Sonntag, April 12, 2015

Dumme Bürokraten erzeugen Rechtsradikale oder Kittlitz, Dorf in Brandenburg

von Helke Sander

(Anmerkung der Redaktion: Helke Sander benutzt des öfteren das generische Maskulinum. Um die Leserinnen und Leser nicht mit Doppelformen und großem I zu irritieren, haben wir die Hälfte der generischen Maskulina als generische Feminina wiedergegeben, immer abwechselnd. Feminina wie Maskulina beziehen sich also jeweils auf beide Geschlechter.) 

In Kittlitz sollen mehr Flüchtlinge untergebracht werden als das Dorf Einwohnerinnen hat (Berliner Zeitung 10.4.15). Was würde passieren, wenn nach Berlin über Nacht weitere 3,5 Millionen Menschen kämen?

Kittlitz ist ein Dorf in Brandenburg.
In den Dörfern, die im Osten 100 Bewohner und mehr haben, gibt es normalerweise keine Geschäfte mehr. Es kommen regelmäßig Lebensmittelwagen mit eng begrenztem und auf deutsche Küche eingestelltem Vorrat. Die Dörflerinnen wohnen normalerweise alle in eigenen Häusern. Sie haben normalerweise alle Autos, um ihre Besorgungen und Ämterbesuche zu machen und zur Arbeit zu fahren. Zusätzlich haben sie Fahrräder. Die braucht man auch, weil es außer den Schulbussen häufig keinen öffentlichen Nahverkehr mehr gibt. Und in den Ferien fahren nicht einmal diese Busse. Oft stehen Häuser leer, weil die Jungen weggezogen sind.

Flüchtlinge müssen untergebracht werden.
Dazu muss man wissen, woher sie kommen, welche Berufe sie haben, ob es eher gut für sie ist, in Städten oder auf dem Land zu wohnen, damit man sie am besten integrieren kann. Normalerweise sind Leute auf den Dörfern hilfsbereit. Aber schon ein neuer Zuzug verändert die Gemeinde – eine Erfahrung, die viele schon nach der Wende gemacht haben. So ein Dorf ist ein Organismus. Man ist eingespielt und aufeinander angewiesen. Neue Leute können integriert werden, wenn es überschaubar bleibt. Davon können alle, die schon mal Wohngemeinschaften gegründet haben oder darin aufgenommen wurden, ein Lied singen. Es gibt immer erstmal Anpassungsschwierigkeiten. Darum haben schon Dorfbewohner vor 15 Jahren vorgeschlagen, als es schon einmal eine ähnliche Situation in einem ostdeutschen Dorf gab, in das von heute auf morgen 60 Leute zu den 120 Einheimischen einquartiert werden sollten, alles dezentral zu regeln: eine Familie in ein Dorf, eine andere ins Nachbardorf - möglichst die gleiche Sprache sprechend usw. Dann würden vermutlich sogar alle helfen, eine Wohnung einzurichten und mit ihren Gartenprodukten und Eingemachtem kommen, und vermutlich würde sich auch eine Beschäftigung finden und ein persönlicher Kontakt herstellen lassen und das Dorfleben bereichern. Immerhin ist es nicht zum ersten Mal, dass immer neue Leute aus den verschiedensten Teilen der Welt sich in diesen Gegenden niedergelassen haben. (In meinem Film DORF - als DVD zu beziehen unter .(Javascript muss aktiviert sein, um diese Mail-Adresse zu sehen) zeige ich u.a. diese hindurchziehenden Völkerschaften) Das geht aber nicht, wenn alle diese Leute in einem Haus kaserniert werden - möglichst noch wortwörtlich in alten heruntergekommenen NVA-Kasernen. Wie sollten sie in den nächsten Ort kommen? Wie sich um Arbeit bemühen? Ohne Fahrrad, ohne Geld? Sich ernähren mit Lebensmitteln, die sie nicht kennen?

Haben sich die behördlichen Umverteilerinnen das mal klar gemacht? Und haben sie sich die Probleme klar gemacht, vor denen viele Dorfbewohner Angst haben? Ob zu recht oder Unrecht, könnte diskutiert werden. Es ist ja eine Tatsache, dass mehr junge Männer als Familien kommen. Diese Männer mögen Schreckliches mitgemacht haben, aber normalerweise kommen sie aus Ländern, in denen Frauen keine Rechte haben. Dass es hier anders ist, wissen sie nicht. Sie erfahren es auch nicht. Es werden denFlüchtlingen keine muttersprachlichen Zettel in die Hand gedrückt, denen sie entnehmen könnten, dass Frauen hier gleiche Rechte haben und es verboten ist, sie im Haus einzusperren. Es darf gar nicht erst einreißen, wie kürzlich in Berlin geschehen, wo einheimische „Flüchtlingshelferinnen“ liebevoll für alle einen Konzertbesuch mit klassischer Musik organisiert hatten und die Flüchtlingsväter als erstes ihren Töchtern verboten, mitzugehen. Es gibt ja auch z.B. immer noch keine türkisch untertitelte „Tagesschau“ oder „Heute-Sendung“, um nur mal das Versäumnis gegenüber der größten fremden und schon lange hier lebenden Sprachgruppe zu nennen.

Es ist zu verstehen, wenn Leute auf dem Dorf Angst um ihre Töchter haben, wenn die Flüchtlinge überwiegen frustrierte junge Männer sind, die ihre Frauen in der Heimat immer als Unterlegene oder Rechtlose behandelt haben. Über all diese Bedenken muss gesprochen werden. Das kann alles vorher bedacht werden, hier sollte die Fantasie an die Macht. Was die jungen Männer betrifft, wird es sicher auch nicht einfacher, vernünftige Lösungen zu finden. Es geht aber nicht, so ein Dorf vor der ganzen Weltpresse gleich wieder als rechtsradikal einzustufen, weil die Leute ihreArgumente nicht geschmeidig und der political correctness entsprechend äußern und sich lieber hinter verschlossene Türen zurückziehen. Die eigentlichen Unruhestifter in diesen Fällen sind die Flüchtlingspolitikerinnen in den Büros.

Helke Sander (C)
10.4.15


12.04.2015 | | Permalink

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Hedwig Dohm