Über den Autor

FrauenbildMein Buch “Das Deutsche als Männersprache” gibt es nun schon seit 26 Jahren. Obwohl es viel gekauft wurde und wird, hat es anscheinend wenig bewirkt.  Dass die Frauensprache in diesen 26 Jahren nicht recht vorangekommen ist, erkenne ich deutlich an dem Amazon-Kurztext über mein Buch:

Kurzbeschreibung
Die feministische Linguistik entlarvt die Geschichte und Struktur der Sprachen als Männergeschichte und Männerstruktur. Die feministische Linguistik fundiert und dokumentiert die sprachkritische, sprachschöpferische und sprachpolitische Arbeit der Frauen. Speziell zum Deutschen gibt es bislang nur die wissenschaftlichen und journalistischen Arbeiten der Konstanzer Linguistin Luise F.Pusch, die hier erstmals gesammelt vorgelegt werden.

Über den Autor
Luise F. Pusch, geb. 1944, Professorin für Sprachwissenschaft und freie Publizistin.

Viele erboste Leserinnen haben mich schon auf diese coole Unverschämtheit aufmerksam gemacht, und beschwert habe ich mich auch schon bei Amazon:

Dear Amazon,
FemBio.org ist eine feministische Website und hat viele Links zu Amazon. Wir bekommen häufig Beschwerden, dass Sie bei den Angaben zu den Büchern immer schreiben: “Über den Autor”, obwohl es sich meist eindeutig um Autorinnen handelt. Das stößt potentielle Kundinnen förmlich ab. Heute schrieb mir eine Benutzerin, sie würde mein Buch “Frauengeschichten” erst dann kaufen, wenn darunter geschrieben stünde “Über die Herausgeberinnen” - denn tatsächlich sind es zwei Frauen, die das Buch herausgegeben haben.
Bitte geben Sie den Verlagen für das Einstellen ihrer Bücher zusätzliche Optionen wie “Über die Autorin / Autorinnen / Herausgeberin / Herausgeberinnen”.

Ein Herr von Amazon antwortete mir:

Guten Tag,
vielen Dank für Ihre Anfrage …..
Ich habe eine Kopie Ihrer E-Mail Im Hinblick Ihres Wunsches bezüglich des Hinweises “Über die Autorin / Autorinnen / Herausgeberin / Herausgeberinnen” an die zuständigen Kollegen weitergeleitet.
Wir hören gerne wieder von Ihnen.
Konnte ich Ihr Problem lösen?
Wenn ja, klicken Sie bitte hier:
Wenn nein, klicken Sie bitte hier:

David Winter, Amazon.de Partnerprogramm

Ich habe “nein” angeklickt und nie wieder etwas zu meinem Anliegen gehört.

Wie frau an David Winters gedrechselter Schreibe (“Kopie Ihrer E-Mail Im Hinblick Ihres Wunsches bezüglich des Hinweises” undsofort) unschwer erkennen kann, beherrscht er die deutsche Sprache nicht besonders gut. Mein Anlauf prallte vielleicht nicht nur an seiner kaltschnäuzigen Gleichgültigkeit ab.

Mein erster Verlag, der mit “Deutsch als Männersprache” noch immer recht gut verdient, hat auch niemals seine Vertragsformulare geändert, auf denen steht:

Vertrag zwischen dem Verlag und Luise F. Pusch, im folgenden “der Autor” genannt.

Als ich mich mal darüber beschwerte, wurde ein Satz eingefügt, wonach mit “Autor” auch “Autorin” gemeint sei, der Rest blieb unverändert - wir kennen das.

Mein zweiter Verlag war da entgegenkommender. In meinen Verträgen werde ich höflich als Autorin bezeichnet - das bedarf wirklich keiner Mühe und sollte heute eine Selbstverständlichkeit sein.

Weniger einfach ist eine gerechte und zugleich stimmige und elegante Lösung im folgenden Fall zu ermitteln - das Deutsche ist halt immer noch eine Männersprache. In diesem Monat hat mein Verleger ein Buch herausgegeben mit dem Titel: “Seiltanz: Der Autor und der Lektor”.
Ich war ehrlich gesagt ziemlich erschüttert. Ich bin eine Autorin dieses Verlags und habe seit drei Jahren immer nur mit meiner Lektorin zu tun. Die Verlagsankündigung beschwichtigt allzu düstere Vorahnungen mit der Formulierung:
“Deutsche Autorinnen und Autoren schreiben in diesem Band über ihre Arbeit mit dem Lektor.” Mehr hier.
Die namentliche Aufzählung der Mitwirkenden ergibt, dass auf je drei Autoren eine Autorin kommt.

Wie hätte der Verleger sein Buch denn sonst noch betiteln können? Ich hätte folgendes vorgeschlagen:

FrauenbildNicht was viele jetzt denken mögen. Nein - nicht “AutorInnen und LektorInnen”. Erstens mögen Liebhaber der deutschen Sprache das große I nicht - das ist nur was für den schnelllebigen Journalismus, nichts für die Ewigkeit, die für ein Buch erhofft wird. Außerdem soll ja eine Beziehung zwischen “Autor” und “Lektor” angedeutet werden, und sei es auch nur die Arbeitsbeziehung. Dieser Aspekt geht bei der Pluralformulierung irgendwie verloren.

Auch hätte ich einfühlsam auf kühne Vorschläge wie “Das Autor und das Lektor” verzichtet - das mögen die Sprachliebhaber erst recht nicht. Und das umfassende Femininum “Die Autorin und die Lektorin” ist zwar unbeschreiblich weiblich, kommt aber auch nicht überall gut an, obwohl alle Männer immer herzlich mitgemeint sind.
Keine radikalen Vorschläge also diesmal, sondern nur: Immer schön abwechseln, und zwar im Singular, und wir bekommen dieses:

Die Autorin und der Lektor
Oder meinetwegen auch
Der Autor und die Lektorin

Ich finde, das klingt viel interessanter als das “geschlechtsneutrale” Der Autor und der Lektor. Da ist doch Musik und erotische Spannung drin - und alle werden fragen: “Wieso denn Autorin?” Oder “Wieso denn Lektorin?” Und der Herausgeber braucht nur noch vielsagend zu lächeln und die reichlich fließenden Gelder einzustreichen.

