Edith Nesbit

geboren am 19. August 1858 in London
gestorben am 4. Mai 1924 in New Romney, Kent

englische Schriftstellerin
155. Geburtstag am 19. August 2013


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Edith Nesbit gilt als eine der bedeutendsten Kinderbuchautorinnen Englands, wenn nicht der Welt. Ihre Bücher sind nicht nur nach dem Urteil der ExpertInnen Klassikerinnen – sie werden von den Kindern bis heute verschlungen: In meiner Stadtteilbibliothek stehen sie im Regal für Besonders Beliebte Bücher. Und das, obwohl sie inzwischen hundert Jahre alt sind.

Edith Nesbit war das jüngste von sechs Kindern einer gutsituierten Familie in in London. Ihr Vater starb jedoch früh, und die Mutter mußte sich um den Unterhalt der Familie kümmern. So wuchsen die Kinder ziemlich frei von elterlicher Bevormundung auf – und diese Erfahrung findet ihren Niederschlag in Nesbits Werk: Meist läßt sie eine Schar unternehmungslustiger Geschwister realistische (Die Schatzsucher-Trilogie um die Bastable-Kinder, Die Eisenbahnkinder) oder überaus originelle Fantasy-Abenteuer (Die Psammy-Trilogie) bestehen.

Edith besuchte diverse Internate und heiratete mit 21 Jahren den Sozialisten Hubert Bland, von dem sie ein Kind erwartete. Zusammen mit G.B. Shaw, H.G. Wells, der jüngsten Marx-Tochter Eleanor und dem Ehepaar Beatrice und Sidney Webb gründeten sie die sozialistische Fabian Society, Vorläuferin der Labour Party. Bland verlor durch betrügerische Machenschaften eines Geschäftspartners sein Vermögen, und Edith sah sich daraufhin -  genau wie zuvor ihre Mutter – gezwungen, für sich, ihren Mann und die wachsende Kinderschar Geld zu verdienen. Ihr Mann zeugte während der Ehe noch zwei außereheliche Kinder, die Edith ebenfalls mit großzog.

Sie schrieb zunächst Gedichte und Fortsetzungsromane für Erwachsene, ab 1900 dann überwiegend für Kinder. Kurz zuvor war mit 15 Jahren ihr Sohn Fabian nach einer Mandeloperation gestorben. Ihre deutsche Übersetzerin, Sybil Gräfin Schönfeldt, schreibt dazu: “Erzählte sie für Fabian? Sammelte sie für ihn in diesen Romanen alles an Zauber und Kinderglück, was sie … in den Sommern am Meer gemeinsam erlebt hatten? Auf jeden Fall erzählte sie Geschichten, die so phantasievoll, warmherzig und überraschend waren, daß sie bekannter wurden als Alice im Wunderland.”

Was Nesbit vor anderen Kinderbuchautorinnen auszeichnet, ist ihr freundschaftlich-kameradschaftlicher Ton – sie will ihre kleinen LeserInnen nicht belehren oder erziehen, sondern unterhalten. Sie ist überdies die Erfinderin des Fantasy-Romans für Kinder, in dem phantastische und realistische Elemente nahtlos ineinandergreifen. Berühmt ist z.B. ihr Roman Five Children and It (1902) [dt. Psammy sorgt für Abenteuer], wobei It ein “Psammead” ist. Die Kinder graben den “Sand-Elf”, der jahrtausendelang geschlafen hat, in der Sandgrube hinter ihrem Haus aus, er ist ein unausgeschlafener und mürrischer Geselle, aber letzlich gutmütig, und er reagiert auf netten Zuspruch. Er kann den Kindern jeden Tag einen Wunsch erfüllen. Am Abend ist der Wunsch allerdings wieder nichtig, es tritt - oftmals zum Glück! - wieder der Ausgangszustand ein. Die Kinder lernen, daß es nicht leicht ist, sich das Richtige zu wünschen …

Die Nesbit-Mischung realistischer und magischer Elemente hat die Kinderliteratur bis heute beeinflußt, z.B. P.M. Travers’ Mary Poppins und J.K. Rowlings Harry-Potter-Saga. Interessant übrigens, daß sich diese beiden Autorinnen, genau wie Nesbit, lieber nur mit Initialen statt mit Vornamen präsentieren. Für Nesbit und auch noch für Travers war es geschäftsfördernd, auf diese Weise männliche Autorschaft zu suggerieren – Rowlings Motiv mag ein anderes sein.

Bis zum ersten Weltkrieg konnte Nesbits Familie gut von ihren Werken leben, aber in der Kriegszeit verkauften sich ihre Bücher schlecht. Ihr Mann war 1914 gestorben - die allgemeine Krise beeinträchtigte Nesbits Schaffenskraft. 1917 heiratete sie einen Nachbarn und fühlte sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben liebevoll umsorgt. Das Glück währte nicht lange: 1924, erst 65 Jahre alt, starb Edith Nesbit an Lungenkrebs.

Zitate:

In einem Nesbitbuch gibt es immer irgendwelche häuslichen Sorgen. Ein Elternteil fehlt in der Regel, und nie reicht das Geld. Allerdings wirken auf die LeserIn des 20. Jahrhunderts ihre “verarmten” Mittelstandsfamilien mit ihren drei Bediensteten und dem großen Anwesen wie ein Relikt aus einem goldenen aristokratischen Zeitalter. Aber viele der Abenteuer der Kinder entspringen dem Versuch, die Familienfinanzen aufzubessern.

Nesbits Genie liegt z.T. darin, daß sie die Kinder so klar und unsentimental sieht wie sie sich selbst sehen. So entsteht Lebenswahrheit, ohne die es keine Literatur gibt, weder für Erwachsene noch für Kinder.
(Gore Vidal, The New York Review of Books, 3.12.1964)

Luise F. Pusch

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Literatur & Quellen

Edith Nesbit in der Deutschen Nationalbibliothek

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Hedwig Dohm