Eudora Welty
geboren am 13. April 1909 in Jackson, Mississippi
gestorben am 23. Juli 2001 in Jackson, Mississippi
US-amerikanische Schriftstellerin
100. Geburtstag am 13. April 2009
Eudora Welty bekam, nach schwierigem Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn, bis zum Ende ihres langen Lebens mit Ausnahme des Nobel-Preises wohl jede wichtige Ehrung, die die literarische Welt und ihr Land zu vergeben hatten.
Die bedeutende amerikanische Literaturkritikerin Claudia Roth Pierpont wertet diesen Karriereverlauf, anders als die meisten, allerdings nicht als stetige Steigerung:
“Als geborene Außenseiterin in einer erstickenden und heuchlerischen, dabei aber betörend charmanten Gesellschaft, fand Welty heraus, daß sie sich Akzeptanz erschreiben konnte, Jahr für Jahr, Buch um Buch - mit der Zeit wurde sie ganz fest umarmt. Wer fände eine solche Akzeptanz nicht total unwiderstehlich? Wer wäre nicht froh und dankbar? Was jedoch ihre Kunst betrifft, war es ein schlechtes Geschäft. Im Laufe einer langen und stolzen Karriere verwandelte sich eine furchtlose Forschungsreisende in eine vollkommene Lady … mit abgewandtem Blick und festgefrorenem Lächeln, die aber von Zeit zu Zeit einen markerschütternden Schrei ausstieß, als ob auch sie nicht vergessen könnte, was sie verlor.”
Über ihr Privatleben gab Welty keine Auskunft - alles stehe doch schon in ihren Büchern. Weltys Biographin Ann Waldron (Eudora: A Writer’s Life, 1998) stieß bei ihren Recherchen auf Granit. Welty hatte ihre Bekannten zum Dichthalten verpflichtet. Waldron erfuhr aber trotzdem einiges. Alle Interviewten verkündeten z.B. ungefragt, Eudora sei so häßlich gewesen - aber das fiele ja nun angesichts ihres Geistes und ihrer Liebenswürdigkeit überhaupt nicht ins Gewicht.
“Häßlich” - ein fast tödliches Urteil für eine Heranwachsende im Lande der Southern Belles vom Schlage einer Scarlett O’Hara. Claudia Roth Pierpont: “Welty lernte das Nettsein unter der Folter, es wurde ihre Überlebensstrategie”.
Eudora Welty wurde 1908 in Jackson, Mississippi geboren und wuchs mit zwei jüngeren Brüdern auf. Ihr Vater, der es bis zum Vizepräsidenten einer Lebensversicherung brachte, kam aus Ohio, ihre Mutter war Lehrerin und kam aus West Virginia. Welty, deren Werk als Inbegriff von Südstaatenliteratur gehandelt wird und wurde, stammte also gar nicht aus einer alteingesessenen Südstaatenfamilie. Auch das machte sie zur Außenseiterin.
Der Vater starb 1931 - von da an bis zu ihrem Tod 2001 lebte Eudora Welty umgeben von unzähligen Büchern in dem geräumigen Haus im Tudor-Stil, das ihre Eltern 1925 hatten bauen lassen. Hin und wieder flüchtete sie nach New York oder an die Westküste, sogar nach Europa, um Großstadt- und Theaterluft zu schnuppern, aber das waren meist nur kurze Ausflüge. Welty war immer eine besessene Leserin, auch eine gefragte Buchrezensentin. Als Kind wanderte sie täglich zur Leihbücherei, weil die nicht mehr als zwei Bücher pro Tag herausrückte.
Während der Depression arbeitete Welty für ein Regierungsprogramm und lernte tiefste Armut kennen, wie sie die behütete Tochter aus gutem Hause bis dahin nie gesehen hatte. Sie begann zu fotografieren und zu schreiben, um diese aufwühlenden Eindrücke zu verarbeiten. Anfangs wollte sie ihre Kurzgeschichten zusammen mit den Fotos veröffentlichen - das gelang aber nicht.
Eine ihrer ersten und bis heute beliebtesten Kurzgeschichten, die Groteske, “Warum ich im Postamt wohne”, gefiel einem Programmierer so gut, daß er sein Email-Programm “Eudora” nannte.
Mitte der 30er Jahre verliebte Eudora Welty sich in einen Schwulen, der - anders als sie selbst - in der ehemaligen Sklavenhaltergesellschaft der Südstaaten tief verwurzelt war. Pierpont führt den Wandel von der furchtlosen Forschungsreisenden der frühen Stories zur feinen Dame der mittleren und späten Werke auf diese lange, unglückliche und für die Literatur unglückselige Liebe zurück.
Als Weltys Karriere Mitte der 50er Jahre richtig in Schwung gekommen war - sie hatte seit 1941 mehrere hochgelobte Sammlungen von Short Stories und drei Romane veröffentlicht - wurde sie für fast 15 Jahre unterbrochen, denn ihre Mutter und ihre beiden Brüder erkrankten schwer, und Welty die Liebenswürdige mußte sich um sie kümmern. Sie kam erst wieder zu ihren literarischen Projekten, als die drei Kranken verstorben waren, Ende der 60er Jahre.
Es waren auch die Jahre der beginnenden Bürgerrechtsbewegung im Süden. Ob ihre Gesellschaft sie noch akzeptiert hätte, wenn sie sich öfter so rückhaltlos engagiert hätte wie 1963 mit der Story “Where is the voice coming from?” - einem jener “markerschütternden Schreie”, ausgestoßen unmittelbar nach der Ermordung des Bürgerrechtlers Medgar Evers in ihrer Heimatstadt?
Zitat:
Wie Kafka, mit dem sie einiges gemeinsam hat, präsentiert sie die Entstellungen des Lebens im Kontext des gewöhnlichen, ja schwatzhaften Lebens - sie macht uns Angst. (Joyce Carol Oates)
Luise F. Pusch
Marrs, Suzanne. 2005. Eudora Welty: A Biography. Orlando. Harcourt.
Pierpont, Claudia Roth. 2001. “A Perfect Lady: Eudora Welty”, in dieselbe: Passionate Minds: Women Rewriting the World. New York. Vintage. S. 155-173
Waldron, Ann. 1998. Eudora: A Writer’s Life. New York. Doubleday.
Welty, Eudora. 1991. One Writer’s Beginnings. New York. Warner Books.
Welty, Eudora. 1998. Complete Novels [Enthält The Robber Bridegroom, Delta Wedding, The Ponder Heart, Losing Battles und The Optimist’s Daughter]. New York. Library of America (Penguin Putnam).
Welty, Eudora. 1998. Stories, Essays & Memoir [Enthält u.a. A Curtain of Green and other Stories, The Wide Net and other Stories, The Golden Apples, The Bride of Innisfallen and other Stories, Selected Essays, One Writer’s Beginnings]. New York. Library of America (Penguin Putnam).














