Barbara Uthmann

Deutsche Montan-Unternehmerin, Bortenhändlerin

geboren um 1514 in Annaberg (Erzgebirge)
gestorben am 15. Januar 1575 in Annaberg (Erzgebirge)


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Über Barbara Uthmann sagt man, sie habe das Klöppeln im Erzgebirge gefördert, wenn nicht gar eingeführt, und in schlechter Zeit, als der Silberbergbau zurückging, den Menschen damit neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen.
 
Historisch belegen läßt sich folgendes: Barbara vom Elterlein wurde um 1514 als viertes von neun Kindern in Annaberg geboren. Ihr Vater, Heinrich vom Elterlein, war ein wohlhabender Mann, der Bergbau betrieb und 1526 als Zehntner berufen wurde. Ihre Mutter, Ottilie geb. Arnolt, stammte aus einer Chemnitzer Ratsherrenfamilie. Annaberg war damals eine aufblühende, durch den Silberbergbau geprägte Stadt.

Mit fünfzehn Jahren heiratete Barbara den sieben Jahre älteren Christoph Uthmann, 1531 bezogen sie ihr vom Vater gekauftes Haus. Barbara Uthmann gebar zwölf Kinder. Christoph Uthmann, ein erfolgreicher Berg- und Hüttenherr, besaß eine Kupfergrube, mehrere Hütten sowie ein Pochwerk und war an der ertragreichsten Grube des Annaberger Reviers beteiligt. 1550 kaufte er ein Saigerwerk und verschaffte sich ein Privileg, nach dem ihm von allen Kupferzechen die Erze zu einem vom Landesherrn festgelegten Preis abgetreten werden mußten.

1553 verstarb Christoph Uthmann plötzlich. Barbara konnte erreichen, daß für sie kein Vormund eingesetzt wurde, obwohl das bei Witwen zu dieser Zeit üblich war. Gemeinsam mit ihren Kindern betrieb sie die sehr gewinnbringende Saigerhütte weiter und investierte große Summen. Das ihrem verstorbenen Mann zugesicherte Kupfermonopol wurde vom Kurfürsten August I. mehrfach verlängert. Die Hütte florierte – und rief den Unmut der Gewerken hervor, die sich über die Preise und das Geschäftsgebaren der Uthmann beim Kurfürsten beschwerten. Diesem kam das gelegen: August lehnte nach zwölf Jahren die erneute Verlängerung des Privilegs ab, weil ihn der Gewinn der Saigerhütte reizte, entzog ihr damit die Rohstoffgrundlage und erzwang den Verkauf zu einem Preis, der weit unter dem Schätzwert des Anwesens lag.

Als Christoph Uthmann starb, war Annaberg eine blühende Stadt. Mit dem Wohlstand wuchs auch das Bedürfnis nach schöner Kleidung und Luxus. Barbara Uthmann sah (wie auch andere Frauen von Bergherren) die neuen Erwerbsmöglichkeiten und baute eine umfangreiche Verlagsproduktion von Borten (nicht: Klöppelspitzen) auf: Sie besorgte das für die Bortenwirkerei nötige Material, nahm die fertige Ware gegen Entlohnung entgegen und organisierte den Verkauf. Dabei war sie außerordentlich erfolgreich – zeitweilig beschäftigte sie 900 Frauen und Mädchen.

Als später der Bergbau zurückging und dadurch die Not unter der Bevölkerung wuchs, ging auch der Absatz von Luxusartikeln zurück, so daß Barbara wie andere Unternehmerinnen gezwungen war, nach und nach ihre Arbeiterinnen zu entlassen, bis sie den Bortenhandel gänzlich aufgab. Barbara Uthmann, die erfolgreiche, wohlhabende Unternehmerin, setzte sich zeitlebens sehr für ihre zwölf Kinder ein. Alle fanden ihren Platz im Leben, nur ein Sohn machte ihr viele Sorgen: Er landete u.a. im Schuldturm und im Gefängnis. Um die Familie dieses Sohnes vor Schaden zu bewahren, ließ sie das von ihnen bewohnte Haus auf ihre Schwiegertochter und die Enkel überschreiben und entzog es so dem Zugriff der Gläubiger.

Als Barbara Uthmann starb, hinterließ sie ein Lebenswerk, das in Annabergs Geschichte seinesgleichen sucht. Mit großen Ehren wurde sie auf dem Annaberger Friedhof beigesetzt.

Almut Nitzsche

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Zitate

Denn daß sollen E. E. R. eigentlichen vnd warhafftig berichtt sein, das die Erbare Frau Vtmanin allein in neunhundert Personen Borttenwirckerin gefürddert. Volgend hat es ymer abgenommen biß es lezlich auf 8, 7, 5, 4 vnd drey hundert vnd noch weniger worden, biß es entlichen dohin gedien, das sie gar dauon ablasen musen. Welches solchen armen personen die also gefürddertt worden sind, gar ein groser vnd vnuerwindlicher nachtheil worden ist.

Schreiben Annaberger Bürgerinnen, 1571: Acta In sachen Ob die Schottländer alhier vff St. Annabergk zu Bürgern aufgenommen werden sollen oder nicht (Stadtarchiv Annaberg-Buchholz)
Transkription

Den 15. Januar starb Frau Barbara, Christoph Uttmanns Wittib, eine Tochter Heinrichs v. Elterlein, ein reiches Weib vom Bergwerck, glückliche Bortenhändlerin und Wohlthäterin des Armuths, eine Mutter 64 Kinder und Kindeskinder.

Johann Gottlieb Stübel, Annaberger Chronik (1734), Annalen-Eintrag unter 1575 Diese Chronik ist hier zu finden.

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Links

Barbara Uthmann und ihre Zeit

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Literatur & Quellen

Unger, Reinhart. 1977. Barbara Uthmann und ihre Zeit. Annaberg-Buchholz. Adam-Ries-Bund, 1997

Der gesamte Text des vom Adam-Ries-Bund herausgegebenen Barbara-Uthmann-Heftes, ergänzt um die Transkription des Schreibens Annaberger Bortenhändlerinnen, ist hier zu finden.

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Hedwig Dohm