Germaine Greer

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geboren am 29. Januar 1939 in Melbourne

australische Feministin, Journalistin, Literatur- und Kunsthistorikerin
75. Geburtstag am 29. Januar 2014


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Ihr Schlagwort »womanpower« rief nicht zur Gleichheit mit den Männern, sondern zur Befreiung vom Patriarchat auf. Die Frau müsse zu wahrer Unabhängigkeit zurückfinden, angefangen mit der Sexualität, die durch die Männergesellschaft pervertiert sei.

Germaine Greer

Für die Generation, die Ende der 60er Jahre von der Studenten- in die Frauenbewegung überging, bleibt Germaine Greers The Female Eunuch (1970; Der weibliche Eunuch) einer der klassischen Texte der »zweiten Welle« des Feminismus. In diesem Erstlingswerk und in späteren Texten (Wechseljahre, 1991; Die ganze Frau, 1999) schreibt Greer bewusst polemisch und nicht immer konsequent für und gegen Frauen.

Ihre persönlichen Erfahrungen in Indien und Afrika nahm sie in Die heimliche Kastration (1984) zum Anlass, nicht nur Forscher, Mediziner und Psychologen, sondern auch die Frauen der westlichen Industrienationen anzugreifen, die nicht einmal wüssten, was ihr Slogan von der »Schwesterlichkeit« bedeutet und sich weiter im Konsumrausch ergingen, während um sie herum die Armut weltweit feminisiert werde. Die privilegierte und immer noch kastrierte Frau in Amerika und Europa lasse sich auf der Basis ungenügender Informationen über ihre Physiologie und Psychologie für jede Lebensphase Anabolika verschreiben, ob zur Geburtenregelung oder als Hormonersatztherapie. Noch katastrophaler sei die Wirkung dieser Medikamente, wenn sie wegen einer vermeintlichen »Bevölkerungsexplosion« von gewinnorientierten multinationalen Pharmafirmen und Bürokratien an Frauen in der dritten Welt verteilt würden.

Greer kommt oft wegen ihrer multikulturellen Perspektive zu unkonventionellen Schlüssen: den Coitus interruptus empfiehlt sie als Empfängnisverhütungsmethode, und sogar die Genitalverstümmelung scheint sie zu befürworten. Solche Standpunkte werden von anderen Feministinnen natürlich heftig angegriffen. In ihren späteren Werken betont sie die Mütterlichkeit, die Matrilokalität anderer Kulturen und die Wichtigkeit von Frauenfreundschaften jeder Art, besonders im Alter: »Das Private ist immer noch politisch« (Die ganze Frau). Greer gibt allerdings Lesben in ihren Werken nur wenig Raum - auch deswegen wird sie oft kritisiert.

Professor Germaine Greer

Greer missbilligt jeden Versuch, sie biographisch zu erfassen. In Daddy: Die Geschichte eines Fremden, beschreibt sie ihre Suche nach der Herkunft ihres geliebten Vaters. Als Tochter von Reginald Greer [das Adoptivkind Eric Greeney] und seiner Frau Margaret, geb. Lafrank, wuchs sie in einem kleinbürgerlichen Milieu auf, besuchte die Mädchenschule Star of Sea Convent, studierte in Melbourne, dann Sydney. Ein Commonwealth Stipendium brachte die Hochbegabte 1964 nach Cambridge, wo sie sich als »Hippie« ausleben und die journalistische Taktik des Schockierens einüben konnte. Neben der Gründung der Zeitschrift SUCK promovierte sie über Shakespeare. Ihre Laufbahn als weltberühmte Intellektuelle lief weiter auf diesen zwei Gleisen, als Journalistin, die ihr Publikum immer aufrütteln wollte, und als Akademikerin.

Mit einigen Unterbrechungen blieb Germaine Greer von 1983 bis 2003 Professorin für englische Literatur an an der Warwick University. Neben der Lehrtätigkeit ist sie Literaturkritikerin (Slipshod Sybils) und Herausgeberin von Frauenliteratur (Kissing the RodThe Uncollected Verse of Aphra Behn; 101 Poems by 101 Women). Anfang der 80er Jahre, die sie an Tulsa University in Oklahoma verbrachte, gründete sie die angesehene Fachzeitschrift Tulsa Studies in Women’s Literature. Später veröffentlichte sie Werke von wenig bekannten AutorInnen in ihrem Verlag Stump Cross Books.

