Sonntag, Juni 21, 2015

Rezension von “Als die Soldaten kamen: Die Vergewaltigung dt.  Frauen am Ende d. Zweiten Weltkriegs”

Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen: Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des zweiten Weltkrieges. DVA München, 2015

Rezension von Wiltrud Rosenzweig

Die Rezensentin ist zornig über Miriam Gebhardts Verunglimpfung der Filmemacherin Helke Sander und die Verhöhnung ihrer historischen Leistung. Wiltrud Rosenzweig hat an Sanders Film “BeFreier und Befreite” (1992) als nachgeborene Zeitzeugin mitgewirkt.

Auffällig an diesem Werk sind die zwei großen Probleme, die die Autorin mit der Thematik sowie der Methode ihres Buches hat: Da ist zum einen ihre völlig ignorante bis feindliche Einstellung gegenüber der Frauenbewegung und dem Feminismus und zum anderen das totale Fehlen gut recherchierter, belegter empirischer Daten und Fakten (eigentlich Aufgabe einer Historikerin).

Helke Sander, Filmemacherin und Autorin, war die Erste in der Bundesrepublik, die mit ihrem Dokumentarfilm BeFreier und Befreite -  Krieg, Vergewaltigungen, Kinder, und dem begleitenden wissenschaftlichen Materialbuch zusammen mit Barbara Johr 1992 das Thema der Massenvergewaltigung deutscher Frauen nach Kriegsende systematisch erforscht und dargestellt hat - die Geschichtswissenschaft hatte sich 50 Jahre lang für das Thema nicht interessiert. Sander legte den Fokus ihrer Forschungen auf Berlin 1945/46 und den Einmarsch der Roten Armee.

Das umfangreiche und profund recherchierte Zahlenmaterial wird von Gerhardt umgehend angezweifelt und als „latente Voreingenommenheit im Ost-West-Konflikt“, als „Impetus der erstmaligen Offenlegung und Skandalisierung des Themas Massenvergewaltigung“ diskreditiert und diffamiert. Das ist unfassbar und nicht hinnehmbar. Die Autorin stellt das einfach als Behauptung in den Raum, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, Gegenzahlen - und zwar belegte und nachvollziehbare - vorzustellen und ernsthaft zu diskutieren. Die meistgebrauchten Vokabeln in diesem Zusammenhang sind: „meiner Schätzung nach, ich vermute, ich glaube“ etc…. Eine solche Methode und Arbeitsweise ist einer Historikerin nicht würdig.

Dass Berlin und die Rotarmisten im Zentrum von Helke Sanders Forschungsarbeit stehen, wird ihr gar als Unterstützung und Verfestigung von Vorurteilen, Revanchismus und Russenhass angekreidet und gipfelt in der unhaltbaren wie unglaublich infamen Behauptung: Helke Sanders Arbeit „hat dazu beigetragen, dass heute die meisten Deutschen glauben, die kriegsbedingte sexuelle Gewalt sei nur ein Problem der Sowjet-Soldaten gewesen“. So ist sich die Autorin auch nicht zu schade für die nachweisbar falsche Unterstellung: Helke Sander habe die massenhaften Vergewaltigungen der westalliierten Besatzer völlig ausgeblendet und unterschlagen, denn nur „die Russen waren immer die Bösen“.

Fazit: Die große und wegweisende Arbeit von Helke Sander versteht Miriam Gebhardt als „Ersten Problemaufriss“. Das von Gebhardt so unredlich wie heftig ohne fundierte Begründung angezweifelte Zahlenmaterial, überhaupt ihre diffamierenden Unterstellungen sollen allerdings – so die Autorin - Helke Sanders „Verdienst nicht schmälern“. Ja, was tut sie denn anderes? Und was soll man/frau denn mit solch einer herablassenden, unaufrichtigen und beleidigenden „Würdigung“ anfangen?

Einen guten Rat hätte ich auf alle Fälle: Kauft dieses Machwerk nicht, es ist wirklich nicht lesenswert!
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Hinweis der FemBio-Redaktion:

Der Spiegel veröffentlichte anlässlich der Premiere von Helke Sanders Film “Befreier und Befreite” (1992) eine ausführliche, angemessene Würdigung. Nachzulesen hier.

     


21.06.2015 | | Permalink

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Hedwig Dohm