Dorothy Dandridge

geboren am 9. November 1922 in Cleveland, Ohio
gestorben am 8. September 1965 in Hollywood

US-amerikanische Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin
90. Geburtstag am 9. November 2012


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie


Dorothy Dandridge war die erste schwarze Schauspielerin, die es im amerikanischen Film zu wirklichem Starruhm brachte. Ihre Mutter Ruby Dandridge-Butler, die wie die Großmutter ebenfalls Schauspielerin war, hatte sie schon früh zum Wunderkind getrimmt. Unter just diesem Namen „Die Wunderkinder“ tourte Dorothy bereits ab ihrem vierten Lebensjahr zusammen mit ihrer älteren Schwester Vivian mit Tanz- und Gesangsnummern durch die amerikanischen Südstaaten. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise zog die Familie nach Hollywood, wo die Mutter eine Festanstellung bei Film und Funk fand. In diesen Jahren hatten Dorothy und ihre Schwester als Dandridge Sisters erfolgreiche Auftritte auch in den schwarzen Jazz-Hochburgen wie dem Cotton Club in Harlem, New York.

FrauenbildMit 13 Jahren hatte Dorothy Dandridge ihr Debut vor der Kamera und mit 15 Jahren spielte sie mit in dem Marx-Brothers-Film A Day At The Races (Ein Tag beim Rennen). Dandridge etablierte sich auch lukrativ bei den in Mode kommenden „soundies“,  (Filmeinspielungen für Juke Boxen), darunter Paper Doll von den Mills Brothers, und machte diverse Plattenaufnahmen, u.a. mit Louis Armstrong. In diese Zeit fiel ihre erste Ehe mit Harold Nicholas, einem schwarzen Tänzer und Entertainer. Die einzige Tochter Harolyn Suzanne kam 1943 mit einem schweren Hirnschaden zur Welt. Die Ehe hielt der Belastung nicht stand und wurde 1951 geschieden. Einige Jahre nach der Scheidung gab Dandridge ihre behinderte Tochter schweren Herzens in Pflege.

Trotz ihrer Hautfarbe entsprach Dorothy Dandridge dem weißen Schönheitsideal. Der Durchbruch gelang ihr in den fünfziger Jahren vor allem mit zwei Filmen: 1953 spielte sie an der Seite von Harry Belafonte die Carmen in der Bizet-Opernadaption Carmen Jones für schwarze DarstellerInnen, inszeniert von dem vielseitigen, genialischen Otto Preminger. 1959 folgt, wieder unter Preminger, die Bess in Gershwins Oper Porgy and Bess, mit Sidney Poitier als Porgy und Sammy Davis Jr. als Sporting Life. Preminger, bekannt als Regie-Despot und Choleriker, und Dandridge werden ein Paar, es entwickelt sich ein über mehrere Jahre anhaltendes, nicht unbelastetes Verhältnis. Von Preminger als schwarze Celebrity mit Glamourappeal inszeniert, konnte Dandridge zwar endlich die gesamte Palette ihres Könnens unter Beweis stellen und höchste Ehrungen erlangen, bis hin zu einer Einladung von der französischen Regierung zu den Filmfestspielen nach Cannes. Doch aus dem Traum einer kreativen Herausforderung entstand eher ein Trauma. Preminger ließ nicht nur ihren Gesang in beiden Filmen von Marilyn Horne und Adele Addison synchronisieren, er nahm auch massiven Einfluss auf sie als Künstlerin und redete ihr Filmangebote aus, die dann u.a. mit Rita Moreno oder Elisabeth Taylor große Kassenerfolge wurden.

