden. Ich kenne Blatter von früher. Ein Aal, nicht zu fassen, schleimig und frisst Aas. Ausserdem ein echter FussballeR: Tritt gerne nach.

Eine andere Frage - wenn’s erlaubt ist: Wo bleiben die 40’000 Zwangsprostituierten für die WM?! Wo die Notdurftboxen?! (Womit meine These bezüglich bessere Menschen wieder einmal mehr einen Beleg hat.)
lg Dürr

Dürr  on  06/28  at  10:35 PM

Hallo Luise,
das ist wirklich ein famoser Artikel! Ein wirkliches Freudenbrot im Vergleich zu all den miesmachenden Artikeln und Meldungen über Playboy-Shootings, Bild-Werbung, sexistische Zitate zum Thema “Frauenfußball” etc.!

Ich denke auch, dass eine gemischtgeschlechtliche “Nationalmannschaft” mehr in punktzo Gleichberechtigung erreichen könnte, als das Beibehalten der gesplitteten Teams, egal wie anerkannt “Frauenfußball” eben noch werden wird. Allerdings halte ich das auch für weitaus unrealistischer (zumindest für die nächsten Jahrzehnte), da es zwar schon eine Überwindung des Sexismus bedeutet, Frauensport gleichermaßen zu würdigen, aber einen noch größeren Schritt, ein Eindringen der Fußballspielerinnen in Männerteams zu dulden (was sicher so oder ähnlich ausgelegt werden wird). Denn selbst wenn “Frauenfußball” ein gutes Image bekommt - die Nationalelf war und ist immer noch männlich und da werden Frauen sicher nur sehr schwer akzeptiert werden.
Übrigens wird es dann ähnlich biologistische Argumentationen geben wie schon bei einer/einem Vorredner_In hier: Frauen sind so so leicht, schwach, zerbrechlich etc. pp. Ich halte das einfach für lächerlich, sowohl Männer als auch Frauen trainieren von Kindestagen an, wenn sie in den Profisport möchten und besonders wenn sie zusammen spielen würden, können sie super als Team zusammenwachsen. Menschen sind nun mal verschieden, es gibt große, kleine, mittlere, leichtere, schwerere usw. usf., dennoch können auch weniger große Spieler_innen beachtliche Leistungen erbringen. Finde es total nervig, wie die Kommentator_innen während der aktuellen WM immer wieder auf den Körpergrößen der Personen rumhacken, als seien 5 cm weniger schon ein Weltuntergang.
Hinzu kommt, dass sich die Einstellung zum (Profi)Sport auch ändern könnte. Beim Sport sollte meiner Meinung nach die Spaß am Spiel im Vordergrund stehen. Warum also dieses Konkurrenzdenken? Ein faires, freundliches Spiel mit Menschen, die sich nicht für ihr Gewicht und ihre Größe schämen müssen und vielleicht ein paar Torchancen weniger erreichen, ist doch tausendmal sympathischer als ein Spiel, bei dem es ums Gewinnen um jeden Preis geht - auf Kosten der Gesundheit und Leib und Leben und mit der Diskriminierung von Menschen mit bestimmten Körpermaßen.
Liebe Grüße