Und zum traurigen Ende: Was soll frau davon halten, wenn Christa Wolf ein Buch mit dem Titel “Die Dimension des Autors” veröffentlicht? 1986 haben wir Feministinnen uns heftig darüber aufgeregt, dass “unsere Christa” sich diesen Fauxpas geleistet hat. Aber inzwischen ist es für reuige Einkehr vermutlich zu spät. “Die Dimension der Autorin” ist ihr vielleicht zu leibhaftig.

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# | Luise F. Pusch am 07/30 um 11:29 PM

liebe Luise , wie schön, dass es dich gibt !

so geht es vehemt sprachlich lustig weiter mit der `männerschublade`. das zitat `männer können nicht zuhören` zeigt nicht nur der amazon überdeutlich, nein,  männer `wollen` nicht zuhören. es scheint ihnen lästig zu sein, frauen sprachlich sichtbar und als selbst/ständiges individuum anzunehmen bzw. i.d. dt. männersprache darzustellen. das `-in` es ist ja soo unbeqem anzuwenden, denn bei jeder anwendung assoziiert mann gedanklich `zum weiblichen`, ruft die anwesenheit von `frauen/dasein` ins gedächtnis und das scheint vielen körperliche kopf/schmerzen zu bereiten?
so ergeht es mir häufig, wenn mir newslettas von ....zugeschickt werden - die direkte anrede lautet meistens `liebe freunde `-  manchmal haben meine schriftl. proteste erfolg und die nächste newsletta lautet `liebe freundinnen und freunde`. auch hier ist man/frau häufig zu bequem, bei der übersetzung aus dem engl. ins deutsche uns frauen direkt anzusprechen. 

ich hoffe sehr, dass auch andere frauen heftigst protestieren und die verlage, die zeitungshäuser - überall dort, wo wir sprachlich ausgemerzt werden - pausenlos um korrekturen erbitten. allein unsere zahlreichen proteste könnten hie und da im männlichen bewusstsein der redakteure, journalisten, autoren, lektoren platz einnehmen - schließlich brüstet sich mancher mann stolz mit der feststellung,  das männergehirn sei größer als das weibliche. also platz ist dort doch genügend vorhanden .....:-( oder gibt es für ihn doch nur das eine geschlecht?  das andere geschlecht wird eher als `gebrauchsgegenstand` , je nach lust und laune, sichtbar gemacht?
und gerade bei der neutralen sprachform zeigt mann beständig weitere lese- bzw. lern-schwächen.

ein full-time-job / so habe ich inzwischen gelernt / gegen die `ausmerzung` von frauen   nicht nur in der sprache anzugehen, und das insbesonder als weiblicher mensch. die meisten männerpostings sind mit häme und dümmlichen sprüchen gespickt - also nichts neues; 
wird aber endlich in größerem umfange frauenwirken z.b. in frauenporträts (dieStandard) sichtbar gemacht , unternimmt mann unter garantie die nächsten klöpse. in den postings erlebe ich selten anerkennung von männl. usern - übliche pubertäre bemerkungen, abwertung gegenüber frauenschicksale, frauenwirken seitens der maskulisten/antifeministen -  wie:  `wir wollen euch (das) in uniform sehen´ etc. und pp.

also, wir frauen sollten uns auch in der männersprache nicht von denen `uniformieren` lassen.

ich weise bei meinen protestschreiben auch gerne auf das `umfassende femininum` hin - ein faires angebot, immerhin sind männer (künstlerin) deutlich sichtbar mit/gemeint. die neue ard-sendung `deutschland, deine künstler` richtet uns ebenso auf das maskulinum ab - ich habe mir erlaubt sie darauf hinzuweisen, daß ich mit fräude vernommen habe, brillante künstler wie maffay und schneider sind nun endlich auch in den kreis bedeutender künstlerinnen aufgenommen worden.

“in der herrkömmlichen geschichtsschreibung und in allen abendländischen gesellschaften sind frauen unsichtbar gemacht worden: die namen und leistungen von frauen wurden vergessen, ignoriert, ausgelöscht. wir kennen zwar die geschichte der kaiser und könige, generäle und diktatoren und die jahreszahlen der kriege, die sie geführt haben (manche männer scheinen auf ihre zerstörerischen besonders stolz zu sein). 
überall begegnen wir männern in der literatur, kunst, wirtschaft, industrie, religion, wissenschaft, politik.”
” für nichts wird soviel reklame gemacht wie für männer . unentwegt erinnern sie an sich selbst: auf geldscheinen, briefmarken, gedenkmünzen, strassenschildern, in lexika, zitatensammlungen.”
(Luise F. Pusch)  - quelle frauenwissen.at
und das gilt ja auch für das deutsche als männersprache.
llg Anne - pardon f.d. abschweifen und die vielen zeilen und, und, und

Anne  on  07/31  at  01:36 PM

Ich wurde auch mal in einem Arbeitsvertrag als Mitarbeiterin und Frau bezeichnet. Vermutlich durch unachtsame Mehrfachverwendung derselben Vorlage. Ich hatte mich nicht darüber beschwert, nur amüsiert darauf hingewiesen, dass es da eine Diskrepanz zu meinem biologischen Geschlecht gibt.

