Dienstag, März 31, 2015

Schon wieder Kopftuch

von Helke Sander

Ich habe mich gefragt, wie feministische Türkinnen das Problem „Kopftuch“ diskutieren. Irgendwo müsste es ja solche Gruppen geben, einfach deswegen, weil überall auf der Welt, wo auch nur ansatzweise vielfältige Meinungsäußerungen zugelassen werden, sich Feministinnen auch äußern.

Als die Frauenbewegung anfing, Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre gab es in vielen Städten durchaus solche Gruppen, die sich aus Gastarbeiterfamilien rekrutierten. Sie trugen keine Kopftücher oder die bäuerlichen, vorne einfach gebundenen. (In meinem Film: „Mitten im Malestream“ zitiere ich eine so erhaltene kleine Szene, die ursprünglich von Edith Schmidt in Frankfurt gedreht wurde.)  Und noch 1979 waren die beiden Frauen mit muslimischen Kopftüchern und langen Gewändern auf dem Türkenmarkt am Maybachufer in Berlin solche Attraktionen, dass manche nur deswegen auf dem Markt einkauften, um sich diese Frauen anzusehen, die eine absolute Ausnahme waren und Berlin etwas durchaus Exotisches verliehen.

Während im Internet alles Mögliche zu finden ist, ist die Suche nach „feministischen Türkinnen in Deutschland“ oder „ türkischen Frauengruppen“ oder „feministischen Migrantinnen“ nahezu ergebnislos oder veraltet.

Entweder gibt es sie nicht oder sie halten ihre Treffen und Adressen geheim, wozu es gute Gründe geben muss.

Es gibt lediglich ein paar namentlich bekannte mutige Frauen mit muslimischem Hintergrund, die sich kritisch zum Kopftuch äußern und dafür in der Öffentlichkeit weitgehend diskriminiert werden und - soweit mir bekannt - keinerlei Unterstützung von ihren ebenfalls muslimisch erzogenen Schwestern bekommen.

Das Kopftuch wird nach neuer Sprachregelung hauptsächlich als Zeichen individueller Persönlichkeitsentwicklung definiert und wegen Religionsfreiheit respektiert - die immer jüngeren kleinen Mädchen, die es tragen, werden dabei geflissentlich übersehen und nicht dazu befragt.

Was sagen nun aber die jungen muslimischen Frauen, die das Kopftuch wie sie sagen, freiwillig tragen, dazu, dass es in vielen Gegenden der Welt für Frauen tödlich sein kann, es nicht zu tragen? Denken sie überhaupt darüber nach und lässt sich von ihnen verlangen, darüber nachzudenken? Ist es ihnen egal? Oder akzeptieren sie die Gewalt, die ihren Schwestern in anderen Weltgegenden droht, wenn sie das Kopftuch ablehnen?

Kann man erwarten, dass sich die betreffenden Frauen und die Verfassungsrichter mit diesem Aspekt befassen?

Mit gutem Grund ist das Tragen von Hakenkreuzen in Deutschland verboten, weil es an die Verbrechen der Nazis erinnert und evtl. Trägern wahrscheinlich zu Recht unterstellt wird, sich mit den Verbrechen zu identifizieren. Vor der Nazizeit war das Hakenkreuz hier ein harmloses und altes Sonnensymbol, was es besonders in Asien immer noch ist, wo es in allen möglichen ornamentalen Formen immer noch und immer wieder benutzt wird - an Zäumen, Balkonen, Tapeten usw.

Abgesehen davon, dass viele junge Mädchen mit dem Kopftuch sehr hübsch aussehen, weil ihre Augen betont werden und sie eine starke Erotik ausstrahlen und sie das auch wissen, ist das Verschleiern in anderen Teilen der Welt Ausdruck purer Gewalt.

Wie die auch in Deutschland unter Tücher gezwungenen Frauen darüber wirklich denken, kann evtl. der Besitzer eines Trachtengeschäfts in München erzählen, der einer Zeitung berichtete, dass er für viele BURKAtragende Frauen vor einiger Zeit sein Geschäft erweitert hatte, weil diese Frauen zu Hauf teure ausgeschnittene Dirndl kauften, darüber ihre Burka streiften und dann zu Hause im Dirndl Oktoberfest feierten.

Helke Sander (C)


31.03.2015 | 3 Kommentare | | Permalink

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Hedwig Dohm