Linda  on  06/29  at  10:31 AM

Wenn Männer sich gegenseitig zu Brei kloppen, so ernten diese Sklaven den Beifall des Publikums, jedenfalls die Sieger. Frauen kreischen vor Vergnügen, und die Veranstalter heimsen das Geld ein.
Wenn zwei Frauen sich bekämpfen, so freut sich der Dritte. Das Feindbild hat sich ausgedehnt. Gewinnen wollen die Frauen - über wen? Über Frauen!
Frauen sollen ja alles können wie Männer, also auch den debil-bestialischen Mist des FuBballs. Frauen, die Frauen bekämpfen und über sie gewinnen, sind gar nichts Besonderes in einem Patriarchat; schlieBlich rivalisieren Frauen sogar in der Pornografie - und gewinnen. Über Frauen…
Wenn ein Amazonen-Team gegen seine Henker antreten könnte, so wäre das etwas anderes. Der Primitiv-Feminismus zu Gunsten der Männer - immer! - ist eine Gefahr für das Denken der Frauen.
Wir werden “die blauen Flecken” zählen, “auf der Seele”, wie Françoise Sagan es nannte. Rivalität, Competition zwischen Frauen ist eine olle Kamelle und die Basis der Männerherrschaft: Trennen, um zu herrschen. Diese jungen Frauen wollen beweisen, dass sie stärker sind. Als wer? Als andere Frauen, nicht als die Männer. Alles wie gehabt.
Viel Vergnügen beim Zuschauen im Zoo!
Und wenn die Spielerinnen alle Lesben sind, dann ist das Gaudium ja noch gröBer.
Spiel - Regel - Recht - pervers.

Lena Vandrey  on  06/29  at  01:45 PM

@ Dürr - wie positiv, dass zwangs-/prostituierte b.d. frauen-wm kein thema ist, da hier kein bedarf besteht.
das sah b.d. männer-wm anders aus. und auch hier hat der grösste weltfußballverband fifa gekniffen und keine gesonderte aktion gegen den frauenhandel lanciert.
dagegen plädierte herr blatter vor jahren, dass die fußball-sportbekleidung der frauen `femininer` gestaltet werden soll. diese maßnahme sollte neue geldgeber, etwa aus der kosmetik- und modeindustrie anlocken. ” eine sportlich kommerziell erfolgreiche fußballerin muß glaubhaft als `echte` frau auftreten.” (tatjana eggeling, historikerin)
echte frauen waren auch die fußballspielerinnen , die die männerdomäne fußball eroberten und deshalb als mannweiber verschrien wurden.
“Männer sind attraktiv, weil sie sportlich sind. Frauen müssen beweisen, dass sie attraktiv sind, obwohl sie sportlich sind” (nina dengele, soziologin)

lg anne

sehr erfräulich, erstmals kommentierte eine frau ein fußball-wm-spiel im jahr 2o11 - das wunda von leverkusen ;-)   
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1372688/Claudia-Neumann-schreibt-Geschichte?bc=sts;stt

anne  on  06/29  at  08:47 PM

Hallo !

Gestern und heute wurden die Fußballspiele auf ZDF übertragen - da hörte frau plötzlich eine weibliche Stimme ! Eine Kommentatorin - Claudia Neumann, glaube ich, heißt sie.

War sehr angenehm, sehr kompetent, passte fantastisch - wenn frau die männlichen Zuschauer ignoriert, dann waren da unten alles Frauen !

Geile Sache.

Gruß, Trip

Trip  on  06/29  at  09:00 PM

Beim gestrigen Spiel habe ich auf Twitter eine Formulierung entdeckt, die dich interessieren könnte: Die Schiri…

susanna  on  07/01  at  12:37 PM

Interessanter Blog. Ich schreibe selbst hin und wieder für Wikipedia und möchte nochmals betonen, dass es jedem (insbesondere auch Frauen ;-) ) offensteht sich bei Wikipedia anzumelden und den Eintrag über die Fußballnationalmannschaft der Frauen zu ergänzen bzw. komplett zu überarbeiten. Also wenn dich der Umfang des Artikels stört, dann ändere ihn doch einfach.

Noch eine kleine Gedankenanregung meinerseits. Im Profisport geht es in aller erster Linie um Geld und nicht um Politik, Gleichberechtigung etc. Der Grund für die geringer Bedeutung / Wertschätzung des Frauenfußballs ist daher nicht bei einer sexistischen Gesellschaft, sondern in der mangelnden monetären Verwertbarkeit des Events an sich zu suchen.  Ein einfaches Beispiel. Wir haben das Eröffnungsspiel der Frauen WM im Freundeskreis geschaut. Während die Jungs das Spiel schauen, sitzen die Mädels auf dem Balkon und sonnen sich. Bei der Männer WM war das anders. Insgesamt macht das für eine/n geldfixierten Sportfunktionär/in eine ganz einfache Rechnung: Weniger Zuschauer = weniger Geld = weniger wichtig. 