Etwas anderes mag ich dagegen gar nicht: Wenn jemand mich mit dem Namen meiner Ehefrau anredet, nur weil er oder sie wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Ehepartner immer denselben Namen hätten.

Gondlir  on  07/31  at  05:16 PM

Dem Titel wäre ja schon sehr geholfen, wenn er auf Artikel verzichten würde.

Dominik  on  07/31  at  05:20 PM

Auch ich kann von Annes Statement ein Lied singen: unermüdlicher Protest geht fast täglich aus diesem Hause, besonders angetan haben es mir die Medien: In der heutigen Trauerveranstaltung zu den Love Parade Opfern gab es einmal völlige Gleichberechtigung der Geschlechter, in der Sprache und der Sichtbarkeit. Hannelore Kraft hatte gewichtige und bewegende Worte zu sprechen. Sobald wieder die Redaktion kommentierte, ein Moderator und ein Kommentator (diesmal n-tv), kamen nur noch männliche Begriffe vor, so als wäre soeben nichts gewesen. An diesem Beispiel zeigt sich überdeutlich, dass die Auffassungskraft des Mannes doch sehr defizitär ist.

Evelyn Thriene  on  07/31  at  05:57 PM

Ach, Luise, was bist Du doch hartnäckig… eben weiblich!!! Zum ersten Mal habe ich bei der Anmeldung in einer Gemeinde, als ich dahin zog, protestiert: Das Formular war rein auf Männer abgestimmt und so weigerte ich mich einfach, es auszufüllen. Es gab kein Formular für alleinstehende Frauen (ledige!!), sondern nur für solche mit männlichem Anhang. Also wies ich das Ding zurück und verlangte ein abgeändertes, da sonst meine Angaben nicht korrekt sein konnten. Es dauerte drei (3!) Monate, bis sich der Gemeinderat dazu durchringen konnte. Jahre später wurde ich dort die erste GemeinderätIN… (Das ist in der Schweiz das Bürgermeisteramt ausgefüllt durch 5 oder 7 Personen im Nebenamt.)
Der Gipfel bot aber die Universität St. Gallen, als ich dort mein MBA machte: Zuerst hatte “ER” die Prüfungen mit Erfolg bestanden, dann wurde mein Name falsch geschrieben, dann war der Name wieder richtig, aber ich wurde wieder zum ER und beim vierten Anlauf klappte es dann.

Nachdem Sprache Ausdruck der inneren Haltung/Einstellung ist, können Frauen nun getrost zu Kenntnis nehmen, dass wir völlig unwichtig sind - bis zu dem Moment, wo einer ein Bobole, ein Hemd zu bügeln oder ganz einfach Druck unter der Gürtellinie hat… Die Missachtung reicht - trotz aller Beteuerungen - bis weit hinauf in die kakademischen Ränge. Da lob’ ich mir die Schweizer Gesetzgebung, die geschlechtsneutrale Bezeichnungen oder die Doppelnennung schlicht und einfach vorschreibt. So sind wenigstens in allen amtlichen Texten die Frauen nicht mehr einfach mitgemeint!
In Dankbarkeit für Deine Unermüdlichkeit
Dürr

Dürr  on  07/31  at  08:48 PM

Dann aber auch bei der hier im Blog geschalteten Werbung aufpassen, die beworbenen “Rechtsanwälte” sind nicht nur solche ;-)

kulinaria katastrophalia  on  07/31  at  09:36 PM

@kulinaria katastrophalia:
Stimmt -aber die eine Frau unter den 3 RechtsanwältInnen heißt immerhin mit Nachnamen Herr ;-)
Ganz dumme Kalauerin, aber ich konnte mir das nicht verkneifen.
Liebe Grüße an alle Autorinnen!
lfp

lfp  on  07/31  at  10:35 PM

Meine Erfahrungen mit dem Maskulinum in der DDR lassen sich, nach 7-jähriger Beobachtung als Westfrau im Osten, folgendermaßen zusammenfassen:
Die weibliche Form wird als diskriminierend empfunden, da sich die Frauen den Männern beruflich einstmals völlig gleich fühlten und es ein Merkmal der damaligen Gesellschaft war, das Maskulinum innerlich und unbewusst vollkommen als Neutrum anzunehmen und zu benutzen. Das “in” als Suffix erscheint ihnen altmodisch, da es auf die Zeit vor der DDR rückverweist, verniedlichend, da sie sich darunter die Frau der früheren Zeit, beruflich beschränkt auf niedliche Frauenberufe, mit wenig Körperkraft, vorstellen, während in der DDR die Frauen Chef, Traktorist, Kranführer, Lagerfachgehilfe, Mechatroniker, usw. Waren. Alle diese ehemaligen Männerberufe, gerade erst für Frauen erobert, mit einem “in” zu versehen, hätte ihnen geklungen, als sollten sie dann auch weniger wert sein. Ich bin 100 %ig davon überzeugt, dass die Gefühle der noch in der DDR sozialisierten Frauen und ihrer Töchter sich in dieser Art gegen das “in” als eine mögliche Abwertung wenden und sie daher die maskulinen Bezeichnungen als “gleichberechtigter” empfinden. Seit Einführung des Wertesystems der “Besatzungsmacht”, wird nun erfolglos überall das “in” anzufügen versucht. Je wichtiger den Frauen der Gleichberechtigungsanspruch (meist eingeschränkt auf das berufliche Leben) ist, desto stärker sträuben sie sich gegen das “in”, das große I finden sie allerdings “noch alberner”. Vermischt mit den konservativen Rückentwicklungen in unserer westlich sozialisierten Bevölkerung, hat nun die 89-er Wende die allgemeine kritiklose Wiedereinführung des Maskulinums für beide Geschlechter befördert. Ich könnte durchdrehen, wann immer ich das höre, aber am umgekehrten und feminisierten Sprachduktus erkennen mich alle DDRlerinnen schon von Weitem als Westfrau, sie sehen solche Probleme als bürgerlichen Luxus angesichts der 60-70 %igen Frauenarbeitsplatzvernichtung nach 89.