Greer hat außerdem über bildende KünstlerInnen geschrieben (Das unterdrückte Talent). Ihr letztes Werk auf dem Gebiet der Kunstgeschichte, Der Knabe (2003), wurde aber von einigen als Pornographie verworfen. White Fella Jump Up (2004), in dem sie die Situation der australischen UreinwohnerInnen (Aborigines) behandelt, ein Buch über Shakespeares Frau, Ann Hathaway (2007), und eine Sammlung von Gedichten für GärtnerInnen (Poems for Gardeners, 2003) sind unter Greers letzten Veröffentlichungen. Ihre antikapitalistische Einstellung, die Vielseitigkeit der Interessen und die Tendenz zur Polemik nicht nur in den Werken, sondern auch bei Starauftritten in den Medien sind geblieben.

Germaine Greer 2

Sie mag die Freude an der Macht, die erst mit der »Heiterkeit des Alters« komme (Wechseljahre), wenn frau alle Erwartungen der anderen endlich ignorieren kann: »Wenn die Welt dich ›altes Weib‹ schimpft, dann sei gefälligst eins. Wozu alt werden, wenn du nicht eine Hexe wirst und spirituelle Macht anhäufst anstelle der politischen und ökonomischen Macht, die dir als Frau verwehrt wurden?«

Margaret E. Ward

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Zitate

Ein voller Busen ist in Wirklichkeit ein Mühlstein am Hals der Frau: Er macht sie bei Männern beliebt, die aus ihr ein Mammchen machen wollen, aber sie darf niemals annehmen, dass die Glotzaugen der Männer sie selber sehen.

(Germaine Greer, Der weibliche Eunuch, gefunden hier)



Eine Person männlichen Geschlechts ist schön, solange die Wangen glatt sind, der Körper unbehaart, das Haupthaar dicht und voll, die Augen klar, der Bauch flach und das Wesen schüchtern.

(Germaine Greer, in: Der Knabe)



Freud ist der Vater der Psychoanalyse, sie hat keine Mutter.

(Germaine Greer, gefunden hier)



Es scheint, dass eine Frau mehr Aussicht auf Erfolg hat, je höher sie ihre Ziele schraubt und je ungewöhnlicher sie in ihrer gewählten Umgebung ist.

(Germaine Greer, gefunden hier)

Wild Words from Wild Women



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Links

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Google Buchsuche – Bücher von Germaine GreerGoogle Buchsuche: Bücher von Germaine Greer.
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Greer 2005 – Auf dem KriegspfadGreer, Germaine (2005): Auf dem Kriegspfad.
In: Berliner Zeitung, 17. Dezember 2005.
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Internet Movie Database – Germaine GreerInternet Movie Database: Germaine Greer.
Filme.
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Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Greer, GermaineKatalog der Deutschen Nationalbibliothek: Greer, Germaine, 1939-.
Literatur und Medien.
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Miller – Germaine GreerMiller, Laura: Germaine Greer.
Salon Brilliant Careers.
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Perlentaucher – Germaine GreerPerlentaucher: Germaine Greer.
Links zu Buchbesprechungen (Der Knabe; Die ganze Frau).
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Seile 1985 – Die Kehrtwende der Germaine GreerSeile, Frauke (1985): Die Kehrtwende der Germaine Greer.
Buchbesprechung. In: Hamburger Abendblatt, Nr. 10 vom 12.01.1985, Seite 2.
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Squidwho – Germaine GreerSquidwho: Germaine Greer.
Zitate, Links zu Videos, Artikeln und Fotos (engl.).
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Tillyard – Portrait Germaine GreerTillyard, Stella: Portrait Germaine Greer.
In: Prospect Magazine April 1999 issue 40.
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Waser 2007 – Eine ungewöhnliche FrauWaser, Georges (2007): Eine ungewöhnliche Frau. Germaine Greer: Shakespeares Wife.
Buchbesprechung. In: Neue Zürcher Zeitung, 24. November 2007.
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Wikiquote – Germaine GreerWikiquote: Germaine Greer.
Zitate.
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Literatur & Quellen

Greer (Hg.) 2001 – 101 poems by 101 women

Greer 1971 – The Female eunuch

Greer 1979 – The obstacle race

Greer, Germaine (Hg.) (2001): 101 poems by 101 women.
London. Faber and Faber. ISBN 0-571-20734-0.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1971): The Female eunuch.
New York. McGraw-Hill. ISBN 0-07-024372-7.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1979): The obstacle race. The fortunes of women painters and their work.
New York. Farrar Straus & Giroux. ISBN 0-374-22412-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer 1980 – Das unterdrückte Talent

