geboren am 15. Januar 1926 in Wien
gestorben am 26. April 2005 in Preitenegg, Kärnten
österreichische Schauspielerin
100. Geburtstag am 15. Januar 2026
Biografie • Literatur & Quellen
Biografie
Maria Schell, das “Seelchen”: Mit diesem Beinamen wird sie noch heute erinnert. So respektlos bezeichnet zu werden ärgerte sie: Das Schauspielen war ihr Leben, und seelenvolles, eindringliches Spiel ihr Markenzeichen. Sie, die auf Kommando Tränen weinen konnte, erschien in über 50 Kinofilmen; daneben spielte sie fast ihr ganzes Berufsleben hindurch Theater und in den späteren Jahren kontinuierlich im Fernsehen. Als Filmschauspielerin war sie im Deutschland der Nachkriegsjahre ein umjubelter Star. Sie war auch international berühmt; namhafte Regisseure - Luchino Visconti, René Clément, Sacha Guitry - drehten mit ihr. In einer Zeit, in der Schauspielerinnen wie Brigitte Bardot, Sofia Loren und Marilyn Monroe auch, bzw. vor allem dank ihrer körperlichen Vorzüge zu Weltruhm gelangten, war Maria Schell gewissermaßen eine Ausnahme. “Ich habe leider nur mit meinem Gesicht Karriere gemacht und nicht mit meinen Beinen!” schreibt sie in ihrer Autobiographie. In dem US-Magazin “Time”, das sie mit einem Titelbild ehrte, äußerte sich der Rezensent so: “Es ist das Gesicht aus einem deutschen Märchen (...). Der Mund ist zart, und (...) wenn sie lächelt, quellen ihre Augen über vor Empfindsamkeit und einer Art leuchtender Vergeistigung, die wilde Tiere zähmen könnte.”
Sie wurde am 15. Januar 1926 in Wien geboren, als Tochter einer österreichischen Theaterschauspielerin und eines Schweizer Dichters. Von ihren drei Geschwistern wurde auch Maximilian berühmt, als Schauspieler und als Regisseur. 1938, nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich, zog die Familie in die Schweiz. Aus finanziellen Gründen mussten die Kinder auf verschiedene Unterkünfte verteilt werden; Maria wurde auf eine Klosterschule im elsässischen Colmar geschickt. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte sie nach Hause zurück.
Schon früh war es ihr Wunsch, Schauspielerin zu werden. Sie war erst 16 Jahre alt, als sie an einem Theater in Zürich ein Engagement erhielt. Fast zeitgleich gab sie in dem Schweizer Melodrama “Steibruch” ihr Filmdebüt. Unter den folgenden ihrer Filme waren auch englische Produktionen. Der große Durchbruch gelang ihr jedoch in Deutschland, zu Beginn der 1950-er Jahre. Mit “Es kommt ein Tag” und “Dr. Holl” eroberte sie sich ein Millionenpublikum. Ihr Partner: Dieter Borsche, der mit ihr zum Spitzenstar aufstieg. Ihr nächster Partner war O.W. Fischer, auch er in Österreich geboren. Die beiden wurden das erfolgreichste “Traumpaar” der Zeit. Sie erhielt insgesamt achtmal den Bambi, er brachte es auf zehn Exemplare dieses wichtigsten Beliebtheitspreises. Auch ihre gemeinsamen Filme – schicksalhaft angelegte, stark gefühlsbetonte Melodramen - trafen ins Herz des harmoniebedürftigen Nachkriegspublikums.
Doch Maria Schell wollte sich auf die Darstellung von sensiblen, verletzlichen Frauen, die die Fährnisse des Lebens überwinden und das Glück in der Liebe finden, nicht festlegen lassen. In “Die letzte Brücke” spielt sie eine deutsche Ärztin, die im Zweiten Weltkrieg während der Kämpfe auf dem Balkan von Partisanen entführt wird und auf der Brücke von Mostar ums Leben kommt. “Das Seelchen ist tot”, kommentierte ein Spiegel-Kritiker. Ihr Spiel erregte großes internationales Interesse. Es folgten Filme, auch ausländischer Produktion, in denen sie sowohl ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte als auch weitere ihrer schauspielerischen Qualitäten, vor allem die fein nuancierte Darstellung von Gefühlen. In “Gervaise”, der Verfilmung eines Romans von Emile Zola, spielt sie eine Wäscherin, die sich im Paris des 19. Jahrhunderts mit ihren zwei Kindern durchs Leben kämpft. Auf den
Filmfestspielen von Venedig erhielt sie für ihre Leistung als beste Schauspielerin die “Coppa Volpi”, eine der vielen Ehrungen für ihr künstlerisches Schaffen. Weitere Literaturverfilmungen basieren auf Werken von Dostojewski, Maupassant, Gerhart Hauptmann und anderen. Sie drehte auch in Hollywood. Zwei von den drei Produktionen waren Westernfilme; ihre Partner: Glenn Ford und Gary Cooper.
In den 1980-er Jahren, mit dem Aufkommen des Neuen Deutschen Films, wandte sich Maria Schell verstärkt dem Theater zu. Auch trat sie häufig im Fernsehen auf. Ihre Rolle in der Serie “Die glückliche Familie”, die eine Laufzeit von mehr als fünf Jahren hatte, war eine ihrer letzten.
Sie war zweimal verheiratet, mit Horst Hächler und Veit Relin, beide Regisseure und Schauspieler; auch die zweite Ehe wurde geschieden. Von ihren zwei Kindern musste sie sich berufsbedingt oft trennen. Mit nicht wenigen ihrer Kollegen ging sie Liebesbeziehungen ein, über die sie in ihrer Autobiographie freimütig berichtet; mit Gary Cooper kam es immerhin zu einem One-Night-Stand.
In ihren späteren Jahren erlitt sie schwere Depressionen, in deren Folge sie auch einen Suizidversuch unternahm. Ihr Bruder Maximilian war ihr lebenslang eine große Stütze. 2023 erhob Maria Schells Tochter Marie-Theres Kroetz-Relin Missbrauchsvorwürfe gegen ihn, seine eigene Tochter Nastassja schloss sich an. Ihre erschütternden Aussagen müssen so stehenbleiben; der Beschuldigte verstarb 2014.
Mit dem Dokumentarfilm “Meine Schwester Maria” (2003) hatte er ihr ein spätes Denkmal gesetzt. Man sieht sie auf ihrem Kärntner Almhof, gealtert und geschwächt, sie ist dement. In ihrer ersten Szene schaut sie sich ihre alten Filme an, die vielleicht auch Erinnerungen aus dem eigenen Leben wecken - als “eines langen Tages Reise in die Nacht”? Ein Fazit gibt es nicht.
Verfasserin: Ilse Hossius
Literatur & Quellen
Ausstellungskatalog “Maria Schell”. Hg. Deutsches Filmmuseum und Deutsches Filminstitut. Berlin 2006. Henschel.
Barthel, Manfred. 1991. Als Opas Kino jung war: Der deutsche Nachkriegsfilm. Berlin. Ullstein.
Schell, Maria. 1985. Die Kostbarkeit des Augenblicks: Gedanken, Erinnerungen. München. Langen Müller.
Schell, Maria. 1995. : ... und wenn's a Katz is! Mein Weg durchs Leben. Bergisch Gladbach. Lübbe.
Spaich, Herbert. 1986. Maria Schell: Ihre Filme, ihr Leben. München. Heyne.
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