Dies ist zumindest mitzubedenken. Vor einem Jahr habe ich als Frauenverein LISA e.V. (Lesben in Stralsund aktiv) ans Frauenministerium einen Förderantrag für 2000.- gestellt, damit wollte ich einen Kongress zum Thema “Ungleichheit Frauensprache-Männersprache” durchführen. Ist abgelehnt worden mit der Begründung, das sei kein frauenspezifisches Thema.  
Grüße, Anja

Anja  on  08/01  at  03:25 PM

Meiner Meinung nach ist das “In” durchaus nicht “albern”. Es ist eine Möglichkeit, Frauen endlich SICHTBARER zu machen.

Vielleicht fehlt manchen Frauen noch das Selbstbewußtsein für das “In” und sie finden es deshalb albern und damit unpassend ?

Gruß,
Trip

Trip  on  08/01  at  06:45 PM

Tageseintrag 13.1o.1953 im Arbeiter- und Bauernstaat ” In der DDR wird 42 Arbeiterinnen und Arbeitern aus Anlaß des `Tags der Aktivisten` der Titel `Held der Arbeit` verliehen. Insgesamt gibt es in der DDR rd. 6oo.ooo Aktivisten , die sich in den Betrieben für eine Steigerung der Arbeitsproduktivität engagieren.”
Hier haben die Herren unter den Arbeiterinnen noch differenziert.

Als Frau möchte ich auch mal gerne differenzieren, sonst könnten wir uns ebenso den Begriff `Frau` ganz ersparen? Nach etlichen Jahrzehnten , sichtbar eingeschlossen im Regime mit Mauerbau ,Stacheldraht und Verfolgung,  könnte frau dort den Spieß einfach umdrehen - entweder das Maskulinum ganz abschaffen und das Femininum erstmals im Zuge der Gleichberechtigung gänzlich übernehmen (damit sich die Mehrheit daran gewöhnt,daß es auch Frauen gibt. Mit viel   Gebrauch von `in ` im Deutschen könnte das in aller Bewusstsein übergehen.)
Oder frau setzt sich gleich für die neutrale, gerechte Sprache ein, um die Luise F. Pusch sich seit Jahrzehnten bemüht: 

“Birgit ist eine gute Student; ihre Professor ist sehr zufrieden mit ihr. Früher war sie übrigens Sekretär bei einer Architekt und dann bei einer Rechtsanwalt. Für ihre Dissertation suchen wir noch ein zweites Gutachter, am besten ein Dozent, das sich in feministischer Theorie auskennt.”

So bedeutet also auch, daß nur typische Männer- Berufe, mit körperlicher Kraft ausgeführt , hochwertig, identitätsstiftend sind, während alle anderen Berufe eher `verniedlichen`?
Auch Frauen in der BRD haben während des Krieges und in der Nachkriegszeit jahrelang ebenfalls typische Männerberufe und schwere körperliche Aufräum-Arbeiten übernommen - als die Städte in Schutt und Asche lagen, fühlten sich dadurch sicherlich als Kranführererin, Maurerin, Bauarbeiterin, Fabrikarbeiterin usw.,  während das Maskulinum in brutalster Manier die Welt in Schutt und Asche legte. 

Und Bäuerinnen? wie viel körperliche und schwere Arbeiten haben z.B. Bäuerinnen (u.a. im Westen) neben dem Kinderkriegen, Haushalt,  verrichten müssen. War das auch eher ein niedlicher Beruf?
Frauen haben ebenso in `typischen` Frauenberufen in den Fabriken (Packerin, Fliessband, Wäscherin, Büglerin, Krankenschwester, Pflegerin) körperlich schwer arbeiten müssen, nach dem Krieg galt für viele Jahre die 50-Stunden-Woche und mehr.

  Könnte es eher sein, dass Frauen im sprachl. Femininum unter zu wenig Selbstwertgefühl leiden? 
Wenn ich heute in ein Seniorinnen-Zentrum gehe und alte Menschen besuche, sehe ich viele alte, erschöpfte, körperlich kranke, arme Frauen der Generation um 1920 aufwärts , die ihre Gebrechen insbesondere durch ihre geleisteten körperlichen Schwerstarbeiten - auch in typischen `In-Berufen ` - erfüllen mussten. Und das fernab einer Zeit, in der es keine Luxusgüter für jedefrau wie heute gab…, die Frauen-Arbeiten wesentlich erleichterten.

Wie gut , dass Berlin an die Trümmerfrauen erinnert: zwei Bronzefiguren, geschaffen von Fritz Cramer 1958, Aufbauhelferin und Aufbauhelfer vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte verkörpern die zweite Generation, die sog. NAW-Helferinnen der 50iger Jahre in Ost-Berlin. Heute erinnern nur noch die Trümmerberge in Berlin an die starke Leistung der Frauen. In Dankbarkeit den `Berlinerinnen` gewidmet, die nach dem 2. WK die Trümmer der zerstörten Stadt beseitigten und damit ihren Wiederaufbau begründeten.

Das schreibe ich, weil mich die obige Begründung und Einschätzung zu `niedlichen` Frauenberufen regelrecht auf die Palme bringt.