Greer 1984 – Sex and destiny

Greer 1985 – Die heimliche Kastration

Greer, Germaine (1979): Das unterdrückte Talent. Die Rolle der Frauen in der bildenden Kunst.
(= The obstacle race) Aus dem Englischen von Rainer Redies und Ingrid Krüger. Berlin, Frankfurt/M.,Wien. Ullstein. 1980. ISBN 3-550-07688-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1984): Sex and destiny. The politics of human fertility.
New York. Harper & Row. ISBN 0-06-015140-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1984): Die heimliche Kastration. Probleme der sexuellen Emanzipation.
(=Sex and destiny) Aus dem Englischen von Bernd W. Schmidt. Frankfurt/M. Ullstein. 1985. (Ullstein, 34295) ISBN 3-548-34295-7.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer 1986 – The madwoman's underclothes

Greer 1990, c1989 – Daddy, we hardly knew you

Greer 1991 – Wechseljahre

Greer, Germaine (1986): The madwoman’s underclothes. Essays and occasional writings 1968-85.
London. Picador. ISBN 0-330-29407-5.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1990, c1989): Daddy, we hardly knew you.
New York. Knopf. ISBN 0394583132.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1991): Wechseljahre.
(=The change) Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff und Sabine Steinberg. Düsseldorf, Wien, New York, Moskau. ECON. ISBN 3-430-13406-4.
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Greer 1992 – Daddy

Greer 1992 – The change

Greer 1993 – Ab 40

Greer, Germaine (1989): Daddy. Die Geschichte eines Fremden.
(=Daddy, we hardly knew you) Aus dem Englischen von Sabine Hedinger. München. Dt. Taschenbuch-Verl. 1992. (dtv, 30302 : Sachbuch) ISBN 3-423-30302-6.
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Greer, Germaine (1991): The change. Women, aging and the menopause.
New York. Knopf. 1992. (A Borzoi book) ISBN 0-394-58269-1.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1993): Ab 40. Über Frauen, wie sie leben, was sie denken, wer sie sind.
(=The change) Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff und Sabine Steinberg. Düsseldorf, Wien. ECON. (Econ, 26045 : ECON-Sachbuch) ISBN 3-612-26045-6.
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Greer, Germaine (1995): Slip-shod sibyls. Recognition, rejection and the woman poet.
London. Viking. ISBN 0-670-84914-6.
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Greer 1999 – The whole woman

Greer 2000 – Der weibliche Eunuch

Greer 2000 – Die ganze Frau

Greer, Germaine (1999): The whole woman.
New York. Knopf. ISBN 0375407472.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Greer, Germaine (1971): Der weibliche Eunuch. Aufruf zur Befreiung der Frau.
(=The female eunuch) Mit einem Vorwort von Susanne Mayer. Aus dem Englischen von Marianne Dommermuth. München. Dt. Taschenbuch-Verl. 2000. (dtv, 36196) ISBN 3-423-36196-4.
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Greer, Germaine (1999): Die ganze Frau. Körper, Geist, Liebe, Macht.
(=The whole woman) Aus dem Englischen von Susanne Althoetmar-Smarczyk. München. Dt. Taschenbuch-Verl. 2000. (dtv, 24204 : Premium) ISBN 3-423-24204-3.
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Greer 2003 – Der Knabe

Greer 2003 – The beautiful boy

Greer 2004 – Whitefella jump up

Greer, Germaine (2003): Der Knabe.
(=The boy) Aus dem Englischen von Sylvia Strasser. Hildesheim. Gerstenberg. ISBN 3-8067-2920-4.
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Greer, Germaine (2003): The beautiful boy.
(=The boy) New York. Rizzoli. ISBN 0847825868.
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Greer, Germaine (2004): Whitefella jump up. The shortest way to nationhood.
London. Profile. ISBN 1861977395.
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Greer 2007 – Shakespeare's wife

Greer 2009 – Shakespeare

Greer c2000 – Lysistrata

Greer, Germaine (2007): Shakespeare’s wife. The Life and Time of Anne Hathaway.
(anderer Einband: ISBN 978-0-7475-9170-2). London. Bloomsbury. ISBN 978-0-7475-9019-4.
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Greer, Germaine (2009): Shakespeare. A Very Short Introduction.
Berlin. Cornelsen. ISBN 978-3-06-800507-1.
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Greer, Germaine (c2000): Lysistrata. The sex strike. After Aristophanes.
London. Aurora Metro Press. ISBN 095367570X.
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Greer, Hastings et al. (Hg.) 1989, c1988 – Kissing the rod

International who's who of women 2005

Greer, Germaine, Hastings, Susan und Medoff, Jeslyn (Hg.) (1989, c1988): Kissing the rod. An anthology of seventeenth-century women’s verse.
New York. Farrar Straus & Giroux. ISBN 0374521646.
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International who’s who of women 2006 (2005)
London. Routledge. ISBN 978-1-85743-325-8.
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Bildquellen

Alle Bilder wurden gefunden auf flickr.com und sind verlinkt. Danke für diese wundervollen Fotos!

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