Milada Horáková

(Dr. Milada Horáková)

geboren am am 25. Dezember 1901 in Prag
hingerichtet am 27. Juni 1950 in Prag

tschechoslowakische Widerstandskämpferin, Politikerin, Feministin
110. Geburtstag am 25. Dezember 2011


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Milada Horáková soll eine absolut bewunderungswürdige Frau gewesen sein: hoch intelligent, von hohen Grundsätzen geleitet und sehr verantwortungsbewußt. Ihre Haltung, ihre Menschlichkeit und ihr Eintreten für Demokratie wurden ihr zum Verhängnis. 1950 wurde sie von der Kommunistischen Partei in einem Schauprozeß stalinistischer Prägung zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Milada wuchs in einem aufgeklärten Elternhaus auf, genoß eine ausgezeichnete Schulbildung, absolvierte ein Jusstudium und wurde zur Dr. jur. promoviert. Anschließend war sie in der Stadtverwaltung von Prag tätig, arbeitete in den Ressorts Sozialwesen, Wohnungsbau und Arbeit. 1927 heiratete sie den Agraringenieur Bohuslav Horák, 1933 kam ihre Tochter Jana zur Welt.

Früh engagierte sich Milada für die tschechische Frauenbewegung, sie gehörte in den dreißiger Jahren zu den wichtigsten Aktivistinnen des Nationalen Frauenrats. Sie forderte Gleichberechtigung von Mann und Frau und trat für das Recht auf Berufstätigkeit von Frauen ein. Der nette Bohuslav unterstützte sie voll in ihren Bestrebungen. Sie bereiste halb Europa, um sich über die Frauenfrage zu informieren. Sie war Mitglied der Sozialistischen Partei. Die Bekanntschaft mit dem Präsidenten Masaryk verstärkte ihr Interesse an Politik. Die tschechoslowakische Republik hatte sowohl gegen kommunistische Attacken zu kämpfen als auch gegen den sich unter Henlein ausbreitenden Nationalsozialismus. Mit wachsendem Entsetzen verfolgte Milada Horáková Hitlers aggressive Politik und nach dem Münchner Abkommen, in dem die Tschechslowakei Hitler praktisch ausgeliefert wurde, ging Milada in den Widerstand. Sie verhalf EmigrantInnen zur Flucht, versteckte politisch Verfolgte, arbeitete mit Hilfe von Flugblättern für politische Aufklärung. Bald wurden sie und ihr Mann von der Gestapo verhaftet, stundenlangen Verhören, Quälereien und Foltern ausgesetzt, ohne daß sie ihre GesinnungsgenossInnen verraten hätte. Zwei Jahre war sie in der Gefängnisfestung Terezín eingekerkert, dann mußte sie Zwangsarbeit in einer unterirdischen Munitionsfabrik in Leipzig leisten, schließlich kam sie ins Frauengefängnis nach Aichach bei München, wurde zum Tode verurteilt, auf acht Jahre Gefängnis begnadigt und 1945 von den Amerikanern befreit.

Zurück in Prag, nahm sie ihre politische Arbeit sofort wieder auf. Ihrer Meinung nach konnte nur ein politischer Pluralismus die Freiheit der Gesamtheit, der Minderheiten und der Individuen gewährleisten. Im Geiste von Masaryk und Benes arbeitete sie wieder in der Sozialistischen Partei, war in der Frauenbewegung tätig und wurde Mitglied des Prager Parlaments. Alle Bemühungen, in der Tschechoslowakei wieder eine Demokratie aufzubauen, wurden durch den Sowjetkommunismus zunichte gemacht. Und wieder ging Horáková in den Widerstand gegen ein Unrechtsregime. Die Verhaftung durch die Kommunisten ließ nicht lange auf sich warten. Sie wurde der antisowjetischen Konspiration bezichtigt und wegen Hochverrats, Spionage und umstürzlerischen Verhaltens vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Protesttelegramme aus aller Welt, darunter die von Einstein, Bertrand Russell, Churchill und Eleanor Roosevelt,  bewirkten nichts. Das Todesurteil wurde am 27. Juni 1950 in Prag vollstreckt.

Sibylle Duda

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Zitate

“Bedauert mich nicht! Ich hatte ein wunderbares Leben. Ich akzeptiere meine Verurteilung mit Resignation und unterwerfe mich voll Demut. Mein Bewußtsein ist klar und ich hoffe, glaube und bete darum, vor dem Hohen Gericht Gottes bestehen zu können.” (Letzter Brief Miladas an ihre Familie)

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Literatur & Quellen

Dvoráková, Zora. 1991. Milada Horáková. Prag.

Iggers, Wilma A. 1995. Women of Prague: Ethnic Diversity and Social Change from the Eighteenth Century to the Present. Providence, RI. Berghahn.

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Hedwig Dohm