Wo bleibt unser FrauenBewusstsein , frauenzentriertes Denken auf dem Weg zur gerechten Sprache - ich frage mich, wie kann eine Frau bei Anwendung des (sprachlich) Femininum `in ` Minderwertigkeit empfinden? 

http://www.mdr.de/mdr-info/6746434.html

lg Amy -  Autorin, Arbeiterin, Feministin, Protestiererin

Amy  on  08/01  at  07:36 PM

“Die Autorin und der Lektor” bzw. “Der Autor und die Lektorin” geht nicht!
Wer frech ist, schreibt dann in einer Firma, wo die Geschlechter in Position und Anzahl ausgeglichen sind, “schicke mir den Abteilungsleiter und die Sekretärin”
Es gibt kein “entweder oder” und kein mitgemeint.
Wäre ich Sekretär, dann wäre ich verdammt sauer. Dass Frauen, die sowieso im Kompromiss zu ihren Lasten erzogen wurden/werden, mit “Abteilungsleiter” weniger Probleme hätten/haben wundert mich nicht.
In einer Zeit, wo das sprachliche Bewusstsein in unsere Gehirne eingezogen ist, ist “Die Autorin und der Lektor” eindeutig besetzt. Da braucht niemand daher zu kommen und zu sagen “mitgemeint”
Bei “der Hochofenarbeiter und die Lehrerin” ist auch nicht die “Hochofenarbeiterin” mitgemeint, -zumindest nicht in Österreich- weil Frauen diesen Beruf nämlich gar nicht ausüben dürfen!
Der Satz hieße also richtig und eindeutig “der Hochofenarbeiter und die/der LehrerIn”
Fazit: Mit dem Abwechseln geht ihr im Krebsgang rückwärts und landet in einer schlimmeren sprachlichen Zeit als “Der Autor und der Lektor!” jemals waren.
Zu bedenken: Die Sprache transportiert unsere Geschichte! Was werden die empirischen SozialforscherInnen in der Zukunft über unsere Zeit schreiben, wenn wir uns WeicheierStock hörig, dem sprachlich gestrigen Patriarchat unterwerfen?
Katastrophal: Frau mag’s mal wieder ihrem angehimmelten Vater recht machen, damit er mit ihrem neuen Selbstbewusstsein nicht überfordert ist?

Klaus  on  08/02  at  08:14 AM

Liebste Freundinnen,
es sind die SCHLECHTBEZAHLTEN Berufe, die ein schlechtes Image haben, und die den Frauen, die mit sowas geschlagen waren, (heutzutage noch froh sein müssen, nicht HIV/Hartzerin zu sein) ein entsprechend schlechtes Selbstbewusstsein vermittelten bzw. das sich-selbst-nicht-wichtig-nehmen der betreffenden Frau praktisch erzwingen.
Und das waren in West und Ost verschiedene Berufe.
Gleich war nur, wie im Beispiel der Bäuerin/West, dass körperliche Stärke kein Schutz vor Geschlagenwerden, Vergewaltigtwerden und der Zwangerschaft war und ist.
Taktik, Teil restringierten Codes, ist das Nicht-hinsehen, und wenn schon mal erwähnt, formelhaftes Beschönigen.
Kommt den Männleins, die Formulare entwerfen, und den Werbefritzen natürlich entgegen.

Und leider hast Du recht, Luise, die simpelsten Grundlagen der Frauenbewegung der 1980iger sind genauso vergessen wie uns damals die der 1920iger waren.

Rune Olwen  on  08/02  at  08:20 AM

@amy: Ja, die Gehirnwäsche funktioniert wunderbar! Bis etwa dem 10. Jh. n.Ch. wurde das Wissen und die Arbeitskraft der Frauen noch anerkannt. Mit der Verbreitung des Christentums kam die Verteufelung der Frau als “Ursprung allen Uebels”. Damit ging einher eine Verarmung und De-Sozialisierung der Gesellschaften in dem Masse, wie das Christentum die alten Sitten und Bräuche (die ja alle einen sinnvollen Hintergrund hatten, etwa Speisevorschriften, Schonung der Umwelt usw.) und damit die sozialen Funktionen der weisen Frauen eliminierte und diese von Männern übernommen wurden. Stichworte: Beulenpest, Umweltkatastrophen, Kindbettfieber, Hungersnöte etc. Die Frauenfeindlichkeit des Christentums zerstörte die sozialen Strukturen, wie das keltisch/normannische Mutterrecht, was wiederum zu Not und Armut führte. Schliesslich glaubten/glauben die Frauen, dass der Mann der bessere Mensch sei, Frauen aber dumm, einfältig, schwach, unfähig etc.pp - wir kennen das. Der Mann wurde als Ebenbild Gottes gepriesen (Und so sieht die Welt heute auch aus!!), er hatte alle Macht und machte daraus das, was wir heute an Elend, Zerstörung und Chaos erleben und sehen.

Männer können zwei Dinge. Das Erste: Mit toter Materie umgehen (Technologie). Das Zweite können sie sogar perfekt: Zerstören, töten, vernichten, ausrotten. Zu allem anderen sind sie schlicht unfähig. Solange aber Maschinen vor Menschen Priorität haben, Anhäufung von Besitz das höhere Ansehen geniesst als eine gerechte, sinnvolle Verteilung der vorhandenen Ressourcen, solange Frauen und ihre Kinder der Willkür der Männer ausgeliefert sind, anstatt dass die Mutter die Starke und Beschützende sein kann - solange werden Frauen glauben, “weiblich” sei minderwertig gegenüber dem “männlichen”. Im Uebrigen zeigt eine kurze Analyse der Definition “Männlich”, dass alles das, was hier hochgelobt wird, auf Männer nur in ganz seltenen Ausnahmen zutrifft, hingegen auf Frauen fast immer. Es sind die exakt gleichen Märchen, die uns Frauen von klein auf aufgetischt werden. Wer hat sie geschrieben? Männer! (Darum küsst im Märchen die Prinzessin einen Frosch. Als ob Frauen jemals Frösche küssen würden! Frauen küssen, wenn sie küssen, immer nur Prinzen, bloss hockt nachher ein Frosch da, dick, fett, kalt und mit einem Riesenmaul…)
lg Dürr

Dürr  on  08/02  at  10:07 AM

@any: Noch was zu den Trümmerfrauen: Das Wort entstand nach dem 2. Weltkrieg. Die ARBEIT, die dahinter steckt, gibt es schon seit ca. 5000 Jahren. Seit dem Beginn des Patriarchats haben die Frauen hinter den Männern hergeräumt. Nach jedem Krieg, zu Hause und überhaupt. Und sie tun es bis heute. Es ist das ERSTE MAL in der Geschichte des Patriarchats, dass diese Leistung in einem Land offiziell anerkannt wurde. Was hingegen die Entschädigung der Frauen anbetrifft, so ist es einfach nur eine Schande, wie sie abgespeist wurden. Diejenigen, welche als professionelle Mörder in Uniform die Zerstörung angerichtet haben, haben fette Pensionen kassiert. Und wer sass in den Regierungen? Männer.

