Marieluise Fleißer

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geboren am 23. November 1901 in Ingolstadt
gestorben am 1. Februar 1974 in Ingolstadt

deutsche Schriftstellerin, Dramatikerin
40. Todestag am 1. Februar 2014


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Marieluise FleisserMarieluise Fleißer lebte das zermürbende Leben einer doppelten Außenseiterin: Als Künstlerin der Avantgarde ihrer kleinbürgerlichen Familie und katholischen bayrischen Heimat entfremdet, aber im männlich dominierten Literaturbetrieb auch nur eine Randfigur. Hinzu kamen die Repressionen des Dritten Reichs. Fleißers Träume von Freiheit und einem schöpferischen Leben verkehren sich in ihrer Prosa ins Negative. Ihr “Röntgenblick” legt die Kräfte bloß, die am häufigsten zur Ausbeutung der Frauen führen.

1919 beginnt Fleißer – “Ich wurde erzogen, um zu gehorchen” – in München mit dem Studium. Feuchtwanger und Brecht werden die Mentoren wie auch Diktatoren ihrer beginnenden Karriere. Brecht hilft ihr im Literaturgeschäft, aber er beutet auch ihr Werk und ihre Liebe aus. Auf sein Drängen schreibt sie das Stück Pioniere in Ingolstadt. Seine Berliner Inszenierung verursacht 1929 einen Skandal, der Fleißer in Ingolstadt zu einer Ausgestoßenen macht. Nach dem Bruch mit Brecht sucht Fleißer Sicherheit in der Beziehung mit dem konservativen Draws-Tychsen, die sie weiter isoliert und schließlich ihr Selbstvertrauen als Schriftstellerin zerstört.

Die Nazis gestatten ihr an Publikationen nur sechs Feuilletons pro Jahr. Die IngolstädterInnen hassen sie, und so heiratet Fleißer schließlich den Tabakhändler Bepp Haindl. Entgegen seinem vorehelichen Versprechen zwingt Haindl sie nach der Heirat zur Arbeit in seinem Laden; das Schreiben wird unmöglich. 1938 leidet sie an Halluzinationen. Aus der Anstalt kehrt sie nach kurzer Zeit heim, entschlossen zum Schreiben und Überleben. Die ständige Not während des Krieges und danach macht allerdings das Schreiben sehr schwierig. Nach Haindls Tod 1958 beginnt Fleißer allmählich mit dem Wiederaufbau ihrer schriftstellerischen Karriere. Schließlich – wieder durch Unterstützung besser bekannter Männer (Fassbinder, Kroetz) – erlebt sie eine Art Renaissance in den frühen siebziger Jahren.

Heute gilt Marieluise Fleißer als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts.

(aus Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits, Bd 1)

Joey Horsley

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Literatur & Quellen

Literatur:

Beicken, Peter. “Marieluise Fleißer.” Dictionary of Literary Biography Vol 56: German fiction Writers, 1914-1945.  Ed. James Hardin. Detroit, MI: Bruccoli Clark, 1987.  94-101.

Beicken, Peter. “Weiblicher Pionier. Marieluise Fleißer — oder Zur Situation schreibender Frauen in der Weimarer Zeit.” die horen 28. Jg. Bd. 4 (Herbst 1983): 45-61.

Brinker-Gabler, et al. Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1800-1945.  Munich: dtv, 1986.

Cocalis, Susan L. “Weib ohne Wirklichkeit, Welt ohne Weiblichkeit. Zum Selbst-, Frauen- und Gesellschaftsbild im Frühwerk Marieluise Fleißers,” in Entwürfe von Frauen in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Irmela von der Lühe. Berlin: Argument, 1982. (Argument Sonderband 92).

Fleißer, Marieluise. Gesammelte Werke. 3 Bände. Hrsg. mit einem Vorwort von Günther Rühle. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1973 (Zweite Auflage 1983).

—————Gesammelte Werke. 4. Band: Aus dem Nachlaß.  Hrsg. von Günther Rühle in Zusammenarbeit mit Eva Pfister, mit einem Nachwort von Günther Rühle, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1989.

Kraft, Friedrich, ed. Marieluise Fleißer. Anmerkungen, Texte, Dokumente.  Mit Beiträgen von Eva Pfister und Günther Rühle. Ingolstadt: Donau Courier, 1981.

McGowan, Moray. Marieluise Fleißer.  Munich: Beck, 1987 (Beck’sche Reihe Autorenbücher BsR 601).

Rühle, Günther, Hrsg. Materialien zum Leben und Schreiben der Marieluise Fleißer.  Frankfurt: Suhrkamp, 1973 (edition suhrkamp 594).

Sauer, Jutta. “Etwas zwischen Männern und Frauen.”  Die Sehnsucht der Marieluise Fleißer.  Cologne: Papyrossa, 1991.

Schnabel, Gabriele, and Töteberg, Michael. “Auswahlbibliographie zu Marieluise Fleißer,” text + kritik 64 (October 1979): 88-93.

Soltau, Heide. “Die Anstrengungen des Aufbruchs. Romanautorinnen und ihre Heldinnen in der Weimarer Zeit.”  Deutsche Literatur von Frauen. Ed. Gisela Brinker-Gabler. Vol 2. Munich : Beck, 1988. 220-235.

Tax, Sissi. Marieluise Fleißer: Schreiben, Überleben. Ein biographischer Versuch.  Basel: Stroemfeld/Frankfurt am Main: Roter Stern, 1984.

Wysocki, Gisela von. “Die Magie der Großstadt. Marieluise Fleißer.” In: G.v.W.: Die Fröste der Freiheit. Aufbruchsphantasien.  Frankfurt/M., 1980, S. 9-22.

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Hedwig Dohm