Viel Grüße
Manuel

Manuel  on  07/01  at  07:26 PM

Die amerikanische Fußballtrainerin Pia Sundhage - offen lesbisch lebend - hat kürzlich in einem Interview gesagt, Frauen können den Männerfußball mit neuen Ideen voranbringen.
Es geht da nicht um rein fußballspezifische, taktische Dinge. Es geht um die Art der Team-Führung. Da handelt der typische Mann anders als eine Frau. Männer neigen dazu mit Einschüchterungen zu operieren und auf Fehler zu schauen und zu versuchen, diese zu beheben. Ich mache das Gegenteil und versuche, meine Spielerinnen zu inspirieren. Ich lobe, wenn etwas gut ist. Bei mir ist das Glas halbvoll.
Auch die WM-Trainerbänke sind eine Männerdomäne. Angeführt von Silvia Neid besetzen nur 6 Fußballfrauen die 16 “Schaltstellen der Macht”.
Früher galt der Job als Nationaltrainer einer Frauenauswahl - zumindest für Männer wenig reizvoll.
Sundhage wird allseits für ihre Kompetenz geschätzt - und das soll sich sogar bis zum Männerteam ihres Heimatlandes Schweden herumgesprochen haben. Angeblich schwirrte 2oo9 ihr Name durch die Gänge der Verbandsspitze, bis man sich für Erik Hamren als Nationaltrainer entschied.
Die Berufung Pia Sundhages hätte einen Meilenstein
dargestellt - nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern aus soziokultureller Perspektive, weil die 51jährige offen und ungezwungen mit ihrem Lesbischsein umgeht. `In meiner schwedischen Heimat sind wir aufgeschlossen. In der Kulturszene ist es überhaupt kein Problem , sich zu outen.
Im Fußball ist das anders. Gerade bei den Männern ist es nicht leicht in der Umkleidekabine, wenn ein Spieler nicht den gemeinen Vorstellungen eines Mannes entspricht, so Sundhage.`

Die Anekdote um Sundhage legt eines nahe: die Männerdomäne Trainerjob gerät ins Wanken. Allein die Chromosomen-Paarung XY wird die Phalanx altgedienter WM-Trainer wie Mexikos Cuellar oder Australiens Sermanni kaum auf Dauer schützen.”
(Quelle: Süddeutsche.de)

Amy  on  07/01  at  10:09 PM

Manuel:

Also, das verminderte Interesse an Frauenfußball gegenüber dem Männerfußball ist direkte Folge einer sexistischen Gesellschaft. Nur weil in deinem Beispiel die Männer immer in die Röhre geguckt haben und die Frauen sich nur für die Fußballmänner begeistern konnten, heißt das nicht, dass Sexismus keine Rolle dabei gespielt hat. Frauen sind ganz oft offen auschließlerisch gegenüber Geschlechtsgenossinnen, um ihren Status zu sichern oder sich selbst ihrer eigenen angenommenen Macht bewusst zu werden. (“Ich hab’ das ja nicht nötig, den Weibern beim Ballspielen zuzugucken- bilden sich wohl ein, die wären was Besonderes, nur weil sie Frauen sind.”) Zusätzlich lässt sich an den vorangegangenen Kommentaren große Feindseligkeit seitens der Männer feststellen.