Während Ende der fünfziger Jahre schwarze und weiße amerikanische KünstlerInnen für die Dauer eines knappen Jahrzehnts eine hoffnungstiftende Partnerschaft eingingen, wurde Dorothy Dandridge nichts Substantielles mehr angeboten. Liebenswürdige Melodramen wie 1957 Island In The Sun (Heiße Erde) mit Harry Belafonte brachten nichts voran. Auch Dorothy Dandridges Traum, Billie Holiday zu spielen, ließ sich nicht verwirklichen, das gelang erst Diana Ross in Lady Sings the Blues (1972). 1959 schlug ihr zweiter Eheversuch mit dem weißen Nachtclubbesitzer Jack Denison fehl und endete mit körperlichen Misshandlungen und im finanziellen Fiasko. Alkohol, Affären, (u.a. mit Peter Lawford), Depressionen, Schuldgefühle um die behinderte Tochter sowie Lebensangst vor finanziellem Ruin kamen hinzu. Marilyn Monroe, ihre vier Jahre jüngere Freundin aus den Anfangsjahren in Hollywood, hatte bereits 1962 ihr Leben beendet. 1963, im Jahr des tödlichen Attentats auf John F. Kennedy, verlor Dandridge in einem Reich-über-Nacht-Öl-Investment-Schwindel ihr ganzes Hab und Gut. Am 8. September 1965 fand man die zweiundvierzigjährige Schauspielerin tot am Boden des Badezimmers ihrer Wohnung am Sunset Strip in Hollywood. 2 Dollar und 14 Cent waren auf ihrem Konto. In ihrem Blut fand sich eine Überdosis Tofranil, ein Antidepressivum. (Heute wird vermutet, dass sie an einer manisch-depressiven Störung litt.)

Dorothy Dandridge war die erste afroamerikanische Schauspielerin, die in der Kategorie “Beste Hauptdarstellerin” für einen Oskar nominiert wurde (1954), den dann Grace Kelly für The Country Girl (Ein Mädchen vom Lande) einheimste. Sie war ebenfalls die erste schwarze Frau, die es auf die Titelseite von Life Magazine schaffte, während ihr jedoch der Zugang zum Swimmingpool in einem Hotel in Las Vegas verwehrt wurde. Dandridge hatte außerdem als erster weiblicher Hollywood-Star den Mut besessen, das mächtige Klatschmagazin Confidentials 1957 auf Verleumdung zu verklagen und 2 Millionen Dollar Schadensersatz für deren abstruse Unterstellung zu fordern, sie hätte in einem Wäldchen mit einer Gesellschaft von „Naturfreunden“ bei deren Spielchen mit agiert. Dandridge erreichte, dass Dutzende von Stars ebenfalls Klage einreichten und daraus der „Prozess der Hundert Stars“ wurde, zu dem jedoch nur sie und Maureen O’Hara erschienen. (Dandridge zog gegen eine beachtliche, außergerichtliche Abfindung ihre Klage zurück.)  Ihre schwarze Gesangskollegin Lena Horne nannte sie „unsere Marilyn“. Dass sie als Weiße die Welt hätte erobern können, wie sie über sich einmal äußerte, steht außer Frage.

1999 gelang der schwarzen Schauspielerin Halle Berry mit ihrer Regisseurin Martha Coolidge ein beachtenswerter und mit Preisen überhäufter Film für das amerikanische Fernsehen über das Leben des ungewöhnlichen schwarzen Stars: Introducing Dorothy Dandridge, nach der Biografie ihres Managers Earl Mills, mit Klaus Maria Brandauer als Otto Preminger. 

Brigitte Siebrasse

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Literatur & Quellen

Bogle, Donald. 1980. Brown Sugar: Eighty Years of America’s Black Female Superstars. New York. Harmony.

Bogle, Donald. 1997. Dorothy Dandridge: A Biography. New York, NY. Amistad. Distributed by St. Martin’s Press.

Dandridge, Dorothy & Earl Conrad. 2000. Everything and Nothing: The Dorothy Dandridge Tragedy. New York. HarperPerennial.

Hine, Darlene Clark. Hg. 1994 [1993]. Black Women in America: An Historical Encyclopedia. Mit-Hg. Elsa Barkley Brown & Rosalynn Terborg-Penn. Bloomington, IN; Indianapolis, IN. Indiana UP.

Mills, Earl. 1999. Dorothy Dandridge. Holloway House Pub Co; ISBN: 087067899X.

Video/DVD
Carmen Jones (1954) Film von Otto Preminger mit Dorothy Dandridge und Harry Belafonte

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Hedwig Dohm