Die Verniedlichung und Herabsetzung der “Frauenberufe” hat exakt das gleiche Ziel: Kleinmachen, unten-behalten. Alle diese Arbeit, die Frauen in den “Frauenberufen” erledigen, können Männer gar nicht leisten, weil sie schlichterdings den Grips dazu nicht haben. Anfang 90-er Jahre haben die Frauen in der Schweiz einen FrauenstreikTAG (!) ausgerufen. Die Reaktion der Männer war geradezu hysterisch! Einen TAG ohne Zudienen der Frau zu sein, so schien es, würden die Helden nicht überleben. Es gab bis zu Morddrohungen! Eine Familienmutter, die mal streikt, versetzt den Göttergatten in hellste Aufregung, bis hin zum Durchdrehen. Und eben WEIL die Frauenarbeit durch Männer gar nicht geleistet werden könnte, müssen die Frauen klein gehalten werden, sonst würden die Männer ihre viel zu hohen Löhne verlieren, die ihnen ausbezahlt werden (verdienen tun sie sie sowieso nicht). Frauen aber, die genügend Ressourcen selbst erarbeiten können, lassen sich nicht von einem Männchen herumkommandieren, sekieren und sexuell gebrauchen. Sie begegnen Männern auf gleicher Augenhöhe - und genau das vertragen die patriarchalen Männer nicht, denn dann müssten sie auch einmal selber etwas bieten, und das würde dann wirklich schwierig…
lg Dürr

Dürr  on  08/02  at  10:23 AM

Auch wenn - wie o.a. im Text von Anja angeführt - sich im Osten die Frauen beruflich den Männern gleichgestellt fühlten,  wurde in den Familien zumeist die typische Rollenverteilung weiter gelebt.  Frauen waren mit der Doppelbelastung von Beruf , Hausarbeit, Kindererziehung beschäftigt, während Männer hier weniger Verantwortung übernahmen.
Diskriminierend ferner ein Satz, den ich oft höre “Frauen stehen ihren Mann” - nein, Frauen stehen ihre Frau, denn durch Berufstätigkeit, Kinderkriegen, Kindererziehung, Hausarbeit leisten bzw. leisteten sie mehr als Männer. Das wird bei dem Satz “Frauen stehen ihren Mann” so gar nicht sichtbar. Die Google-Suchmaschine kennt den Satz “Frauen stehen ihre Frau” nicht sondern verweist spontan auf “Frauen stehen ihren Mann”. 
Ein Grund mehr für die Sichtbarmachung des Femininum…, denn frau als ” Arbeiterin”  leistet neben ihrer Berufstätigkeit ein Vielfaches mehr an Familien- und Hausarbeit ! 


Nur falls von Interesse “Zitate zu `eine-frauen-ausmerzende-sprache”?
http://diestandard.at/1204643383045/Ansichtssache-Eine-Frauen-ausmerzende-Sprache?_slideNumber=1&_seite=

Amy  on  08/02  at  02:44 PM

@amy und anja: Zum Wert in Franken oder Euro der unbezahlten Frauenarbeit:
Die Schweiz hat 2000 - als bisher einziges Land der Welt - erhoben, wieviel die unbezahlte Arbeit zum Bruttoinlandprodukt BIP beiträgt. Man kam auf folgende Zahlen:
Unbezahlte Arbeit:
- jährlich 8 MilliARDEN Stunden (bei 7 Mio Einw.)
- oder 45 % der Bruttowertschöpfung der Schweiz!
- davon leisten die Frauen 2/3 oder 64 %
- oder 30 % der Bruttowertschöpfung
- es werden insgesamt mehr Stunden unbezahlt geleistet als bezahlt.
- Der in Franken umgerechnete Wert beträgt 41 % des BIP oder 263 MilliARDEN Franken.
- Davon leisten die Frauen 175 Milliarden, GRATIS!
- Das sind volle 28 % des schweizerischen BIP!!
(Zahlen vom Jahr 2000!)

Genaueres zur Wertberechnung u. andere Info unter:
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/20/04/blank/key/sat_kont/04.

Das kann man ruhig auf Deutschland oder Oesterreich um- und hochrechnen, die Grössenordnungen bleiben gleich. Macht man das, dann käme man für Deutschland (rd. 82 Mio Einw.) auf
- rund 94 MilliARDEN Stunden,
- bei einem BIP von 4034 Milliarden Euro (Jahr 2009) auf etwa einen Wert 1654 Milliarden Euro den die deutschen Frauen ohne Bezahlung erarbeitet haben.. (oder etwa das Doppelte von dem, was die Regierung kürzlich den Banken für ihre Zockerei in den H… geschoben hat…!!) Hat irgend jemand den Frauen dafür gedankt??! Anerkennung? Lob? Denkste.
Hausarbeit und Kinderbetreuung sind KEINE Arbeit, solange sie Frauen klaglos und gratis erledigen.
lg Dürr

