Jeanne d'Arc

(Hl. Johanna von Orléan; Jungfrau von Orléans; Jeanne la Pucelle)

geboren am 6. Januar 1412 in Domrémy-la-Pucelle
hingerichtet am 30. Mai 1431 in Rouen

französische Freiheitskämpferin
600. Geburtstag am 6. Januar 2012


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

»Euch Männern von England, die ihr kein Recht auf das Königreich Frankreich habt, befiehlt der König des Himmels durch mich, Johanna die Jungfrau, Eure Bastionen zu verlassen und in euer Land zurückzukehren. Wenn ihr das nicht tut, werde ich solch ein haihai (Kriegsgeschrei) erheben, dass man ewig daran denken wird«, diktiert Jeanne d’Arc am 5. Mai 1428 in einem Brief an die Belagerer von Orleans. Frankreich befindet sich mit England immer noch im Hundertjährigen Krieg (1337-1453), währenddessen die englischen Könige versuchten, ihre Ansprüche auf den französischen Thron mit Waffengewalt durchzusetzen. Die Engländer halten einen großen Teil Frankreichs besetzt: Paris und Burgund zum Beispiel, und im Oktober 1428 beginnen sie mit der Belagerung von Orleans. Auch beanspruchen die Engländer wieder einmal die französische Königskrone, ihr Anwärter ist Heinrich VI. Die Franzosen haben sich für den Dauphin Karl VII. ausgesprochen, für ihn und das französische Volk wird die Situation immer aussichtsloser.

Jeanne d'Arc

Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr hört die Bauerntochter Jeanne Stimmen. Mal ist es der Erzengel Michael, der zu ihr spricht, mal die heilige Katharina oder die heilige Margarete. Je bedrohlicher die Situation für Karl VII. wird, desto mahnender scheinen die Stimmen, die sie auffordern, den Stadthauptmann von Vaucouleurs aufzusuchen, der sie zum König geleiten werde. Sie habe zwei Aufträge vom Himmelskönig, teilt sie am 6. März Karl VII. mit, erstens die Belagerung von Orleans aufzuheben, zweitens den König zur Salbung und Krönung nach Reims zu führen. »Auf Befehl unseres Herrn« trägt sie bereits Männerkleidung und Waffen und zieht schließlich mit zehntausend Mann gen Orléans, das sie am 7. Mai, im weißen Harnisch, mit einer kleinen Streitaxt bewaffnet und auf einem schwarzen Kampfross sitzend, von den Engländern befreit. Am 17. Juli wird Karl VII. in Reims in der Kathedrale von Notre Dame gekrönt. Die wundersame, unwahrscheinliche und steile Karriere der Jeanne d’Arc hat ihren Höhepunkt erreicht.

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Weitere Operationen des französischen Heeres wirken planlos. Am 24. Mai 1430 wird Jeanne d’Arc nach dem gescheiterten Angriff auf Compiegne vom Herzog von Burgund festgenommen und für 10000 Francs an die Engländer »verkauft«. Unter dem Vorsitz des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, des Unterhändlers der Engländer, wurde am 9. Januar 1431 der Prozess gegen sie eröffnet. Von Rouen aus beauftragt der König von England Cauchon, die Untersuchung einzuleiten: »Es ist allgemein bekannt, dass seit geraumer Zeit eine Frau, die sich Jeanne de Pucelle nennen lässt, das Gewand des weiblichen Geschlechts ablegend, was dem göttlichen Gebot zuwiderläuft, Gott ein Gräuel ist und von allen Gesetzen missbilligt und verboten ist, Männertrachten angelegt hat und Waffen trägt. Sie hat grausam Menschen getötet und zu verstehen gegeben, sie sei von Gott gesandt und kenne seine Geheimnisse, des weiteren andere sehr gefährliche und unserem katholischen Glauben höchst abträgliche und schändliche Irrlehren verbreitet.«

Vor einem Inquisitionsgericht, das aus sechzig Repräsentanten der Kirche besteht, muss sich die 19-Jährige gegen die Vorwürfe des Satanismus, der Ketzerei, der Hexerei und des Götzendienstes wehren. Die politischen Hintergründe sind offensichtlich: die Legitimation des von Jeanne d’Arc »verhexten« Franzosenkönigs Karl VII. musste zerstört, die des Engländers Heinrich VI. begründet werden. Dazu bedurfte es eines beispiellosen Prozesses gegen eine junge, selbstbewusste Frau, die in ihrer bäuerlichen Frömmigkeit den offiziellen Glauben gefährdete, die als Frau im Harnisch, also in Männerkleidung, und als Jungfrau mit ihrem Verzicht auf Ehe und Familie sämtliche Tabus verletzte.

