Bronisława Wajs

(Papusza; Papuscha; Bronislawa Wajs)

geboren am 17. Januar 1908 oder 1909 oder am 30. Mai 1910
gestorben am 8. Februar 1987 in Inowroclaw

Dichterin der polnischen Roma
105. Geburtstag am 17. Januar 2013


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Bronisława Wajs

Mit »Papuscha« (Puppe) unterschrieb Bronislawa Wajs ihre Verse. Sie war die erste Dichterin des Romavolkes in Polen, die ihre Gedichte niederschrieb und deren Name bekannt wurde.

Papuscha stammte von den polnischen Roma ab. In einem Waldlager zur Welt gekommen, auf Wanderungen großgeworden, bekam sie eine Erziehung wie jedes andere Roma-Kind auch. Doch sie wünschte sich – für ein Zigeunerkind äußerst ungewöhnlich –, Lesen und Schreiben zu lernen. Derartige Kenntnisse waren damals in ihrem Volk eine Ausnahme. Doch Papuscha setzte sich durch. Ihre LehrmeisterInnen – Schulkinder und eine jüdische Ladenbesitzerin – bezahlte sie mit gestohlenen Hühnern. Sie wollte mehr werden als bloß eine Wahrsagerin. Bereits in jungen Jahren verheiratet, kinderlos, an die Härte des Wanderlebens gewöhnt, sang sie über ihr Leid und ihre Freuden, die zugleich die ihres Volkes waren. Ihre Dichtung wurzelt in der volkstümlichen, anonymen, bis zu ihrer Zeit ausschließlich gesungenen Poesie der Roma.

Papuscha dokumentiert das Leben und die Bräuche der polnischen Roma, ihre Weisheiten und Sehnsüchte, und sie gibt in der schweren Zeit der Verfolgung durch die Nazis ihrem Schmerz dichterischen Ausdruck. Ihr Volk dankt es ihr mit Misstrauen und Abneigung. In den Augen der Ihren ist sie eine Verräterin, die sich mit den Fremden eingelassen hat. Papuscha bezahlt ihre Sehnsucht nach Wissen und Bildung mit Entfremdung.

Auf dieses Ausgestoßensein reagiert die Dichterin, verletzt und gekränkt, mit 17jährigem Schweigen. Erst Ende der 60er Jahre kehrt sie aus der inneren Emigration wieder zurück und schenkt der Welt ihre letzten und wohl schönsten Gedichte. Sie gelten nicht mehr den Menschen, sondern der Natur, den Wäldern und Flüssen, die der Dichterin in ihrer Vereinsamung Halt geben. Bald darauf verstummt Papuscha für immer.

Ihr dichterischer Nachlass sind ca. 30 Lieder, verfasst im Dialekt der polnischen Roma. Durch ihre Ehe mit dem Harfenspieler Dionizy Wajs kam Papuscha in Kontakt mit einer Gruppe, deren musikalische Traditionen ihr Interesse am Lied stark prägten. Leider sind die Melodien mit der Dichterin dahingegangen, doch ihre Worte bleiben uns für immer erhalten.

Hanka Blaszkowska, mit herzlichem Dank an Karin Wolff für den Hinweis auf Papuscha (1996)

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Zitate

»Möge in ihrem Himmel ein Zigeunerwald wachsen.«
(Jerzy Ficowski, polnischer Forscher der Geschichte und der Folklore der ZigeunerInnen)

Anmerkung der FemBio-Redaktion: Die umstrittene Bezeichnung Zigeuner wird hier im Sinne der Sinti Allianz Deutschland verwendet.

Zigeunerlied, aus Papuschas Kopf verfertigt

… Das Feuer lieb ich wie mein eigenes Herz.
Winde, stark und sachte,
wiegten das Zigeunerkind,
trieben’s weithin in die Welt.
Regen wuschen mir die Tränen,
der Sonnball – goldener Zigeunervater
wärmte mir den Leib
und versengt’ mir schön das Herz …
… es wiehert das Zigeunerpferd …

(übertragen von Karin Wolff)

 

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Links

Bartosz – Papusza Bronisława Wajs


Bartosz, Adam: Papusza (Bronisława Wajs). Umfangreicher polnischsprachiger Text mit vielen Literaturangaben und einigen Fotos.

minderheiten.org – Bronslawa Wajs


minderheiten.org: Bronslawa Wajs. Kurzbiografie, Foto und zwei Gedichte.

Thibodeau – Growing a New Skin


Thibodeau, Gigi: Growing a New Skin. The Life and Poetry of Papusza. Umfangreicher englischsprachiger Text zu Leben und Werk.

Wikipedia (engl.) – Bronisława Wajs


Wikipedia (engl.): Bronisława Wajs.

Wikipedia (poln.) – Bronisława Wajs


Wikipedia (poln.): Bronisława Wajs.



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Literatur & Quellen


Werke



Papusza (1956): Pieśni Papuszy.  Wrocław.



Papusza (1973): Pieśni mówione.  Wyboru dokonał, z cygań. przeł. i wstępem opatrzył Jerzy Ficowski. Łódź. Wydawnictwo Łódzkie.



Papusza (1990): Lesie, ojcze mój.  Z cygań. przetł., wstępem i przypisami opatrzył Jerzy Ficowski. Mit Biografie, Foto und Faksimiles. Warszawa. Czytelnik.


Quellen


Ficowski, Jerzy (1992): Wieviel Trauer und Wege. Zigeuner in Polen. Herausgegeben von Roland Schopf. Frankfurt am Main. Lang (Studien zur Tsiganologie und Folkloristik, 7).


Papusza (1992): Papuscha. Text deutsch und polnisch. Aus dem Polnischen herausgegeben und übertragen von Karin Wolff. Berlin. Unabhänige Verlags-Buchhandlung Ackerstrasse (Poet’s corner, 9).


Weiterführende Literatur

Fonseca 1996 – Bury me standing

Hawkesworth 2001 – A history of Central European

McCann 2008 – Zoli


Fonseca, Isabel (1996): Bury me standing. The Gypsies and their journey. London. Vintage.


Hawkesworth, Celia (2001): A history of Central European women’s writing. Basingstoke. Palgrave (Studies in Russia and East Europe).


McCann, Colum (2008): Zoli. Roman. Fiktive Geschichte mit losem Bezug zur Lebensgeschichte Papuszas. Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Reinbek. Rowohlt Taschenbuch (rororo).


Bildquellen

http://kmareka.com/
http://www.minderheiten.org/
http://ceo.rsi.pl/
http://www.pogranicze.sejny.pl/
http://romove.radio.cz/

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Hedwig Dohm