kurukurushoujo  on  07/01  at  11:58 PM

der grund für mangelnde wertschätzung liegt bei vielen männern sicherlich auch an ihrer generellen ablehnung gegenüber dem feminismus.
ich habe im internet viele sexistische, abwertende kommentare zum `fußball` gelesen. dass ich der meinung bin, wir hätten die anfänge d. fußballs, die 50er und späteren jahre noch nicht überwunden, als z.b. der dfb seinen vereinen die gründung von `damenfußballabteilungen` unter strafandrohung verbot, frauen diskriminiert und stigmatisiert wurden. 
auch für manche medien und journalist. kommentare bedeutet die wm ein gefundenes fressen an sexistischen darstellungen.
daß junge spielerinnen im playboy mit nackten tatsachen beweisen sollen, dass sie optisch der hetero-norm entsprechen, ist eine weitere diskriminierung. ähnlich, als wenn eine farbige frau beweisen muss, daß sie ein mensch ist. das hatten wir alles schon einmal.
die soziologin dengele betont in einer analyse, daß vor allem spielerinnen mit vorurteilen konfrontiert werden. weit verbreitet sei die überzeugung, daß “frauenfußball” zu weich, zu harmlos, emotionslos, zu langsam sei.

nirgends - wie im fußball - werden so viele vergleiche zum männerfußball gestartet - niemand vergleicht z.b. tennis oder hockey u.a. der frauen mit den männern.

mehr frauen i.d. sportredaktion - das ist der wunsch von manuela schaaf, medienforscherin. gerade beim thema `frauenfußball` sei das nötiger denn je. weil die einfach eine ganz andere perspektive zum spiel einnehmen. männer versuchen immer einen vergleich zum männerfußball zu ziehen, auch in den kommentaren. wobei die frauen, die kommentieren, sich wirklich aufs spiel konzentrieren.
seit mitte der 90er jahre lässt sich eine starke sexualisierung der sportberichterstattung beobachten. der sog. “kournikova-effekt” . die redaktionen bevorzugen athletinnen, die eine hohe physische attraktivität und heterosexuelle ausstrahlung aufweisen - unabhängig davon, ob sie sportliche erfolge erzielen.
mario basler, der obermacho, und ex-fußballer beweist durch hässliche zeitungs-kommentare gegenüber dem “frauenfußball” einem mio-publikum eine äusserst unsportliche haltung. für einen sportler mit vorbildfunktion eigentlich sehr erbärmlich. seine fazit zur wm, “war das langweilig, war das schlimm, war das frauenhaft. die mädels sind ja erfolgreich, hübsch und sympathisch. doch ich kann das alles einfach nicht mit ansehen usw. usw.”
damit beweist er genau die worte der medienforscherin schaaf zur art und weise der männl. berichterstattung. 
nun ja, die höherwertigkeit des mannes muss ja irgendwie von machos wieder zurecht gebogen werden

ein böses foul leistete sich auch die formel 1-journaille. mercedes-pilot rosberg sei ein chauvi. diese nachricht geisterte in den medien. er habe frauenfußball mit paralympics verglichen. hoffnungslos reaktionär sind aber wohl vor allem die reporterkollegen in einer der letzten männerbastion fußball. so liest sich zumindest die abschrift eines tonbandprotokolls vom interview (quelle: watch-salon d. journalistinnenbunds)
http://www.nicorosberg.com/2011/06/nico-rosberg-hier-durch-bekommt-ihr-mal-einen-eindruck-vom-haifisch-becken-formel-1/

anne  on  07/02  at  09:41 AM

Ich finde es nicht gut, wenn behauptet wird, Frauenfussball sei besser als Maennerfussball. Wir Frauen wissen doch, dass wir koerperlich nicht ganz mit den Maennern mithalten koennen. Daran haengt doch nicht die Emanzipation der Frau. Ich faende es viel souveraener und selbstbewusster, wenn Frauen diese Tatsache einfach anerkennen wuerden. Sonst hat das immer so den Geschmack von tiefsitzenden Komplexen, die kompensiert werden muessen. Das ist total uncool.