Jeanne d'Arc

Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc auf Befehl des englischen Königs auf dem Marktplatz von Rouen bei lebendigem Leib verbrannt. Sie war nicht, wie von ihr gefordert, bereit, allem abzuschwören und sich ihren Richtern und der Kirche zu 1 unterwerfen: »Was mein Tun betrifft, so möge man es nach Rom bringen zu unserem heiligen Vater, dem Papst, auf den ich mich nächst Gott berufe. Und meine Worte und Taten habe ich auf Geheiß Gottes vollbracht ... Ich berufe mich auf Gott und unseren heiligen Vater, den Papst.« Im Jahr 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und elf Jahre später von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen.         

 

Susanne Gretter

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Zitate

Meine Worte und Werke habe ich auf Gottes Geheiß vollbracht. Ich lege sie niemandem zur Last: weder dem König noch einem anderen; und wenn daran ein Falsch ist, so fällt es auf mich und niemand anderen zurück.
(Jeanne d’Arc bei ihrem Prozess am 24. Mai 1431)


Jeanne d'Arc

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Links

Centre jeanne d’Arc : archives, bibliothèque, centre d’études de recherches
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Historical Association for Joan of Arc Studies
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International Joan of Arc Society
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Saint Joan of Arc Center
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Bakker, Marco: Reportret: Jeanne d’Arc
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dibb: Biographie – Jeanne d’Arc
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DNB, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Jeanne d’Arc. Bücher und Medien.
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Flickr: Der Pool von La Pucelle. Bildersammlung zu Jeanne d’Arc
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Internet Movie Database: Joan of Arc (Rolle). Filme über Jeanne d’Arc
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Kanal von RichardDavidPrecht – YouTube: Jeanne d’Arcs Prozess (Playlist, 6 Teile)
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Klein, Kerstin (2005): Mittelalterrezeption im Film des 20. Jahrhunderts. Die Jungfrau von Orléans. Dossier. filmrezension.de.
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Ökumenisches Heiligenlexikon: Johanna von Orléans. Mit weiterführenden Links
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Wikipedia: Jeanne d’Arc
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Literatur & Quellen


Quellen

Cordier 1979 – Jeanne d'Arc

Duby, Duby 1999 – Die Prozesse der Jeanne d'Arc

Nette 1977 – Jeanne d'Arc in Selbstzeugnissen

Cordier, Jacques (1979): Jeanne d’Arc. Eine Biographie. (=Jeanne d’Arc, sa personalité, son rôle)
Aus dem Französischen übertragen von Eva Rapsilber. Bearbeitung der deutschsprachigen Ausgabe Guido Pressler. 1. Aufl. München. Goldmann. (Goldmann-Taschenbuch, 11933) ISBN 3-442-11933-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Duby, Georges; Duby, Andrée (1999): Die Prozesse der Jeanne d’Arc. (=Les procès de Jeanne d’Arc)
Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. 5. - 6. Tsd. Berlin. Wagenbach. (Wagenbachs Taschenbücherei, 350) ISBN 3-8031-2350-X.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Nette, Herbert (1977): Jeanne d’Arc in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. [1. - 13. Tsd.]. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt. (Rowohlts Monographien, 253) ISBN 3-499-50253-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Sackville-West 1992 – Jeanne d'ArcSackville-West, Vita (1992): Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans. Geboren am 6. Januar 1412 als Ketzerin verbrannt am 30. Mai 1431 heiliggesprochen am 16. Mai 1920 ; mit vier historischen Karten und dem Stammbaum des Hauses Valois. (=Saint Joan of Arc)
Mit einem Nachwort von Rita Hortmann. Ins Deutsche übersetzt von Hans Wagenseil. Ungekürzte Ausg. Frankfurt am Main, Berlin. Ullstein. (Ullstein, 30290) ISBN 3-548-30290-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Weiterführende Literatur (Auswahl aktueller Ausgaben, ohne Belletristik)