Dürr  on  08/02  at  03:57 PM

@ Dürr
Danke für alle Hinweise. Die Zahlen sind erschreckend . Lt. Untersuchung lag der monetäre Wert der unbezahlten Arbeit im Haushalt (2ooo/o1), welche vom Stat. Bundesamt mit einem Nettolohn von 7 Euro bewertet wurde,  bei ca. 700 Mrd. Euro (Deutschland). Hinzu kommen Pflegezeiten,  Kinderbetreuung,  ehrenamtliche Tätigkeiten, soziale Hilfsleistungen usw. (nachzulesen in unbezahlte Arbeit ist Frauenarbeit)
Zu den Trümmerfrauen: Frauen räumen die Trümmer der Männer weg - diese Bezeichnung könnte im Lexika als Synonym gelten für sämtliche Hinterlassenschaften, die Männer nicht nur aufgrund von Kriegslüsternheit seit Jahrtausenden speziell den Frauen an Leid, AufräumArbeiten, Greueltaten, zugemutet haben. 

LG Amy

Amy  on  08/02  at  09:13 PM

Nicht nur in der DDR wird das weibliche “in” als diskriminierend empfunden. Auch in Oesterreich habe ich mit Frauen gestritten, die UNGLUECKLICH waren als sie ihren akademischen Titeln mit “in” bekammen, nachdem andere Uni-Frauen jahrelang darum stritten eben dies zu bekommen:-(

Alison  on  08/03  at  01:52 AM

... liebe Luise, danke für ihren blog und ihre unbeirrte sprach-arbeit und ihren humor.
ihr buch “das deutsche als ... las ich das 1. mal kurz nach erscheinen und ihre inhalte haben sich über all die jahre unauslöschbar in mein hirn “gebrannt”.

kürzlich habe ich es zusammen mit anderen ihrer bücher, ja bei amazon, neu gekauft (durch diverse umzüge geht halt manches über die jahre verschütt)

gibt es eine möglichkeit z.b. hier eine art “petition” mit unterchriftensammlung für amazon zu sammeln und denen dann zu “übergeben” - damit die vielleicht auch endlich mal eine “gerechtere sprache” überhaupt anerkennen und dann mal umsetzen ?
wenn ich da als frau alleine denen das maile ... dann interessiert die das ja auch nicht.

herzliche und fräudige grüsse

Angelika  on  08/03  at  02:54 AM

@Angelika: genau deshalb boykottiere ich Amazon schon seit längerem. Nach mehreren Mails, die immer 08-15-Antworten erhielten, gab ich auf und berücksichtige jetzt eine Buchhandlung, die einer FRAU gehört. Kostet etwas mehr, dafür hat sich eine wunderbare Frauenfreundschaft entwickelt, die mind. das millionen-fache dessen wert ist, was ich sonst “gespart” hätte! Amazon habe ich informiert, doch das interessiert sie nicht… (Im Uebrigen: Ich berücksichtige grundsätzlich immer Frauengeschäfte, soweit es nur geht.)

Noch etwas zu den akademischen Titeln: In der Schweiz werden die Titel nicht mehr gesagt oder geschrieben. Grund: Die Herren empfanden es als Zumutung, den Frauen in den Firmen den Titel zu sagen und zu schreiben. Also beschloss mann, das ganz abzuschaffen. O-Ton eines CEO: “Frau Doktor, wie das tönt! Nein, meine Herren, die Weiber sollen bleiben was sie sind, wenigstens in den Anreden!” Und jetzt wissen wir ja auch, worum es geht, oder?
lg Dürr

Dürr  on  08/03  at  09:25 AM

zum einen: die Prinzessin wirft den Frosch an die Wand. Es war der Frosch, der geküsst werden wollte, nachdem er bereits neben ihr am Tisch gesessen und in ihrem Bett geschlafen hatte. War der Frosch ausverschämt? Was darf man verlangen für die Rettung einer goldenen Kugel?

Zum anderen: “Was nützt uns Frauen die ganze Qualifizierung, wenn sie keine wichtigen Männer aus uns macht?” Sinngemäß steht dieser Satz in einer alten Glosse aus DDR-Zeiten: die Protagonistin soll einen Bericht verfassen, wie toll die Frauen es haben in ihrem Betrieb, und sie zählt auf, was aus den ganzen qualifizierten Frauen geworden ist: die eine hat geheiratet und muss für den Mann sorgen (“sie hat einen Mann geheiratet!” “Ja und?” “Hätte sie eine Frau geheiratet, wäre das etwas anderes, eine Frau kann für sich selbst sorgen, aber so…”), die andere kriegt Kinder und selbige dann die Masern (“Warum kann der der Mann nicht auf die Kinder aufpassen?” “Das geht nicht, der fäht den Betriebsbus” “Ach so, das geht dann natürlich nicht”),  und so weiter. Leider ist das eine seltene Perle des DDR-Humors. Der Alltag sah anders aus, und auch die humoristische Veredelung desselben: das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann.

undine  on  08/03  at  12:37 PM

göttin, göttin - zu welchen - zumeist äusserst negativen - abwehrreaktionen doch zwei kleine buchstaben (In) seit beginn der feministischen sprachkritik führen. und das, weil frau der männersprache auf den grund geht, sie endlich entpatrifizieren will.