Andrea Lemmip  on  07/07  at  10:39 AM

die gestrige fs-sendung `hart, aber fair` zum fußball hat einmal mehr die realität gezeigt; wie macho/männer ihre einstige domäne männerfußball mit verbissenheit verteidigen: `männer/fußball ist jungssport - rotzen und der stinkefinger gehören einfach dazu. die negative, abwertende einstellung vieler männer zum fußball ist mir hinlänglich aus der internet-community und männerpresse bekannt. doch nichts neues, nur dass dies jetzt auch öffentlich in einer fs-sendung sichtbar wurde.

deutlich sichtbar wurde auch: nicht nur der mediale blick ist von einer männlichen perspektive geprägt, auch in der gesprächsrunde kamen die frauen (wie üblich) zu kurz. mit sabine töpperwien   und bärbel wohlleben als den einzigen beiden frauen befanden sich die männer deutlich in der überzahl und waren auch in der diskussion weitaus präsenter. es wurde in der sendung mehrmals betont, dass frauen anders fußballspielen (göttin sei dank).
`an einer gelassenen und zu scherzen aufgelegten ex-fußballspielerin bärbel wohlleben, die mit einem weniger ausgeprägten geltungsbedürfnis punktete, zeigte sich, dass sie auch anders diskutieren.´ (welt)

genau, auch da punkten die frauen: gut gekontert hat die EMMA auf “fußball ist ein jungsspiel, da gehören rotzen und der stinkefinger einfach dazu (hajo schumacher) - das hätte der mann doch gleich sagen können. dann hätten fußballreporterin sabine töpperwien und fußballpionierin bärbel wohlleben ihm denselben zeigen und in ruhe über die spiele reden können.”

http://www.welt.de/fernsehen/article13472372/Rolf-Toepperwien-als-grosser-Frauenfussballversteher.html

anne  on  07/07  at  12:03 PM

Im Gegenteil, daß Männerfußball besser sein soll als Frauenfußball vertreten vehement die meisten Männer und beziehen sich auf ihre Muskelstärke.
Sie sind es doch, die den Frauenfußball schlecht machen, der von vielen nicht akzeptiert wird.  Es sind Männer, die Äpfel mit Birnen vergleichen. 

Ich glaube schon, den Frauen ist bewusst, daß sie aufgrund ihrer körperlichen Konstitution mit der Härte des Männerfußballs nicht mithalten können.
Sie spielen einen anderen Fußball, d.h. sie zeigen auch ein anderes Spielverhalten, jenseits von Stinkefinger, Spucken, Machotum. Hier müssten sich eigentlich Männer emanzipieren, um einmal den besseren `Fußball` zu zeigen, wovon sie ja so überzeugt sind..

Kürzlich in einem Interview sagte der Fußballtrainer eines Frauenteams, “er wünsche sich, daß sein Frauenteam einen Fußball spielen würde wie das Team aus Nigeria”, das erstmals anläßlich einer WM brutalen Männerfußball zelebriert hat (Deutschland/Nigeria). Dieses Frauenteam wird von einem Fußballtrainer trainiert, der die Frauen auf Härte, Fouls und Männerfußball eingestellt hat. Nein danke!

Ich wünsche mir, daß es zukünftig mehr Fußball-Trainerinnen gibt.
Mein Fazit zur Frauen-WM ist, daß es eine Menge Männer gibt, die in der alten 50er-Jahre-Schleife
herumdümpeln und Frauen lieber wieder zurück an den Herd wünschen. Fußball ist Männersache!
Und Männer mögen sich nicht emanzipieren bzw. sie hassen Emanzipation, weil SIE sich ja für die Besseren halten.. (natürlich bis auf die Ausnahmen) 

http://www.faz.net/artikel/C32278/pia-sundhage-frauen-werden-den-maennerfussball-voranbringen-30445736.html

Amy  on  07/07  at  05:56 PM

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