Contamine 2007 – Jeanne d'Arc et l'Allemagne

Himmel 2007 – Von der bonne Lorraine

Krumeich 2007 – Jeanne d'Arc

Lucie-Smith, Werner 1977 – Johanna von Orleans

Moinot, Rapsilber 1989 – Jeanne d'Arc

Müller 2004 – Der Prozess Jeanne d'Arc

Contamine, Philippe (2007): Jeanne d’Arc et l’Allemagne. Préf. de Wolfgang Ebbecke. Ostfildern. Thorbecke. ISBN 978-3-7995-7293-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Himmel, Stephanie (2007): Von der “bonne Lorraine” zum globalen “magical girl”. die mediale Inszenierung des Jeanne d’Arc-Mythos in populären Erinnerungskulturen / Stephanie Himmel. Göttingen. V und R Unipress. ISBN 978-3-89971-320-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Krumeich, Gerd (1989): Jeanne d’Arc in der Geschichte. Historiographie – Politik – Kultur. Sigmaringen. Thorbecke. (Francia / Beihefte, 19) ISBN 3-7995-7319-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Krumeich, Gerd (2007): Jeanne d’Arc. Die Geschichte der Jungfrau von Orleans. Originalausg. München. Beck. (Beck’sche Reihe, 2396) ISBN 978-3-406-53596-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Lucie-Smith, Edward; Werner, Hansheinz (1977): Johanna von Orleans. Eine Biographie. 1. Aufl. Düsseldorf. Claassen. ISBN 3-546-46209-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Moinot, Pierre; Rapsilber, Eva (1989): Jeanne d’Arc. Die Macht und die Unschuld. Frankfurt am Main. Societäts-Verl. ISBN 3-7973-0472-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Müller, Wolfgang (2004): Der Prozess Jeanne d’Arc. Quellen – Sachverhalt einschließlich des zeit- und geistesgeschichtlichen Hintergrundes – Verurteilung und Rechtfertigung – rechtliche Würdigung und Schlußbemerkungen. 4 Bände. Hamburg. Kovac. ISBN 3-8300-1144-X.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Pernoud, Clin 1991 – Johanna von Orleans

Prutz 2010 – Neue Studien zur Geschichte

Schirmer 2001 – Der Prozeß der Jeanne d'Arc

Thomas 2000 – Jeanne d'Arc

Wodianka 2009 – Zwischen Mythos und Geschichte



Pernoud, Régine; Clin, Marie-Véronique (1991): Johanna von Orleans. Der Mensch und die Legende. Aus dem Französischen. Dt. Erstveröffentl. Bergisch-Gladbach. Bastei Lübbe. ISBN 3-404-61210-8.
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Prutz, Hans (2010): Neue Studien zur Geschichte der Jungfrau von Orléans. Hans Prutz. Hamburg. Severus-Verl. ISBN 978-3-86347-008-1.
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Schirmer, Ruth (2001): Der Prozeß der Jeanne d’Arc. Akten und Protokolle ; 1431 – 1456. 5. Aufl. München. Dt. Taschenbuchverl. (dtv, 30202) ISBN 3-423-30202-X.
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Steinbach, Hartmut (1973): Jeanne d’Arc. Wirklichkeit und Legende. Göttingen. Musterschmidt. (Persönlichkeit und Geschichte, 78) ISBN 3-7881-0078-8.
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Thomas, Heinz (2000): Jeanne d’Arc. Jungfrau und Tochter Gottes. Berlin. Fest. ISBN 3-8286-0065-4.
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Wodianka, Stephanie (2009): Zwischen Mythos und Geschichte. Ästhetik, Medialität und Kulturspezifik der Mittelalterkonjunktur / Stephanie Wodianka. Berlin. de Gruyter. ISBN 978-3-11-020352-3.
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Hedwig Dohm