wie Luise sagt: “gute frauenpolitik erkennt frau am geschrei der männer. am lautesten war schon immer das geschrei über feministische sprachpolitik.”
http://www.luisepusch.de/sprache.html
ich meine, gerade die geschichte und das wissen über die frauenbewegung, feminismus, fem. sprachpolitik, errungenschaften ... gehört dringend in den schulunterricht.  die frau ist nicht der rede wert - gilt das nicht für die gesamte herrkömmliche geschichtsschreibung und diese wird im Schulunterricht, in den Medien weiter vermittelt?
wir kennen die geschichte der verfolgung von menschen aufgrund ihrer hautfarbe, rasse, religion -  hier wird aufgearbeitet und nicht vergessen . die geschichte DER FRAUEN , die von anbeginn des patriarchats u.d. christl. lehre mit frauenhass, frauenabwertung, diskriminierung, verfolgung, zweitrangigkeit, homophobie, gebärzwang, (sex.) männergewalt, unterbezahlung,  zwangs-/trümmerarbeiten bestimmt ist, bleibt fast unsichtbar - so, wie frauen in unserer männersprache unsichtbar gehalten werden. es vergeht keine woche, in der die medien z.b. im fs fulminant über eroberungskriege, herrscher, unsere herrenkultur mit stolz und pathos berichten .
die faktensammlung, die meist vermittelt wird und sich im wesentl. auf die eckdaten v. herrschern, kriege, zerstörung beschränkt, trägt doch mit dazu bei, dass das patriarchale weltbild immer weiter tradiert.

aber die geschichte DER FRAUEN interessiert die wenigsten, die frau und ihre geschichte ist - wie in der männersprache - nach wie vor nicht der rede wert?

wie wichtig, dass hier bei FEMBIO auch die geschichte, die schicksale der frauen, u.a. das diskriminierungssystem durch das patriarchat mit hunderten frauenporträts sichtbar gemacht werden.

danke an Luise und Joey für den unermüdlichen einsatz ...!  llg Anne

“geschichte ist ein prozess, eine rekonstruktion der vergangenheit aus heutiger sicht. der feministische blick ist dabei wesentlich. denn ohne eigene geschichte ist uns frauen die möglichkeit einer kollektiven identität und eines historischen selbstbewusstseins abgeschnitten.
denn jede frau ändert sich, wenn sie erkennt , dass sie eine geschichte hat.” Gerda Lerner, fem. forscherin

Anne  on  08/03  at  01:48 PM

Nachtrag: ganz informativ zum thema “ddr - musterland der emanzipation?” - hier auch die gleichen patriarch. abwehrmechanismen, die frauen in ihren emanzipationsbestrebungen von vielen männern erfahren ...

trotz aller vorteile war maßstab der gleichberechtigung männlich bestimmt.

“hausfrauen gab es also nur sehr wenige i.d. ddr. es muss vergleichsweise berücksichtigt werden,  dass aufgrund der niedrigen löhne eine beschäftigung beider ehepartnerInnen i.d. regel unabdingbar machte. hauptwirkungsfeld der frauen war der nichtproduzierende sektor : im gesundheits- und sozialwesen waren 85 %, im bildungswesen und der kultur 73 % der beschäftigten frauen. auch in männerdominierten berufszweigen waren zunehmend frauen tätig.

in leitungsfunktionen sah man frauen trotz der hohen beschäftigungszahlen selten. hatte eine frau eine leitende position in einem betrieb inne, war sie meist um die 4o jahre, alleinstehend und kinderlos.
je größer der machtpolitische einfluss einer funktion war, desto weniger frauen waren anzutreffen.

im politbüro waren gerade zwei frauen ” Kandidat ohne stimmrecht. dem ministerrat gehörten zwei frauen an.”
(viel interessantes und umfangreiches nachzulesen im internet unter: “gleichberechtigung” -  mdr/damals-in-der-ddr ) 


http://www.fvss.de/assets/media/jahresarbeiten/geschi/ddr_musterland_der_emanzipation.pdf

Anne  on  08/03  at  02:38 PM

@Anja und Alison: 1985 habe ich mich in einem Aufsatz eingehend mit dem von Anja und Alison geschilderten Phänomen auseinandergesetzt, dass manche Frauen maskuline Berufsbezeichnungen für sich bevorzugen. Ich schrieb damals u.a.: “Wenn wir maskuline Personen - und vor allem Funktionsbezeichnungen auf uns selbst bzw. andere Frauen anwenden bzw. anwenden lassen, tun wir dies vielleicht in der edlen Absicht, unserem Geschlecht den Rang zuzusprechen, der uns gebührt, erreichen aber genau das Gegenteil. Die Ablehnung weiblicher Berufsbezeichnungen durch Frauen BESTÄTIGT nur den Mythos von der MAßSTÄBLICHKEIT der Männer und ihre unverschämte Unterstellung, sie seien etwas Besseres als Frauen.” (S. 51f.)
(Aus “Die Hermaphrodite oder Femininum und Realität”, abgedruckt in: Pusch, Luise F. 1990.  Alle Menschen werden Schwestern: Feministische Sprachkritik. Frankfurt/M. edition suhrkamp 1565. S. 35-60, besonders Kap. 5: “Wenn zwei dasselbe tun: Warum ein Maler etwas Besseres ist als eine Malerin”, S. 49-52).
Das Buch ist hier erhältlich, bei Freundin Amazon (5% gehen an FemBio, deshalb hält FemBio an der Amazone fest, die ihren Namen nicht verdient - bis wir eine Sponsorin finden, die uns 150-200 EUR pro Monat spendiert)
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3518115650/wwwfembioorg-21

lfp  on  08/03  at  05:44 PM

@Dürr - danke, so halte/prktiziere ich es wann immer möglich auch !
nur ist mir dies leider oft logistisch und/oder aufgrund mangelnder infrastruktur nicht möglich, da bin ich realistin ...

immerhin : in der kleinen stadt, in der ich z.zt. lebe, gibt es eine stadtbücherei. da ich feststellen musste, dass dort die allermeisten von luise puschs büchern NICHT vorhanden sind, werde ich ihre (neu erstandenen) bücher lesen und dann dieser sog. stadtbücherei spenden - dies meine leicht subversive (feministische ?) idee ;-)

Angelika  on  08/03  at  05:46 PM

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